Algarve: Warum weniger Briten kommen

Deutliche Brexit-Folgen melden die Hotels an Portugals Südküste: Im Juli nahm unter den Gästen die Zahl der Briten um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ab. Freude bereitete hingegen die wachsende Nachfrage deutscher Urlauber. Insgesamt stiegen die Umsätze des Beherbergungsgewerbes im Juli um 4,5 Prozent und seit Jahresbeginn um 8,6 Prozent. Das liegt auch am Ausgabenverhalten der Touristen aus den kaufkräftigen deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz.

Weniger Briten, mehr Deutsche in den Algarve-Hotels
Hotelgäste am Strand Praia do Vau. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Der regionale Verband AHETA rechnet damit, dass der Trend sinkenden Interesses aus Großbritannien sich noch verstärken wird. Durch Verschlechterung des Pfund-Kurses gegenüber dem Euro sei der Algarve-Urlaub für die Briten nach der Ankündigung des EU-Austritts um 15 Prozent teurer geworden, heißt es zur Begründung.

 

Briten bleiben weg, dafür kommen mehr Deutsche

 

Die Zahl deutscher Gäste in Algarve-Hotels nahm im Juli um fast 12 Prozent zu. Damit setzte sich eine Entwicklung fort, die seit Beginn der Urlaubssaison zu beobachten sei, schreibt AHETA. Nach Angaben des Verbands verminderte sich die durchschnittliche Zimmerauslastung leicht. Sie lag jedoch mit 86,5 Prozent auf hohem Niveau.

Nachfragezuwächse wurden im Juli in Portimão, Lagos und Sagres registriert – mit bis zu 1,3 Prozent. Deutliche Rückgänge von mehr als zehn Prozent verzeichneten die Hotels in Vilamoura, Quarteira, Quinta do Lago, Faro und Olhão. Im touristisch stärksten Bereich der Algarve, in Albufeira, gab es gegenüber dem Juli 2016 ein leichtes Plus.

 

Briten stellten bislang 23 Prozent aller Übernachtungen in Portugal

 

Algarve-Hotels spüren Ausbleiben von Briten als Gästen
Weniger Rückenwind: Algarve-Hoteliers haben Briten seltener als Gäste. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Gleichzeitig mit den Algarve-Hoteliers legte in Lissabon die Statistikbehörde INE ihre offizielle Auswertung für das Tourismusjahr 2016 in ganz Portugal vor. Danach blieb die Algarve mit 32 Prozent aller Übernachtungen unangefochtener Spitzenreiter. Auf Platz zwei rangiert die Hauptstadtregion Lissabon mit 24,9 Prozent. Insgesamt wurden im ganzen Land 21,3 Millionen Gäste und 59,4 Millionen Übernachtungen registriert – ein Plus von jeweils gut 11 Prozent. Die Einnahmen erhöhten sich auf 3,1 Milliarden Euro. Das sind plus 18,1 Prozent gegenüber 2015.

Am stärksten unter den in Portugal übernachtenden ausländischen Urlaubern vertreten waren 2016 die Briten (22,9 Prozent), die Deutschen (13,9 Prozent), die Franzosen (10,6 Prozent) und die Spanier (10,3 Prozent). Besonders beeindruckten die Touristen aus Frankreich, deren Übernachtungen in Portugal 2016 um ein Fünftel zunahmen. Die deutschen Gäste steigerten die Übernachtungszahl in Portugal um 11,6 Prozent. Geringere Zuwächse gab es bei den Briten und bei den Spaniern.

Hauptsächlich die spanischen und französischen Gäste sorgten dafür, dass das Auto mit 55,6 Prozent das am meisten genutzte Verkehrsmittel der ausländischen Besucher Portugals ist. Der Luftverkehrsanteil liegt bei 41 Prozent. Der Rest entfällt auf Schiffs-Passagiere.

Rund 70 der ausländischen Touristen, die 2016 nach Portugal kamen, nannten Freizeit, Erholung oder Urlaub als Reisegrund.

 

Deutsche, Schweizer und Österreicher an der Algarve – die Fakten

 

Hier die wichtigsten und interessantesten Fakten zu Urlaubern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die 2016 an der Algarve Ferien machten:

  • Die registrierten Beherbergungsbetriebe an der Algarve meldeten im vergangenen Jahr 347.600 deutsche, 51.000 schweizerische und 23.600 österreichische Gäste.
  • Deutsche Hotel-Gäste wählten zu 71 Prozent die Vier-Sterne-Klasse. Bei den Österreichern waren es 57 Prozent, bei den Schweizern 48 Prozent.
  • Gäste aus der Schweiz entschieden sich zu 37 Prozent für Luxus-Hotels der Fünf-Sterne-Kategorie. Bei den Urlaubern aus Österreich waren dies noch 31 Prozent, bei den Touristen aus Deutschland nur 19 Prozent.

    Briten seltener in Algarve-Hotels - durch Brexit
    Foto: Hans-Joachim Allgaier
  • Wer sich für ein Algarve-Hotel entschied, blieb als Deutscher für durchschnittlich 5,6 Tage dort, als Schweizer für 4,5 Tage und als Österreicher für 4,3 Tage. Die mittlere Aufenthaltsdauer in Hotels der Algarve liegt insgesamt bei 4,6 Tagen. Nur auf der Insel Madeira bleiben die Hotelgäste mit im Schnitt 5,5 Tagen länger als in allen anderen Regionen Portugals.
  • Bei den Deutschen beliebt waren an der Algarve auch Touristen-Apartments (45.400), Resorts (31.400) und amtlich registrierte örtliche Unterkünfte (24.290).
  • Auf den Campingplätzen der Algarve zählten die Mitarbeiter 36.330 Deutsche, 6.010 Schweizer und 1.920 Österreicher.
  • Ferienlager und Jugendherbergen zogen 2016 an der Algarve 2.900 Deutsche, 265 Schweizer und 281 Österreicher an.

Wie das Jahr 2016 in der amtlichen Statistik bewertet worden war, hatten wir in diesem Beitrag von „Algarve für Entdecker“ berichtet.

In Kürze werden wir Sie über das spezifische Profil der deutschen Algarve-Touristen informieren. Was den Urlauber an der Südküste Portugals im Allgemeinen auszeichnet, haben wir bereits in diesem Bericht erläutert.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

3 Gedanken zu „Algarve: Warum weniger Briten kommen

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