So beherrschen Sie das Maut-System in Portugal

Jetzt starten viele in die Sommerferien. Wer mit dem Auto in den Algarve-Urlaub fährt, sollte wissen, dass es unterwegs in Frankreich und Spanien sowie im Zielland Portugal streckenabhängige Maut-Gebühren gibt. Das ist auch in sechs weiteren Ländern Europas der Fall. Hier die wichtigsten Informationen zur Zahlung der Streckengebühren in Portugal – bei ausländischem und bei portugiesischem Kennzeichen.

Portugal setzt auf verschiedenen Streckenabschnitten, so seit 2011 an der Algarve, auch auf elektronische Bezahlsysteme. Hier wird dann nicht mit Kassenhäuschen und Personal gearbeitet, sondern mit elektronischen Überwachungsanlagen entlang der Strecke. Sie erfassen die gefahrenen Kilometer automatisch, etwa über die Signale eines zu erwerbenden Transponders. Dieses elektronische Gerät (z.B. Via Verde) nutzt elektromagnetische Wellen, um seinen Identifikationscode zu übermitteln.

 

Die wichtigsten Maut-Informationen im Überblick

 

Hinweisschild für elektronische Maut-Erhebung in Portugal
Hinweisschild auf elektronische Maut

Informationen über sein relativ kompliziertes System vermittelt der portugiesische Staat auf dieser Internetseite, allerdings nur auf Englisch, Französisch und Spanisch, nicht auf Deutsch. Nützliche Hinweise in deutscher Sprache sind in einem herunterladbaren Dokument über das portugiesische Maut-System versammelt. Weitere Tipps zum Via Verde-System gibt es auf Deutsch hier.

Die Straßen mit ausschließlich elektronisch erhobenen Gebühren sind jeweils mit einem Hinweisschild „elektronische Mautgebühr“ gekennzeichnet. Hier und an der Strecke gibt es keinerlei Möglichkeit zum Zahlen mit Bargeld.

Es existieren in Portugal aber auch noch traditionelle Maut-Stellen. Diese haben eine oder mehrere Fahrbahnen für manuelle Zahlung und zusätzlich in der Regel eine Spur für elektronische Bezahlung. Hier eine aktuelle Übersichtskarte, wo genau in Portugal es manuelle und elektronische Zahlung gibt.

 

Elektronische Maut-Zahlung bei deutschem Kennzeichen

 

Das Fahrzeug wird jeweils elektronisch identifiziert, wenn es z.B. eine Autobahn-Brücke mit den entsprechenden Messinstrumenten unterquert. An jeder dieser Stellen zeigen blau-weiße Schilder an, wie hoch die Maut-Gebühr für den Streckenabschnitt ist – unterschiedlich nach Fahrzeugklassen (siehe Beitragsbild). Die Straßenbenutzer müssen ein Zahlungssystem abonniert haben, das diese Gebühren abbucht, wenn das Fahrzeug unter der Messbrücke hindurchfährt. Solche Systeme sind etwa Easytoll, Tollcard, Tollservice oder Via Verde Visitor’s Device.

Für die 126 Kilometer lange Autobahnfahrt über die Algarve-Autobahn A22 vom spanisch-portugiesischen Grenzübergang an der Guadiana-Brücke bei Vila Real de Santo Antonio bis hin nach Lagos im Westen werden zum Beispiel 8,70 Euro Gebühr für eine normale Limousine fällig. Weitere Beispiele finden sich in dieser Übersicht.

Maut-System in Portugal nach Fahrzeugklassen
Maut wird in Portugal nach Fahrzeugklassen erhoben. Infografik: Infrastrukturministerium

Die Nichtzahlung einer solchen Autobahnnutzungsgebühr ist für portugiesische und ausländische Verkehrsteilnehmer eine Ordnungswidrigkeit. Die Geldbuße dafür liegt beim zehnfachen Satz der Maut, mindestens aber bei 25 Euro. Die Konzessions- und Maut-Unternehmer führen nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit der Polizei „wann immer es notwendig ist“ Stichprobenkontrollen durch.

 

Maut-Zahlung bei einem Mietwagen mit portugiesischem Kennzeichen

 

Bei einem Mietfahrzeug mit einem portugiesischen Kennzeichen handhabt es jede Vermieterfirma unterschiedlich, wie die Maut-Zahlungen abgewickelt werden. Fragen Sie deshalb zuvor beim Vermieter genau nach. Einen Überblick über Autovermietungsunternehmen an der Algarve gibt dieser aktuelle Blog-Beitrag des Algarve-Entdeckers.

Erkundigen Sie sich zum Beispiel, ob

  • der Vermieter die anfallende Gebühr rechtzeitig bezahlt und Ihre Kreditkarte damit später belastet
  • die Gebühren schon pauschal in den Mietpreis pro Tag eingerechnet sind
  • im Wagen ein elektronisches Mauterfassungsgerät (Transponder) installiert ist
  • die Mietwagenfirma nichts unternimmt und dem Kunden selbst das Bezahlen überlässt.
Maut-Transponder für Portugal
Macht Maut-Zahlungen in Portugal leicht – ein Transponder. Foto: Via Verde

Am einfachsten haben Sie es, wenn in das Mietfahrzeug ein elektronisches Erfassungsgerät eingebaut ist. Bei vielen Verleihern kann man den Transponder für 1,80 Euro pro Tag (max. 18,00 Euro insgesamt) plus 23 Prozent Mehrwertsteuer mieten. Dann ist an der Windschutzscheibe ein entsprechendes Gerät angebracht. Die tatsächlich angefallenen Mautgebühren belastet der Mietwagenverleiher der Kreditkarte des Mieters. Man muss sich um nichts mehr kümmern, alles läuft vollautomatisch ab. Aber kontrollieren Sie auf jeden Fall. Denn es kann im Streifall immer hilfreich sein, wenn man sich die nach Fahrzeugklasse erhobenen Mautgebühren sowie Datum und Uhrzeit notiert hat.

Ist ein solches Gerät nicht vorhanden, bleibt bei portugiesischem Kennzeichen nur noch eine einzige Möglichkeit übrig: Zahlung in bar. Sie ist frühestens zwei Tage nach Maut-Erfassung möglich und innerhalb einer Frist von fünf Tagen zu begleichen. Sie kann bei jedem portugiesischen Postamt eingezahlt werden. Achten Sie darauf, dass Sie nicht evtl. die Maut-Gebühren des Vorgängers mit übernehmen sollen und besonders, dass Sie nicht in Zahlungsverzug geraten.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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