So hilft der deutsche Honorarkonsul

Der neue deutsche Honorarkonsul für das Gebiet Algarve und Alentejo ist am 3. Oktober 2017 ein halbes Jahr im Amt. Welche Erfahrungen hat Dr. Alexander Rathenau (40) in seiner Tätigkeit bisher gemacht? In welchen Fällen kann er eingeschaltet werden und wann ist keine Unterstützung möglich? Das klärten wir in einem Interview im Honorarkonsulat in Lagos an der Westalgarve. Adresse und Kontaktkoordinaten finden Sie am Ende des Beitrags.

Frage: Sie sind für Urlauber und Residenten da, welche die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Wie viele Deutsche leben eigentlich dauerhaft an der Algarve und im Alentejo?

Honorarkonsul Dr. Alexander Rathenau zuständig für Algarve und Alentejo
Zeigt seinen Zuständigkeitsbereich auf der Portugal-Landkarte an: Honorarkonsul Dr. Alexander Rathenau. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Rathenau: Da liegen mir keine offiziellen Zahlen vor. Ich schätze aber, dass es rund 9.000 Deutsche sind, die im Süden Portugals, das heißt unterhalb des Flusses Tejo, permanent leben.

Frage: Klären Sie uns bitte auf – was ist ein Honorarkonsul eigentlich?

Rathenau: Ein Honorarkonsul vertritt die Bundesrepublik Deutschland. Seine Tätigkeit ist ehrenamtlich. Er wird dafür nicht bezahlt. Das Gesetz bezeichnet ihn als Ehrenbeamten. Allerdings hat er keinen Anspruch auf Ruhestandsbezüge. Als Honorarkonsul genießt man konsularischen Schutz.

Frage: Was bedeutet dies – konsularischen Schutz zu haben?

Rathenau: Der portugiesische Staat darf zum Beispiel unsere Konsulatsräume nicht durchsuchen. Die Behörden dürfen mich zudem nicht daran hindern, deutsche Staatsangehörige aufzusuchen, etwa nach einem Unfall oder einer Festnahme.

Aber wenn ich außerhalb meiner dienstlichen Tätigkeit mit dem Auto eine Geschwindigkeits-Begrenzung überschreiten oder falsch parken würde, müsste ich selbstverständlich die Geldbuße bezahlen. Dafür schützt einen der Status als Honorarkonsul nicht. Der Honorarkonsul ist kein Diplomat im engeren Sinne, wie etwa der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland.

 

Honorarkonsul: Das sind seine wichtigsten Tätigkeiten

 

Frage: Welches sind die wichtigsten Tätigkeitsfelder eines Honorarkonsuls?

Rathenau: Ich leiste Hilfe in Notfällen, nehme Passanträge entgegen und beglaubige Unterschriften. Außerdem fördere ich die deutsch-portugiesischen Beziehungen in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.

Frage: Welche Tätigkeit nimmt bei Ihnen die meiste Zeit in Anspruch?

Honorarkonsul Dr. Alexander Rathenau vor Kunstwerk an der Algarve
Kunst im Konsulat: Honorarkonsul Dr. Alexander Rathenau zeigt sich kulturverbunden. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Rathenau: Das sind die Hilfefälle, also wenn jemand unverschuldet in eine Situation geraten ist, in der er sich selbst nicht helfen kann. Das Gesetz steckt hier enge Grenzen. Ich kann grundsätzlich nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Der Honorarkonsul muss zunächst prüfen, ob nicht Familie, Freunde oder Bekannte eines Betroffenen für ihn eintreten können, zum Beispiel finanziell. Das betrifft sogar Kleinbeträge. Meine Erfahrung ist, dass meistens keine echten Fälle von Hilfsbedürftigkeit vorliegen. Auch diese Fälle, die in Wahrheit keine Hilfefälle sind, sind in der Regel zeitintensiv. Denn immer müssen die Umstände genau geprüft werden.

Frage: Können Sie uns ein Beispiel nennen, wo Sie Hilfe ablehnen mussten?

Rathenau: Zu mir kam ein Deutscher, der dringend und schnell 1.500 Euro haben wollte. Mit dem Geld wollte er in die Schweiz reisen, um sein dort zugelassenes Auto zu verkaufen und mit dem Geld ein neues Leben anzufangen. Da konnte ich nicht helfen. Denn der Mann hatte vorher hier in Portugal gearbeitet, plötzliche seinen Job verloren und wollte nicht zum hiesigen Arbeitsamt gehen, weil er sich dafür hier hätte offiziell anmelden müssen. So etwas ist dann kein Hilfefall für einen Honorarkonsul. Auch nicht, wenn jemand mit nur ein paar Euros in der Tasche nach Portugal kommt und dabei scheitert, hier einen Job zu finden.

Frage: Wenn es also nur in seltenen Fällen finanzielle Hilfe gibt beim Honorarkonsul, was sind dann die anderen Möglichkeiten der Unterstützung?

Rathenau: Ich helfe zum Beispiel bei der Suche nach Verwandten, bei der Kontaktaufnahme und der Vermittlung zwischen Betroffenen und den portugiesischen Behörden – etwa Polizei oder Ausländerbehörde – oder besuche Unfallopfer im Krankenhaus und sorge dafür, dass die Angehörigen oder Anwälte über die Situation informiert werden.

 

Honorarkonsul rät zur Vorsicht vor Diebstahl von Reisedokumenten

 

Frage: Kommen wir zur Ausstellung von Reisedokumenten. Was kann ich da vom Honorarkonsul erhoffen?

Rathenau: Während der Urlaubszeit nimmt der Diebstahl von Ausweisen zu. Ich rate vor allem Mietwagen-Nutzern, niemals Pässe und Personalausweise oder Wertsachen unbeaufsichtigt im Auto liegen zu lassen – nicht einmal für ein paar Sekunden. Sind reisenotwendige Dokumente abhandengekommen, kann ich bei der Beschaffung vorläufiger Reisedokumente oder eines neuen Passes helfen. Ich nehme dann hier die Fingerabdrücke ab und leite den Antrag über die deutsche Botschaft in Lissabon weiter.

Frage: Sie sprachen auch von der Beglaubigung von Unterschriften, die sie vornehmen können. Wann benötige ich denn eine solche?

Rathenau: Ich stelle fest, dass die erschienene Person sich ausgewiesen und die vorliegende Unterschrift geleistet hat. Das ist eine Beglaubigung nach deutschem Recht und zu unterscheiden von Beurkundungen. Letztere darf im deutschen Recht grundsätzlich nur ein Notar durchführen. Dank einer besonderen Ermächtigung durch das Auswärtige Amt in Berlin darf ich als Honorarkonsul aber zum Beispiel die Zustimmungserklärung von Müttern zu einer Vaterschaftsanerkennung beurkunden. Unterschriftenbeglaubigen nach deutschem Recht darf ich in verschiedenen Fällen vornehmen, zum Beispiel bei Vollmachten, Genehmigungserklärungen, Anträgen auf Ausstellung eines Führungszeugnisses oder bei Ausschlagung einer Erbschaft. Der Vorteil ist: Deutsche, die sich an der Algarve und im Alentejo aufhalten, brauchen zur Unterschrift nicht nach Deutschland zu reisen, sondern können sie im Honorarkonsulat in Lagos leisten.

 

Strikte Trennung: Honorarkonsul und Rechtsanwalt

 

Honorarkonsul für Algarve und Alentejo mit Sitz in Lagos
Weist den Weg zum Honorarkonsulat in Lagos: Hinweisschild. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Frage: Sie sind seit 2007 auch als Rechtsanwalt in Lagos tätig. Kann das nicht mit der Aufgabe als Honorarkonsul kollidieren?

Rathenau: Nein, beides ist strikt getrennt. Sobald meine beiden Mitarbeiterinnen erkennen, dass jemand anwaltliche Unterstützung benötigt, sind sie angewiesen, ihm eine Liste deutschsprachiger Rechtsanwälte auszuhändigen. Ich möchte so verhindern, dass auch nur der Anschein entstünde, ich wolle über das Honorarkonsulat an irgendwelche Mandate in der Rechtsberatung gelangen.

Frage: Wie fördert der deutsche Honorarkonsul in Lagos die deutsch-portugiesischen Beziehungen?

Rathenau: Jedes Jahr veranstalten wir zum Beispiel mit Unterstützung der Botschaft einen deutschen Kabarett-Abend. Kürzlich habe ich zu einem Violinkonzert eingeladen. Musik verbindet. Ich mache so etwas sehr gerne. So gesehen bin ich auch Event-Manager, der alles von Null auf vorbereitet. Das dauert oft Monate.

Frage: Wie viel Zeit setzen Sie für die ehrenamtliche Tätigkeit als Honorarkonsul ein?

Rathenau: Das sind in der Woche so fünf bis acht Stunden, manchmal auch mehr, je nachdem, ob Tätigkeiten anfallen, die meine beiden Konsulatsmitarbeiterinnen nicht selbst bewerkstelligen können. Auch am Wochenende bin ich in Notfällen aktiv.

Frage: Die Tätigkeit als Honorarkonsul kostet Sie Zeit, bringt aber kein Geld ein. Warum machen Sie das?

Rathenau: Weil es mir einfach Freude macht. Deshalb habe ich das Angebot des deutschen Botschafters gern angenommen, als er mich gefragt hat. Meine Tätigkeit als Rechtsanwalt kann ich so organisieren, dass ich alles gut schaffe.

 

Zur Person: Honorarkonsul Dr. Alexander Rathenau

 

Honorarkonsul Dr. Alexander Rathenau mit Kaberettist Dieter Nuhr
Nicht Nu(h)r Kabarett: Honorarkonsul Dr. Alexander Rathenau fördert mit unterschiedlichen Veranstaltungen die deutsch-portugiesischen Beziehungen. Hier mit Kabarettist Dieter Nuhr. Foto: Alexander Hammer

Der 1977 in Stuttgart Geborene kam mit seinen Eltern schon 1982 an die West-Algarve. Dort, am wilden Atlantik, gab es im Dorf weder Strom noch fließendes Wasser, erinnert er sich. Neun Jahre lang besuchte er die internationale Schule in Porches (Kreis Lagoa), das Abitur machte er aber am staatlichen Gymnasium in Lagos.

Der begeisterte Mountainbike-Fahrer, Jogger und Angler begann sein Jura-Studium in Coimbra und setzte es an der Universität Trier fort. Dort gibt es auch eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung. Rathenau promovierte 2007 zum Doktor der Rechte – mit der Note summa cum laude.

2008 eröffnete er seine Kanzlei in Lagos und erwarb 2011 zusätzlich die portugiesische Rechtsanwaltszulassung als „Advogado“. Besonders erfahren ist Rathenau im Immobilienrecht. Seit dem 3. April 2017 arbeitet er in einem getrennten Büro auf der selben Etage seiner Kanzlei in Lagos als Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland.

 

Honorarkonsulat der Bundesrepublik Deutschland für Algarve und Alentejo

 

Bezirke: Beja, Faro, Évora, Portalegre, Setúbal

Öffnungszeiten montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr, Termine nach telefonischer Vereinbarung

Rua António Crisógono dos Santos, No. 29, Bl. 3, Esc. 1

8600-678 Lagos

Telefon und Fax: +351 282 799 668

E-Mail: lagos@hk-diplo.de

GPS: 37.105023, -8.674912

www.lissabon.diplo.de

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications – Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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