Algarve-Urlaub: So anders ticken Deutsche

Deutsche sind an der Algarve im Kommen. Das zeigt sich auch an den Übernachtungszahlen, welche die Hotellerie jetzt für den Monat Juli vorlegte (wir berichteten). „Algarve für Entdecker“ hat eine Tourismus-Wissenschaftlerin gefragt: Wie unterscheiden sich deutsche Touristen von den anderen an Portugals Südküste? Hier unser Interview mit Prof. Antónia Correia von der Wirtschaftsfakultät der Algarve-Universität in Faro.

Deutsche in Carvoeiro an der Algarve
Carvoeiros Klippen ziehen an der Algarve viele Deutsche an. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Frage: Sie haben im April zusammen mit Ihrem Kollegen Paulo Águas eine aktuelle Studie über das Profil der Algarve-Touristen vorgestellt. Der Verband „Região de Turismo do Algarve“ (RTA) war der Auftraggeber. Wir haben über die Ergebnisse ausführlich berichtet. Lassen Sie uns heute speziell einmal nur auf die Deutschen schauen. Wie anders sind die?

Correia: Generell gilt ja: Deutsche Touristen lieben es zu reisen. Rund zwei Drittel der Bevölkerung verbringen Ferien im Ausland. Die Deutschen finden die Algarve übrigens gar nicht schlecht (lacht). 98 Prozent äußern sich zufrieden und 53 Prozent haben die Absicht wiederzukommen. 38 Prozent bedienen sich der sozialen Medien, um Informationen über die Algarve zu teilen. Das zeigt, dass es eine emotionale Beziehung zur Algarve gibt. Für 13 Prozent der deutschen Touristen begann sie schon in den neunziger Jahren.

Frage: Haben Ihnen die Deutschen auch Kritikpunkte genannt?

Correia: Ja, sicher. Einige Faktoren, die deutsche Urlauber nicht so sehr mögen, sind der Verkehr und die Mengen von Leuten an bestimmten Orten. Außerdem sagen einige, sie wollten gerne sportliche Aktivitäten unternehmen, seien dazu aber nicht in der Lage, weil die Aktivitäten bereits ausgebucht seien.

Frage: Worin unterscheiden sich die deutschen Algarve-Urlauber am stärksten von den anderen Ausländern?

 

Deutsche lieben die Natur, nicht das Bad in der Menge

 

Deutsche Touristen als Forschungsthema der Universität der Algarve
Professorin Antonia Correia. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Correia: Die Deutschen bevorzugen die Natur, das Surfen und andere Sportarten. Die meisten anderen Touristen hingegen wollen eher Sonne, Strand und Party-Vergnügen. Deshalb meiden die Deutschen gern Orte, wohin viele andere gehen. Üblicherweise entscheiden sie sich zu 17 Prozent für Lagos, zu acht Prozent für Tavira und zu sieben Prozent für Vila do Bispo. Das sind jeweils Gemeinden, die für ihre Natur und ihre Sportmöglichkeiten bekannt sind.

Frage: Und wie sieht es bei der Wahl der Unterkünfte aus?

Correia: Die meisten Algarve-Touristen mieten sich eine Ferienwohnung. Auffällig viele deutsche Urlauber hingegen übernachten lieber in Hotels. Das sind allein 63 Prozent. Neun Prozent bevorzugen Campingparks. Nur 37 Prozent und damit ein vergleichsweise geringer Anteil mietet eine Ferienwohnung und 17 Prozent ein Ferienhaus. Die Deutschen mögen es mehr als andere, sich ausruhen zu können. Manchmal machen sie Gesundheitsurlaub hier. Sie entscheiden sich in der Regel für Halbpension oder das All-Inclusive-System.

 

Deutsche zeigen sich entspannt und glücklich

 

Frage: Verhalten sich die Deutschen auch noch auf anderen Feldern anders als die Touristen aus anderen Staaten?

Deutsche Algarve-Touristen Thema einer Studie
Wo andere Nationalitäten zuhauf sind, halten Deutsche sich eher zurück. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Correia: Ihre Nähe zur Algarve ist jedenfalls mehr als offensichtlich. Die Deutschen zeigen sich im Urlaub hier zufrieden, ruhig, entspannt und glücklich. Es hat wohl mit der deutschen Kultur und Tradition zu tun, dass sie sehr nüchtern eher die greifbaren Vorteile herausstellen wie Qualität der Strände, Ausgeglichenheit des Klimas, Güte des gastronomischen Angebots. Die anderen befragten Touristen haben mehr über ihre Emotionen berichtet, haben davon gesprochen, wie romatisch sie es hier finden, wie sie Farben, Geschmack, Gerüche und Klänge an der Algarve lieben.

Frage: Gibt es auch bei der Aufenthaltsdauer Unterschiede zwischen den Deutschen und den anderen Algarve-Urlaubern?

Correia: Die Deutschen bleiben im Durchschnitt zwei bis drei Tage länger als die anderen – im Durchschnitt 11 Tage. Gleichzeitig geben sie mit 115 Euro pro Urlaubstag etwas weniger aus als die Algarve-Touristen mit 129 Euro im Durchschnitt. Deutsche sind auch zurückhaltender, wenn es um das Teilen von Urlaubs-Bildern und -Texten in sozialen Netzwerken geht.

Frage: Wie sollte sich die Tourismusbranche der Algarve auf die Besonderheiten der deutschen Gäste einstellen?

 

Mehr für deutsche Surfer und Camper tun

 

Correia: Sie sollte sich an die Vorlieben dieser wichtigen Zielgruppe anpassen. Zum Beispiel sollten die Infrastruktur für Surfer verbessert werden und auch schönere Parks für Wohnmobile und Caravans geschaffen werden. Das sind nur einige der wichtigsten Prioritäten mit Blick auf die Zielgruppe deutsche Urlauber.

 

Informationen zur Studie über Algarve-Touristen

 

Das Team von Prof. Antónia Correia und ihrem Kollegen Paulo Águas hatte mehr als 4.200 Personen befragt. Diese waren im vergangenen Jahr entweder in der Hochsaison von Juli bis August oder in der Nebensaison von September bis Oktober an die Algarve gereist. Ziel der Studie war es, Eigenschaften, Vorlieben und Verhalten von Algarve-Urlaubern besser verstehen zu können. Die Autoren der Studie unterscheiden zwischen „traditionellen“ Urlaubern (55 Prozent) und solchen, die entweder in einer eigenen oder der Familie gehörenden Immobilie Ferien machen oder eine private Unterkunft mieten (47 Prozent).

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications – Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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