Am letzten Märzwochenende macht die Algarve deutlich, wie sehr sie einerseits auf Umweltschutz, andererseits aber auch auf Radwander-, Natur- und Boots-Tourismus zielt.

Die Bevölkerung der Südküste Portugals ist am 25. und 26. März gebeten, beim Säubern des Ecovia-Wegs zwischen Cabo de São Vicente im Westen und Vila Real de Santo António im Osten mitzuhelfen. Aufgerufen dazu haben vor allem der portugiesische Radfahrer-Verband FPCUB und der Algarve-Städtetag AMAL. Interessierte können sich auf der Website der Organisation anmelden. Die 200 Kilometer lange Strecke ist auch als Küsten-Radfahrweg Eurovelo 1 bekannt.

Radfahren Eurovelo

Aktion für Sauberkeit und Umweltbewusstsein rund ums Radfahren an der Algarve. Veranstalter ist die portugiesische Radfahrer-Vereinigung FPCU

Schon am Donnerstag startet in der Arena von Portimão die dreitägige Ausstellung Mar Algarve 2017. Dort tritt einen Tag später auch Ministerin Ana Paula Vitorino auf, zuständig für maritime und Fischerei-Fragen. Beobachter rechnen damit, dass Vitorino sich mit Umweltschützern konfrontiert sehen wird, die gegen das Projekt von Öl-Erkundungsbohrungen vor der Alentejo-Küste protestieren. Eine Demonstration ist für 11 Uhr angekündigt. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa hatte am vergangenen Wochenende in Faro auf einer Algfuturo-Veranstaltung für eine „wirtschaftliche Exzellenz der Algarve“ sinngemäß geäußert, er glaube, dass es schneller gehen würde, zum Mond zu fliegen, als Öl vor der Alentejo-Küste zu finden.

 

Ministerin bringt zur „Mar Algarve“ Neuigkeiten mit nach Portimão

 

Das für maritime Fragen zuständige Lissaboner Kabinettsmitglied Vitorino hatte bei einer Präsentation in den USA von einem Vorkommen von vermutlich rund 679 Millionen Barrel Öl in der Tiefsee nordwestlich der vom Tourismus und Fischfang lebenden Region Aljezur gesprochen. Es gelte, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass das Projekt sicher sei. Die vier Umweltgruppen MALP, Preservar Aljezur, Stop Petróleo Vila do Bispo und Tavira em Transição kündigten aber bereits kollektive Protestaktionen für den Fall an, dass die Regierung nicht auf „die Stimme des Volkes“ höre und die Bohrungen vor der Alentejo-Küste stoppe.

Bei ihrem Auftritt in Portimão werde Vitorino am Freitag „Neuigkeiten mitbringen“, kündigt ein portugiesisches Medium an. Ein britisches Magazin spekuliert, dass es um „mutige neue Pläne“ gehen werde, die mit einer Ausweitung des portugiesischen Seegebiets um vier Millionen Quadratkilometer zusammenhingen. Der Besuch der Ministerin wird mit einer Präsentation des Stromkonzerns EDP zusammenfallen, bei der es um eine Ausweitung von Offshore-Windparks gehen wird.

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Portimao mit seinen Häfen an der Arade-Mündung ist Schauplatz der Mar Algarve 2017. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Die Veranstaltung Mar Algarve 2017, deren Besuch kostenlos ist, hatte in den beiden Vorjahren jeweils rund 6.000 Besucher angezogen. Diesmal soll die Ausstellungsfläche doppelt so groß werden. Ergänzt wird das normale Programm durch Workshops, Seminare und kulinarische Angebote. Dutzende von maritimen Organisationen und Institutionen sind vertreten, darunter zum Beispiel IPMA, das nationale Institut für Meer und Atmosphäre, sowie Segelvereine der Region, Hafenbehörden und Forschungseinrichtungen. Der Verband Região de Turismo do Algarve (RTA) bietet an einem neun Quadratmeter kleinen Stand Informationen und Werbematerial an.

 

Tourismus setzt verstärkt auf Sportboot- und Radfahrer sowie Wanderer

 

Wassersport-Tourismus sieht der Verband als eine wichtige Möglichkeit an, die Konzentration der Algarve-Besucher auf die Hochsaison zu vermindern und neue Gäste zu gewinnen. „Durch unsere 200 Kilometer lange Küste, das hervorragende Wetter und die gute Hafen-Infrastruktur für Sportboote bieten wir optimale Voraussetzungen für die Entwicklung des nautischen Tourismus“, sagt RTA-Präsident Desiderio Silva.  Die Teilnahme an der Mar Algarve 2017 biete die große Chance, „diese immense Ressource zu stärken und zu verbreitern“.

Die saisonalen Schwankungen in der Region möglichst auszugleichen, hatte auch der Präsident Portugals bei seinem jüngsten Auftritt von Wirtschaftsexperten der Algarve als sinnvoll bezeichnet. Allerdings hätten die meisten Touristen noch immer „nur die Hochsaison im Kopf“. Der Präsident begrüßte Initiativen, den Kultur- und Natur-Tourismus auszubauen.

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Gut ausgebaute Radwege fördern den Aktiv-Tourismus an der Algarve. Foto: European Cycling Challenge

Schon auf der jüngsten Lissaboner Tourismusmesse BTL hatte der Algarve-Tourismusverband angekündigt, in diesem Jahr den Fokus besonders auf Angebote in den Bereichen Fahrrad- und Wander-Tourismus zu legen. Die schöne Natur der Algarve müsse besser vermarktet werden, betonte RTA-Präsident Silva. Dafür würden Pressereisen organisiert und Werbematerialien erstellt.

 

Silva kündigte ein spezielles Programm für dieses Marktsegment an, das auf internationalen Messen beworben werde. Der RTA-Präsident verwies auch auf die sieben Videos des Projekts „Algarve 360º“ hin, mit denen die Schönheiten der Algarve im Netz bewundert werden könnten. Die in den Sprachen Portugiesisch, Spanisch und Englisch verfügbare App „Roteiro Cultural Algarve“ mache es möglich, die Kulturdenkmäler der Region zu erkunden.

 

„Algarve Nature Week“: Vielfalt im Wonnemonat

 

Eine der zentralen Veranstaltungen dieses Jahres zur Förderung des Natur-Tourismus wird die Algarve Nature Week  vom 5. bis 14. Mai sein. Bei der dritten Auflage des Festivals können Besucher an der gesamten Südküste Naturtourismus in vielen Formen erleben. Der Eintritt ist frei.

Algarve Nature Week

Impression von der letztjährigen Veranstaltung. Foto: Algarve Nature Week

 

8.000 Gäste werden erwartet. Diese können unter 150 Veranstaltungen im Freien wählen und vom 5. bis 7. Mai in Quatro Águas in Tavira – unweit des Fähranlegers zu den vorgelagerten Badeinseln – auf 67 lokale Aussteller treffen. Diese bieten dort von 10 bis 19 Uhr (samstags bis 20 Uhr) naturnahe Produkte vom Honig über Korkerzeugnisse bis hin zu aus Naturmaterialien gefertigten, traditionellen Kleidungsstücken der Algarve an. Schulen der Region entsenden über 500 Kinder und Jugendliche als Helfer.

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Eselreiten beim Wandern: Familienspaß an der Algarve. Foto: Pura Communications

Das umfangreiche Angebot der Algarve Nature Week ist auch für Familien attraktiv: Mehrere Wanderungen, einige von Eseln begleitet, führen zu besonders reizvollen Stellen der Küste, des hügeligen Hinterlandes und des Monchique-Gebirges.

 

Von ortskundigen Reiseführern begleitete Radtouren und Ausflüge zu Pferd gehören ebenso zum Programm wie Exkursionen zu den Brutplätzen seltener Vögel. Touren mit dem Kanu ermöglichen es, die Flüsse des Hinterlandes und die Lagunen der Algarve vom Wasser aus zu erforschen. Bootstouren führen zu den schönsten Grotten und Höhlen der Algarveküste – darunter die Höhlen von Benagil, die nur über das Meer erreichbar sind.

Andere Gruppen können Delfine und Wale in deren natürlichen Lebensräumen beobachten. Weitere Programmangebote richten sich an Sporttaucher, Surfer, Bodyboarder und Kitesurfer. Auch an die Freunde des Ballonfahrens, des Fallschirmspringens und Gleitschirmfliegens wurde gedacht.

Eine Reihe von Hotels und kleineren Unterkünften an der Algarve hält für die Besucher der Nature Week spezielle Programme zu attraktiven Preisen und interessante Packages bereit.

 

Radeln im Mai – gut auch für die Algarve-Planer

 

Ebenfalls im Mai, vom 1. bis zum 31., findet an der Algarve wieder die European Cycling Challenge statt. Unterstützt wird der Radsport-Teamwettbewerb vom Algarve-Städtetag AMAL.  Er will die Bewohner dazu bewegen, für den täglichen Weg zur Arbeit das Fahrrad zu nutzen, um die CO2-Emissionen auf den Straßen der Region reduzieren.

European Cycling Week Fahrradmietstation

Fahrrad-Mietstationen an der Algarve sollen Autofahrer zum Umstieg bewegen. Foto: European Cycling Challenge

Während der Veranstaltung im Vorjahr hatten 46.000 Radfahrer aus 52 Städten in 17 europäischen Ländern an der „Challenge“ teilgenommen und in einem Monat rund vier Millionen Kilometer zurückgelegt.  Dabei sorgt ein spielerischer Ansatz dafür, dass die Radfahrten zu einer spannenden, attraktiven Aktivität werden: Die Teilnehmer verfolgen ihre Bike-Trips mit einer kostenlosen Tracking-App fürs Smartphone, welche ihre zurückgelegten Strecken zu der Kilometersumme ihres Teams addiert. Online-Bestenlisten informieren jedes City-Team in Echtzeit über seine jeweilige Position im Wettbewerbsvergleich.

Die von den Radfahrern übermittelten GPS-Daten liefern Stadtplanern wichtige Informationen, quasi im Wege des „crowd sourcing“. Eine spezielle Software erstellt daraus so genannte heat maps, die einen genauen Blick auf das Verhalten und die tatsächlichen Bedürfnisse der Radfahrer ermöglichen. Ausgewertet werden können auf diese Weise Abfahrts- und Ziel-Orte, die durchschnittliche Fahrtdauer, mögliche Engpässe auf den Radwegen usw.

European Cycling Week Heatmap

So sah beim letzten Mal die „heat map“ der European Cycling Challenge an der Algarve aus