Portugals Süden mit Elektromobilität auf dem Weg zur smarten Region

In den kommenden Sommermonaten sollen in allen 16 Kreisstädten der Algarve jeweils zwei Schnell-Ladestationen für Elektroautos installiert werden. Ein entsprechendes Protokoll ist zum Auftakt eines hochkarätig besetzten “Smart Region Summit” am 18. Mai in Portimão unterzeichnet worden. Die 32 Elektro-„Tankstellen“ ergänzen die bereits vorhandenen Ladestationen und  werden von der portugiesischen Agentur Mobie.E eingerichtet. Neben ihr gehören der Städtetag der Algarve (AMAL) sowie die Organisationen Turismo de Portugal und ARAC (Industrieverband der Autovermieter) zu den Unterzeichnern der Vereinbarung. AMAL-Sekretär Miguel Freitas bezifferte im Jornal 2 des portugiesischen Fernsehsenders RTP die anstehenden Gesamtinvestitionen für mehr Elektromobilität und verbesserten öffentlichen Personenverkehr auf 25 Millionen Euro.

Portugals Staatssekretärin für Tourismus, Ana Godinho, erläutert Pläne für mehr Elektromobilität an der Algarve

Tourismus-Staatssekretärin Ana Godinho mit Pressevertretern beim Smart Region Summit in Portimao. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Wie Tourismus-Staatssekretärin Ana Godinho sagte, soll das Pilotprojekt die Südküste Portugals als „in der Welt führende Region mit umweltfreundlicher Mobilität“ positionieren. Nachhaltigkeit im Tourismus sei für die Zukunft ein entscheidender Faktor, betonte sie.

Elektroautos nutzen bereits Stadtverwaltungen an der Algarve wie hier in Sao Bras de Alportel

Tankt bereits Strom: Dienstwagen der Stadtverwaltung von Sao Bras de Alportel an der Algarve. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Ihr Staatssekretärs-Kollege aus dem Umwelt-Ressort, José Mendes, berichtete, mit dem verstärkten Engagement für Elektromobilität wolle Portugal die Kohlendioxid-Emissionen im ganzen Land bis 2020 um 14 Prozent und bis 2030 um 26 Prozent vermindern. Auch an der Algarve werde sehr schnell ein großes und dichtes Netz von Ladestation die Lebensqualität verbessern helfen, betonte Mendes. Er stellte in Aussicht, dass ein wachsender Anteil des Stroms für den Verkehr aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werde. Die portugiesische Organisation ZERO forderte am gleichen Tag dazu auf, dass sich Unternehmen stärker für elektrische Nutzfahrzeuge wie Lieferwagen oder Pick-ups entscheiden sollen, damit der Kohlendioxid-Ausstoß dieses Verkehrs weiter gesenkt werden könne.

Auf dem zweitägigen Treffen im Autodromo von Portimão beschäftigten sich führende Experten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung mit künftiger Mobilität im Zeitalter der digitalen Transformation. Im Konferenzbereich über der Boxengasse der Autorennstrecke Autodromo diskutierten sie, wie neuste Technologien aus den Bereichen Digitalisierung und Mobilität in den Dienst von Regionen und Städten gestellt werden können.

Smart Region Summit 2017 der Algarve, Protokoll über Elektromobilität

Bürgermeisterin Isilda Gomes aus Portimao unterzeichnet als Gastgeberin des Smart Region Summit die Vereinbarung über Elektromobilität. Foto: Hans-Joachim Allgaier

15 Vorträge von Forschern, Unternehmern und Interessensvertretern aus Politik und Verbänden standen auf dem Programm der zweitägigen Veranstaltung. Sie war auch mit einer Ausstellung verbunden, auf der 60 Institutionen, Organisationen und Unternehmen ihre Angebote zeigten. Vertreten auf der 15.000 Quadratmeter großen Fläche waren zum Beispiel sowohl Start-ups und Forschungszentren wie die Universität der Algarve als auch moderne Elektrofahrzeuge von Herstellern wie VW und BMW.

BMWi3 auf Smart Region Summit in Portimao, Algarve

Ausgestellt auf dem Smart Region Summit der Algarve in Portimao: BMW i3. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Eröffnet wurde das Gipfeltreffen zum Thema intelligente Region am Donnerstagmorgen mit Reden von Vertretern kommunaler und regionaler Einrichtungen. Ab mittags stand das Thema Elektromobilität auf der Tagesordnung. Zu den Teilnehmern sprach beispielsweise der Siemens-Repräsentant für den Bereich Mobilität in Portugal, Herbert Seelmann. Der deutsche Konzern arbeitet mit dem portugiesischen Unternehmen Caetano bei der Produktion von Elektrobussen zusammen. Für BMW hielt Rui Bica, Koordinator für das BMWi-Projekt in Portugal, einen Hauptvortrag.

Nachmittags wurde der öffentliche Personenverkehr in den Mittelpunkt gestellt. Den Hauptvortrag hielt Thierry Durand, der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe der französischen Stadt Toulon. Später sprach auch Portugals Planungs- und Infrastrukturminister Pedro Marques.

 

Von der Smart City São Paulo lernen?

 

Elektrofahrräder standen im Publikumsinteresse auf dem Smart Region Summit der Algarve

Viele Jugendliche aus Schulen der Algarve ließen sich auf dem Smart Region Summit Elektrofahrräder vorführen, die man mieten kann. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Am Freitag, 19. Mai, ging es beim Smart Region Summit zunächst vor allem um die Herausforderungen der digitalen Transformation. Hauptredner war der portugiesische EU-Parlamentsabgeordnete Carlos Zorrinho von der Partido Socialista (PS). Am Beispiel der brasilianischen Millionenstadt São Paulo erfuhren die Gipfelteilnehmer Konkretes über Chancen und Risiken einer “Smart City”. Portugals Industrie-Staatssekretär João Vasconcelos trug seine Sicht der Digitalisierung der portugiesischen Wirtschaft vor.

KIA war Aussteller auf dem Smart Region Summit 2017 der Algarve in Portimao

Auch asiatische Hersteller präsentierten auf dem Smart Region Summit der Algarve ihre Elektroautos. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Ab mittags widmete sich die Veranstaltung neuen Formen der Mobilität. Hierbei ging es unter anderem um die massenhafte Sammlung und Analyse digitaler Daten und ihre Nutzung zum Beispiel für intelligentes Ticketing.

Abgeschlossen wurde der Gipfel am Nachmittag mit der Vorstellung neuer Innovations- und Organisationsformen für den Einsatz digitaler Lösungen bei der Verbesserung von Mobilität und Nachhaltigkeit. Auch ein Vertreter von Google Portugal gehörte zu den Vortragenden.

 

Der Tourismus bevorzugt die sanfte Mobilität

 

Smart Region Summit 2017 der Algarve mit Tourismus-Staatssekretärin Godinho und RTA-Verbandspräsident Silva

Fördern nachhaltigen Algarve-Tourismus: Staatssekretärin Ana Godinho und RTA-Präsident Desiderio Silva. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Die regionale Tourismus-Organisation Região Turismo do Algarve (RTA) präsentierte auf der zweitägigen Veranstaltung im Autodromo neue Wege sanfter Mobilität und stellte in diesem Zusammenhang ihre neuen Routen-Übersichten für Radfahrer und Wanderer vor. Organisator des Smart Region Summit waren der Städtetag AMAL und die Comissão de Coordenação e Desenvolvimento Regional (CCDR) der Algarve. Weitere Informationen zum Smart Region Summit sind auf diesen Webseiten zu finden:

www.nextmov.pt

www.smartregion.pt

Starke Resonanz des Smart Region Summit 2017 der Algarve auf dem Autodromo Portimao

Auf riesiges Interesse stieß der Smart Region Summit 2017 der Algarve auf dem Autodromo in Portimao. Mehr als 250 Gäste erlebten die Konferenz mit. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Wechsel in Redaktionsleitung: Muito obrigado, Alexander! Felicidades!

Alexander Kroll, der Gründer dieses Blogs „Algarve für Entdecker“, und ich sind ehemalige Berufskollegen aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Lufthansa. Er wirkte vorwiegend im Eventmanagement am Drehkreuz in Frankfurt am Main, ich kümmerte mich in der Hauptverwaltung in Köln ums Corporate Publishing. Das war in den achtziger Jahren. Später trennten sich unsere beruflichen Wege; wir verloren uns aus den Augen.

Alexander Kroll im Museum Barberini in Potsdam

Ruhig, nachdenklich, interessiert und intensiv beobachtend: Alexander Kroll, hier beim gemeinsamen Besuch der Impressionisten-Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Im Sommer 2016 gab es dann für mich eine ebenso freudige wie angenehme Überraschung: Alexander hatte sich an meine publizistische Fährte geheftet und mich als Autor der Deutschen Welle aufgespürt. Er nahm Kontakt mit mir auf. Wir stellten zwei interessante Dinge fest: Erstens sind wir uns sogar geografisch sehr nahe – er lebt in Berlin, mein Wohnsitz ist Potsdam, wo ich lange für das Hasso-Plattner-Institut tätig war. Und zweitens hatten wir uns unabhängig voneinander zur gleichen Zeit – Anfang der achtziger Jahre – in dieselbe verliebt, in die Algarve! Und keiner hatte das dem anderen bislang ausgeplaudert… Beide waren wir seitdem einfach nicht mehr von der bezaubernden portugiesischen Südküste losgekommen.

 

Zur gleichen Zeit in dieselbe verliebt

 

Alexander lud mich herzlich ein, als Algarve-Liebhaber Beiträge zu seinem nichtkommerziellen Blog beizusteuern. Damit legte ich gerne los, machte somit meine ersten Geh-Versuche als „Blogger“ und in der Funktion eines Blog-Administrators. Vergangenen Oktober traf sich Alexander mit mir in Portimão, wo ich mich phasenweise aufhalte, und verdeutlichte das, was er schon beim allerersten Telefonkontakt angedeutet hatte: Er könne aufgrund gesundheitlicher Handicaps den Blog wohl nur noch für kurze Zeit steuern. Auch sei der Kreis an weiteren Mitwirkenden aufgrund jeweils außergewöhnlicher Umstände derzeit sehr klein geworden.

In dieser Situation fragte mich Alexander, ob ich künftig nicht nur weiterhin Text- und Bild-Beiträge liefern könne, sondern von ihm bald auch die Redaktionsleitung zu übernehmen bereit sei. Diese Frage habe ich nach reiflichem Überlegen und Abwägen meiner Möglichkeiten mit ja beantwortet. Wir beide führten dann zahlreiche längere Gespräche, in denen wir die erfolgreiche Entwicklung des Blogs seit 2013 erörterten, und tauschten Gedankenskizzen über wünschenswerte und machbare nächste Schritte aus. Auf der ITB in Berlin stellte mich Alexander im März 2017 als seinen designierten Nachfolger vor.

 

Uns beseelt dieselbe Liebe zur Algarve

 

Blick von Ferragudo auf den Algarve-Hafen von Portimao

Fernblick auf den Hafen von Portimao, wo Alex‘ Herz in den achtziger Jahren an der Algarve festmachte. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Festzuhalten bleibt: Uns beseelt dieselbe Liebe zur Algarve und wir möchten beide, dass auch künftig möglichst viele Menschen sie mit uns teilen. Vor allem geht es darum, die bewundernswerte Vielfalt der südwestlichsten Region Kontinentaleuropas unmittelbar erlebbar zu machen, uns positiv von herkömmlichen Reiseführern und Webseiten abzuheben, die allzu oft nur das Vordergründige, Offensichtliche oder Klischeehafte ansprechen. Doch die Algarve hat auch viele versteckte kulturelle Schätze und anmutige Attraktionen. Wegen der liebenswerten portugiesischen Bescheidenheit blieben diese oft im Hintergrund, wenn wir sie nicht mit einem zweiten oder dritten Blick erfassbar machten und die intensivere Beschäftigung mit dem gesamten Umfeld in Portugal und dessen Süden ermöglichten.

Deshalb ist und bleibt dies die Ambition des Blogs „Algarve für Entdecker“. So habe ich es Alexander versprochen und so werde ich es umsetzen – sicher mit meiner eigenen journalistischen Handschrift, aber ganz im Sinne des Gründers. Ich bin Alexander sehr dankbar, dass er sein Vertrauen in mich setzt und werde bemüht sein, es auch in Zukunft zu rechtfertigen. Alle bisherigen Autoren, die viel freie Zeit und Herzblut in ihre Blog-Beiträge investiert haben, bitte ich weiterhin um Unterstützung. Willkommen sind selbstverständlich auch neue Mitarbeiter, die sich genauso uneigennützig für die Algarve engagieren wollen.

Die Blog-Nutzer an der Südküste Portugals und andernorts sowie die Autoren sagen in großer Dankbarkeit: Muito obrigado, Alexander! Felicidades!

Hans-Joachim Allgaier

www.hajo-allgaier.de

Ein Kulturpunkt zum Abschied: Salvador Sobral gewinnt Eurovision Song Contest 2017

Meine Erinnerung an meine ersten Aufenthalte an der Algarve wird dominiert von Eindrücken, die ich vor etwa 36 Jahren in den kleinen Städten Carvoeiro, Lagos und Portimão gesammelt habe: Bilder von kleinen Fischerhäfen, die mit ihrem Treiben untrennbar mit diesen Orten verbunden sind, das Rauschen des Meeres vor der Küste und die klatschenden Laute der Wellen an den Hafenkais und nicht zuletzt die salzige Luft des Atlantiks, der sich vor den Häfen mit dem Duft von frisch gegrillten Sardinen mischt.

 

Portimão – Hafen mit Fischerbooten, wie zuzeiten der 1980er Jahre | Copyright: Alamy

 

Nach meinem ersten Besuch in Portimão in den frühen Morgenstunden eines Sommertags, die ich vor allem vor einem kleinen Café direkt an der Anlegestelle der Fischer verbrachte, wo ich Galão trank und Zigaretten rauchte, bin ich immer wieder zurückgekehrt.

Das kleine Café dieser Tage existiert nicht mehr, die Anlegestelle der Fischer wurde schon vor langer Zeit auf die andere Seite des Rio Arade verbannt, und ich habe bereits vor mehr als 15 Jahren das Rauchern aufgegeben.

Aber die Algarve hat für mich in den 36 Jahren seit diesen ersten Begegnungen nichts von den Reizen verloren, die mich damals in ihren Bann gezogen haben. Ganz im Gegenteil: Je mehr ich von der Algarve und ihren Bewohnern entdecken durfte, desto mehr faszinierte mich ihre Vielfältigkeit, ihre Anmut und die unverfälschte Freundlichkeit, mit der ich jedes Mal empfangen wurde.

 

Abschied

 

Im Oktober 2016 erlebte und genoss ich meinen letzten Algarve-Besuch.

Nach meiner Rückkehr nach Berlin erhielt ich im November 2016 von Ärzten der Charité eine Diagnose, die mir nur sehr wenig Freiraum für persönliche Entscheidungen gelassen hat.

Eine der Entscheidungen, die ich nach dieser Diagnose treffen musste, ist, Algarve für Entdecker nicht selbst weiter zu führen.

Mit dieser Entscheidung, die mir ganz und gar nicht leicht fällt, ziehe ich mich vier Jahre nach der Gründung von Algarve für Entdecker vom Steuer dieses Blogs zurück und übergebe die Verantwortung an meinen äußerst engagierten Kollegen Hans-Joachim Allgaier, der bereits seit zehn Monaten mit an Bord ist.

Ich bin davon überzeugt, dass Hajo Ihnen in den kommenden Wochen auch mehr darüber berichten wird, welche Themen und Schwerpunkte er für die Zukunft in den Fokus von Algarve für Entdecker stellen wird.

Bevor ich mich verabschiede, möchte ich mich herzlich bedanken.

Bei Ihnen, den Leserinnen und Lesern aus Portugal, der Schweiz, Österreich, Luxemburg, Deutschland und aus den vielen anderen Ländern, die ich an dieser Stelle leider nicht alle aufzählen kann.

Bei den vielen Partnern und Freunden, die uns Fragen beantwortet und mit Informationen versorgt haben.

Und nicht zuletzt bei den Autoren und Redakteuren Anne Dierking, Wolfgang Zimber, Philippe Welti und Hajo Allgaier, die Algarve für Entdecker überhaupt erst möglich und so bunt gemacht haben, wie sie dieses Blog in den vergangenen vier Jahren erlebt haben.

 

Eine Widmung

 

So traurig mich das Schreiben dieses letzten Artikels macht, so sehr freue ich mich über zwei ganz aktuelle Entwicklungen:

Ich habe heute von Wolfgang Zimber erfahren, dass er für einen Tag in der übernächsten Woche einen OP-Termin für sein zweites Auge am Universitätsklinikum Freiburg bekommen hat. Der Erfolg der Behandlung des ersten Auges macht mich sehr zuversichtlich, dass auch diese Operation ohne Komplikationen verlaufen wird, lieber Wolfgang! Ich drücke Dir beide Daumen – und ich bin ganz sicher, dass viele kulturinteressierte Portugal-Liebhaber mit ihren Gedanken und ihren guten Wünschen bei Dir sein werden!

 

Wäre Wolfgang im Vollbesitz seiner Kräfte, dann hätte er wahrscheinlich auch dazu geschrieben:

Den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) konnte vor wenigen Stunden der 27-jährige Portugiese Salvador Sobral mit der Ballade „Amar Pelos Dois“ gewinnen. Der Sänger verzauberte viele Millionen Zuschauer mit einer wunderbar sanften Interpretation eines Jazz-nahen Stücks, das seine Schwester Luísa für ihn geschrieben hatte.

Kein Pomp, kein Feuerwerk, gedimmtes Licht, gedämpfte Begleitung. Ein zurückgenommenes Konzept, das Experten-Jurys ebenso gefiel wie den abstimmenden Zuschauern.

„Wir leben in einer Welt von Wegwerf-Musik, Fast Food-Musik ohne irgend einen Inhalt. Und ich denke dies könnte ein Sieg sein für Musik von Menschen, die wirklich etwas zu sagen haben. Musik ist kein Feuerwerk, Musik ist Gefühl. Also lassen Sie uns das verändern und Musik zurückbringen. Das ist wirklich das, worauf es ankommt.“

Mit dieser Aussage hat Salvador Sobral dem Abend in Kiew einen weiteren, sehr portugiesischen Höhepunkt gegeben. Danke!

Ich widme diesen Artikel meinem Freund Wolfgang Zimber und dem sehr beeindruckenden Salvador Sobral.

Ihnen allen alles Gute!

 

Ihr

alexander_kroll

Alexander Kroll

 

 

Nachtrag…

 

Eine ganz besondere Version von „Amar Pelos Dois“ – unplugged mit seiner Schwester hat das portugiesische Rádio Comercial aufgenommen…

 

 

 

Salvador Sobral – „Amar Pelos Dois“

 

Liebe für uns beide

 

Wenn jemand eines Tages nach mir fragt,

Sag, dass ich lebte, um dich zu lieben

Vor dir hatte ich nur existiert,

Müde und nichts zum Geben

 

Meine Liebste, erhöre meine Gebete

Ich bitte dich zurückzukommen und wieder dass du mich wiederhaben willst

Ich weiß, dass man nicht einsam liebt

Vielleicht kannst du es ganz langsam wieder erlernen

 

Meine Liebste, erhöre meine Gebete

Ich will, dass du zurückkommst und zurückkehrst, um mich zu lieben

Ich weiß, dass man nicht einsam liebt

Vielleicht kannst du es ganz langsam wieder erlernen

 

Wenn dein Herz nicht nachgeben will

Keine Leidenschaft spüren will, nicht leiden will

Ohne einen Plan zu schmieden, was danach kommen wird,

Kann mein Herz für uns beide lieben

 

Für Golfer, Gourmets und andere Genießer: Das ist im Mai neu

Mit einer Fülle von Neuigkeiten für Genießer des angenehmen Lebens kann Portugal in diesem Frühjahr seine Liebhaber beeindrucken, vor allem an der Südküste. Wir haben besonders interessante Nachrichten der vergangenen Wochen für Sie kurz zusammengefasst und präsentieren sie Ihnen hier in einer Übersicht. Hingewiesen sei auch auf die „Nature Week„, über die wir bereits berichtet haben.

 

Portugal zeigt seine schmackhafteste Seite

 

In der ersten Mai-Hälfte präsentieren sich portugiesische Erzeuger von Getränken und Speisen bei zwei Feinschmeckerwochen im Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe). Angeboten auf der sechsten Etage eines der renommiertesten europäischen Kaufhäuser werden unter dem Titel „Taste Portugal“ zum Beispiel Spezialitäten wie Weine – einschließlich Port- und Madeira-Wein -, Süßwaren, Backwaren, Marmeladen, Honig, Schokolade, Käse, Aufschnitt, Schinken, Oliven, Salzgebäck, Soßen, Teigwaren, Mehl und Konserven-Produkte.

Unter den zehn größten Weinlieferanten Deutschlands gehört Portugal zusammen mit Frankreich und Österreich zu den wenigen Ländern, die im vergangenen Jahr ihren Marktanteil deutlich steigern konnten. Er beträgt mittlerweile gut 16 Prozent beim Wert und mehr als 21 Prozent beim Volumen, wie die Außenhandelsorganisation AICEP berichtet.

 

Douro-Region in Portwein-Film vorgestellt

 

Screenshot Film "A year in Port" von David Kennard

Szene aus dem Film „A Year in Port“. Screenshot: Samuel Goldwyn Films

Mit einem außergewöhnlichen Dokumentarfilm hat sich Portugals Douro-Region Anfang Mai dem deutschen Fachpublikum vorgestellt. Erstmals in Deutschland wurde im Berliner Kino Filmkunst66 der Streifen „A Year in Port“ des Weinautors und Regisseurs David Kennard vorgeführt. Er zeigt am Beispiel vier bekannter Herstellerunternehmen die zeitlose Qualität und Authentizität des Portweins. Die Zuschauer bekommen Einblick in die harte Arbeit und haben gleichzeitig Anteil an der Entstehung des bereits heute berühmten Vintages des Jahres 2011.

 

Portugiesischer Wein am Main und anderswo

 

Zwei Tage lang haben Anfang Mai die „Wines of Portugal/ViniPortugal“ und die Weinbauregion Vinhos Verdes an Gemeinschaftsständen Verkostungsmöglichkeiten auf der hessischen Fachmesse „Wein am Main“ angeboten. Die Veranstaltung fand im historischen Casinogebäude auf dem Frankfurter Campus Westend statt. Weinautor und Portugal-Experte David Schwarzwälder moderierte auf der Fachmesse ein Seminar unter dem Thema „Besuch beim Rebsortenweltmeister – eine portugiesische Weinexkursion von Nord nach Süd“.

Die 9. große Präsentation portugiesischer Weine brachte an der Algarve Anfang Mai Winzer, Weinexperten, Branchenkenner und Gastronomen aus dem In- und Ausland in Albufeira zusammen. Bei der Veranstaltung in der Mehrzweckhalle handelt es sich um eine der renommiertesten Wein-Fachmessen im Süden Portugals.

Weinstadt Lagoa richtet jährlich Wein-Show an der Algarve aus

Die Kreisstadt Lagoa veranstaltet jährlich ihre Wine Show – mit starker regionaler Beteiligung von Algarve-Winzern. Foto: Camara Municipal

Ende April hatte bereits die Lagoa Wine Show tausende von Besuchern ins Kongresszentrum Arade in Parchal bei Portimão gebracht. Es war bereits die dritte Veranstaltung ihrer Art – ausgerichtet von der Kreisstadt zusammen mit den Wein-Kommunen und der Wein-Straße des Landes. 50 Winzer, darunter 18 von der Südküste Portugals, boten ihre Weine an. Bürgermeister Francisco Martins wies auf neue Produzenten aus der Region hin sowie auf Auszeichnungen für die hier hergestellten Algarve-Weine bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Das Stadtoberhaupt der Weinstadt Lagoa erinnerte daran, dass regionale Produkte bereits ständig auf Weinkarten von Restaurants mit Michelin-Sternen vertreten seien. Die vierte Lagoa Wine Show werde bereits vorbereitet, so Martins.

 

Neuer Sommelier im Hotel Conrad

 

Miguel Martins (unser Beitragsbild) ist der neue Chef-Sommelier im Luxus-Hotel Conrad des Resorts Quinta do Lago. Der frühere Absolvent der School of Hospitality and Tourism der Algarve war zuvor schon im Bela Vista Hotel, im Vila Joya, im Restaurant Henrique Leis und im Ocean Restaurant des Hotels Vila Vita Parc tätig gewesen. Martins besitzt den „Sommelier Wine Shop“ in Lagos. Im Hotel Conrad Algarve werde Martins mit den Köchen Heinz Beck und Osvalde Silva eng bei der Auswahl der Weine für die sechs Restaurants und Bars zusammenarbeiten, sagte Katharina Schlaipfer, Generaldirektorin des Hotels.

 

Goldener Schlüssel in Quinta do Lago

 

Hotel Conrad Algarve Quinta do Lago

Blick vom Pool auf das ausgezeichnete Hotel in Quinta do Lago. Foto: Hotel Conrad Algarve

Dem im so genannten goldenen Dreieck der Algarve gelegene Hotel Conrad ist der „goldene Schlüssel“ verliehen worden. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung im Rahmen des portugiesischen Wettbewerbs „Boa Cama Boa Mesa 2017“ der Zeitung Expresso für die besten 25 Hotels und Restaurants des Landes. Schon in den Jahren 2016 und 2015 war dem Luxus-Hotel in Quinta do Lago der „Golden Key“ zugesprochen worden. Die höchste Auszeichnung ist der Platin-Schlüssel für Hotels bzw. die Platin-Gabel für Restaurants.

 

55. Golfturnier „Portugal Open“ in Portimão

 

Auf dem Morgado-Golfplatz in Portimão findet vom 11. bis 14. Mai die 55. Ausgabe des historischen Golfturniers „Open de Portugal“ statt. Organisiert wird es von den NAU Hotels & Resorts, der portugiesischen Golf-Föderation FPG und der PGA of Portugal in Partnerschaft mit der European Tour und Challenge. Damit kehrt die Algarve nach siebenjähriger Pause auf die Landkarte internationaler Golf-Großereignisse zurück. Bei dem Turnier wird um eine halbe Million Euro Preisgelder gespielt. Unter anderem haben sich Golf-Größen wie der Schotte Paul Lawrie und der Kanadier Mike Weir sowie hervorragende portugiesische Sportler angesagt. Der Morgado-Golfplatz liegt in der Parklandschaft zwischen Portimão und dem Monchique-Gebirge, umgeben von Seen und Feldern. Das Turnier Portugal Masters wird im September auf dem Golfplatz Oceânico Victoria in Vilamoura ausgetragen werden.

 

Eurowings weitet das Flugangebot aus

 

Von Ende Oktober an wird die Fluggesellschaft Eurowings die portugiesische Insel Madeira auch von Düsseldorf und Köln/Bonn aus anfliegen. Die Verbindung mit dem Flughafen Funchal (FNC) ist samstags ab Köln/Bonn und sonntags ab Düsseldorf im Flugplan. Geflogen wird mit einem Airbus A320. Der Flughafen Funchal ist seit wenigen Wochen nach dem Fußballer Cristiano Ronaldo benannt. Zur Umbenennung wurde auch eine in Bronze gegossene Büste des Stürmers enthüllt, die wegen ihrer Unähnlichkeit für Spott im Internet sorgte.

 

Größter Spa-Bereich an Portugals Südküste

 

Albufeira Pine Cliffs Resort Serenity Spa

Im wohl größten Spa: Der Serenity-Bereich in Albufeira. Foto: Pine Cliffs Resort

Das Pine Cliffs Resort in Albufeira hat einen so genannten „Serenity Spa“ geschaffen, einen luxuriösen Gesundheits- und Wellness-Bereich von 1.100 Quadratmetern Fläche. Damit handelt es sich nach Angaben des Resorts um die „größte und vollständigste“ Spa-Einrichtung an der Algarve und um eine der führenden in Europa. Das Serenity-Konzept ist bereits zweimal für den World Luxury Spa Awards 2017 nominiert – in den Kategorien Best Resort Spa und Top Spa Manager. Die Ergebnisse werden im Juli bekannt werden. Pine Cliffs Hotel, Pine Cliffs Ocean Suites und Pine Cliffs Residence werden in dem Resort verwaltet von Marriott International unter der Marke „The Luxury Collection“. Das Resort wurde bei den World Travel Awards bereits sechs Mal als bestes Familien-Resort in Portugal ausgezeichnet und war schon zweimal in der Condé Nast Traveler Gold-Liste.

 

Villen-Dorf mit Blick auf Salema-Strand

 

Salema Beach Village in Vila do Bispo

Salema Beach Village in Vila do Bispo. Foto: NAU Hotels

Die NAU Hotels & Resorts haben nach der Winterpause ihr Salema Beach Village wiedereröffnet. Es liegt auf einem sanft ansteigenden Hügel mit beeindruckendem Blick auf den Strand des Fischerörtchens Salema in der Kreisstadt Vila do Bispo, in der Nähe des Naturparks Südwest-Alentejo und Costa Vicentina. Die Anlage dicht vor dem Südwestzipfel Portugals am Cabo de São Vicente bietet abseits des Massentourismus 114 hochwertige Villen in zwei Varianten.

Ausgestattet ist sie unter anderem mit Außenpool, Pool-Bar sowie kostenfreiem WLAN in allen Villen und öffentlichen Bereichen. Es wird ein saisonaler Shuttleservice zum Strand geboten sowie Aktivitäten wie Golf, Surfen, Bootfahren, Vogelbeobachtung, Trekking oder Reiten.

 

 

In Denkmälern das kulturelle Erbe genießen

 

Ein Programm, das prall gefüllt ist mit Aktivitäten zur Entdeckung und Förderung des kulturellen Erbes der Region, bietet im Mai die Kulturdirektion der Algarve (DRCAlg) an. Einbezogen sind einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten und Denkmäler an der Südküste Portugals. Für den Kulturgenuss stehen unter anderem pädagogische Aktivitäten, Kindertheater, Ausstellungen bildender Kunst, Vorträge zu historischen und kulturellen Themen und sogar Indie-Folk-Musik beim Sonnenuntergang bereit.

 

Bau einer Karavelle auf der Festung Sagres

Wie die Entdecker und Seefahrer eine Karavelle bauen: Aktivität auf der Festung Sagres. Foto: DRCAlg

So beschäftigt sich zum Beispiel das Experimentiertheater von Lagos am 17. Mai in der Kapelle Nossa Senhora de Guadalupe und am 19. Mai in den römischen Ruinen von Milreu mit der Geschichte und der Symbolik des Märchens vom Rotkäppchen. Gespielt wird vor Schülern aus Vila do Bispo und Estoi.

Das Projekt „Neue Schule“ wird am 19. und 20. Mai in der Festung von Sagres praktisches Wissen rund um Schiffbau und Navigation vermitteln. Die Teilnehmer können an den Modulen einer sechs Meter langen Karavelle mitbauen, lernen den Umgang mit Navigationsinstrumenten und werden sich in der Sternenkunde üben. Und auf dem Gelände der Burg von Aljezur geht es am 28. Mai ganz praktisch um das künstlerische Malen von Denkmälern.

 

Randstad-Studie: Pestana-Hotels unter 20 besten Arbeitgebern

 

Pestana gehört als einzige Hotelgruppe zu den 20 besten portugiesischen Arbeitgebern. Das sagt jedenfalls die Studie „Randstad Employer Brand 2017“. Ausgewertet wurden die Aussagen einer repräsentativen Stichprobe von berufstätigen Portugiesen. Zu den neun Bewertungskriterien für die Unternehmen gehörten finanzielle Lage, Sicherheit am Arbeitsplatz, Karriereaussichten, soziale und gesellschaftliche Verantwortung, Förderung der Arbeitnehmer, Arbeitsbedingungen, Balance zwischen Berufs- und Privat-Leben, Image und Einsatz neuster Technologien.

 

Ungewöhnliche Tagungsorte im Angebot

 

Auf der Internetseite www.algarveconvention.pt hat die Algarve Tourism Association (ATA) ihr Informationsangebot ausgebaut. Laut Geschäftsführerin Dora Coelho sollen dadurch Fachleuten in aller Welt mehr Kenntnisse über geeignete Ziele und Einrichtungen für Tagungen, Konferenzen und geschäftliche Meetings vermittelt werden. Die Informationen sind in den Sprachen Portugiesisch, Englisch, Spanisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Schwedisch, Niederländisch und Chinesisch verfügbar. Die Experten können zum Beispiel Vorschläge zu ungewöhnlichen Tagungsorten und kulturellen oder sportlichen Aktivitäten in der Region erhalten, etwa rund um den Praia do Barril in Tavira, den Markt in Loulé oder die Festung in Sagres.

Großer inländischer Konkurrenzt im Geschäftsreise-Tourismus ist selbstverständlich die Hauptstadt Lissabon. Sie liegt nach einem neusten Vergleich der am häufigsten nachgefragten Städte für internationale Kongresse auf Platz 9 – noch vor Kopenhagen, Rom, Hong Kong, Stockholm, Prag und Peking. Darauf wies jetzt der Verband International Congress & Convention Association (ICCA) hin.

 

Coca-Cola fliegt auf Faro

 

Von Mai bis Mitte Juli ergänzt der Name der Flughafenstadt Faro auf Coca-Cola-Flaschen und -Dosen das bekannte Logo. Außer mit dem Eingangstor zur Algarve wirbt der Getränkekonzern mit seiner Sommer-Edition noch für fast 50 weitere Urlaubsziele in aller Welt. In Deutschland gehört zum Beispiel Sylt dazu. „Unsere Produkte sollen die Verbraucher an ihre schönsten Sommermomente erinnern und ihnen das Gefühl von Urlaub nach Hause bringen“, sagt Andreas Johler, Marketing-Direktor von Coca-Cola Deutschland. Wer sich im Internet registriert und dort den individuellen Code seiner Cola-Flasche oder -Dose eingibt, kann zum Beispiel eine Reise für zwei Personen nach Faro gewinnen. Nicht an der Algarve, aber auf Ibiza richtet der Konzern bis August das Coke TV Beach House ein. Dort werden YouTube-Stars bei einem „Meet & Greet“ jeweils von ihren Sommererlebnissen berichten und Fans so an ihrem Urlaub teilnehmen lassen. Auch mit dieser Aktion ist ein Gewinnspiel verbunden, bei dem dreitägige Reisen nach Ibiza verlost werden.

 

 

Agrotourismus in der Ost-Algarve: Gäste, Gemüse und Gemälde

Ein Gastbeitrag von Claudio Mondo

 

Tamar Welti

Tamar Welti | Bild: C. Mondo

Tamar Welti landete zufällig in Portugal. Die Urenkelin des bekannten Schweizer Malers Albert Welti hat in der Nähe von Santa Luzia ein verfallenes Bauernhaus renoviert. Heute vermietet sie auf Quintamar Appartements an Gäste und erntet auf ihrer biologischen Farm Gemüse sowie Oliven, Zitronen und Feigen. Die Nachfrage nach naturnahen und kinderfreundlichen Ferien ist gross, deshalb will Tamar ihr agrotouristisches Angebot ausbauen.“Wenn ich hinaus schaue auf die Mandelbäume und den Naturteich vor unserem Haus, geht mir manchmal durch den Kopf: Ich lebe ja im Paradies. Hier, in der Natur und am Meer, will ich alt werden“, sagt die 44-Jährige Schweizerin. Eine Einheimische ist sie nicht, eine Fremde auch nicht mehr. Ihr Mann Miguel ist Portugiese, ihre beiden Kinder gehen hier zur Schule.
In Tamar Weltis Adern fliesst schweizerisches, israelisches, deutsches und russisches Blut. Geboren ist sie in Israel, aufgewachsen in London. Aber am meisten zu Hause fühlt sie sich in Portugal, wo sie vor 25 Jahren Fuss gefasst hat. Hier hat sie mehr Zeit verbracht als anderswo in ihrem Leben. Ist die Algarve nun ihre Heimat? „Manchmal bin ich selbst nicht ganz sicher, wo ich eigentlich hingehöre“, sagt sie.

 

Chancen ergriffen

 

TamiMit 19 Jahren wollte sie die Schweizer Heimat ihres Vaters näher kennenlernen. Es wurde nichts daraus. Denn schon nach wenigen Wochen in Bern offerierte ihr ein Freund, der ein Haus in der Algarve vermietete, vor Ort ein paar Aufgaben für ihn zu übernehmen. Sie sagte spontan zu und war sofort angetan von der Region. Von Anfang an hatte sie das Gefühl, dass sich in dieser Atmosphäre gut eigene Ideen entwickeln lassen. Tamar fing an, als Englischlehrerin zu arbeiten. Und eines Tages, als sie mit dem Fahrrad unterwegs war, entdeckte sie ihren Traum: ein Bauernhaus, mitten im Naturschutzgebiet Ria Formosa, teilweise zerfallen und schon seit Jahr-zehnten unbewohnt. Zusammen mit ihrem Vater, einem Architekten, konnte sie das Haus erwerben und baute fünf Appartements – eines für sich und ihre Familie, vier Einheiten vermietet sie. Im Winter und Frühling erholen sich hier oft Paare, im Sommer und Herbst sind es vor allem Familien.

 

Attraktion für Tier und Mensch

 

Familienurlaub„Wir versuchen, im Einklang mit der Natur zu leben und zu wirtschaften. Das schätzen unsere Gäste“, sagt Tamar. Der Name des Gutes Quintamar setzt sich zusammen aus dem portugiesischen „Quinta“ (Bauerngut) und ihrem Namen, Tamar. In der Ferne sieht man von Quintamar aus das Meer und hört, je nach Wellengang, auch das Rauschen der Brandung. Eine der Attraktionen der Anlage ist der natürliche Schwimmteich. Er ist 400 Quadratmeter gross, die Hälfte ist frei zum Schwimmen, die andere Hälfte ist von Pflanzen bedeckt, die das Wasser auf natürliche Weise reinigen. Dieser Mikrokosmos wird nicht nur von den Gästen, darunter viele Familien, geschätzt:

Auch Zugvögel kommen hier zu Besuch. Manchmal lässt sich auch ein Storch am Teich nieder und tut sich an den Fröschen gut. Der Schwimmteich ist bei den Gästen so beliebt, dass viele lieber „zu Hause“ bleiben, als ans Meer, rund 500 Meter entfernt, zu gehen. Dabei findet man am Strand von Barril auf der Ilha de Tavira, der nur zu Fuss oder per Boot erreichbar ist, auch im Hochsommer immer ein ruhiges Plätzchen.
Zu Quintamar gehören auch ein Spielplatz für Kinder und ein Gehege mit Hühnern, und drei vietnamesischen Hängebauchschweinen, die sich freuen, wenn sie die jungen Gäste füttern.

 

Frisches biologisches Gemüse

 

Bio-GemüseMit der Casa O Pomar (portugiesisch = Obstgarten) verfügt Tamar seit zwei Jahren in der Nähe über ein separates Haus mit vier Zimmern. Dazu gehört auch die Farm. Hier produziert sie biologisches Gemüse sowie Oliven, Orangen, Zitronen, Feigen und Granatäpfel. Die Feigen trocknet sie auf traditionelle Weise. Aus den Oliven lässt sie Öl pressen oder mariniert sie. Gäste können das frische Gemüse und die Früchte direkt auf der Farm beziehen. Tamar hat zusammen mit anderen lokalen Bio-Produzenten aber auch einen Stand auf dem grossen Markt in Tavira.
Viele der Gäste von Tamar sind mit dem Fahrrad unterwegs, ein Auto ist vor Ort nicht unbedingt notwendig. Das Fischerdorf Santa Luzia, in dem auch heute noch die meisten Einheimischen vom Meer leben, ist nur gerade 500 Meter von Quintamar entfernt. Bis zum historischen Städtchen Tavira sind es drei Kilometer. Die Fahrradroute entlang der Algarve-Küste führt ganz in der Nähe von Quintamar vorbei.

 

Herzensprojekt Agrotourismus

 

AgritourismusIn den nächsten Jahren will Tamar ihr Herzensprojekt verwirklichen. Das Konzept des Agrotourismus hat sie in der Schublade. Es soll 150 Meter Luftlinie von Quintamar entfernt umgesetzt werden. Dazu müssen zuerst die traditionellen Farmhäuser bei der Casa O Pomar und das halb verfallene Vistamar sanft renoviert werden. „Wir wollen den Charakter der historischen und über 200-jährigen Bauernhäuser erhalten“, sagt sie. Tamar schwebt dort auch ein Veranstaltungsraum für Gruppen sowie eine separate Küche vor, damit sie zum Beispiel auch Hochzeitsgesellschaften empfangen und mit den Produkten ihrer Farm bewirten kann. Noch ist es nicht so weit.

 

Spross einer Künstlerfamilie

 

Wenn es die Farm, die Vermietung der Appartements und die Familie einmal zulassen, widmet sich Tamar der Malerei. Die Kunst liegt ihr im Blut und ist ihr wichtig. Schliesslich kommt sie aus einer Künstlerfamilie. Von ihrem Urgrossvater väterlicherseits und dem Grossvater mütterlicherseits hat sie das Talent geerbt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Albert Welti einer der grossen Schweizer Maler und eng mit Hermann Hesse befreundet. Das Fresko der Landsgemeinde im Ständeratssaal des Parlamentsgebäudes in Bern stammt von ihm.

Albert Welti-Gemälde

Die Landsgemeinde, Gemälde von Albert Welti , Bild über Wikimedia Commons

 

Spuren von Albert sind heute auch auf Quintamar zu finden. Der Entwurf seines Bildes „Haus der Träume“ hängt in Tamars Wohnzimmer. Auch ihr Grossvater, der als Bub dem Künstler Modell stand, ist auf dem Bild verewigt.

Leider finde sie viel zu selten, die Musse zum Malen, sagt Tamar. „Ich hoffe, ich kann mich irgendwann vermehrt der Kunst widmen, aber das hat noch Zeit.“

 

 

Wissenschaftler: Touristen mit geliebter Algarve höchst zufrieden

Jetzt ist es wissenschaftlich belegt: Touristen, die an die Algarve kommen, bewerten die Südküste Portugals zu 98 Prozent positiv – vor allem wegen der schönen Strände und des sonnigen Wetters, aber auch wegen des leckeren Essens und der gastfreundlichen Einheimischen. Wie Forscher der Universität Faro herausfanden, möchten die meisten Urlaubsgäste so bald wie möglich zurückkehren. Mehr als 95 Prozent wollen die Algarve Familienangehörigen und Freunden als exzellentes Ziel empfehlen.

Wie aus der jetzt vorgestellten Studie „Das Profil der Algarve-Touristen“ (übersetzter Titel) ferner hervorgeht, ist die positive Einschätzung der Region am Atlantik weitgehend unabhängig vom Urlaubertyp, Reiseort und Ferienzeitpunkt. In Kombination mit der Tatsache, dass 69 Prozent der Befragten die Preise als erschwinglich ansehen, ergibt sich also eine hohe Affinität der Touristen mit dem Sonnenparadies an der Südwestspitze Kontinentaleuropas.

Präsentation der Studie Profil der Algarve-Touristen

Die beiden Professoren Antonia Correira (mitte) und Paulo Aguas präsentieren mit Tourismusverbands-Präsident Desiderio Silva (links) die Ergebnisse. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Die Studie wurde vom Verband „Região de Turismo do Algarve“ (RTA) in Auftrag gegeben und an der Universität in Faro von den Professoren Antónia Correia und Paulo Águas erstellt. Um die Eigenschaften, Vorlieben und das Verhalten von Touristen besser verstehen zu können, wurden gut 4.200 Personen befragt, die in der Hochsaison von Juli bis August und in der Nebensaison von September bis Oktober an die Algarve gekommen waren.

Die Ergebnisse wurden so aufbereitet, dass zwischen „traditionellen“ Urlaubern (55 Prozent des Aufkommens) und solchen unterschieden werden kann, die entweder in einer eigenen oder der Familie gehörenden Immobilie Ferien machen oder eine private Unterkunft (47 Prozent) mieten.

In Kürze werden wir in einem separaten Beitrag darstellen, was die Forscher über das Verhalten der deutschen Algarve-Urlauber herausgefunden haben und wie sich die Deutschen von den Touristen aus anderen Ländern unterscheiden.

 

Urlauber zeigen hohe emotionale Bindung an die Algarve

 

Wie die Wissenschaftler Correia und Águas berichteten, zeigt die Studie, dass die Algarve ein sehr emotional bewegendes Reiseziel ist. Als Indiz dafür nannten sie Aussagen wie diese:

  • „Dass ich an die Algarve reise, sagt eine Menge darüber, wer ich bin“.
  • „Ich fühle mich der Algarve sehr verbunden“.
  • „Ich spüre, dass die Algarve ein Teil von mir geworden ist“.

Die Gefühlslage der Algarve-Touristen ist nach Angaben der Forscher vor allem mit den Begriffen glücklich, zufrieden, ruhig und entspannt zu beschreiben.

Diese Charakter-Merkmale verbinden laut Studie die meisten Touristen mit der Algarve:

  • Freundlich
  • Angenehm
  • Gut
  • Schön
  • Sonnig
  • Warm
  • Heiß
  • Lustig
  • Wunderbar
  • Entspannend

Spontan am stärksten wird die Algarve mit diesen Aspekten assoziiert:

  • Urlaub
  • Meer
  • Strände
  • Sonne
  • Menschen

Die hohe Affinität zur Destination Algarve zeige sich noch etwas stärker bei Privatwohnungs-Touristen als bei Gästen von Hotels und Resorts. Am stärksten ausgeprägt sei die emotionale Bindung bei den Urlaubern, die in den Hochsaison-Monaten Juli und August an die Südküste Portugals kämen, berichten die Wissenschaftler.

Touristenprofil Reisebegleitung

So unterschiedlich reisen Hotel- und Resort-Urlauber (links) und Ferienwohnungs-Touristen an die Algarve: mit Gatte/Partner, Familie, Freunden, allein („sozinho“) oder als Teil einer Ausflugsgruppe. Quelle: RTA/UAlg

 

Privatwohnungs-Touristen bleiben länger als Hotel-Urlauber

 

Infografik Social Media Algarve-Touristen

Beide Typen von Algarve-Touristen teilen gerne ihre Urlaubseindrücke in sozialen Netzwerken mit anderen. Grafik: RTA/UAlg

Privatwohnungs-Touristen bleiben laut der Studie im Durchschnitt 13 Tage an der Algarve. Die überwiegende Mehrheit kennt die Region bereits (87 Prozent) und ist mindestens einmal pro Jahr vor Ort (49 Prozent der Gäste). Jeder zweite teilt Urlaubserlebnisse mittlerweile per Kommentar, Foto oder Video in sozialen Netzwerken mit, vor allem auf Facebook.

Neben dem Urlaub im eigenen Haus gibt es auch die Anmietung einer privaten Unterkunft (in 47 Prozent der Fälle). Zu mehr als 60 Prozent werden diese online reserviert – hauptsächlich über die Plattformen Airbnb (28 Prozent), Booking (23 Prozent) oder Homeaway (17 Prozent).

Touristen, die sich klassische Beherbergungsbetriebe aussuchen, sind für durchschnittlich neun Tage an der Algarve. Meist wohnen sie in Hotels (53 Prozent) oder Resorts (34 Prozent). Durch den hohen Anteil ausländischer Gäste (79 Prozent) erklärt sich, dass 68 Prozent dieser Urlauber mit dem Flugzeug anreisen. Drei Viertel der so genannten herkömmlichen Touristen bleiben gewöhnlich in der Region. Sie reisen aber vergleichsweise seltener: 39 Prozent einmal pro Jahr und ein Drittel gelegentlich.

Die Herkunftsländer der traditionellen Touristen sind vor allem Großbritannien (25 Prozent), Portugal (21 Prozent) und Deutschland (11 Prozent). Privatwohnungs-Touristen kommen meist aus Portugal selbst (42 Prozent) sowie aus Großbritannien (19 Prozent) und Frankreich (8 Prozent).

 

Touristen lassen im Urlaub bis zu 1.600 Euro an der Algarve

 

Was die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus anbetrifft, fanden die Wissenschaftler der Universität der Algarve heraus, dass jeder Besucher durchschnittlich zwischen 129 und 136 Euro pro Urlaubstag in der Region ausgibt. Der Umsatzwert eines gesamten Urlaubs liegt im Schnitt bei zwischen 1.275 und 1.600 Euro pro Tourist. Rund jeder zweite Tourist zeigt Bereitschaft, auch andere Orte der Algarve kennenzulernen.

Bei Privatwohnungs-Touristen sind neben Urlaub auch der Ruhestand und das Investieren von Geld wichtige Entscheidungsgründe dafür, in den Süden Portugals zu reisen. Damit tragen sie entscheidend zu dem Wachstum der Übernachtungszahlen bei – von 16,6 Millionen im Jahr 2015 auf nunmehr 18,1 Millionen.

Bei potenziellen Touristen für einen Urlaub in einer Privatwohnung erkannten die Forscher eine hohe Bereitschaft, an der Algarve einen Zweitwohnsitz zu erwerben. 70 Prozent würden dabei Meerblick bevorzugen. Insgesamt sind die Professoren Correia und Águas sicher, dass Urlauber sich immer häufiger für einen Aufenthalt in einer Privatwohnung entscheiden werden und beziffern das potenziellen Anteil auf fast 50 Prozent.

Wer sich bereits eine Algarve-Immobilie zugelegt hat, tat das überwiegend (38 Prozent), um sie im Urlaub zu nutzen. 41 Prozent der Käufer erwarben ihr Objekt beim Immobilienmakler, 34 Prozent beim Erbauer.

 

Felsige Westalgarve wird bei der Wahl des Urlaubsorts bevorzugt

 

Strandleben steht für beide Touristen-Typen ganz oben bei den unternommenen Aktivitäten. Unten links sind Wasserparks erwähnt, unten rechts Pool und Wissen/Information. Mitte: Unterlassene Aktivitäten. Passeios sind Touren und Vida Nocturna bedeutet Nachtleben. Quelle: RTA/UAlg

Die Uni-Studie geht unter anderem auch auf die räumliche Verteilung des Tourismus ein. Albufeira (42 Prozent) sowie Faro und Portimão mit jeweils 12 Prozent haben die höchsten Anteile bei der Ortswahl der traditionellen Touristen. Ähnlich sieht das auch bei denen aus, die ihren Urlaub in eigenen Immobilien oder privat angemieteten Unterkünften verbringen. Sie sind zur Hälfte im Gebiet der drei genannten Kreisstädte zu finden, residieren aber auch gerne in Lagos (8 Prozent) sowie in Silves und Tavira (jeweils 7 Prozent).

Am meisten verwendete Informationsquellen für die Wahl der Algarve als Urlaubsziel sind für die überwiegende Mehrheit der Touristen persönliche Empfehlungen aus dem Kreis der Familie und von Bekannten, Internet-Recherchen und Angaben in sozialen Netzwerken.

Insgesamt beschreibt die 170-seitige Studie in detaillierter Form die soziodemographischen Merkmale, die Motive sowie die Zufriedenheit und die Treue der Algarve-Touristen. Sie soll dazu dienen, die strategische Bearbeitung der unterschiedlichen Marktsegmente zu erleichtern und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit von Portugals wichtigster Tourismusregion zu stärken.

 

Die wichtigsten Ergebnisse im Schnellüberblick

 

  • Die Algarve ist und bleibt mit 30 Prozent des Angebots und der Nachfrage wichtigstes Tourismusziel Portugals: 18 Millionen Übernachtungen, 119.000 registrierte Betten.
  • Die Nachfrage konzentriert sich nach wie vor allem auf Juli und August (61 Prozent), auf das felsige Gebiet der Westalgarve, des „Barlavento“ (64 Prozent) und auf die traditionellen Herkunftsländer Großbritannien (31 Prozent), Deutschland (10 Prozent), Spanien und Frankreich (jeweils 7 Prozent).
  • 55 Prozent der Urlauber besuchen mehr als einen Landkreis der Algarve, 11 Prozent reisen auch an andere Orte Portugals, vier Prozent besuchen auch Spanien.
  • Herkömmlicher Tourismus (Hotels, Resorts usw.) macht 55 Prozent des gesamten Urlaubsaufkommens aus.
  • Im übrigen Sektor (Wohnung, Haus) wird private Vermietung immer bedeutender: Deren Marktanteil beträgt bereits 47 Prozent.
  • Strandleben ist mit 47 Prozent die Hauptattraktion in Algarve-Urlauben, aber auch Entspannung (10 Prozent) und Sport (6 Prozent).
  • Zufriedenheits-Rate: 98 Prozent.
  • Empfehlungs-Rate: 96 Prozent.
  • Urlaubswiederholer: 87 Prozent.
  • Jährlich Urlaub an der Algarve: 49 Prozent; seit mehr als 25 Jahren: 23 Prozent.
  • Urlaubsbegleitende Aktivitäten im Internet: 48 Prozent

Erhaltenswerte Faktoren der Exzellenz:

Strände, Klima, Gastronomie, Menschen

Verbesserungswürdig erscheinen diese Aspekte:

Verkehr, Stau-Situation, Dienstleistungen, Preise

Förderung neuer Freizeitangebote vor allem auf diesen Feldern:

Sport, Touren, Golf, Nachtleben

Maddie zehn Jahre verschwunden: Praia da Luz will zur Ruhe kommen

Unmittelbar vor dem 10. Jahrestag des Verschwindens von Madeleine McCann an der Algarve versuchen vor allem englischsprachige Medien, den Fall noch einmal zu nutzen, um Auflagen und Nutzer-Quoten zu steigern. Sensationslüstern werden angeblich wegweisende neue Erkenntnisse versprochen, aber die Berichterstattung in Australien und Großbritannien bleibt letzlich vage und zum Teil widersprüchlich. Manche Medien aus anderen Ländern greifen diese Artikel und Sendungen auf; die Spirale der Spekulationen dreht sich weiter. Aber wie fühlen sich dabei die Menschen am Tatort des Geschehens vom 3. Mai 2007? Wie geht die Bevölkerung in Praia da Luz mit den Ereignissen von damals bis heute um? Wir haben uns umgehört und berichten ausführlich.

Der private australische Fernsehkanal „Channel 7“ lässt in seiner Sendung „Sunday Night“ am 23. April 2017 die Eltern Kate und Gerry McCann sehr ausführlich zu Wort kommen – offenbar bei einem Aufenthalt in Lissabon gefilmt. Das Arzt-Ehepaar schildert Reporterin Rahni Sadler, wie verzweifelt es war, wie es bereut, seine drei Kinder damals alleine im Ferien-Appartement gelassen zu haben und weiterhin hofft, die verschwundene „Maddie“ zu finden. Auf Nachfrage weisen beide strikt den Verdacht zurück, sie selbst könnten die Kleine getötet haben. Weitere Befragte – zum Beispiel jeweils ein englischsprachiger Forensiker, Kriminalist, PR-Experte und Journalist – äußern sich neutral oder unterstützen die Theorie einer Entführung, etwa in Zusammenhang mit einem versuchten Einbruch, oder eines Unfalls.

Nur kurz darf der frühere Chef-Ermittler Gonçalvo Amaral auf Portugiesisch seinen Verdacht wiederholen, die Eltern seien die Hauptverdächtigen. Eine Sprecherin sagt beim Dolmetschen, Amaral sehe Hinweise darauf, dass die McCanns ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hätten und der Körper des Kindes versteckt worden sei. Maddie sei sediert worden und sie könne sich in diesem Zustand bei einem Sturz tödliche Verletzungen zugezogen haben. Hinweise auf eine Entführung gebe es laut Amaral nicht – eine Haltung, die in dem TV-Beitrag auch die Fall-Analytikerin Pat Brown äußern darf. Erwähnt wird zudem die Vermutung, dass britische Geheimdienstler beim Verbergen des Körpers geholfen haben könnten.

Mehrere suggestive Fragen („Glauben Sie wirklich…?“) lassen die Skepsis der Reporterin gegenüber vielem erkennen, was sich nicht mit den Aussagen der McCanns deckt: Sie glaubt eher den Eltern, die abweichende Annahmen ausdrücklich als „lächerlich“ oder „Unsinn“ bezeichnen. Erst wenige Tage zuvor hatte es in britischen Blättern geheißen, ein ehemaliges Kindermädchen aus der Ferienanlage in Praia da Luz habe „ihr Schweigen gebrochen“, damalige Sicherheitsmängel kritisiert und der portugiesischen Polizei Versäumnisse bei der kriminaltechnischen Untersuchung vorgeworfen. Und ein früher mit dem Fall beauftragter britischer Privat-Detektiv und Ex-Polizist habe angeblich „neue Erkenntnisse“ gefunden. Nach dieser Theorie könne es sein, dass Maddie derzeit versteckt an der Südküste Portugals lebe, ohne ihre wahre Identität zu kennen.

 

Portugiesische Polizei untersucht weiter – von Porto aus

 

Im Gegensatz dazu erklären in der australischen TV-Sendung einige Befragte, es gebe rund um Praia da Luz hunderte von Felsspalten und Schächte aufgegebener Brunnen, in denen ein Körper versteckt werden könne, ohne dass es jemand bemerke. Nach tatsächlicher Hoffnung auf ein Überleben von Madeleine Beth McCann, wie das Kind mit vollem Namen heißt, klingt das nicht…

Die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa zitierte nach der Ausstrahlung den stellvertretenden Kriminalpolizeichef Pedro do Carmo mit der Bestätigung, der einzigartige Fall in der Geschichte des Landes sei „noch offen“. Er werde jetzt von einem Team der Polícia Judiciária aus der Stadt Porto bearbeitet. Die Untersuchungen würden beendet, wenn entweder Antworten gefunden seien oder man an den Punkt komme, wo nichts mehr weiter getan werden könne.

Garten des Luz Ocean Club in Praia da Luz bei Lagos

Blick in den Garten und Pool-Bereich des Luz Ocean Club, in dem die Familie McCann 2007 Urlaub machte. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Unterdessen geht in der 3.500 Einwohner kleinen Küsten-Kommune Praia da Luz das Leben seinen gewohnten Gang. Hinweise auf bevorstehende Gedenkveranstaltungen in der letzten April- oder ersten Mai-Woche sind weder hier noch andernorts zu erkennen. Transparente oder Plakate mit Maddies Konterfei fehlen, Fotos des Blondschopfes mit den markanten Kulleraugen sind im öffentlichen Raum nicht zu sehen. Die römisch-katholische Diözese teilt auf Anfrage distanziert und sachlich-nüchtern mit: „Wir kennen dieses Thema nur über die Medien und sind an der Sache nicht beteiligt. Diese Angelegenheit betrifft nur die Zivil- und Justizbehörden, die in allen Untersuchungsverfahren zuständig sind. Angesichts dessen nehmen wir dazu nicht Stellung.“ Ihr Pater José Manuel Pacheco, heute nach wie vor als Seelsorger im Ort tätig, hatte der Katholikin Kate McCann und ihrem Ehemann Gerry damals beigestanden.

 

Kirchen planen offenbar kein Gedenken in der Stadt

 

Schweigen über die Geschehnisse, die wir hier in einer Chronologie zusammengefasst haben, herrscht auch bei der anglikanischen Gemeinde St. Vincent. Eine E-Mail-Anfrage zu einem möglichen Gedenkgottesdienst bleibt unbeantwortet. Auf ihrer Internetseite verliert die St. Vincent-Gemeinde über die bewegenden Tage nach dem 3. Mai ebenfalls kein Wort. Ihr Pfarrer Haynes Hubbard hatte die McCanns damals seelsorgerisch betreut. Wichtiger ist der Gemeinde nun, kurz vor dem Jahrestag, eine „Kaffee und Kuchen“-Veranstaltung zu Fundraising-Zwecken. Und dass sich Karfreitag und Ostern zusammengerechnet rund 340 Gläubige der Church of England im gemeinsam mit den Katholiken genutzten Gotteshaus „Nossa Senhora da Luz“ versammelt hatten – so viele wie nie zuvor.

Vor zehn Jahren war Kate und Gerry McCann die Möglichkeit eingeräumt worden, in den dunklen Tagen nach dem Verschwinden von Maddie jederzeit in der schneeweißen Kirche mit der ockerfarbenen Außenmarkierung beten zu dürfen.

Unternehmer Wolfgang Bald aus Sagres

Wolfgang Bald

„Die Eltern sind jeden Tag in die Kapelle gegangen“, erinnert sich Wolfgang Bald. Der Nürnberger betreibt schon seit 1996 den Verkaufsstand „Letzte Bratwurst vor Amerika“ am nahegelegenen Cabo de São Vicente. Er bekam 2007 hautnah viel von den Ereignissen mit.

„Da folgten den McCanns – natürlich in gebührendem Abstand – immer einige Leute. Die Eltern hatten einen eigenen Schlüssel für die Kirche erhalten und konnten wenigstens innen in Ruhe sein und beten“.

Sehnsucht nach Ruhe statt nach erneutem Medienrummel

 

Irgendwann, nach einigen Wochen, sei die Stimmung in der Region dann umgeschlagen. „Es war einfach zu viel. Man hat gesagt: Es muss auch einmal wieder Ruhe einkehren“, so der Deutsche, der ein Portugalforum im Internet leitet. Nach seinem Empfinden waren Residenten und Urlauber damals zunächst wie im Schock: „Ganze Straßenzüge waren voll mit Übertragungswagen. Fernsehteams aus aller Welt berichteten, sowie Zeitungs- und Radio-Journalisten. Es hat sich in Praia da Luz praktisch keiner mehr so richtig aus dem Haus getraut, weil sofort drei, vier Reporter bei ihm waren. Das war ein richtiger Ausnahmezustand.“

Zeitungsausschnitt aus Skandinavien zu Familie McCann

Viele Boulevard-Blätter berichteten umfangreich. Foto: Alexander Rathenau

Die Journalisten hätten sich damals gewissermaßen „an jeden Strohhalm geklammert“ und ständig versucht, jeweils neue und andere Informationen zu ergattern, berichtet Bald. Der Ort schien ihm „hoffnungslos überschwemmt“ mit Reportern.

„Der ganze Medienrummel, der vom ersten Tag an schon losging, dürfte die polizeiliche Ermittlungsarbeit ungemein erschwert haben“, sagt der Geschäftsmann. Er vermutet dennoch, dass den portugiesischen Ermittlern höchstens kleinere Fehler unterlaufen seien. Gravierende Pannen hingegen habe es bei der gut geschulten portugiesischen Polizei aus seiner Sicht nicht gegeben.

Boulevard-Blatt macht deutschen Juristen zu Polizeipräsidenten Portugals

 

Rechtsanwalt Alexander Rathenau aus Lagos, Portugal

Alexander Rathenau

Auch Dr. Alexander Rathenau, zum Zeitpunkt von Madeleines Verschwinden als Rechtsanwalt in einer Kanzlei tätig, die nur wenige Meter von der Ferienanlage entfernt liegt, kritisiert, wie sich ein Teil der englischen Medien verhalten habe: „Obwohl es nichts weiter zu berichten gab, haben Pressevertreter wochenlang das kleine Dorf Praia da Luz belagert“. Da die Journalisten wenig Faktisches erfahren hätten, sei die Berichterstattung sehr oberflächlich gewesen und man sei auf die Suche nach Gesprächspartnern gegangen.

Rathenau, der heute deutscher Honorarkonsul an der Algarve ist, wurde 2007 mehrfach interviewt. „In einer skandinavischen Zeitung, die dem deutschen Blatt ‚Bild‘ ähnelt, wurde ich – mit meinem deutschen Namen – als der Polizeipräsident Portugals dargestellt… Dies macht die Qualität der Arbeit solcher Boulevard-Medien deutlich“, urteilt der Jurist.

Zufahrtsstraße mit portugiesischem Verkehrsschild

Achtzugeben auf Kinder, wird schon am Ortseingang von Praia da Luz geraten. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Hat die britische Regierung versucht, wie einige Beobachter hinter vorgehaltener Hand äußern, einen Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen, da sie durch den Medienrummel um die angesehene Akademiker-Familie aus Rothley in der Grafschaft Leicestershire unter Druck zu geraten glaubte? Und hat sie deshalb mit der Freigabe von Geldmitteln – bisher sollen alle Suchmaßnahmen rund 14 Millionen Euro gekostet haben – die Aufklärung unterstützt?

Rathenau hält sich diplomatisch zurück, betont, er könne ohnehin nur seine persönliche Meinung mitteilen.

 

Kein Verständnis für Rechtsstreit über Ermittler-Buch

 

Klar und eindeutig ist diese bei der Beurteilung des mehr als achtjährigen Rechtsstreits zwischen den Eltern McCann und Kriminalkommissar Gonçalvo Amaral, der nach seiner Suspendierung ein Buch veröffentlicht hatte, das dem britischen Arzt-Ehepaar missfiel, weil es die Entführungs-These in Zweifel zog: „Ich bin der Auffassung, dass der Kriminalkommissar mit seinem Bericht eine persönliche Meinung bzw. eine persönliche Überzeugung über das Tatgeschehen geschildert hat. Diese Schilderung wird durch die Meinungsfreiheit geschützt. Die Eltern des Kleinkindes hätten keine Klage gegen den portugiesischen Ermittler erheben sollen“, äußert der Anwalt und Advogado aus Lagos.

Ein deutscher Resident, der seit gut einem halben Jahr in Carvoeiro ansässig ist, unterstreicht, dass er verstehe, wenn Eltern mit dem Verlust eines Kindes nicht fertig würden, zumal wenn die Umstände ungeklärt seien. Aber dafür, dass die Sache durch einen Rechtsstreit über Jahre am Leben gehalten werde, habe er wenig Verständnis, fügt er hinzu. Nach seiner Beobachtung ist das Thema Maddie McCann in der hier starken deutschen Gemeinschaft „in der Versenkung verschwunden“. Für viele sei die Sache „abgetan“, auch wenn das vielleicht etwas herzlos klinge.

Strand von Praia da Luz bei Lagos mit schwarzem Felsen

Praia da Luz mit seinem schwarzen Felsen: Noch immer scheint kein Licht ins Dunkel des rätselhaften Falls. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Wolfgang Bald aus Sagres stimmt zu und sagt: „Es dürfte jeder froh sein, wenn der Jahrestag des 3. Mai vorbei ist. Die meisten sind bereits übersättigt an Informationen. Im Prinzip kann’s keiner mehr hören – so schlimm, wie es für das Kind ist“. Wer das Thema trotzdem anspricht und mit Engländern, Portugiesen und Deutschen redet, der spürt, wie schwer es manchem fällt, an die Theorie der Entführung eines ausländischen Urlauberkindes zu glauben.

Wenn überhaupt, dann könne es sich wohl nur um einen international tätigen Ring von ausländischen Tätern gehandelt haben, meint ein Frisör in Luz – etwa ein Kreis von Pädophilen oder von Menschenhändlern, die Kleinkinder rauben, um sie an Adoptionswillige in aller Welt zu verkaufen. Dass es „jemand von hier“ gewesen sein könne, hält er für ausgeschlossen. In der hiesigen dörflichen Region kenne doch praktisch jeder jeden…

 

Nicht wenigen fällt Glaube an Entführung schwer

 

Zu der wahrnehmbaren Stimmung hat offenbar auch die Lektüre des umstrittenen Amaral-Buchs beigetragen, dessen übersetzter Titel lautet „Die Wahrheit der Lüge“. Der portugiesische Chef-Ermittler, der nach Kontroversen mit britischen Spezialisten vom Dienst suspendiert worden war, legte in dem Werk seine subjektive kriminalistische Sicht dar. Vereinfacht dargestellt lautet sie: Es sei wohl keine Entführung oder kein Mord gewesen, sondern eher ein tragischer Unglücksfall, der anschließend vermutlich zu vertuschen versucht worden sei. In eine ähnliche Richtung hatte sich später die Kriminalfall-Analytikerin Pat Brown geäußert.

Jeder hier hat zu den Vorkommnissen seine eigene Meinung, seine subjektive Haltung, mancher neigt der einen oder anderen Spekulation zu, hat hier etwas persönlich gehört oder dort etwas Fragmentarisches den Medien entnommen. Doch Genaues, Konkretes, Gesichertes ist selbst zehn Jahre nach dem Vorfall, der die Welt erschütterte, und nach mehr als 8.680 von den Ermittlern ausgewerteten Einzelhinweisen aus 101 Ländern kaum greifbar.

Strandpromenade Praia da Luz mit Restaurant am Felsen

Ferienparadies für viele britische Kinder: der Strand von Praia da Luz bei Lagos an der Algarve. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Auch zu der Frage, ob der Vermisstenfall dem Touristenort Praia da Luz wirtschaftlich geschadet habe, gibt es keine von Fakten gestützten Einschätzungen. „Es war ein gravierender Umsatzrückgang in der Zielgruppe der britischen Familien mit Kindern zu bemerken. Der wurde aber später kompensiert von Touristen aus anderen Nationen“, hat Unternehmer Bald beobachtet. Die zuständige Stadtverwaltung von Lagos und das Tourismusbüro hingegen bleiben auf offizielle schriftliche Anfragen zu der Thematik jeweils eine Antwort schuldig.

Ein Immobilienmakler aus Almancil bei Loulé bestätigt, dass in Portugal „das Thema durch“ sei. Der gebürtige Deutsche macht die immer größere Schnelllebigkeit dafür verantwortlich, dass besonders in den zurückliegenden Jahren die Sensibilität und auch das Interesse für solche menschlich bewegenden Themen verloren gegangen seien.

 

Portugiesen lehnen Alleinlassen von Kindern ab

 

Hört man im persönlichen Gespräch mit Portugiesen, etwa beim Frisör oder im Lebensmittel-Laden, genauer hin, spürt man auch heute noch, wie unfassbar das Verschwinden des damals fast vierjährigen britischen Urlauberkindes Maddie für viele Einheimische geblieben ist. Hier spielen unterschiedliche Mentalität und Rechtslage eine wichtige Rolle. Meistens nehmen portugiesische Eltern abends ihre Kinder mit, wenn sie zum Essen ausgehen. Und wenn sie nach Rückkehr später noch einmal das Haus verlassen wollen, greifen sie meist auf jemand zurück, der dann auf die Kinder aufpasst, damit der gesetzlichen Aufsichtspflicht Genüge getan ist.

Werbeschild Luz Ocean Club in Praia da Luz

Foto: Hans-Joachim Allgaier

Mit einem derartigen Babysitting-Angebot wirbt der Luz Ocean Club auch heute noch. Den Eltern McCann war diese Option bekannt, sie machten davon aber am 3. Mai 2007 keinen Gebrauch und ließen die dreijährige Madeleine und die zwei Jahre alten Zwillinge Sean und Amelie allein im Appartement 5A, um mit einer Gruppe enger Freunde in einer nahe gelegenen Tapas-Bar zu Abend zu essen. Sie schauten nur hin und wieder nach den Kleinen – abwechselnd mit anderen aus der Gruppe. Warum sie nicht ganz „auf Nummer Sicher“ gingen, versteht hier unter den Einheimischen bis heute kaum jemand…

 

Ob Maddie wie durch ein Wunder noch auftaucht?

 

Wer sich in der Region des Geschehens umhört, stellt nicht besonders viel Hoffnung darauf fest, dass die seit zehn Jahren vermisste Maddie als heute fast vierzehnjähriger Teenager irgendwo wieder auftaucht. Die Mehrheit der Portugiesen sei der Meinung, dass die Vermisste nicht mehr lebe, schätzt ein Beobachter ein. Ein anderer meint, ein Auffinden sei zwar wünschenswert, aber er zweifle daran, ob etwaige Berichte darüber, was mit dem Mädchen in der Zwischenzeit geschehen sei, positiven Inhalt haben könnten.

Strand von Praia da Luz bei Lagos

Eltern passen am Strand von Praia da Luz auf ihre Kinder auf. Foto: Hans-Joachim Allgaier

So bleibt ein Blick in die Statistik, um die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftauchens zu bewerten. Allein in Deutschland galten nach Angaben des Magazins Focus Anfang dieses Jahres 11.000 Kinder bis zu 17 Jahren als vermisst. Die Bundeskriminalbeamten haben in dieser Zahl alle ungeklärten Fälle seit Beginn der fünfziger Jahre zusammengefasst. Nach Behördenaussagen werden in Deutschland täglich durchschnittlich 20 Kinder als vermisst gemeldet, aber zum Glück bleiben nur wenige auch nach längerer Zeit noch verschwunden.

Einen Hoffnungsschimmer kann zum Beispiel die Erinnerung an den Fall der Österreicherin Natascha Kampusch stiften, der 2006 die Gemüter weltweit bewegte: Sie war im Alter von zehn Jahren verschleppt und acht Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten worden, bis ihr doch noch die Flucht gelang. Und auch das Wiederauftauchen von drei zehn Jahre lang vermissten Mädchen in Cleveland 2013 sowie die Fälle Elisabeth Fritzl, Jaycee Lee Dugard und Shawn Hornbeck können helfen, die Zuversicht nicht sinken zu lassen.

Wie ein Wunder mutet schließlich auch an, was vor wenigen Monaten, im Januar 2017, bekannt wurde: Die Amerikanerin Kamiya Mobley aus Florida, die wenige Stunden nach ihrer Geburt am 10. Juli 1998 gekidnappt worden war, konnte nach 18-jähriger Suche lebend aufgefunden werden – in South Carolina, mehrere hundert Kilometer von ihrem Geburtsort Jacksonville entfernt. Ein nach einem anonymen Hinweis durchgeführter DNA-Test bestätigte ihre wahre Identität – und dass sie nicht die leibliche Tochter der Entführerin ist, bei der sie aufgewachsen war…

Wonne plus Sonne: Im Mai in Portugals Natur-Paradies

Portugals Südküste steht vom 5. bis 14. Mai wieder ganz im Zeichen des aktiven Naturtourismus: Während der dritten „Algarve Nature Week“  stehen bei frühlingshaft milden Temperaturen Freiluft-Aktivitäten wie Vogel- und Wal-Beobachtung, Radfahren, Wanderungen durchs hügelige Hinterland sowie Surfen, Kayakfahren und Tauchen im Atlantik besonders hoch im Kurs – aber zu günstigen Preisen. Der Tourismusverband der Algarve hat dafür entsprechende Angebotspakete geschnürt. Touristen und Residenten sollen so die Reize einer grünen Region vor Augen geführt werden, die flächenmäßig so groß ist wie das Saarland und knapp so viele Einwohner hat wie die Stadt Duisburg.

Wandern in Südportugal

Gelbe Sonne, grüne Natur, milde Meeresluft: Der Mai lockt zum Wandern an Portugals Südküste

Fragt man die Verantwortlichen der Região de Turismo do Algarve (RTA), so gibt es fünf Hauptgründe, welche die mit Sonnenstunden reich bedachte grüne Region im Süden Portugals so attraktiv für Naturliebhaber machen und einen Besuch des Events im Mai lohnen.

  1. Fast 40 Prozent der gesamten Fläche der Algarve stehen unter Naturschutz. Vor allem Ökotouristen dürften in dem von der Welt-Tourismusorganisation WTO ausgerufenen Jahr des nachhaltigen Tourismus hier viele Orte und Landstriche von besonderer biologischer Bedeutung finden.
  2. ANW Logo

    Das Logo zur Veranstaltung im Mai

    Rund 130 Outdoor-Angebote locken im Verlauf der zehntägigen Veranstaltung sowie 80 bei der zentralen Ausstellung in Tavira. 60 Unternehmen laden zu den Aktivitäten ein, bei denen zum Beispiel auch Pferde und Esel zum Einsatz kommen oder man sich per Boot, Kayak, Surfboard oder Stand-up Paddle fortbewegt.

  3. In Quatro Águas bei Tavira findet von 5. bis 7. Mai eine Ausstellung statt, auf der die Besucher die Naturtourismus-Aktivitäten kennenlernen können, welche die gesamte Region das ganze Jahr über bietet. Am ersten Tag, dem Freitag, ist der Besuch kostenlos. 26 Unternehmen, 20 institutionelle Aussteller und 15 regionale Produzenten informieren die Gäste.
  4. Die Preise für die Aktivitäten sind auf der Algarve Nature Week recht erschwinglich. Das macht es möglich, im Verlauf der zehntägigen Veranstaltung einen guten Überblick zu gewinnen.
  5. Insgesamt 14 Partner bieten den portugiesischen und ausländischen Gästen der Natur-Woche ihre Unterkünfte an. Es gibt kombinierte Pakete für Übernachtung, Frühstück und Aktivitäten in der Natur.
Radwander-Tourismus im Süden Portugals

Hoch zu (Stahl-)Ross: Schöne Wege durch die Natur locken Radwanderer in den sonnigen Süden Portugals. Fotos: RTA

RTA-Präsident Desidério Silva möchte, dass die Algarve als klassisches Ziel für Sonnen- und Meeres-Liebhaber sich künftig noch stärker auch als Destination für Natur-Touristen postioniert, die auch gerne wandern, mit dem Rad fahren, reiten oder gern Vögel beobachten. „Das ist bereits in unseren strategischen Marketing-Plan aufgenommen, der gerade überarbeitet wird“, verrät er.

Die Algarve Nature Week soll in diesem Zusammenhang dazu beitragen, das Wissen über die Schönheiten der Natur in der Region mit dem ausgeglichenen mediterranen Klima zu erhöhen und zu vertiefen.

In die Wohnungen an Portugals Südküste geschaut – eine Einrichtungs-Studie

Wie wohnen die Menschen im Südwestzipfel des europäischen Kontinents und wie richten sie ihre eigenen vier Wände ein? Diese Fragen hat ein großer Möbelkonzern untersucht, der gerade sein erstes Einrichtungshaus in Südportugal eröffnet hat. Der Autor konnte in einer kleinen Gruppe von Journalisten Einblick in die Forschungsergebnisse nehmen.

Wohnungen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die in ihnen leben. Gewohnheiten, Lebensstile, bauliche Voraussetzungen und manche anderen Faktoren sorgen für regionale Besonderheiten. Zum Beispiel sind mit 73 Prozent fast drei Viertel der Familien an der Algarve Eigentümer ihrer Wohnung. Diese ist mit 106,68 Quadratmetern Fläche im Durchschnitt größer als etwa in Lissabon oder Porto.

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Journalisten studieren die Einrichtungs-Situation. Fotos: Hans-Joachim Allgaier

Für Familien bedeutet das im portugiesischen Sonnenparadies einerseits mehr Komfort, andererseits aber auch proportional höhere Kosten für Möbel und Dekoration.

Die Sortimente der hier tätigen Handelsunternehmen stellen sich darauf ein. Angestrebt wird stets ein gutes Verhältnis von Preis und Leistung.

Nach den vorliegenden Untersuchungsergebnissen bei hiesigen Appartements sind 30 Prozent für zwei oder drei Personen ausgelegt und 23 Prozent für vier oder mehr. Von den Häusern ist jedes Vierte alleinstehend. In 22 Prozent der Fälle handelt es sich um Doppelhaushälften.

42 Prozent der Haushalte in Portugals Südküste weisen drei oder mehr Personen auf, ein Drittel sind Zwei-Personen-Haushalte und ein Viertel Single-Haushalte. Eine wichtige Rolle spielen Kinder in den Wohnungen der Region. Jeweils rund ein Viertel der Familien hat Kinder im Alter von 0 bis 4, 5 bis 9, 10 bis 14 und 15 bis 19 Jahren.

 

Wohn- und Ess-Zimmer

 

Wie in den meisten portugiesischen Wohnungen sind auch zwischen Vila Real de Santo António und Sagres in 61 Prozent der Haushalte Wohn- und Ess-Bereich integriert. Jedoch geben nur rund 35 Prozent der Befragten an, das Esszimmer auch regelmäßig zu nutzen. Die übrigen 65 Prozent machen davon nur gelegentlich Gebrauch und setzen ihn meistens ein, wenn sie Gäste empfangen.

IMG_0747 (2)Das Wohnzimmer hingegen wird vielfältig genutzt – für Entspannung, Fernsehen, Video-Spiele und fürs Lesen und als Ort, in dem man die Freizeit mit Familie und Freunden verbringt. Deshalb gibt es in Algarve-Haushalten auch mehr Sofas in Wohn- und Esszimmern, meistens Dreisitzer in dunkelfarbigem Kunstleder.

40 Prozent der Befragten servieren Gästen das Essen im Wohnzimmer, mehr als die Hälfte sitzt dabei nicht auf einem Sofa.

Hier eine Liste von Gegenständen, die am häufigsten in den Wohnzimmern der Region zu finden sind:

Im Wohnzimmer sind vorhanden Anteil der Befragten
Bilderrahmen und Fotos 80 Prozent
Malereien und Zeichnungen 78 Prozent
Bücher 56 Prozent
DVDs, CDs 50 Prozent
Zeitschriften 43 Prozent
Küchen-Textilien 42 Prozent
Geschirr, Besteck 38 Prozent
Wichtige Dokumente 29 Prozent

 

Küche

 

Wie der Konzern bei seiner Marktforschung in Portugals Süden herausfand, nehmen die meisten Familien ihre Mahlzeiten in der Küche ein. In 81 Prozent der hiesigen Haushalte ist der Küchentisch mehr als einen Meter lang. Im Landesdurchschnitt kommen nur 62 Prozent der portugiesischen Haushalte auf diesen Wert. Ähnlich hoch ist der Anteil derer, die eine Kühl-/Gefrier-Kombination in der Küche stehen haben: 87 Prozent.

IMG_0754 (2)Knapp drei Viertel der Bevölkerung kocht jeden Tag zuhause, verbringt also beträchtliche Zeit in diesem Teil der Wohnung: zweieinhalb Stunden an Wochentagen und fast drei Stunden an Wochenenden.

Aber die Zubereitung von Speisen und Getränken ist längst nicht alles, was in den Küchen des Sonnenparadieses passiert. 51 Prozent der Befragten führen hier ihre Gespräche, 28 Prozent sehen beim Essen fern, 19 Prozent empfangen in der Küche ihre Gäste, 11 Prozent erledigen hier ihre Hausaufgaben und 10 Prozent arbeiten von hier aus.

 

Diele

 

In der erforschten Region, so die Ergebnisse, haben nur 68 Prozent der Haushalte eine Diele als Eingangsbereich. Sie ist im Durchschnitt sehr klein: 3,46 Quadratmeter. Das verlangt geradezu nach Kleinmöbeln und Dekorationsartikeln, die diesem Raum fürs Kommen und Gehen eine freundliche Stimmung geben.

Vor allem auf gutes Licht wird Wert gelegt: Zwei Drittel der Befragten bevorzugen Leuchtkörper mit hoher Energie-Effizienz. 22 Prozent dekorieren die Diele mit künstlichen, 16 Prozent mit lebenden Pflanzen und Blumen, so der Bericht.

 

Schlaf- und Kinder-Zimmer

 

Der Raum, in dem der Tag beginnt und endet, wird von fast zwei Dritteln fürs Schlafen genutzt, von 45 Prozent aber auch fürs Lesen und von 43 Prozent zum Fernsehen. In Algarve-Schlafzimmern, so die Forscher, sind vorwiegend dunkle Hölzer anzutreffen.

In fast zwei Dritteln der Fälle hat das Schlafzimmer ein Fenster in der Mitte der Außenwand. 31 Prozent der Schlafzimmer haben ein Balkon- oder Terrassen-Fenster.

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Fast alle Kinder in den untersuchten Haushalten (96 Prozent) leben in einem eigenen Zimmer der elterlichen Wohnung, das im Durchschnitt 11,6 Quadratmeter groß ist. Auffällig ist, das in Kinderzimmern des südlichen Portugals weniger Fernseher und Spielekonsolen stehen als im Rest des Landes.

Weil die Kinder gern auf dem Boden spielen, kommt es besonders auf die Ausstattung mit Teppichen an. Die Kinderzimmermöbel weisen fast alle Farben auf – von Blau bis Pink; aber auch neutralere Töne wie Beige oder Grau sind zu finden.

Diese Dinge sind in den südlichsten Kinderzimmern Portugals am häufigsten anzutreffen:

Im Kinderzimmer sind vorhanden Anteil der Befragten
Teppich(e) 67 Prozent
Einzelbett 54 Prozent
Kommoden 51 Prozent
Garderobe 48 Prozent
Schreibtisch 47 Prozent
Bücherregale 40 Prozent
Computer 27 Prozent
Fernseher 26 Prozent
Spiele-Konsole 5 Prozent

 

Badezimmer

 

Im Badezimmer wird das meiste Wasser eines Haushalts verbraucht. Aber laut der Untersuchung sind nur 18 Prozent der Wasserhähne in der von Faro aus verwalteten Region mit einer Wassersparvorrichtung versehen, die den Druck reduziert und hilft, die Verbrauchskosten zu senken.

IMG_1175 (2)Im Durchschnitt sind die Badezimmer in Südportugal 7,31 Quadratmeter klein, neben der Toilette meistens ausgestattet mit einem einzelnen Waschbecken, einem Bidet (82 Prozent) und einer Badewanne (77 Prozent). Eine Duschkabine weisen 23 Prozent der Algarve-Badezimmer auf.

Interessanter Nebenaspekt bei den Forschungsresultaten: Nur 11 Prozent der Bewohner im Süden des Landes geben an, im Badezimmer ihr Mobiltelefon oder ihren Tablet-PC zu nutzen. In ganz Portugal sind das immerhin 23 Prozent.

 

Balkon und Terrasse

 

An der Algarve, so der Bericht, haben 44 Prozent der Wohnungen Balkone – mehr als im übrigen Land. Diese können ganzjährig genutzt werden; ein wichtiger Unterschied zu anderen Regionen Portugals. Oft wird dieser Freizeitbereich auch fürs Wäschetrocknen eingesetzt, statt dafür ein Elektrogerät zu betreiben. Auf 27 Prozent der offenen Balkone stehen Stühle, auf 14 Prozent kleine Esstischchen.

 

14 Prozent der in der Studie analysierten Wohnungen besitzen einen geschlossenen Balkon. In fast zwei Dritteln der Fälle wird er als Stauraum genutzt, in 12 Prozent als Arbeitsraum. Als ein besonderes Charakteristikum von Balkonen der Region sehen die Experten an, dass fast jeder eine Art Hängevorrichtung besitzt, damit die Bewohner die Sonnenstunden ausnutzen können.

IMG_1180 (2)An Portugals sonniger Südküste nutzt aber auch immerhin ein Prozent der Befragten den Balkon für Arbeitszwecke.

Gut ein Fünftel der Wohnungen zwischen dem Grenzfluss Guadiana im Osten und dem Cabo de São Vicente im Westen hat sogar auch eine Terrasse. Hier wird dann meist gegrillt, im Freien gespeist oder es werden Gartengeräte abgestellt.

 

Die besten Algarve-Städte – zum Leben, Arbeiten, Urlaubmachen

In welcher Algarve-Stadt lebt es sich am besten? Wo an der portugiesischen Südküste haben Unternehmen günstigste wirtschaftliche Aussichten? Welcher Ort des Sonnenparadieses ist für Urlauber am attraktivsten? Auf diese und andere Fragen gibt das neuste Stadtmarketing-Ranking des Beratungshauses Bloom Consulting Antworten. Danach lässt es sich in Faro (unser Beitragsbild) besonders gut leben und investieren und Albufeira hat hervorragende Anziehungskraft auf Touristen.

Die Studie der Markenexperten stuft die portugiesischen Kommunen zum Beispiel nach ihren Leistungen auf den Feldern Wirtschaftskraft, Tourismus und Lebensqualität/Arbeit ein. Auch die digitale Nachfrage sowie die Internet-Nutzung spielen eine Rolle.

Bloom Städteranking Landkarte P

So verteilen sich die Top 25-Kreisstädte in Portugal.

Die Berater von Bloom Consulting fassten alle Faktoren zusammen und berechneten, dass die Algarve-Bezirkshauptstadt Faro im nationalen Vergleich von 308 portugiesischen Kommunen auf Platz neun zu setzen ist.

Damit konnte sich die Flughafenstadt gegenüber dem jüngsten Ranking um vier Positionen verbessern.

Weil Faro bei fast allen gemessenen Merkmalen zulegen konnte, kam es in der Gesamtwertung erstmals unter die zehn Bestplatzierten in Portugal.

In den Kategorien Wirtschaftskraft und Tourismus liegt die Algarve-Metropole auf Platz 11 des Landesvergleichs, bei Lebens- und Arbeits-Qualität auf Rang 17.

 

Gesamt-Wertung für Portugal

 

Unter die ersten 20 Plätze der Gesamtwertung schafften es auch die beiden Algarve-Städte Albufeira (17.) und Portimão (19.). Den Vorsprung verdankt Albufeira vor allem seinem guten Abschneiden in der Kategorie Tourismus (4. Platz im landesweiten Vergleich). Portimão, beim Faktor Tourismus landesweit nur zwei Positionen hinter Albufeira liegend, konnte vor allem beim Faktor Lebensqualität/Arbeit tüchtig punkten und kletterte um fünf Plätze nach oben (25. landesweit). Allerdings nimmt die Hafenstadt in der Rubrik Wirtschaftskraft nur Platz 27 ein. Einige Punktabzüge gab es auch auf den Feldern digitale Nachfrage und Nutzung sozialer Netzwerke.

Hier die Tabelle der Top 20-Städte Portugals. In Spalte 1 gibt sie den errechneten Rangplatz an und in Spalte 2 wird die Veränderung gegenüber der jüngsten Veröffentlichung angegeben. Hinter dem Ortsnamen ist die Platzierung in den Kategorien Wirtschaftskraft (links), touristische Anziehungskraft (Mitte) und Lebensqualität (rechts) angezeigt.

Bloom Städteindex 2017

 

Algarve-Ranking

 

Der Erfolg von Faro, Albufeira und Portimão auf der nationalen Ebene spiegelt sich auch im regionalen Ranking für die 16 Kreisstädte der Algarve wieder: Die drei Städte landeten wieder ganz vorn. Loulé konnte sich um zwei Positionen auf Rang vier verbessern. Tavira, Lagos, Olhão und Vila do Bispo verschlechterten sich jeweils um eine Position, während die beiden östlichen Kommunen Vila Real de Santo António und Castro Marim je eine Stufe auf der Leiter hochkletterten. Unverändert rangieren Silves (7), Aljezur (10), Lagoa (11), Monchique (14), São Bras de Alportel (15) und Alcoutim (16) im regionalen Ranking der Algarve-Städte. Von allen Kommunen an der Südküste Portugals hat Alcoutim die schlechteste Position im nationalen Vergleich: Platz 257 von insgesamt 308.

Unsere Ranking-Tabelle der Algarve-Städte zeigt in Spalte 1 den ermittelten Rangplatz und in Spalte 2 die Veränderung gegenüber der jüngsten Auswertung. Die Spalten hinter dem Ortsnamen enthalten die jeweilige Platzierung in den Kategorien Wirtschaftskraft, touristische Anziehungskraft und Lebensqualität (von links nach rechts). Ganz am Rande ist zum Vergleich die Position der Stadt in der landesweiten Gesamtwertung angegeben.

Bloom Regional Ranking Algarve

Quelle aller Abbildungen: Bloom Consulting

 

Details zur Untersuchungs-Methode

 

Die Experten des Beratungshauses für Länder, Regionen und Städte sehen in einer Marke einen materiellen und immateriellen Vermögenswert, der durch strategisches Management gesteigert werden kann. Bloom Consulting betrachtet dabei fünf Ziele als wesentlichste: Gewinnung von Investitionen, Touristen und Arbeitskräften, Steigerung der Bekanntheit und Erhöhung der Exportkraft. Jede dieser Dimensionen habe eine andere Zielgruppe und diese wiederum ihre spezifischen Bedürfnisse.

Bloom Städteranking Landkarte Algarve

Top bewertet an der Algarve: die Städte Faro (1.), Albufeira (2.) und Portimao. Alle Grafiken und Tabellen: Bloom Consulting

Um die jeweilige Zielerreichung der Städte vergleichen zu können, hat das Beratungshaus ein eigenes Berechnungsverfahren entwickelt. Es soll nicht nur die Wahrnehmung einer Kommune anzeigen, sondern auch nachvollziehbar und realistisch bewerten, wie hoch die Leistungskraft einer städtischen Marke ist. Ausgewertet werden Daten der Wirtschaftsstatistik, aber z.B. auch Angaben zur Nutzung des Internets (Websites, soziale Netzwerke usw.). Dabei greift Bloom Consulting auf ein selbst entwickeltes Werkzeug zurück, welches das Gesamtvolumen von Online-Suchen nach unternehmensbezogenen, touristischen oder Lebensqualitäts-Aspekten in einer Stadt messen kann.

Protest vor Osterfest: Tourismus-Beschäftigte fordern bessere Bedingungen

Lautstarke Kritik an den Arbeitsverhältnissen in Hotellerie, Gastronomie und ähnlichen Tourismussektoren an der Algarve ist am Gründonnerstag, 13. April, geübt worden: Die zuständige Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder zu einer Protest-Kundgebung in Vilamoura aufgerufen. Sie begann um 18:30 Uhr vor dem Hotel Crowne Plaza (Rua do Oceano Atlântico). Von dort aus zogen die Gewerkschaftler durch das Stadtzentrum bis zum Hotel Luna Olympus (Avenida da Marina, Lote H1). Anwesend war auch Arménio Carlos, Generalsekretär des Lissaboner Dachverbands CGTP-IN.

Nach Angaben der Gastgewerbe-Gewerkschaft wurde Vilamoura ausgewählt, weil das dortige Crowne Plaza-Hotel im vergangenen Jahr drei Arbeitnehmervertreter entlassen habe, die sich für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen eingesetzt hätten. Gefordert wird die Wiedereinstellung der betroffenen Gewerkschaftsmitglieder.

Mit ihrer Aktion wollte die Gewerkschaft vor allem aber auch Aufmerksamkeit auf die schwierige soziale Situation von Beschäftigten in touristischen Betrieben lenken. Obwohl der Reisesektor an der Algarve Jahr für Jahr neue Rekorde verzeichne, sänken die verfügbaren Einkommen weiter und der Arbeitsdruck steige, so das “Sindicato dos Trabalhadores da Indústria de Hotelaria, Turismo, Restaurantes e Similares do Algarve” (STIHTRSA).

Protestkundgebung Algarve Hotellerie

Rund 70 Demonstranten zogen laut Gewerkschaft durch Vilamoura. Foto: STIHTRSA

“Die Arbeiter sind die einzigen, die nicht von den hervorragenden Ergebnissen profitieren, die in den vergangenen Jahren erreicht wurden”, sagt Tiago Jacinto von der STIHTRSA in Faro. Hotels, Restaurants und andere Tourismus-Betrieb hätten 2016 ihre Einnahmen allein um 17 Prozent erhöhen können und starke Produktivitätszuwächse erzielt. Die Löhne hingegen seien auf gleichem Niveau geblieben. Jacinto sprach von Kaufkraftverlusten in Höhe von neun Prozent, welche die Beschäftigten seit 2010 durch die Inflation erlitten hätten.

Die Branchen-Gewerkschaft kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Politik der früheren Regierungskoalition der Parteien PS, PSD und CDS, die zu Einkommenseinbußen und zu mehr prekären Arbeitsverhältnissen geführt habe. Unter anderem waren Steuern erhöht und Überstunden- und Feiertagsvergütungen gesenkt worden. “Angesichts dieser Situation gibt es keine andere Alternative, als für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen zu kämpfen, um das Grundrecht auf ein würdiges Leben einzulösen”, heißt es bei der STIHTRSA. Wenn sich die Situation der Beschäftigten nicht schnell verbessere, sei „der soziale Frieden in der Region beeinträchtigt“, stellt die Gewerkschaft fest.

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Protest-Aktion in Alvor im Februar 2017. Foto: STIHTRSA

Ende Februar hatte die Gastgewerbe-Gewerkschaft bereits eine Protestaktion vor den Pestana-Hotels Dom João II und Alvor Praia in der Nähe von Portimão durchgeführt. Dabei ging es um die Forderung, dass der Karnevalsdienstag in den Algarve-Hotels dieser Gruppe genauso als Feiertag anerkannt werden solle, wie in den übrigen Hotels im ganzen Land.

Für Mitarbeiter der MGM Hotels & Resorts Gruppe hatte die STIHTRSA im Januar eine Lohnerhöhung um drei Prozent und mindestens 30 Euro aushandeln können. Diese folgte einer Anhebung um zwei Prozent und mindestens 30 Euro im Sommer 2016. Die Erhöhung war nach Arbeitskampfmaßnahmen des Reinigungspersonals im Clube Praia da Oura zugestanden worden.

Im Bemühen darum, das Abrutschen breiterer Schichten in prekäre Arbeitsverhältnisse zu verhindern, hatten Gewerkschaftler des Dachverbands CGTP-IN im Rahmen einer landesweiten Aktion am 14. März am Postverteilzentrum Guia, am Flughafen Faro und mehreren Stellen in der Innenstadt sowie in Portimão am Jupiter Hotel, dem Casino Hotel Algarve und am Hotel Praia da Rocha auf die Situation aufmerksam gemacht. Vor allem wenden sich die Arbeitnehmervertreter mit ihrer Informationskampagne dagegen, dass Arbeitsplätze oft nicht dauerhaft vergeben werden und die Belastung überhand nehme.

 

Die Branche wächst, aber die Löhne bleiben niedrig

 

In den vergangenen Jahrzehnten hatten die Beherbergungsbetriebe an der Südküste Portugals ihre Bettenkapazität massiv erhöht. Derzeit sind laut Branchenexperte Sérgio Palma Brito gut 110.000 Betten in registrierten Unterkünften verfügbar. Die Branche kämpft aber sowohl mit großen Auslastungsunterschieden im Verlauf eines Jahres als auch mit der Konkurrenz privater Vermieter.

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Foto: Hans-Joachim Allgaier

Im Winter schließen nicht wenige Algarve-Hotels mehrere Wochen oder gar Monate lang. Das wird, weil eine anlasslose Schließung gesetzlich nicht erlaubt ist, meist mit Betriebsferien oder Renovierungsarbeiten begründet.

Gelegentlich werden auf diese Art und Weise aber schlicht Kosten gespart. Das Personal steht in dieser Zeit „auf der Straße“. An den Eingangstüren der Hotels weisen Zettel darauf hin, dass kein Service geboten werden könne, weil Reservierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Aber schaut und hört man, ob von außen etwas spürbar ist von baulichen Veränderungen, stellt man nicht selten fest, dass sich überhaupt nichts rührt. Die Aufsichtsbehörden scheinen offenbar ein Auge zuzudrücken…

Hotelbetten Algarve Sergio Palma Brito CCDR

Hotelbettenkapazität (in Tausend) in registrierten Unterkünften an der Algarve. Grafik: Sergio Palma Brito

Die Anbieter teilen sich praktisch in zwei Gruppen auf. Auf der einen Seite gibt es die wettbewerbsfähigen Betriebe, welche die qualifizierten Anforderungen des Marktes erfüllen. Sie sind gut gepflegt und werden regelmäßig renoviert. Hier zahlen sich die Investitionen gut aus.

Auf der anderen Seite kämpfen Betriebe für weniger anspruchsvolle Gäste mit der stagnierenden oder sinkenden Nachfrage nach solchen Angeboten. Die Unterkünfte, die nicht selten unmittelbar an der Küste liegen, wurden in den vergangenen Jahren nicht gewartet und renoviert; sie sind veraltet. Viele Unternehmen haben nicht das Personal, um Innovationen im Produktbereich umzusetzen.

Viele zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse, außergewöhnliche und lange Arbeitszeiten, geringe Bezahlung – all das sind Faktoren, die bei den Tourismus-Beschäftigten an der Algarve immer mehr auf Kritik stoßen, vor allem auch angesichts des Branchen-Booms der vergangenen Jahre. Sogar landes- und sektorenweit ist die Zufriedenheit der Portugiesen mit den wirtschaftlichen Bedingungen noch immer eingetrübt. Wie die Lissaboner Statistik-Behörde INE im vergangenen Jahr mitteilte (wir berichteten), ist der entsprechende Index nach seinem Tiefststand 2013 nur wieder leicht erhöht – bis 2015 auf knapp 90 Prozent des Werts von 2004. Zum Vergleich: Die Zufriedenheit mit der Lebensqualität im Lande liegt – gemessen an 2004 – bei gut 130 Prozent.

Der umfassende, so genannte „Well-Being Index“ (WBI) rangiert in Portugal ein Stück dahinter – bei 118,4 Prozent. Um ihn zu ermitteln, werden zehn Bereiche abgefragt. Bildung, Umwelt sowie Bürgerbeteiligung und Regierungsführung gehörten bei den Portugiesen zuletzt zu den am besten bewerteten Aspekten gewesen. Erwerbsarbeit, die Entwicklung des persönlichen Einkommens und die wirtschaftliche Verwundbarkeit wurden aber am negativsten beurteilt.

Schnell an die Algarve: aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

In diesem Sommer ist Portugals sonnige Südküste auf elf neuen Flugstrecken und durch 15 neue Liniendienste erreichbar. Der Flughafen Faro ergänzt die Deutschland-Flüge durch Verbindungen mit Dresden, Erfurt-Weimar und Münster/Osnabrück. Sie werden von der Fluggesellschaft Germania angeboten, die bereits von Nürnberg aus Faro anfliegt. Durch die neue tägliche Ryanair-Verbindung mit Frankfurt/Main wird auch Deutschlands größtes Drehkreuz noch stärker an die Algarve angebunden. Lufthansa und TUI bedienen diese Strecke ebenfalls. Insgesamt steigt die Sitzplatzkapazität auf Flügen zwischen Faro und deutschen Flughäfen um gut ein Viertel. Mit 26 Prozent ist dies eine der höchsten Steigerungsraten der Märkte für Algarve-Tourismus. Auch das verstärkte Engagement von TAP Portugal (wir berichteten) auf Deutschland-Verbindungen kommt Faro indirekt zugute.

Flughafenchef Alberto Mota Borges freut sich zudem über die neuen Ziele Budapest, Göteborg, Lille, Newquay, Nizza, Warschau, Maastricht und Ostende im Sommerflugplan. Insgesamt wächst das Angebot auf Algarve-Verbindungen damit um 17 Prozent auf 8,4 Millionen Sitze. Damit können rund eine Million Plätze mehr verkauft werden als im Sommer vergangenen Jahres.

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Darf 2017 mit weiteren Rekord-Passagierzahlen rechnen: Flughafen Faro. Foto: Airport

 

Flieger kommen von 100 Orten an die Algarve

 

In der Hochsaison wird der Süden Portugals von mehr als 100 Flughäfen in 20 Ländern aus angeflogen. 50 Fluggesellschaften bringen die Passagiere an die Algarve und wieder zurück. Der Marktanteil des Großbritannien-Verkehrs für den Flughafen Faro wird am Ende der Hochsaison bei knapp über 50 Prozent liegen. 30 Airports im Vereinigten Königreich werden bedient und die Sitzplatzkapazität auf diesen Strecken dürfte um 15 Prozent zunehmen, so das Management.

Fluggäste aus Frankreich können den Süden Portugals im Sommer 2017 von zehn Flughäfen aus erreichen. Das Sitzplatzangebot wächst, nach ungewöhnlich starer Steigerung im vergangenen Jahr, abermals – um rund 30 Prozent. Die neuen Frankreich-Destinationen Lille und Nizza verbindet EasyJet mit Faro. Mehr Flugverbindungen mit der Algarve wird es in Bordeaux, Marseille und Nantes geben (durch Volotea) sowie in Paris (EasyJet).

 

Germania weitet Faro-Engagement kräftig aus

 

In Deutschland hat – wie berichtet – vor allem die Fluggesellschaft Germania ihr Algarve-Engagement ausgeweitet, indem sie nun insgesamt vier Flughäfen mit Portugals Südküste verbindet. „Faro ist ein Reise-Hotspot: Von dort aus geht es an die Atlantikküste, zu geheimnisvollen Höhlen, tollen Stränden und zu einem Kult-Imbisstand mit der ‚letzten Bratwurst vor Amerika‘ – alles in allem ein Ort der Weite und der Sehnsucht“, sagte Claus Altenburg, Director Sales, zur Saisoneröffnung. Die Airline freue sich, „Faro als neue Destination entwickeln zu dürfen“ und empfehle auch Ausflüge ins Landesinnere.

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Foto: Airline

Seit dem 30. März fliegen die grün-weißen Germania-Jets zwei Mal wöchentlich ab Dresden (donnerstags und sonntags) in die südportugiesische Stadt. Von Erfurt-Weimar werden Direktflüge ab April und von Nürnberg ab Mai immer donnerstags und sonntags angeboten. Von Münster/Osnabrück aus geht es ab Mai immer montags an die Algarve, ab Mitte Juni kommt eine zweite Verbindung donnerstags hinzu.

One-Way-Flüge nach Faro gibt es bereits ab 79 Euro. Entgegen dem Trend bietet Germania an Bord kostenfreie Snacks, Softdrinks, Zeitschriften und mindestens 20 Kilogramm Freigepäck.

 

Weitere Angebote für Algarve-Touristen aus deutschsprachigen Ländern

 

Hier ein Überblick über zusätzliche Verbindungen im Flugverkehr zwischen Deutschland und der Algarve: EasyJet bietet erstmals an 30 Wochen jeweils zwei Flüge pro Woche von Berlin-Schönefeld nach Faro an. Ryanair erhöhte die Zahl der Verbindungen aus Köln/Bonn – statt wie bisher dreimal geht es in diesem Sommer fünfmal pro Woche vom Rhein an die portugiesische Südküste. Dem Beispiel folgte die Lufthansa-Tochter Germanwings bzw. Eurowings: Statt durchschnittlich zweimal heben am Rhein im Sommer dreimal pro Woche Jets in Richtung Faro ab.

Niki bedient die bisherigen Airberlin-Verbindungen in das Sonnenparadies an der Südwestspitze Kontinentaleuropas weiterhin von Hamburg, Berlin-Tegel und München aus. Insgesamt zwölf Flüge pro Woche führt die TUI-Gruppe von Deutschland an die Algarve durch. Jeweils zweimal starten die Maschinen in Düsseldorf, München und Stuttgart. In Frankfurt/Main und Hannover werden die Frequenzen in der Hochsaison von zwei auf drei wöchentliche Verbindungen erhöht.

Schweizer Fluggäste haben im Sommer die Möglichkeit, die Algarve von Basel und Genf aus mit EasyJet und von Zürich aus mit den Gesellschaften Swiss (Flugdurchführung: Edelweiss Air) und Niki anzufliegen. Den Markt Österreich bedienen mit Verbindungen Wien-Faro die Airlines Niki und Eurowings.

Dies ist die Übersicht über alle Flughäfen und Fluggesellschaften, die im Sommer 2017 in den Algarve-Verkehr von deutschsprachigen Ländern aus einbezogen sind. Angegeben sind für den Monat April auch die Flugtage – von mo wie montags bis so wie sonntags. Im Verlauf des Sommerflugplans können weitere Verkehrstage hinzukommen.

Deutschland
Berlin
Berlin-Schönefeld
easyJet: di, fr
Berlin-Tegel
Eurowings: so
Niki: mo, mi, fr, so
Bremen
Ryanair: do, so
Cologne (Köln/Bonn)
Ryanair: mo, mi, do, fr, so
Eurowings: mo, mi, sa
Dresden
Germania: do, so
Düsseldorf
TUI: mi, so
Eurowings: mo, fr, sa
Niki: mo, fr, sa, so
Düsseldorf-Weeze
Ryanair: mo, mi, fr, so
Erfurt-Weimar
Germania: do, so
Frankfurt
Frankfurt/Main
Ryanair: täglich
TUI: mi, so
Lufthansa: täglich
Frankfurt-Hahn
Ryanair: di, mi, fr, sa, so
Hamburg
Ryanair: mo, mi, fr
Eurowings: mi, sa, so
Niki: mi, sa, so
Hannover
TUI: mo, mi, sa, so
Eurowings: di, so
Memmingen
Ryanair: di, do, sa
München
TUI: mi, so
Eurowings: mi, sa
Transavia: mo, mi, fr, sa
Niki: mi, so
Lufthansa: fr, sa, so
Münster/Osnabrück
Germania: mo
Nürnberg
Germania: mo
Stuttgart
TUI: mi, so
Eurowings: mi, sa
Österreich
Wien
Eurowings: do, sa
Niki: mi, sa
Schweiz
Basel
easyJet: mo, mi, sa
Genf
easyJet: mo, di, mi, do, sa
Zürich
Niki: do, so
Edelweiss/Swiss: di, fr

 

Ryanair fliegt 27 Prozent des Faro-Verkehrs

 

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Hat auf dem Flughafen Faro eine Reihe an Boeing-Jets stationiert: Die irische Billigfluglinie Ryanair. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Die bedeutendste Airline für den Flughafen Faro ist und bleibt der irische Billigflieger Ryanair. Auf ihn entfielen im vergangenen Jahr allein 27 Prozent des Algarve-Flugverkehrs. Außer der neuen Destination Warschau-Modlin fliegt Ryanair von seiner in Faro eingerichteten kleinen Basis aus in diesem Sommer auch diese Ziele regelmäßig an: Aberdeen, Belfast, Bremen, Cardiff, Düsseldorf-Weeze, Frankfurt (Rhein-Main, Hahn), Hamburg, Köln/Bonn, London-Luton, Marseille, Memmingen, Newquay und Newcastle. Die Low-Cost-Fluglinie aus Irland kann damit im Algarve-Verkehr jährlich 2,4 Millionen Passagiere transportieren.

Vom Flughafen Faro zur Unterkunft: Mietwagen, Taxi, Bus oder Zug nehmen?

Haben Sie eine Flugreise an die Algarve gebucht und fragen sich, wie sie am schnellsten und günstigsten vom Flughafen Faro zu Ihrer Unterkunft gelangen? Die Frage ist berechtigt, denn bei Pauschalreisen ist der Flughafentransfer – anders bis noch vor einiger Zeit – nicht mehr überall im Preis enthalten. Der Algarve-Entdecker hilft Ihnen, sich kenntnisreich zwischen Mietwagen, Taxi, Bus oder Bahn zu entscheiden – oder sogar für eine Kombination. Wir geben Ihnen zudem wertvolle Tipps zum Umgang mit der Autobahn-Maut und zur Orientierung auf den Straßen der Region.

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Taxistand hinter der Ankunftshalle in Faro. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Je weiter das Urlaubsdomizil an der Algarve oder in der spanischen Provinz Huelva vom Flughafen Faro entfernt ist, desto teurer ist der Taxitransfer.

Günstiger fährt es sich hingegen mit dem Shuttle-Bus des Reiseveranstalters. Aber Achtung: Der klappert unter Umständen noch manches Hotel, das auf der Strecke liegt, ab, was die Fahrzeit ziemlich in die Länge zieht.

Wer lieber etwas mehr Geld ausgibt, sollte als flexible Alternative einen Mietwagen ins Kalkül ziehen. Denn nicht selten ist der Preis für eine einwöchige Fahrzeug-Anmietung günstiger als die Taxifahrten vom und zum Flughafen Faro. Zusätzlicher Vorteil: Man kann die Urlaubsregion Algarve und sogar ein Stückchen von Andalusien „auf eigene Faust“ erkunden, unabhängig von öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

Wer gewinnt das Preis-Duell: Taxi oder Mietwagen?

 

Hier ein aktuelles Preisbeispiel (ermittelt Ende März 2017) für den Urlaubsort Lagos an der Westalgarve:

  • Entfernung vom Flughafen zum Urlaubsort: 89 Kilometer
  • Taxikosten hin und zurück: 120 Euro
  • Mietwagen-Preis inkl. Sprit für Flughafenstrecke: 114,02 Euro
  • Preisvorteil Mietwagen gegenüber Taxi: gut fünf Prozent.
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Nahe am Terminal in Faro: Guerin, Sixt, Europcar/Budget, Hertz, Goldcar. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Für diesen Preisvergleich hat das Portal www.billiger-mietwagen.de die Preise für den Zeitraum 17. bis 24. Juni 2017 und die kleinste Mietwagen-Kategorie mit umfassender Versicherungsleistung, vorteilhafter Tankregelung (voll/voll) sowie Abholung und Rückgabe direkt am Flughafenterminal (kein Shuttle-Service benötigt) unterstellt. Der Taxipreis war Angaben von Airport und Taxianbietern entnommen, der Spritpreis stammte von Vergleichsseiten im Internet.

Die Konkurrenz der Auto-Vermieter und -Vermittler an der Algarve ist stark, in der Nebensaison gibt es zum Teil hohe Rabatte, damit die Anbieter ihre großen, auf die Bedürfnisse der Hochsaison ausgerichteten Flotten einigermaßen auslasten können.

Hier eine alphabetisch sortierte Übersicht von Mietwagen-Unternehmen, die direkt am Flughafen-Terminal (mit *markiert) oder in der Nähe eine Niederlassung haben:

Airauto, Autoclick, Auto Jardim, Autorent, Auto Season, Avis/Budget*, Centauro, Europcar*, Goldcar*, Guerin*, Hertz*, Interrent, Luzcar, Yor-Car-Hire, Payless, Sixt*

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Dicht an dicht: Mietwagen-Anbieter an der Flughafen-Zufahrt. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Gute Erfahrungen liegen z.B. mit dem Vergleichs- und Buchungsportal billiger-mietwagen.de vor. Mitbewerber sind unter anderem billig-mietwagen-vergleich.de, mietwagenbilliger.org, mietwagen-check.de, mietwagen24.de, mietwagen-vergleich.de, mietwagen-auskunft.de, mietwagennet.de, mietwagenmarkt.de und algarve-mietwagen.com.

Wer mit seinem Mietwagen die (mautpflichtige) Autobahn A22 meiden will, wählt die Nationalstraße N125, die im Westen bis nach Sagres und im Osten bis Vila Real de Santo Antonio führt. Achtung: Es gibt viele Ortsdurchfahrten, Kreisverkehre, Kreuzungen und Ampeln. Der Verkehr ist teilweise ziemlich stark und auf manchen Streckenabschnitten häufen sich Unfälle. Gleichzeitig bekommt man viel mit von Land und Leuten, Dörfern, Städten und dem fruchtbaren Hinterland der Küste mit seinen Orangenhainen, seinem Weinanbau und seinen Golfplätzen.

Noch ein Hinweis für Fahrten von Faro aus an die Westalgarve: Orientierung geben die Schilder, die Richtung Lissabon, A22 und Loulé weisen. Wer die (mautpflichtige) Autobahn A 22 nicht befahren will, sollte auf der Straße von Faro nach Loulé schon beim ersten Schild „N 125, Faro/Almancil“ rechts abfahren. Hat man diese Abfahrt verpasst, braucht man keine Sorge zu haben; zwar führt die Straße weiter Richtung A22 und damit nach Loulé und dem EM-Stadion, aber nach ein paar Kilometern gibt es noch eine weitere Gelegenheit, hinter dem Schild „N 125, Portimao, Albufeira“ rechts abzufahren, um an die Westalgarve zu kommen, ohne die Maut-Autobahn nutzen zu müssen. Erst dahinter gibt es keine andere Möglichkeit mehr, als auf der Strecke N 125-4 nach Loulé die Abfahrt 4 zu nehmen, um dort auf die kostenpflichtige Autobahn A22 in Richtung Westen zu fahren.

 

Mautgebühren auf der Algarve-Autobahn A22

 

Seit 2011 gilt für die gesamte A22 die Mautpflicht. Gearbeitet wird nicht mit Kassenhäuschen und Personal, sondern automatisch und mit elektronischen Überwachungsanlagen entlang der Strecke.

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Autobahnfahrten durchs hügelige Hinterland kosten Maut. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Bei Mietfahrzeugen mit portugiesischem Kennzeichen handhaben die Vermieterfirmen das Procedere mit den Mautzahlungen unterschiedlich. Die größten haben ihre Flotte mit elektronischen Sendern ausgestattet. Die Kosten für Gerät und Mautgebühren stellt der Vermieter in Rechnung. Man bezahlt einfach, wenn man das Auto zurückgibt. Ist solch ein Sender installiert, kann man mit dem Mietwagen auch die ausgeschilderten schnellen Via-Verde-Spuren befahren.

Man sollte sich unbedingt beim Vermieter genau erkundigen und zum Beispiel erfragen, ob

  • Mautgebühren schon pauschal im Tages- Mietpreis enthalten sind
  • ein elektronisches Mauterfassungsgerät im Wagen vorhanden ist, das die Bezahlung der Maut bei späterer Belastung der eigenen Kreditkarte sicherstellt
  • die Mietwagenfirma nichts unternimmt und dem Mieter alleine das Bezahlen aufbürdet.

Am einfachsten ist es also, wenn das Mietfahrzeug ein elektronisches Erfassungsgerät eingebaut hat. Man kann es bei vielen Verleihern für täglich 1,80 Euro (max. 18,00 Euro insgesamt) plus 23 Prozent MwSt mieten. Das entsprechende Gerät ist an der Windschutzscheibe angebracht. Es gibt ein Signal ab, wenn eine Mautstation passiert wird. Der Mietwagenverleiher belastet die tatsächlich verbrauchten Mautgebühren der Kreditkarte des Mieters. Man muss sich um nichts mehr kümmern, weil alles vollautomatisch abläuft. Kontrollieren sollte man aber schon: Es ist immer gut, wenn man sich die nach Fahrzeugklasse erhobenen Mautgebühren notiert (stehen neben den Schilderbrücken am Rande der Fahrbahn) sowie Datum und Uhrzeit.

Ist kein solches Gerät vorhanden, dann bleibt bei portugiesischen Kennzeichen nur noch eine einzige Möglichkeit übrig: Mautzahlungen in bar. Diese sind frühestens zwei Tage nach Mauterfassung möglich und innerhalb einer Frist von fünf Tagen zu begleichen. Sie können bei jedem portugiesischen Postamt eingezahlt werden. Achten muss man darauf, dass man nicht evtl. die Mautgebühren des Vorgängers mit übernehmen soll und besonders, dass man nicht in Zahlungsverzug gerät.

 

Taxi

 

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Stehen unter Umständen im Kosten-Wettbewerb: Taxi und Mietwagen an der Algarve. Einige Mietwagenanbieter übergeben die Autos auf einem der Parkplätze am Flughafen Faro. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Am Flughafen Faro können Sie am Taxistand praktisch Tag und Nacht eines der schwarzen Fahrzeuge mit hellgrünem Dach finden. Sie befördern in der Regel bis zu vier Personen. Wird mehr als Handgepäck mitgeführt (Größe bis zu 55x35x20 Zentimeter), erheben die Taxen eine zusätzliche Gepäckgebühr. Auch falls auf der Strecke Mautgebühren für die Autobahn anfallen sollten, werden diese auf den entfernungsbasierten Fahrpreis aufgeschlagen.

Man kann auch telefonisch ein Fahrzeug anfordern – beim in ganz Portugal tätigen Unternehmen Antral (E-Mail: faro@antral.pt, Telefonnummer in Faro +351 289 827 203). Dabei kann man ausdrücklich ein größeres Fahrzeug bestellen, wenn nötig.

Der durchschnittliche Preis für Fahrten zwischen Flughafen und Stadt Faro beträgt gut zehn Euro.

Personen mit verminderter Mobilität können spezielle Taxis anfordern bei diesen Unternehmen:

 

Airport-Transfers (Sammel-Fahrten)

 

Wer in der Suchmaschine Google die Stichwörter „Airport Transfer Faro (Name des Urlaubsorts)“ eingibt, bekommt zahlreiche Angebote für Airport-Transfers als Sammelfahrten mit Fahrer angezeigt. Die Angebote unterscheiden sich vor allem nach der Zahl der Haltepunkte und damit nach der Dauer des Transports.

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Derzeitiger Standplatz von Transfer-Anbietern. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Was die Preise anbetrifft, kann man pro Person und Strecke beispielsweise für die Verbindung Faro-Lagos rund 15 Euro rechnen – so sagt es jedenfalls das Unternehmen Faro Shuttle Bus.

Die Buchung eines kompletten Viersitzers mit Fahrer kostet auf der Strecke Faro-Lagos rund 68 Euro. Für seinen „Express“-Dienst garantiert das Unternehmen maximal fünf Stopps.

Auf der Flughafenstrecke häufig zu sehen sind auch die Anbieter Greenbus, Yellowfish und Best4you.

In der Hochsaison liegen die Preise selbstverständlich am höchsten. Wichtig ist, sich bei der Buchung zu erkundigen, ob und wenn ja welche Kosten anfallen, wenn der Transfer-Anbieter, etwa wegen einer Flugverspätung, warten muss. Ferner ist notwendig zu klären, ob sich der genannte Fahrpreis auf die Einzelperson oder das gesamte Fahrzeug bezieht und wie viele Sitzplätze der Wagen hat. Zudem sollte geklärt werden, ob die Abholung am Unterkunftsort stattfindet, oder man sich zu einem Standard-Treffpunkt begeben muss.

 

Linienbus

 

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Auch während des Flughafen-Umbaus ist hier die Haltestelle für die Busse in die Innenstadt von Faro (Bahnhof und Bus-Terminal) und nach Sevilla. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Wer vom Flughafen Faro aus mit dem öffentlichen Bus fahren will, muss zunächst in die Fahrzeuge der Linie 16 der städtischen Verkehrsgesellschaft Proximo (E-Mail proximo@proximo.pt, Telefon +351 289 899 700) einsteigen. In Stoßzeiten fährt zusätzlich eine Linie 14. Der Bus der Linie 16 bringt einen in rund 20 Minuten Fahrt zum Bahnhof Faro (15 Haltestellen) und zum Bus-Terminal Faro (16. Haltestelle) – beide liegen nur ca. eine Minute auseinander. Die Linie 14 benötigt wegen einer anderen Fahrtroute 35 Minuten. Die Busfahrt kostet derzeit (Stand: Frühjahr 2017) jeweils 2,25€, die beim Fahrer zu bezahlen sind.

Hier die Uhrzeiten der Busabfahrten am Airport. Die Angaben sind ohne Gewähr, sie gelten – wenn nicht anders angegeben – für die Linie 16.

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Umsteigepunkt: Bus-Terminal in Faro, von der Hauptstraße aus gesehen. Foto: Hans-Joachim Allgaier

5:20, 6:20, 7:30, 7:45° (Linie 14), 8:30, 9:05, 9:35°, 10:05, 10:45**, 11:05*, 11:35, 12:05, 12:35° (Linie 14), 12:50*, 13:35, 14:00*, 14:30, 15:05, 16:10, 17:10, 18:10, 18:35 (Linie 14), 19:10, 20:00, 20:20+ (Linie 14), 20:35°, 21:15, 22:15°, 22:35, 23:20, 00:10.

*= montags bis freitags, nicht an Feiertagen
**= samstags, sonntags und an Feiertagen
° = montags bis freitags, nicht an Feiertagen, in der Schulzeit bis 30. Juni, vom 1. Juli bis zum Schuljahresbeginn täglich
+ = Vom 1. Juli bis zum Schuljahresbeginn täglich

Am Bahnhof oder Bus-Terminal in Faro gilt es dann umzusteigen und ein neues Ticket für die endgültige Destination zu kaufen. Es gibt mehrere regionale und nationale Buslinien, die von hier aus abfahren.

Bus zur Westalgarve

So kann man am Bus-Terminal mit Reiseziel Westalgarve zum Beispiel den Schnellbus (Transrapido) der Gesellschaft EVA-Bus wählen, der bis Lagos fährt und einen Gratis-Internetzugang (WiFi) anbietet.

Hier die Uhrzeiten der Abfahrten am Bus-Terminal in Faro:

8:00a, 9:05a, 12:30, 14:30a, 16:25a, 17:25, 19:40a.

a = außer samstags, sonntags und feiertags

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Bedient im Linienverkehr die West- und Ost-Algarve: Eva-Bus. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Die Fahrzeit bis zur Endhaltestelle in Lagos beträgt zweieinviertel Stunde. Gehalten wird außer an mehreren Stellen in Faro noch in Albufeira, Guia, am Freizeitpark Zoomarine, in Armação de Pêra, in Lagoa und in Portimão.

Das Ticket für die Fahrt bis Lagos kostet nach dem Tarifsystem von EVA-Bus (Stand: Frühjahr 2017) weniger als sieben Euro. Ein Touristen-Pass zur Nutzung auf dem Streckennetz kostet 29,50 (drei Tage) oder 36,80 Euro (sieben Tage).

 

Bus zur Ostalgarve

Der EVA-Bus an die Ostalgarve braucht bis nach Vila Real de Santo António rund eindreiviertel Stunde. Er fährt am Bus-Terminal in Faro um diese Uhrzeiten ab:

7:15, 8:00a, 9:00, 11:00, 12:15a, 13:25, 15:15, 16:35a, 17:40a, 18:20, 19:30.

a = außer samstags, sonntags und feiertags

Weitere Busunternehmen, die an der Algarve Dienste anbieten, sind Transol, Frota Azul und Rede Expressos.

 

Zug

 

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Pendelt zwischen Faro und Lissabon: Der „Alfa Pendular“-Zug. Foto: CP

Vom Flughafen aus kann der Bahnhof (Estação de Comboios) in Faro per Taxi und Bus (Linie 14 und 16, ca. 20 Minuten) schnell erreicht werden. Von dort aus hat man Verbindungen zu jeder größeren Stadt der Algarve oder dem Rest des Landes. Verkehrsinformationen gibt die Bahnbetriebsgesellschaft Comboios des Portugal unter anderem im Internet  (E-Mail: Webmaster@cp.pt, Telefon +351 808 208 208).

Der Regionalzug braucht in Richtung Westalgarve zum Beispiel bis zum Bahnhof Lagos rund eindreiviertel Stunde. Hier die Uhrzeiten der Regionalzugabfahrten in Faro Richtung Lagos:

7:11, 9:22, 10:23, 12:22, 16:19, 17:15, 18:12, 19:38, 20:18.

Man kann in Richtung Westen auch einen schnelleren Zug nutzen (Alfa Pendular, Intercidades oder International), muss dann aber spätestens in Tunes umsteigen in einen Regionalzug, der einen weiterbringt. Ein Ticket Faro-Lagos kostet derzeit 7,30 Euro (Stand: Frühjahr 2017).

In Richtung Ostalgarve fahren die Regionalzüge in Faro um diese Uhrzeiten ab:

7:44, 8:57, 9:55, 11:34, 12:55, 13:55, 15:00, 16:24, 17:51, 18:28, 19:27, 21:06, 21:51.

Die Fahrzeit bis nach Vila Real de Santo António beträgt eine gute Stunde. Der Fahrpreis beträgt derzeit 5,20 Euro.

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Günstige Zug-Verbindungen an die West- und Ost-Algarve: Der Bahnhof in Faro. Foto: Hans-Joachim Allgaier

 

10 Jahre Madeleine McCann vermisst – Chronologie eines mysteriösen Falls

Vor zehn Jahren, am 3. Mai 2007, ist an der Südküste Portugals ein paradiesischer Urlaubsort für eine britische Familie zum Schauplatz einer fürchterlichen Tragödie geworden: Praia da Luz. Denn das Arzt-Ehepaar Kate und Gerry McCann machte um 22 Uhr abends die tragische Entdeckung, dass seine damals fast vierjährige Tochter Madeleine spurlos verschwunden war – aus dem Appartement ihrer Ferienanlage in der Nähe des Strandes. Bis heute ist das Mädchen, das bald 14 ist (oder würde) und dessen große Kinder-Kulleraugen mit dem besonderen Merkmal im rechten Auge auf Fotos in aller Welt zu sehen waren, nicht wieder aufgetaucht. Und dies, obwohl die Fahndungsmaßnahmen einen hohen Millionenbetrag verschlungen haben. Für die heute 48-jährigen Eltern aus dem Ort Rothley in der mittelenglischen Grafschaft Leicestershire bleibt das ein belastender Alptraum. Für viele Boulevard-Medien hingegen – vor allem britische – ist der Fall seitdem ein „gefundenes Fressen“, das bis heute unappetitliche Züge behalten hat.

Der Algarve-Entdecker hat vor Ort recherchiert: Wie hat sich die ganze Aufregung um das Verschwinden von „Maddie“ McCann damals auf den Ort, auf das Verhältnis von Residenten und Urlaubern ausgewirkt? Warum geriet eine Deutsche ins Visier der Fahnder? Wie geht man in der Region heute mit dem Geschehen um?

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Praia da Luz: Hier wohnten die McCanns im Ocean Club – in dem Eck-Appartement im Hochparterre rechts unten. Die Eingangstür liegt zum Parkplatz auf der Rückseite. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Der Fall hat praktisch die ganze Welt interessiert, aber auch reichlich verwirrt. Wir fragen: Warum kam nach dem Vorfall in Praia da Luz so wenig Licht ins Dunkel? Und wie sieht es derzeit im mehr als achtjährigen Rechtsstreit zwischen den Eltern McCann und dem damaligen Chef-Ermittler an der Algarve, Kriminalinspektor Gonçalvo Amaral, aus?

Besteht überhaupt noch Hoffnung, Maddie lebend aufzufinden? Gibt es andere Fälle in der Welt, die nach mehr als 10 Jahren Zeit des Verschwindens von Kindern gut ausgingen? Womit wird man zum 10. Jahrestag des Verschwindens von Maddie gegebenenfalls rechnen müssen? Worauf stellt man sich vor Ort an der Algarve ein?

Der Algarve-Entdecker bemüht sich derzeit, einige Antworten auf diese Fragen zu finden. Hier zunächst ein chronologischer Überblick über die Ereignisse, die Millionen von Menschen in aller Welt bis heute berühren.

 

Wie alles geschah

 

 

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Hinter dieser Tür wohnten die McCanns. Foto: privat

3. Mai 2007: Das fast vierjährige britische Kind „Maddie“ McCann verschwindet am Abend aus der Ferienanlage Ocean Club im portugiesischen Küstenort Praia da Luz an der Algarve. Seine Eltern Kate und Gerry, ein Ärzte-Ehepaar, waren zum Essen mit Freunden in eine nahe gelegene Tapas-Bar gegangen. Sie hatten Maddie mit ihren zweijährigen Zwillings-Geschwistern Amelie und Sean schlafend im Appartement 5 A zurückgelassen. Eine Kinderbetreuung, die der Ocean Club anbot, war nicht in Anspruch genommen worden.

 

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Parkplatz vor dem Appartement der McCanns. Foto: Hans-Joachim Allgaier

7. Mai 2007: Die Eltern wenden sich über Medien an die Öffentlichkeit, Mutter Kate bittet im britischen Fernsehen mögliche Entführer darum, die Tochter freizulassen. Fotos des blonden Mädchens mit den besonders großen Kulleraugen und dem unveränderlichen Merkmal im rechten Auge gehen um die Welt.

Wenig später rufen bekannte Fußballer wie Cristiano Ronaldo und David Beckham zur Unterstützung bei der Suche auf. Ihr Kollege Wayne Rooney und Schriftstellerin Joanne K. Rowling („Harry Potter“) erhöhen die ausgesetzte Belohnung auf mehrere Millionen Euro.

15. Mai 2007: Ein an der Algarve lebender Brite gerät, zusammen mit einer deutschstämmigen Lebensgefährtin, unter Verdacht der Polizei, die Vorwürfe werden aber bestritten. Eine Hausdurchsuchung bleibt ergebnislos.

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Hier spielte Maddie im Ocean Club. Foto: Hans-Joachim Allgaier

24. Mai 2007: Auf britischen Druck hin veröffentlicht die portugiesische Polizei die Beschreibung eines Mannes, der kurz vor dem Entdecken des Verschwindens von Maddie dabei gesehen worden sein soll, wie er vom Appartement kommend eilig ein Kind weggetragen habe.

Irische Touristen geben später ebenfalls an, einen Mann auf einem Weg zum Strand gesehen zu haben.

29. Mai 2007: Papst Benedikt XVI. empfängt am Rande einer Generalaudienz die römisch-katholische Kate McCann und ihren Mann Gerry; er segnet die Eltern und ein Foto ihrer vermissten Tochter. Die McCanns reisen auch nach Deutschland, in die Niederlande, nach Spanien und Marokko, um dort die Aufmerksamkeit für die Suche nach ihrer Tochter zu erhöhen. Sie erbitten die Freigabe privater Urlaubsfotos aus Praia da Luz in der Hoffnung, so mögliche Verdächtige identifizieren zu können.

 

Verdacht gegen die Eltern

 

August 2007: Laut Medienberichten sollen speziell trainierte Polizeihunde im Appartement der McCanns Spuren entdeckt haben. Ob die Tochter dort gestorben sein könnte oder die Spuren eine andere Ursache haben, bleibt unklar. Später wird ebenso bekannt, dass Spürhunde auch in einem von Kate McCann am 28. Mai gemieteten Wagen Spuren gefunden hätten. Portugiesische Ermittler halten es nicht für ausgeschlossen, dass Madeleine in der Wohnung ums Leben gekommen ist. Das Interesse der Fahnder konzentriert sich auf die McCanns und ihren begleitenden Freundeskreis.

September 2007: Die portugiesische Polizei stuft die Eltern offiziell als „arguidos“ (Verdächtige) ein. Der amtierende Chef-Ermittler Gonçalo Amaral vermutet, dass es ein tragischer Unglücksfall gewesen sein könnte und McCanns zur Vertuschung eine Entführung vorgetäuscht und die Leiche später hätten verschwinden lassen. Britische Kollegen glauben hingegen eher zum Beispiel an eine Tötung bei einem fehlgeschlagenen Einbruchsversuch. Anfang Oktober wird Amaral nach Kritik an der britischen Polizei von seinen Aufgaben entbunden.

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Auf dem Marktplatz hinter dem Ocean Club und neben dem Supermarkt war der Stand der Ermittlungen stets Tagesgespräch in Praia da Luz. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Auf Anregung der Regierung in London bekommt die Familie McCann einen Medienberater und Pressesprecher; der frühere BBC-Journalist Clarence Mitchell übernimmt diese Aufgabe. Die Familie richtet auch einen „Find Madeleine“-Hilfsfonds ein und setzt zusätzlich Privatdetektive auf den Fall an.

 

Eltern und andere nicht mehr verdächtigt

 

Juli 2008: Da sie keine Beweise für ein Verbrechen finden konnte, stellt die portugiesische Polizei ihre Ermittlungen zunächst ein, legt den Fall aber nicht zu den Akten. Sämtliche Verdächtige, also auch Kate und Gerry McCann, werden formaljuristisch entlastet. Ex-Ermittler Amaral veröffentlicht umgehend ein auf Portugiesisch geschriebenes Buch über seine These unter dem Titel „A Verdade da Mentira“ – übersetzt etwa: Die Wahrheit der Lüge. Die Eltern verklagen daraufhin Amaral wegen Verleumdung. Zunächst mit Erfolg: Ein Gericht verbietet den Verkauf des Buchs in Portugal.

Mai 2009: In einer US-Talkshow der bekannten Moderatorin Oprah Winfrey flehen McCanns zwei Jahre nach Verschwinden ihrer Tochter mögliche Entführer um Freilassung an.

März 2010: Die McCanns verlangen Einsicht in Ermittlungs-Unterlagen, welche die portugiesischen Ermittler ihnen bislang vorenthalten haben sollen.

Mai 2011: Mutter Kate McCann veröffentlicht das Buch „Madeleine“ mit ihrer Version der Geschichte. Darin beschreibt sie unter anderem ihre Qualen und Zerrissenheit nach dem Verschwinden ihrer Tochter, das sie an den Rand des Zusammenbruchs gebracht habe. Premierminister David Cameron und Innenministerin Theresa May lassen nach Bitten der McCanns die britische Polizei den Fall erneut von Grund auf untersuchen; die „Operation Grange“ kommt in Gang.

Find Madeleine Screenshot

Screenshot der Website Findmadeleine.com, die es auch in deutscher Sprachversion gibt.

 

Kriminallfall-Analytikerin unterstützt indirekt portugiesischen Ex-Chefermittler

 

Juli 2011: Die Kriminalfall-Analytikerin Pat Brown veröffentlicht ihr Buch „Profile of the Disappearance of Madeleine McCann“. Darin betont sie nach Auswertung der verfügbaren Informationen, dass es für die These einer Entführung von Maddie keinerlei Beweise gebe.

April 2012: Die britische Polizei äußert die Vermutung, dass Maddie noch am Leben sei und veröffentlicht Bilder dazu, wie die beim Verschwinden fast Vierjährige aktuell aussehen könnte.

Juli 2013: Bei ihrer neu aufgerollten Untersuchung identifiziert die britische Polizei nach eigenen Angaben 38 „Personen von Interesse“.

BBC Crimewatch Screenshot

Screenshot der Website von „Crimewatch“, dem BBC-Pendant zur ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“

Oktober 2013: Die britische Polizei wertet tausende von Handydaten aus. Maddies Eltern schöpfen wieder Hoffnung, auch nachdem in der BBC-Sendung „Crimewatch“ elektronisch angefertigte Bilder und Skizzen der Gesichter von Personen gezeigt werden, die in und außerhalb der Ferienanlage aufgefallen waren. Doch unter den hunderten von Hinweisen, die eingehen, sind keine, welche die Polizei weiterbringen könnten.

Juni 2014: Britische Polizisten suchen mit portugiesischer Unterstützung durch Grabungen an drei Stellen in Praia da Luz nach weiteren oder neuen Hinweisen – ohne verwertbare zu finden.

Dezember 2014: Erneute Befragung von elf Personen, darunter der frühere britische Verdächtige und seine deutschstämmige Frau durch britische Polizisten auf einem Polizeirevier in Faro. Die Befragten werden ausdrücklich als „nicht unter Verdacht stehend“ bezeichnet.

 

Eltern vor Gericht unterlegen

 

April 2016: Ein portugiesisches Berufungsgericht hebt das von einer Vorinstanz erlassene Verkaufsverbot für das Buch von Ex-Chefermittler Amaral auf und erklärt, seine Thesen seien von der Meinungsfreiheit gedeckt und verletzten nicht die Rechte der McCanns. Die Eltern halten den Verleumdungsvorwurf jedoch aufrecht und klagen weiter auf Schadensersatz in Höhe von 500.000 Euro, um die weitere Suche nach Maddie finanzieren zu können, wie sie sagen. Ende August trennen sich die McCanns von ihrem Pressesprecher.

Ein britischer Senior beginnt am Schauplatz in Praia da Luz damit, einen als „Luz Challenge“ bezeichneten Rundgang zu den Stätten anzubieten, die im Fall Maddie McCann eine Rolle gespielt haben. Dazu gehört auch die nahe gelegene Kirche, für die die Eltern einen Schlüssel erhalten hatten, um dort jederzeit beten zu können. Die gruselige Tour ist gratis, der alte Mann will anonym bleiben.

Februar 2017: Das oberste Gericht in Lissabon weist die Klage des Ehepaars McCann gegen Amaral ab. Dieser lässt durchsickern, er wolle ein weiteres Buch zum Fall veröffentlichen, diesmal auch in englischer Sprache. Für diesen Fall drohen die Anwälte der Eltern vorsorglich mit einer Klage.

 

Trauriges Fazit

 

Traurige Bilanz des zehnjährigen Bemühens um das Auffinden von Maddie: Unmittelbar vor dem Jahrestag des Verschwindens hat die deutlich mehr als 12 Millionen Euro teure Suche im Rahmen der britischen „Operation Grange“ und vor Ort an der Algarve noch immer nicht zu einem Erfolg geführt.

Der Algarve-Entdecker wird versuchen, in weiteren Berichten auf einige der oben angesprochenen Fragen Antworten zu finden.

 

TAP Portugal verbessert Deutschland-Angebot stark

Die Fluggesellschaft TAP verbessert ihre Verbindungen zwischen Deutschland und Portugal: Sie nimmt Stuttgart ab 10. Juni und Köln/Bonn ab 15. Juli in ihr Streckennetz auf. Bislang fliegt TAP bereits Frankfurt/Main, München, Berlin, Hamburg und Düsseldorf an. Die portugiesische Fluglinie steigert ihr Angebot auf dem deutschen Markt damit im Sommer um 44 Prozent. Ihre täglichen Verbindungen zwischen Lissabon und Faro an der Algarve erhöhte TAP Portugal von drei auf vier. Ferner kommen Algarve-Passagiere jetzt auch in den Genuss der Vorteile des „Portugal Stopover“-Programms. Es ermöglicht TAP-Fluggästen, nach Zwischenstopp in Lissabon oder Porto bis zu drei Tage lang zu sehr günstigen Konditionen die dortige Region kennenzulernen, bevor sie ihre Flugreise nach Faro fortsetzen.

Hier zunächst die Details zu den zusätzlichen Deutschland-Verbindungen im Sommerflugplan der TAP:

In Köln/Bonn heben die für die neue Verbindung eingesetzten Embraer 190-Jets (unser Beitragsbild, bis zu 106 Passagiere) der TAP täglich um 6:00 Uhr und um 17:20 Uhr ab. Das Ziel Lissabon verlassen die Rückflüge um 12:30 Uhr bzw. um 19:05 Uhr.

Stuttgart verlassen die TAP-Maschinen vom Typ Embraer E190 zweimal täglich, um 6:00 und um 18:20 Uhr, mit dem Ziel Lissabon. Der Rückflug von der portugiesischen Hauptstadt aus startet jeweils um 13:25 und um 18:55 Uhr.

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Zwei der TAP-Konkurrenten auf Faro-Verbindungen: Lufthansa (vorn) und Airberlin. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Die Verbindungen nach Köln/Bonn und Stuttgart sind Teil einer umfassenden Wachstumsstrategie des portugiesischen Unternehmens. Es nimmt ebenfalls Toronto, Abidjan, Budapest, Bukarest sowie Alicante und Las Palmas in Spanien in sein Liniennetz auf.

Zugleich erhöht TAP die Frequenzen nach Madrid (ab Porto), Manchester, Moskau und Faro (von 3 auf 4 tägliche Verbindungen) an der Algarve.

TAP Portugal ist Mitglied der „Star Alliance“-Bündnisses von 28 Fluggesellschaften, zu denen auch die Lufthansa-Gruppe gehört. Im Europa-Verkehr bietet TAP aus Gründen der Produktqualität nach wie vor Bordverpflegung und Getränke an, die im Flugpreis enthalten sind. Ein solcher Kundenservice ist bei vielen anderen Fluggesellschaften aus Kostengründen schon eingestellt worden.

 

Faro-Passagiere können Zwischenstopp-Programm für Lissabon und Porto buchen

 

Das ursprünglich für Passagiere auf Amerika- und Afrika-Langstrecken entwickelte Stopover-Programm der portugiesischen Airline ist seit neustem auch für Reisen nach Faro sowie auf die Inseln Madeira und Azoren buchbar. Diese Vorteile sind enthalten:

  • 1 bis 3 Tage Unterbrechung der Reise in Lissabon oder Porto auf dem Hin oder Rückweg
  • Hotels zu exklusiven Preisen
  • Kostenfreies Erlebnis wie etwa Stadtführung, Besichtigung oder Ähnliches
  • 1 Flasche Wein gratis in einem Partner-Restaurant
  • Ermäßigungen bei über 150 Partnern
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So sieht die Website des neuen Programms aus. Screenshot: TAP

Detaillierte Information liefert eine Stopover-App mit Stadt- und Fahrplänen sowie die Internetseite des Programms. Mehr Einzelheiten erfahren Passagiere auch in diesem Videoclip.

TAP verfolgt ambitionierte Ziele mit dem 2016 in Gang gesetzten Stopover-Programm. Nach eigenen Angaben will die Fluglinie damit in diesem Jahr 150.000 und 2018 dann 300.000 Passagiere, meist von der Langstrecke, nach Portugal locken, um ihnen Land und Leute zu besonders günstigen Konditionen vorstellen zu können.

 

Bei Flugbuchung im Netz Preisgarantie erhältlich

 

Die Marktoffensive von TAP setzt bereits im Vorjahr gestartete Aktivitäten fort. Die Marke PGA wurde durch TAP Express ersetzt, eine Art „Pendel-Dienst“ zwischen Lissabon und Porto eingerichtet und das Angebot von Nordatlantikverbindungen deutlich gestärkt – vor allem im Rahmen einer deutlich aggressiveren Preispolitik.

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Servieren in Europa noch immer Bordverpflegung und Getränke: TAP-Flugbegleiteter. Foto: TAP

Neu zum Beispiel ist jetzt ein „Time to Think“-Angebot für Buchungen über die Internetseite der TAP ; zahlt der Passagier eine Gebühr von zehn Euro (Langstrecke) oder fünf Euro (Kurz- und Mittelstrecke), bleibt der aktuell angezeigte Preis für ihn 48 Stunden lang garantiert.

Um ihre Funktion als Botschafterin für Portugal noch zu unterstreichen, hat die vor kurzem 72 Jahre alt gewordene Fluggesellschaft ihre TAP Express-Flotte, die unter anderem auf dem Pendel-Dienst Lissabon-Porto im Einsatz ist, auf die Landkreise Portugals umgetauft.

Ein Video  zeigt, was sich die stolzen Airliner damit auf die Fahnen geschrieben haben. In Minute 3:51 kommt als einzige Vertreterin der Algarve die Flugbegleiterin Ana Filipa Lanca aus Tavira zu Wort.

 

Mittelstreckenflotte mit noch bequemerer Kabine

 

Für ihr Wachstumsprogramm stockt die Airline ihre Flotte von 80 auf 87 Flugzeuge auf. Darunter sind ein neuer Langstrecken-Airbus vom Typ A330, zwei Airbus A320F für die Mittelstrecke und vier Embraer-Maschinen. 48 vorhandene Jets werden mit neugestalteten Kabinen ausgestattet, die den Passagierkomfort erhöhen sollen, z.B. durch neue Sitze und zum Teil mehr Beinfreiheit. Gut 60 Prozent der Umrüstung der Mittelstreckenflotte sind bereits geschafft – ausgeführt von TAP-Technikern in der hauseigenen Technik-Werft in Lissabon. Insgesamt wird diese Modernisierungsmaßnahme, welche dieses Video zusammenfasst, 70 Millionen Euro kosten. Das Kabinendesign, die Herstellung der neuen Sitzbezüge sowie die Lieferung der Ledermaterialien besorgten einheimische Unternehmen.

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So sieht die neue Business Class-Kabine im TAP-Airbus A330neo für Langstreckenflüge ab Ende 2017 aus. Foto: TAP

IKEA in Portugal: So sollten Sie auf Preise und Zusatzkosten achten!

Mit hohem Werbeaufwand hat IKEA, die größte Einrichtungshaus-Kette der Welt, auf ihren Markteintritt am 30. März 2017 an der Algarve (wir berichteten) aufmerksam gemacht: Zwei Tage vor der Eröffnung der Filiale in der „Avenida Algarve 5“ von Almancil (Kreis Loulé) fanden Bewohner und Urlauber an der Südküste Portugals bereits einen 160-seitigen Katalog in ihren Briefkästen. Auch auf Bussen und Plakaten stach die Werbung für den Eröffnungstermin 30. März ins Auge. Bislang war der schwedische Konzern, der mittlerweile 340 Outlets in 28 Ländern der Welt betreibt, in Portugal nur in Alfragide bei Lissabon (seit 2004), Matosinhos bei Porto (2007), Loures (2010) und Braga (2016) präsent. Er will die Zahl seiner portugiesischen Shops bis 2025 auf zehn verdoppeln.

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Grünes Licht für die blau-gelbe schwedische Möbelmarke an der Algarve. Foto: Hans-Joachim Allgaier

In Paços de Ferreira, nordöstlich von Porto auf der Strecke nach Guimarães gelegen, besitzt die schwedische Möbelmarke seit 2008 zudem ein Fabrikgelände mit mittlerweile drei Betrieben. Hier hat IKEA 1.500 direkte Arbeitsplätze geschaffen. Die Mitarbeiter sind zu 95 Prozent für den Export tätig. Im Handelsbereich beschäftigt der Konzern 2.000 Mitarbeiter. An der Algarve wurden 200 Personen bei IKEA angestellt. 85 Prozent davon stammten von hier, sagte Direktor Abdelhak Ayadi vor der Presse. 95 Prozent beherrschten auch die englische Sprache. Grundsätzlich trete IKEA dem Algarve-Kunden in den Sprachen Portugiesisch und Englisch gegenüber. Ayadi bezifferte den Anteil von Frauen in Leitungsfunktionen in Loulé mit 52 Prozent.

IKEA wirbt auch im südwestlichsten Land Europas mit niedrigen Preisen. Doch was die Kosten der Produkte anbetrifft, hat der Algarve-Entdecker interessante Unterschiede zwischen Portugal und z.B. Deutschland festgestellt. So ist das Kult-Regal „Billy“ im Südwesten Europas sechs Euro teurer als in der Mitte: Während es laut deutscher Website z.B. mit den Maßen 80x28x202 Zentimeter und in braunem Eschenfurnier 59 Euro pro Stück kostet, verlangen die Schweden in Portugal für die gleiche Variante 65 Euro.

Gleiches Preisniveau gibt es hingegen beim Liegestuhl „Mysingsö“, dessen bis Februar 2017 verkaufte Ausführungen wegen Sturz- und Einklemmgefahr hatten zurückgezogen werden müssen; hier die liegen die in Portugal und Deutschland ausgewiesenen Preise einheitlich bei 24,99 Euro. Auch der Garten-Klapptisch „Saltholmen“, der die Titelseite des frisch verteilten IKEA-Katalogs schmückt, liegt mit 29,99 Euro auf demselben Preisniveau wie sein Pendant in Deutschland.

 

Sollen Kundenclub-Mitglieder für Lockvogel mehr zahlen als Normalkäufer?

 

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Lockt in Sagres nach Loule: Großflächenplakat, das für den Sessel Poäng wirbt. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Mit einem besonderen Niedrigpreis-Angebot locken derzeit Großflächenplakate ins neue IKEA-Einrichtungshaus an der Algarve: Der Polstersessel „Poäng“ kostet demnach mit 65 Euro hier für alle Kunden 34 Euro weniger als in Deutschland. Doch im just verbreiteten Katalog zur Eröffnung in Loulé ist die Preisangabe von 99 Euro durchgestrichen und mit 79 € ersetzt – aber nur als „exklusives Angebot“ für die Mitglieder des Kundenclubs „IKEA Family“. Hier haben sich offenbar die Plakat- und Katalog-Werber nicht genügend abgestimmt…

Auch bei diesen Produkten, die IKEA als besonders attraktive Lockvogel-Angebot auf die prominenten Umschlagseiten seines Katalogs platzierte, hat der Algarve-Entdecker einen Preisvergleich mit Deutschland angestellt. Das Resultat: Die portugiesischen Preise liegen bis zu zwei Euro über den deutschen:

Im Katalog beworbenes Produkt IKEA-Preis in Portugal IKEA-Preis in Deutschland
Weißes Glasschälchen: Oftast 0,50 € 0,49 €
17er-Set Plastikdosen mit Deckel: Pruta 4,99 € 3,99 €
Hängelampenschirm: Krusning 16,99 € 14,99 €

 

Täglich 12 Stunden geöffnet – nur Weihnachten und Neujahr nicht

 

Das riesige IKEA-Einrichtungshaus an der Autobahn A22 (Ausfahrt 13) hat übrigens täglich, also auch sonntags, von 10 bis 22 Uhr und in den Sommermonaten Juni, Juli und August sogar bis 23 Uhr geöffnet. Nur am Weihnachts- und Neujahrs-Tag bleibt der Shop geschlossen. Das Restaurant (350 Sitzplätze innen und 130 auf der Terrasse) hat leicht verschobene Öffnungszeiten – täglich von 9:30 bis 21:30 Uhr (bzw. 22:30 Uhr im Sommer).

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Blick von der Restaurant-Terrasse. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Hier kostet in der Einführungsphase bis 7. April ein Teller mit zehn der bekannten schwedischen Fleischklößchen („Köttbular“) 2,10 Euro – aber nur für IKEA-Familiy-Mitglieder. Die anderen Kunden zahlen den Normalpreis von 4,20 Euro. Jeweils nur 50 Cent berechnet das IKEA-Restaurant laut Katalog für ein Eis, einen Hotdog und einen Kaffee plus Pastel de Nata. Kundenklub-Angehörige bekommen den Kaffee oder einen Tee von montags bis freitags sogar gratis.

Seine Expansion in Portugal begleitet IKEA seit wenigen Monaten auch mit der Möglichkeit, Waren und Dienstleistungen online zu kaufen – sowohl vom Festland auch als von den Inseln aus. Innerhalb der ersten acht Wochen konnten schon Verkäufe im Wert von mehr als einer Million Euro erzielt werden, teilte der schwedische Möbelkonzern mit. Weltweit verfolge IKEA das Ziel, rund zehn Prozent seines Verkaufsvolumens mit E-Commerce zu erreichen, erläutert Lynn Walker, stellvertretende Landeschefin für Portugal. Derzeit seien etwa 8.000 Produkte auf http://www.ikea.pt verfügbar. Die Seite werde monatlich von rund zwei Millionen Nutzern besucht.

 

Mit Auslieferungslager Albufeira näher an den Touristenzentren

 

Zwei neue Dienste sind für Algarve-Kunden verfügbar: Click & Collect mit Abholung im neuen Shop von Loulé oder Click & Deliver, mit Warenaushändigung zum Beispiel im zusätzlichen Auslieferungslager für den Süden Portugals, das in Albufeira eingerichtet worden ist. Seine Lage wird überraschender Weise im IKEA-Katalog nicht näher beschrieben.

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Nebenan in Loule ist noch Baustelle. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Laut Management ist das Auslieferungslager, das näher an den Touristenzentren der Westalgarve liegt, einer der Schritte, um mit einer Multikanal-Vertriebsstrategie an die Spitze des portugiesischen Handels mit Möbeln und Dekorationsgegenständen zu gelangen.

Die Online-Plattform werde fortlaufend optimiert, wozu auch das Kunden-Feedback beitragen soll.

Über seine Algarve-Filiale bietet IKEA zudem eine Reihe von Zusatzleistungen für Käufer von Möbeln und Dekorationsstücken an. Verbraucher müssen sich allerdings die Einzelangaben auf der portugiesischen IKEA-Internetseite jeweils umständlich als pdf-Dokument herunterladen. Hier deshalb eine kundenfreundlichere Gesamtübersicht über die entsprechenden Preise, deren Angaben jeweils die gesetzliche Mehrwertsteuer in Höhe von 23 Prozent beinhalten. Der Webseite ist zu entnehmen, dass die Preise bis 30. Juni garantiert sind, also für ein Vierteljahr nach der Eröffnung.

 

Kosten für Waren-Zusammenstellung und -Lieferung

 

Wer sich bei IKEA eine Einkaufsliste anlegt, kann beim Personal die Zusammenstellung der Waren und den Transport zu sich nach Hause in Auftrag geben. Für die Zusammenstellung der Lieferung berechnet der schwedische Möbelkonzern 20 Euro zusätzlich und separat für die Lieferung mindestens noch weitere 29 Euro, so dass die komplette Dienstleistung niemals unter 49 Euro zu haben ist. Bei Zusammenstellung online gekaufter Waren und Abholung in Albufeira fallen laut IKEA-Website 69 Euro Zusatzkosten an.

Hier die Tabelle zu den Preisen für die Anlieferung, die nach Zonen gestaffelt sind:

Gesamtpreis der Waren Zone 1 Zone 2 Zone 3 Zone 4 Zone 5
Bis 1.000 € 29 € 59 € 99 € 169 € 199 €
1.000,01 bis 2.000 € 58 €  118 € 179 € 249 € 279 €
2.000,01 € bis 3.000 € 87 € 177 € 259 € 319 € 359 €
Ab 3.000,01 € 3 % 5,5 % 8,5 % 10,5 % 12 %

Wer sich über die Ausdehnung der verschiedenen Lieferzonen informieren möchte, muss dazu einen IKEA-Mitarbeiter oder eine -Mitarbeiterin ansprechen. Noch kundenfreundlicher wäre es allerdings, auf der Webseite des IKEA-Onlineshops für Loulé eine geographische Karten mit den Zonen zu veröffentlichen.

 

Kosten für Montage

 

Für IKEA-Kunden, die über die Lieferung der Selbstaufbaumöbel hinaus noch deren Montage vor Ort wünschen, gibt es eine entsprechende Dienstleistung gegen zusätzlichen Aufpreis.

Hier die Tabellen zu den Zusatzkosten:

Warenwert Montagekosten
Bis 100 € 29 €
Jede weitere 100 € 10 €
2.700 bis 5.000 € 299 €
Ab 5.000 € 6 %
Kleiderschränke PAX 39 € pro laufendem Meter
Sofas 49 € pro laufendem Meter
Installation von Beleuchtung 5 € pro Strahler
Gesamtpreis Zone 1 Zone 2 Zone 3 Zone 4 Zone 5
Extra-Fahrkosten 39 € 59 € 89 € 119 € 149 €
Befestigung an der Wand 10 € 10 € 10 € 10 € 10 €

 

Kosten für Küchen-Planung und -Installation

 

Wer beim schwedischen Möbelhaus eine Küche kaufen möchte, wird gegen Gebühr unterstützt. Für 69 Euro berät ein IKEA-Experte bei der Auswahl von Möbeln und Geräten, bei der Festlegung der erforderlichen Eigenschaften der Küche und bei der Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen. Die Kosten von 69 Euro werden beim Kauf einer Küche verrechnet.

Weitere mögliche Leistungen – etwa die korrekte Ermittlung der Maße – zeigt die folgende Tabelle, zusammen mit den Preisen:

  Zone 1 Zone 2 Zone 3 Zone 4 Zone 5
Prüfung der Maße 59 € 79 € 99 € 119 € 139 €
Vergütung des Installateurs 40 € 40 € 50 € 60 € 60 €
Prüfung der Maße der Arbeitsplatte plus Einbau 89 € 89 € 119 € 119 € 119 €
Installation* Pauschal 45 € pro Meter plus 39 € für Installation v. Spüle, Wasserhahn u. Siphon
Abbau Pauschal 10 € pro Meter

*Enthalten sind die Montage und Installation aller Küchenmöbel, Arbeitsplatten, Innenteile und Griffe sowie der Anschluss von vier Elektrogeräten. Zertifizierten Gasanschluss muss Kunde selber gewährleisten.

Zusätzliche Dienstleistungen (Preisangaben pro Stück)

Installation von Küchenbeleuchtung 5 €
Einbau und Anschluss eines Steckers 19 €
Montage/Kürzung einer IKEA-Arbeitsplatte 35 €
Montage von Wasserhahn und Siphon 39 €
Recycling von Elektro-Altgeräten (bei Neukauf) 0 €

 

Kosten für Recycling

 

IKEA in Loulé bietet seinen Algarve-Kunden an, bei Kauf neuer Waren die ersetzten Gegenstände kostenlos mitzunehmen und gegen geringe Gebühren korrekt zu entsorgen. Der Austausch von Elektrogeräten gegen IKEA-Produkte ist sogar kostenfrei. Bei Sofas und Matratzen hingegen berechnet IKEA für Abholung und Recycling 15 Euro pro Stück.

 

Wann folgen Einkaufszentrum und Designer Outlet?

 

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Beim PresseLunch: Abdelhak Ayadi (links). Rechts Innenarchitektin Marta Cunha. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Wie beim Presse-Lunch vor der IKEA-Eröffnung bekannt wurde, soll das benachbarte „MAR Shopping Algarve“ im Sommer sowie das dahinter geplante „Designer Outlet Algarve“ erst im Herbst an den Start gehen. Die österreichischen Betreiber des gemeinsamen Projekts mit IKEA hatten ursprünglich bereits den Sommer, später den Spätsommer für die Eröffnung in Aussicht gestellt.  Zu den Gründen für die Verzögerung will man sich erst im Juli oder August äußern.

Wie IKEA-Direktor Ayadi betonte, stellt sich das Einrichtungshaus mit seinem Sortiment auf die speziellen Bedürfnisse der Algarve-Kunden ein. Innenarchitektin Marta Cunha berichtete davon, dass 35 Prozent der Bewohner zusammen mit Kindern lebten und 25 Prozent allein. Die Durchschnitts-Wohnfläche betrage fast 107 Quadratmeter. 78 Prozent der  Menschen an der Algarve hängen laut Cunha gerne Bilder an die Wand. Im Badezimmer nutzten 11 Prozent der Menschen hier mobile oder tragbare Möbel. 27 Prozent hätten einen offenen Balkon mit der Möglichkeit, Stühle aufzustellen.

Alle diese Besonderheiten spiegelten sich in der Produktpalette wieder. Auf der 24.000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche über zwei Ebenen werden die Produkte in original nachempfundenen Wohnwelten präsentiert, die den realen Verhältnissen vergleichbar sind. Die Kunden können zwischen einem geführten großen Rundang, einer einstündigen Tour oder einer zehnminütigen Kurz-Rundkurs wählen. Besonderer Wert wird auch auf Kunden gelegt, die Ferien- und Zweit-Wohnungen sowie Hotelzimmer und Büros ausstatten möchten.

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Auch im Markt der Hotel-Möbilierung will IKEA an der Algarve mitmischen. Foto: Hans-Joachim Allgaier

 

 

Einrichtungshäuser in Portugals Süden: Turbulenzen um neue Filialen

IKEA-Eröffnung in Loulé von zwei tödlichen Arbeitsunfällen überschattet

 

Die für den 30. März geplante Eröffnung des IKEA-Centers an der Algarve (wir berichteten) ist von zwei tödlichen Arbeitsunfällen überschattet. Wie die vom schwedischen Konzern beauftragte PR-Agentur Atrevia am Montag gegenüber dem Algarve-Entdecker bestätigte, geschah der erste Unfall bereits im vergangenen September 2016 auf der Baustelle. Die Untersuchung des Falles laufe und IKEA arbeite mit allen zuständigen Behörden bei der Ermittlung der Unfallursache zusammen, hieß es. Einzelheiten wurden nicht genannt. Am vergangenen Freitagmittag war eine 37-jährige Reinigungskraft einer Lieferfirma auf dem IKEA-Gelände getötet worden, als Holzpaletten auf sie stürzten und sie zerquetschten. Laut Medien, die sich auf Polizeiquellen berufen, soll der Unfall während einer Raucherpause in einem Bereich passiert sein, wo Gabelstapler Paletten absetzen.

Die portugiesische Arbeitssicherheitsbehörde ACT bestätigte dem Algarve-Entdecker am Montag, dass die im September gestarteten Unfall-Ermittlungen bereits abgeschlossen und die üblichen „angemessenen Maßnahmen“ ergriffen worden seien. Der Fall werde nun vor Gericht verhandelt. Zu dem am Freitag geschehenen Unfall bei IKEA teilte die Behörde zunächst nur mit, dass er in einer Lade- und Entlade-Zone des Komplexes passiert sei. Die „Autoridade para as Condições do Trabalho“ untersuche die näheren Umstände noch und könne derzeit nicht mehr sagen, hieß es in Lissabon.

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IKEA (hinten links) und das gigantische Shoppingzentrum in Loule. Foto: Hans-Joachim Allgaier

In einer Erklärung von IKEA heißt es gleich zu Beginn: „Sicherheit ist eins der wichtigsten Anliegen bei uns und ein Gebot, das wir nicht vergessen“. In Loulé wie überall auf der Welt halte der Bau von neuen Filialen die höchsten Sicherheitsstandards sowie alle gesetzlich festgelegten Verfahren und Bestimmungen ein. „In Zeiten wie dieser sind alle unsere Gedanken bei den Angehörigen und Bekannten der Opfer“, heißt es dann in der Stellungnahme weiter. Gleichzeitig untersuche IKEA die Faktenlage und arbeite selbstverständlich bei der Analyse aktiv mit den Behörden zusammen.

Vor vier Jahren, im Juni 2013, war es auf einer deutschen IKEA-Baustelle ebenfalls zu einem Arbeitsunfall gekommen, der aber glimpflich ausging. Ein Bauarbeiter wurde in einer Baugrube in Hamburg-Altona von einem Stahlträger erfasst und verletzt, konnte aber noch am selben Tag das Krankenhaus wieder verlassen.

Vor acht Jahren, im März 2009, berichtete die deutsche Tageszeitung TAZ über eine Häufung von Arbeitsunfällen bei einem türkischen IKEA-Zulieferer. Der Konzern versprach damals besondere Kontrollen und verwies darauf, dass die Zusammenarbeit beendet werde, wenn Partner den „IKEA Way“-Kodex (IWAY) nicht einhielten. Darin sei festgelegt, wie Angestellte behandelt werden und unter welchen Bedingungen sie arbeiten sollen.

 

Designer Outlet Algarve verschiebt Eröffnung erneut

 

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So soll nach Vorstellung des österreichischen Betreibers das Outlet-Center aussehen. Screenshot: Designer Outlet Algarve

Am Wochenende wurde zudem bekannt, dass der österreichische Betreiber des neben dem IKEA-Shop vorgesehenen „Designer Outlet Algarve“ den Start auf den „Herbst 2017“ verschoben hat. Ein konkreter Eröffnungs-Termin wird nach wie vor nicht genannt. Bis vor kurzem hatte es auf der Website  zunächst noch allgemein geheißen, die Eröffnung werde im „Spätsommer“ dieses Jahres stattfinden. Zuvor hatte die Angabe „Sommer“ gelautet.

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Neuerdings steht dort jetzt „Autumn“. Screenshot: Designer Outlet Algarve

Beobachter hatten bei der Besichtigung des Gesamtkomplexes in der Nähe des Flughafens Faro festgestellt, dass die vorbereitenden Bauarbeiten für das Designer Outlet noch nicht besonders weit fortgeschritten sind. Nach mehreren E-Mail-Anfragen unserer Redaktion zum Stand des Projekts kündigte das Management-Team der ROS Retail Outlet Shopping GmbH am Montag, 27. März, an, sich im Sommer äußern zu wollen. Informationen wurden konkret für Juli/August in Aussicht gestellt.

 

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Erich Gibson. Foto: E&V

Unterdessen stößt das Auftreten der weltweit größten Möbelhauskette IKEA bei Mitbewerbern, vor allem im regionalen Möbelhandel der Algarve, auf ein geteiltes Echo. Erich Gibson, deutscher Inhaber eines Fachgeschäfts für luxuriöse Designer-Möbel in Almancil, betrachtet den Markteintritt von IKEA gelassen, denn die skandinavische Marke sei „einfach keine Konkurrenz“ für die Anbieter hochwertiger Produkte. Allerdings rechnet er für das so genannte Billig-Segment mit deutlichen Konsequenzen: „Alle kleinen Läden, die sich ausschließlich dem Billigsektor verschrieben haben, dürften in der nächsten Zeit schließen“.

 

IKEA-Konsequenz: „Tante-Emma-Möbelläden an der Algarve dem Tod geweiht“

 

Die Probleme gingen allerdings darüber hinaus und beträfen die Handelsstruktur als solche: „Es werden nicht nur viele kleine Möbelgeschäfte sterben, sondern der Einzelhandel generell wird geschwächt, weil im Land alle immer zum neuen Anbieter strömen und die kleinen Tante-Emma-Läden im Endeffekt dann dem Tod geweiht sind“. Gibson spielt damit darauf an, dass mit dem neuen IKEA-Shop in Loulé auch ein großes Einkaufszentrum verbunden sein wird sowie das Designer Outlet Center. Branchenbeobachter schauen zum Beispiel mit erhöhter Aufmerksamkeit darauf, wie das ganz nah in Faro liegende „Forum Algarve“ mit der neuen Konkurrenzlage zurechtkommen wird.

Design Outlet Shopping Center II

Illustration, wie es im Shoppingcenter neben der neuen IKEA-Filiale aussehen könnte. Screenshot: ROS-Website

Jorge Fernandes, Geschäftsführer von „Mourinha Decor“, einem Spezialgeschäft im Zentrum von Portimão, rechnet mit starken Auswirkungen: „Anfangs werden sich alle Leute den neuen IKEA-Shop anschauen und die meisten werden dort auch etwas kaufen. Einige kleinere Möbel- und Dekorationsgeschäfte hier werden ihren Betrieb aufgeben müssen. Die größeren dürften zwar zunächst einige Einbußen erleben, aber wer guten Service bietet, wird erleben, dass seine Kunden zurückkehren“.

Möbelhändler Fernandes, zu dessen Kunden auch viele Algarve-Hotels gehören, rechnet damit, dass sich die touristischen Unternehmen beim Einkauf weiter so verhalten, wie es die acht Monate dauernde Saison an der Algarve erfordert. „Vielleicht werden sie in den ersten zwei, drei Jahren bei IKEA kaufen, aber danach werden sie wieder Qualität erstehen wollen, anstatt sich nur an Preisen und nettem Aussehen zu orientieren“, sagt Fernandes dem Algarve-Entdecker.

 

Bleibt knapp ein Drittel der Kunden weg?

 

Mourinha Decor Jorge Fernandes

Jorge Fernandes. Foto: Mourinha Decor

Der Möbelexperte aus Portimão stellt sich auf rund einen Kundenverlust von rund 30 Prozent ein – vor allem bei den Käufern, die dauerhaft an der Algarve leben. Schwieriger fällt es ihm, die Folgen fürs Preisniveau einzuschätzen. Er setzt auf einen Ausverkauf billiger Möbel und will dann noch stärker auf hoch qualitative Stücke setzen, die sich nicht mit IKEA-Selbstaufbaumöbeln vergleichen ließen.

Fernandes: „Unsere Strategie im Wettbewerb mit IKEA in Loulé ist, zu bleiben wie wir sind, aber künftig noch besseren Service zu bieten, damit die Zufriedenheit unserer Kunden noch zunimmt. Wir werden die Qualität unserer Produkte herausstellen und mehr auf Möbel setzen, die hier in Portugal produziert werden.“ Portugiesische Käufer achteten sehr auf Preise, räumt er ein. Wer sich aber nicht um das Zusammenbauen seiner Möbelstücke kümmern wolle und einen Aufpreis dafür zahlen müsse, werde sich nach einiger Zeit sehr überlegen, ob er IKEA treu bleibe. „Deshalb gibt es keinen Grund für uns, in Panik zu verfallen. Warten wir ein Jahr ab und sehen, wo IKEA dann steht“, gibt sich der Möbelhändler gelassen.

 

IKEA bei Dekorationsartikeln „unschlagbar“

 

Moveis MourinhoAuch seine Kollegin Teresa Mourinho von „Moveis Mourinho“, mit 85 Jahren Präsenz das traditionsreichste Möbelhaus der Algarve, rechnet damit, dass es nur in den ersten Monaten einen IKEA-Effekt zu beobachten geben werde: „Die Neugier der Portugiesen ist zwar groß, aber wenn sie ähnliche Möbel kostenfrei nach Hause geliefert und aufgestellt bekommen, werden sie zu großen Teilen zu den Händlern in ihrer unmittelbaren Umgebung zurückkehren.“

Gleichzeitig räumt Mourinho ein, dass IKEA im Segment der Dekorationsartikel praktisch „unschlagbar“ sei. Das Ausmaß eines möglichen Verlusts an Kunden mag sie nicht quantifizieren. „Wir sind auf den innerportugiesischen Markt ausgerichtet, die Kunden hier kennen uns und wir brauchen nicht zu werben. Wer zu uns kommt, tut das, weil er unseren besonderen Service schätzt, zum Beispiel den unserer eigenen Polsterwerkstatt“, sagt die Expertin.

Jose dos Santos Mourinho

Gründer Jose dos Santos Mourinho

Eine preisliche Reaktion auf IKEA schließt sie aus: „Denn wir hören, dass wir zwischen Sevilla und Sagres bei gleicher Qualität an Möbeln derzeit schon die besten Marktpreise bieten“, sagt Mourinho selbstbewusst. Dies gelte sogar für Sonderverkaufs-Aktionen.

Ihre Kundschaft wolle mittlere und große Möbelstücke nicht gerne selbst nach Hause transportieren und dort zusammenbauen. Etwas anders sei das vielleicht bei Kleinmöbeln, räumt die Fachfrau ein und sagt: „In rund sechs Monaten werden wir schon mehr sagen können“.

 

Auch „Dänisches Bettenlager“ expandiert an Algarve

 

Bereits im vergangen Jahr hatte ein weiterer skandinavischer Konzern, die Jysk-Gruppe (in Deutschland unter „Dänisches Bettenlager“ bekannt), eine erste Filiale an der Algarve eröffnet. Im Shopping Center Tavira Gran Plaza an der Ost-Algarve sind auf einer Verkaufsfläche von 700 Quadratmetern zehn Mitarbeiter tätig. Auch online wird seit letztem Jahr verkauft.

Dem Fachmagazin Möbelkultur sagte Geschäftsleiter Ole Nielsen, die Algarve sei „die perfekte Ausgangsbasis für die weitere Expansion in Portugal“. Dank guter Erfahrungen, die Jysk in Spanien gemacht habe, werde auch in Portugal das Filialnetz ausgeweitet. Die geschehe zunächst in den Ferienregionen.

Das vergangene Geschäftsjahr, das am 31. August endete, konnte das vom schleswig-holsteinischen Ort Handewitt gemanagte Dänische Bettenlager auf einen um sechs Millionen auf fast 1,3 Milliarden Euro gesteigerten Umsatz in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal zurückblicken. Insgesamt hat der Konzern 1.180 Fachmarkt-Filialen und City-Stores in Deutschland und Österreich sowie in der Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal.

Algarve-Festival lädt Gehör und Gaumen auf Geschmacks-Reise ein

Als „sehr erfolgreich“ haben die Organisatoren das Eröffnungskonzert zum Klassik-Musikfestival FIMA bezeichnet: Rund 400 Gäste applaudierten im Teatro das Figuras in Faro nach der Aufführung von Beethovens neunter Symphonie durch das Orquestra Classica do Sul (OCS) unter Dirigent Rui Pinheiro kräftig und anhaltend. Am 25. März führen Kammermusiker des OCS im Theater von Silves Werke von Mozart und Schönberg auf. Am darauffolgenden Freitag, 31. März, bietet das Festival ein musikalisches Dinner: Leiter Rui Pinheiro und Osvalde Silva, Meisterkoch im Luxushotel Conrad Algarve (Quinta do Lago), laden zu einem besonderen Geschmackserlebnis für Gehör und Gaumen ein – auf einer imaginären Reise durch Portugal, Italien, Deutschland, Österreich und Frankreich.

FIMA OCS Eröffnung

Freude über das gelungene Eröffnungskonzert mit Beethovens 9. Symphonie. Foto: FIMA

Beim Eröffnungskonzert in Faro waren auch der Coro Sinfonico Lisboa Cantat und die Solisten Carla Simões, Cátia Moreso, João Cipriano und Nuno Araújo Pereira mit von der Partie gewesen. Auf dem Programm stand nicht nur die „Ode an die Freude“, sondern auch die Welturaufführung das Stück „Eu.Rope“ von Luis Soldado. Dem Komponisten, der dem Tournee-Orchester der Algarve und des Alentejo eng verbunden ist, geht es im dem Stück darum, dass sich Europa mit Blick auf sein kulturelles und geistiges Erbe neu erfinden müsse.

FIMA Faro

Eröffnung des Klassik-Festivals im Stadttheater von Faro mit rotem Teppich. Foto: FIMA

 

„Prächtiges Programm“

 

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Festival-Eröffnung mit Scherenschnitt in Faro: Staatssekretär Miguel Honrado. Foto: FIMA

„Wir haben großartiges Feedback der Öffentlichkeit erhalten“, zeigte sich Carina Santos, die PR-Referentin des internationalen Klassik-Musikfestivals FIMA, nach der Veranstaltung begeistert. Es sei ein „prächtiges Programm, von talentierte Künstlern dargeboten“ gewesen. Als Ehrengäste anwesend waren unter anderem Miguel Honrado, der Kultur-Staatssekretär aus Lissabon, Dália Paulo, Managerin des Kulturprogramms „365 Algarve“, Alexandra Gonçalves, die Kultur-Direktorin der Region, Desidério Silva, Präsident des Algarve-Tourismusverbands und Faros Bürgermeister Rogério Bacalhau.

Mit dem nach langjähriger Pause neu aufgelegten „Festival Internacional de Música do Algarve“ (FIMA) will der Süden Portugals von März bis Mai sein Kulturangebot verstärken (wir berichteten). Veranstalter der zehnwöchigen Konzertreihe, der 32. ihrer Art, ist das OCS. Es treten 30 Orchester, Ensembles und Solisten aus den Ländern Portugal, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Dänemark und Israel auf – als Teil der „365 Algarve“-Aktivitäten. Das vielfältige Programm bietet Orchester-, Kammer- und geistliche Musik. Eintrittskarten sind bereits ab acht Euro zu kaufen – in den Vorverkaufsstellen und online.

 

Brandenburgische Konzerte am 21. April

 

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Kirche Tavira: Briten bringen Barock zu Gehör. Foto: FIMA

Für den April sind drei Konzerte in Faro (Donnerstag, 6., Freitag, 28., Sonntag, 30.) geplant sowie je eines in Lagos (Samstag, 8.), Tavira (Freitag, 21.) und Loulé (Sonntag, 23.).

Eines der Highlights im April dürfte der Auftritt der „Academy of Ancient Music“ aus Großbritannien unter der Leitung des Violinisten Pavlo Beznosiuk sein.

In der Igreja do Carmo bringt die Academy am 21. April die Brandenburgischen Konzerte 4 und 5 von Johann Sebastian Bach und zwei Werke von Georg Philipp Telemann zu Gehör.

Weitere Festival-Orte neben den bereits erwähnten sind Albufeira, Castro Marim, Lagoa und São Bras de Alportel.

Algarve grüner und blauer: Natur-, Fahrrad- und Boots-Tourismus im Visier

Am letzten Märzwochenende macht die Algarve deutlich, wie sehr sie einerseits auf Umweltschutz, andererseits aber auch auf Radwander-, Natur- und Boots-Tourismus zielt.

Die Bevölkerung der Südküste Portugals ist am 25. und 26. März gebeten, beim Säubern des Ecovia-Wegs zwischen Cabo de São Vicente im Westen und Vila Real de Santo António im Osten mitzuhelfen. Aufgerufen dazu haben vor allem der portugiesische Radfahrer-Verband FPCUB und der Algarve-Städtetag AMAL. Interessierte können sich auf der Website der Organisation anmelden. Die 200 Kilometer lange Strecke ist auch als Küsten-Radfahrweg Eurovelo 1 bekannt.

Radfahren Eurovelo

Aktion für Sauberkeit und Umweltbewusstsein rund ums Radfahren an der Algarve. Veranstalter ist die portugiesische Radfahrer-Vereinigung FPCU

Schon am Donnerstag startet in der Arena von Portimão die dreitägige Ausstellung Mar Algarve 2017. Dort tritt einen Tag später auch Ministerin Ana Paula Vitorino auf, zuständig für maritime und Fischerei-Fragen. Beobachter rechnen damit, dass Vitorino sich mit Umweltschützern konfrontiert sehen wird, die gegen das Projekt von Öl-Erkundungsbohrungen vor der Alentejo-Küste protestieren. Eine Demonstration ist für 11 Uhr angekündigt. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa hatte am vergangenen Wochenende in Faro auf einer Algfuturo-Veranstaltung für eine „wirtschaftliche Exzellenz der Algarve“ sinngemäß geäußert, er glaube, dass es schneller gehen würde, zum Mond zu fliegen, als Öl vor der Alentejo-Küste zu finden.

 

Ministerin bringt zur „Mar Algarve“ Neuigkeiten mit nach Portimão

 

Das für maritime Fragen zuständige Lissaboner Kabinettsmitglied Vitorino hatte bei einer Präsentation in den USA von einem Vorkommen von vermutlich rund 679 Millionen Barrel Öl in der Tiefsee nordwestlich der vom Tourismus und Fischfang lebenden Region Aljezur gesprochen. Es gelte, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass das Projekt sicher sei. Die vier Umweltgruppen MALP, Preservar Aljezur, Stop Petróleo Vila do Bispo und Tavira em Transição kündigten aber bereits kollektive Protestaktionen für den Fall an, dass die Regierung nicht auf „die Stimme des Volkes“ höre und die Bohrungen vor der Alentejo-Küste stoppe.

Bei ihrem Auftritt in Portimão werde Vitorino am Freitag „Neuigkeiten mitbringen“, kündigt ein portugiesisches Medium an. Ein britisches Magazin spekuliert, dass es um „mutige neue Pläne“ gehen werde, die mit einer Ausweitung des portugiesischen Seegebiets um vier Millionen Quadratkilometer zusammenhingen. Der Besuch der Ministerin wird mit einer Präsentation des Stromkonzerns EDP zusammenfallen, bei der es um eine Ausweitung von Offshore-Windparks gehen wird.

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Portimao mit seinen Häfen an der Arade-Mündung ist Schauplatz der Mar Algarve 2017. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Die Veranstaltung Mar Algarve 2017, deren Besuch kostenlos ist, hatte in den beiden Vorjahren jeweils rund 6.000 Besucher angezogen. Diesmal soll die Ausstellungsfläche doppelt so groß werden. Ergänzt wird das normale Programm durch Workshops, Seminare und kulinarische Angebote. Dutzende von maritimen Organisationen und Institutionen sind vertreten, darunter zum Beispiel IPMA, das nationale Institut für Meer und Atmosphäre, sowie Segelvereine der Region, Hafenbehörden und Forschungseinrichtungen. Der Verband Região de Turismo do Algarve (RTA) bietet an einem neun Quadratmeter kleinen Stand Informationen und Werbematerial an.

 

Tourismus setzt verstärkt auf Sportboot- und Radfahrer sowie Wanderer

 

Wassersport-Tourismus sieht der Verband als eine wichtige Möglichkeit an, die Konzentration der Algarve-Besucher auf die Hochsaison zu vermindern und neue Gäste zu gewinnen. „Durch unsere 200 Kilometer lange Küste, das hervorragende Wetter und die gute Hafen-Infrastruktur für Sportboote bieten wir optimale Voraussetzungen für die Entwicklung des nautischen Tourismus“, sagt RTA-Präsident Desiderio Silva.  Die Teilnahme an der Mar Algarve 2017 biete die große Chance, „diese immense Ressource zu stärken und zu verbreitern“.

Die saisonalen Schwankungen in der Region möglichst auszugleichen, hatte auch der Präsident Portugals bei seinem jüngsten Auftritt von Wirtschaftsexperten der Algarve als sinnvoll bezeichnet. Allerdings hätten die meisten Touristen noch immer „nur die Hochsaison im Kopf“. Der Präsident begrüßte Initiativen, den Kultur- und Natur-Tourismus auszubauen.

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Gut ausgebaute Radwege fördern den Aktiv-Tourismus an der Algarve. Foto: European Cycling Challenge

Schon auf der jüngsten Lissaboner Tourismusmesse BTL hatte der Algarve-Tourismusverband angekündigt, in diesem Jahr den Fokus besonders auf Angebote in den Bereichen Fahrrad- und Wander-Tourismus zu legen. Die schöne Natur der Algarve müsse besser vermarktet werden, betonte RTA-Präsident Silva. Dafür würden Pressereisen organisiert und Werbematerialien erstellt.

 

Silva kündigte ein spezielles Programm für dieses Marktsegment an, das auf internationalen Messen beworben werde. Der RTA-Präsident verwies auch auf die sieben Videos des Projekts „Algarve 360º“ hin, mit denen die Schönheiten der Algarve im Netz bewundert werden könnten. Die in den Sprachen Portugiesisch, Spanisch und Englisch verfügbare App „Roteiro Cultural Algarve“ mache es möglich, die Kulturdenkmäler der Region zu erkunden.

 

„Algarve Nature Week“: Vielfalt im Wonnemonat

 

Eine der zentralen Veranstaltungen dieses Jahres zur Förderung des Natur-Tourismus wird die Algarve Nature Week  vom 5. bis 14. Mai sein. Bei der dritten Auflage des Festivals können Besucher an der gesamten Südküste Naturtourismus in vielen Formen erleben. Der Eintritt ist frei.

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Impression von der letztjährigen Veranstaltung. Foto: Algarve Nature Week

 

8.000 Gäste werden erwartet. Diese können unter 150 Veranstaltungen im Freien wählen und vom 5. bis 7. Mai in Quatro Águas in Tavira – unweit des Fähranlegers zu den vorgelagerten Badeinseln – auf 67 lokale Aussteller treffen. Diese bieten dort von 10 bis 19 Uhr (samstags bis 20 Uhr) naturnahe Produkte vom Honig über Korkerzeugnisse bis hin zu aus Naturmaterialien gefertigten, traditionellen Kleidungsstücken der Algarve an. Schulen der Region entsenden über 500 Kinder und Jugendliche als Helfer.

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Eselreiten beim Wandern: Familienspaß an der Algarve. Foto: Pura Communications

Das umfangreiche Angebot der Algarve Nature Week ist auch für Familien attraktiv: Mehrere Wanderungen, einige von Eseln begleitet, führen zu besonders reizvollen Stellen der Küste, des hügeligen Hinterlandes und des Monchique-Gebirges.

 

Von ortskundigen Reiseführern begleitete Radtouren und Ausflüge zu Pferd gehören ebenso zum Programm wie Exkursionen zu den Brutplätzen seltener Vögel. Touren mit dem Kanu ermöglichen es, die Flüsse des Hinterlandes und die Lagunen der Algarve vom Wasser aus zu erforschen. Bootstouren führen zu den schönsten Grotten und Höhlen der Algarveküste – darunter die Höhlen von Benagil, die nur über das Meer erreichbar sind.

Andere Gruppen können Delfine und Wale in deren natürlichen Lebensräumen beobachten. Weitere Programmangebote richten sich an Sporttaucher, Surfer, Bodyboarder und Kitesurfer. Auch an die Freunde des Ballonfahrens, des Fallschirmspringens und Gleitschirmfliegens wurde gedacht.

Eine Reihe von Hotels und kleineren Unterkünften an der Algarve hält für die Besucher der Nature Week spezielle Programme zu attraktiven Preisen und interessante Packages bereit.

 

Radeln im Mai – gut auch für die Algarve-Planer

 

Ebenfalls im Mai, vom 1. bis zum 31., findet an der Algarve wieder die European Cycling Challenge statt. Unterstützt wird der Radsport-Teamwettbewerb vom Algarve-Städtetag AMAL.  Er will die Bewohner dazu bewegen, für den täglichen Weg zur Arbeit das Fahrrad zu nutzen, um die CO2-Emissionen auf den Straßen der Region reduzieren.

European Cycling Week Fahrradmietstation

Fahrrad-Mietstationen an der Algarve sollen Autofahrer zum Umstieg bewegen. Foto: European Cycling Challenge

Während der Veranstaltung im Vorjahr hatten 46.000 Radfahrer aus 52 Städten in 17 europäischen Ländern an der „Challenge“ teilgenommen und in einem Monat rund vier Millionen Kilometer zurückgelegt.  Dabei sorgt ein spielerischer Ansatz dafür, dass die Radfahrten zu einer spannenden, attraktiven Aktivität werden: Die Teilnehmer verfolgen ihre Bike-Trips mit einer kostenlosen Tracking-App fürs Smartphone, welche ihre zurückgelegten Strecken zu der Kilometersumme ihres Teams addiert. Online-Bestenlisten informieren jedes City-Team in Echtzeit über seine jeweilige Position im Wettbewerbsvergleich.

Die von den Radfahrern übermittelten GPS-Daten liefern Stadtplanern wichtige Informationen, quasi im Wege des „crowd sourcing“. Eine spezielle Software erstellt daraus so genannte heat maps, die einen genauen Blick auf das Verhalten und die tatsächlichen Bedürfnisse der Radfahrer ermöglichen. Ausgewertet werden können auf diese Weise Abfahrts- und Ziel-Orte, die durchschnittliche Fahrtdauer, mögliche Engpässe auf den Radwegen usw.

European Cycling Week Heatmap

So sah beim letzten Mal die „heat map“ der European Cycling Challenge an der Algarve aus

Auch zu Ostern: Algarve bei Feriendomizil-Suche hoch im Kurs

Welche Urlaubsregionen interessieren die Nutzer von Internetportalen für Feriendomizile am meisten? Was Portugal anbetrifft, überraschen die auf der Plattform Homeaway ausgewerteten Daten des Jahres 2016 nicht: Unter den fünf am häufigsten ausgewählten Städten sind allein drei Algarve-Küstenorte. Auf der Top 20-Liste haben Algarve-Ziele einen Anteil von 50 Prozent. Das Portal OLX meldet unterdessen für die bevorstehenden Osterfeiertage um 20 Prozent höhere Angebote und Nachfragen nach Feriendomizilen in Portugal. Vor allem Ferienhäuser an der Südküste des Landes lägen im Interesse vorn.

OLX Ferienhausanzeigen Ostern 2017

Algarve vorn – bei Kleinanzeigen, die Feriendomizile auf dem Portal OLX.pt suchen („Procura“) oder anbieten („Ofertas“). Grafik: OLX

Spitzenreiter in der portugiesischen Publikumsgunst ist laut der Datenanalyse des sich selbst als Marktführer bezeichnenden Portals Homeaway die Hauptstadt Lissabon. Das nordportugiesische Porto kam auf Platz 3. Der bekannte Algarve-Badeort Albufeira landete auf dem zweiten, Portimão auf dem vierten und Loulé (unser Beitragsbild zeigt Quinta do Lago) auf dem fünften Platz der Trefferliste bei der Onlinesuche nach privaten Feriendomizilen.

 

Homeaway Screenshot Website

Homepage von Homeaway.pt

Hier der Komplettüberblick über die Platzierung aller Algarve-Orte. Aus der Liste von Homeaway ist leider nicht zu schließen, wie häufig jeweils ein einzelner Ort durch die portugiesischen Nutzer ausgewählt worden ist.

 

 

  • Platz 02: Albufeira
  • Platz 04: Portimão
  • Platz 05: Loulé
  • Platz 09: Tavira
  • Platz 12: Vila Real de Santo António
  • Platz 13: Aljezur
  • Platz 14: Carvoeiro/Lagoa
  • Platz 15: Silves
  • Platz 17: Castro Marim
  • Platz 18: Lagos

 

OLX Screenshot Website

Homepage von OLX.pt

Unterdessen meldet das portugiesische Portal OLX, dass die Zahl von Urlaubsdomizil-Kleinanzeigen vor Ostern um ein Fünftel höher liege als im Vorjahr. Vor allem das Angebot von und die Nachfrage nach Ferienhäusern sei stark angestiegen: Auf OLX gebe es in dieser Kategorie rund 50 Kleinanzeigen pro Tag und insgesamt rund 3.000 Urlaubsmöglichkeiten. Die Algarve stehe bei Angebot und Nachfrage in Portugal an erster Stelle. Das Portal hat nach eigenen Angaben fast 28 Millionen Besucher im Jahr.

 

Bei Auslands-Feriendomizilen bevorzugen Portugiesen Spanien

 

Bei der Suche nach privaten Feriendomizilen im Ausland entschieden sich die meisten Nutzer von Homaway.pt für das Nachbarland Spanien und hier für die Städte Huelva und Pontevedra (Plätze 1 und 2). Brasilien, das mit Rio de Janeiro auf Rang 3 liegt, taucht insgesamt neunmal in der Liste der Top 20-Ferienwohnungsdestinationen auf, Spanien achtmal.

Ohne dass Homaway dazu konkrete Tabellen veröffentlicht, heißt es zur Auswertung der am meisten vom Ausland aus in Portugal gesuchten Standorte für Feriendomizile, auch hier liege Lissabon mit seinem nahen Küstengebiet vorn, gefolgt von der Algarve (Loulé, Lagos, Carvoeiro, Tavira, Vila do Bispo und Olhão), der Silberküste (Costa de Prata) und dem Norden Portugals.

 

Konkurrenten: Homeaway und Airbnb

 

Nach eigenen Angaben vermittelt Homeaway online die Vermietung von mehr als 1,3 Millionen Ferienwohnungen und -häusern jährlich in fast 190 Ländern der Erde. Das Portal gibt es seit neun Jahren. Seinen Sitz hat das Unternehmen in Austin, Texas (USA). Es ist derzeit in 17 Ländern Europas, Südamerikas und in den Vereinigten Staaten mit eigenen Markenauftritten präsent. Zu den größten Mitbewerbern dürfte Airbnb gehören.

Laut Nachrichtenagentur-Berichten aus dem November sollen Airbnb und Homeaway von der spanischen Stadt Barcelona mit Geldstrafen in Höhe von jeweils 600.000 Euro belegt werden, weil die Portale trotz früher schon verhängter Bußgelder weiterhin illegal private Wohnungen vermittelten. Es liege in den entsprechenden Fällen nicht die notwendige Touristenlizenz vor. Seit 2015 stellen die Behörden aber keine dieser Berechtigungen mehr aus. Die Stadtverwaltung will nicht noch mehr Touristen in der Stadt haben. Offenbar ignorieren aber zahlreiche Vermieter die Vorschriften und vermieten weiter ihre Gästezimmer. Bürgermeisterin Ada Colau wird mit der Aussage zitiert, es würden für die Nutzung solcher Domizile überhaupt keine Steuern entrichtet. Airbnb hat den Berichten zufolge angekündigt, Rechtsmittel einzulegen.

 

Touristenstädte kritisieren Steuerausfall

 

Ähnliche Kritik gibt es zum Beispiel in vielen weiteren Metropolen der Welt, so auch in der deutschen Hauptstadt Berlin, einem der größten deutschen Touristen-Magnete. Dort wird seit dem Frühjahr 2016 die Genehmigung bzw. Ausweisung von Wohnungen zur Nutzung für Ferienzwecke sehr restriktiv gehandhabt. Städte wie New York versuchen gegen den Widerstand der Vermietungsplattformen sogar, bereits das Inserieren von nicht genehmigten Ferienwohnungen zu untersagen.

Ferienwohnung Verbot

Ferienwohnungs-Verbote sind auch ein Thema bei Google News, wie dieser Screenshot zeigt

In mehreren stark besuchten Städten der Welt, darunter zum Beispiel London und Amsterdam, hat Airbnb laut Medienberichten bereits einer Begrenzung der jeweiligen Vermietungszeit auf 90 bzw. 60 Tage im Jahr zugestimmt. Angebote von Vermietern, die ohne Gewerbeanmeldung arbeiten, sollen ausgefiltert werden.

 

Das Geschäft der Internet-Plattformen

 

Plattformen wie Homeaway, Airbnb, Amazon, Ebay, Uber, die App-Stores von Apple und Google sowie andere sind eine Folge der Digitalisierung von Handels- und Dienstleistungsprozessen. Sie haben das Potenzial, bestehende Märkte grundlegend zu verändern. Neue Unternehmen aus fremden Branchen sind in der Lage, etablierte Firmen in deren Markt zu verdrängen, falls diese die Möglichkeiten nicht erkennen, die in der Digitalisierung stecken.

Airbnb Logo

Logo der Plattform Airbnb

Digitale Plattformen bringen die Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen mit möglichen Kunden zusammen. Der Betreiber verlangt von Anbietern, Kunden oder beiden eine Gebühr für jede Transaktion oder ein Entgelt für den Zugang. Er muss Waren oder Dienste nicht selbst herstellen oder anbieten, sondern betreibt lediglich einen digitalen Marktplatz. Wer Waren oder Dienstleistungen anbietet, erhält durch die Plattform Zugang zu vielen Kunden. Diese können an einer Stelle verschiedene Anbieter komfortabel vergleichen und deren Angebote auswählen.

Gleichzeitig gewährt der Betreiber einer Plattform meistens die Sicherheit, dass der Kunde es mit vertrauenswürdigen Verkäufern zu tun hat. Neben Plattformen für Privatkunden gibt es auch zahlreiche, die Geschäftskunden zusammenbringen. Eine Herausforderung für Anbieter, zum Beispiel von Ferienunterkünften, ist die Gestaltung des direkten Kundenkontakts, weil die Plattform dazwischen geschaltet ist.

 

Deutsche sorgen an Algarve für Buchungs-Boom bei billigen Mietwagen

Während eines Algarve-Aufenthalts ein Auto zu mieten und Portugals Südküste im Wagen zu erkunden, wird auch unter Deutschen immer populärer. Wie eine exklusive Auswertung des deutschen Internetportals www.billiger-mietwagen.de für diesen Blog ergab, reisen die Algarve-Kunden zu immer günstigeren Preisen und in immer kleineren Autos. Wir sprachen mit einem Experten über Kosten, Versicherungs-Fallen, Tank-Tricks und Kundenbewertungen.

Die Vermittlungsplattform konnte nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren in Portugal einen sehr starken Buchungszuwachs von 60 Prozent verzeichnen. Für die Algarve betrug die Zunahme sogar 70 Prozent! PR-Manager Frieder Bechtel: „Für dieses Jahr rechnen wir mit einem erneuten Wachstum von rund einem Fünftel für das gesamte Land Portugal und von rund 30 Prozent für die Vermietstation Faro.“

Billiger Mietwagen Website

Website des Kölner Vergleichsportals

Laut der Analyse des Portals, dessen Team in Köln residiert, lässt sich auch in den gebuchten Fahrzeugklassen eine interessante Entwicklung des portugiesischen Marktes erkennen. „Im ganzen Land ist der Anteil der Buchungen von Autos der Economy-Klasse, darunter fallen Fahrzeuge wie der Opel Corsa oder ähnliche, in den beiden vergangenen Jahren um 17 Prozent gesunken“, berichtet Bechtel. Gleichzeitig sei der Anteil der Mini-Klasse (zum Beispiel Fiat 500) um 11 Prozent gestiegen. Buchungen für die Kompakt-Klasse (etwa Ford Focus) blieben stabil und hielten ihren Anteil von 21 Prozent.

 

Faro: 18 Prozent mehr Buchungen in der Mini-Klasse

 

Für Faro und damit für die Algarve ergibt sich bei den gebuchten Fahrzeugklassen ein ähnliches Bild: „Buchungen für die Economy-Klasse nahmen um 14 Prozent ab, während die für die Mini-Klasse um 18 Prozent stiegen“, so Bechtel. In der Kompakt-Klasse nahm der Buchungsanteil um sieben Prozent zu.

Das Mietwagen-Portal gibt für das Land Portugal den durchschnittlichen Preis pro Tag mit 24,24 Euro im Jahr 2016 an. Im Vergleich zu 2014 sank dieser Wert um 5,56 Euro. Stärker abgenommen hat der Durchschnitts-Mietpreis an der Algarve: In Faro lag er 2016 bei 24,46 Euro pro Tag und damit um 7,68 Euro niedriger als noch zwei Jahre zuvor.

 

Tipps für Fahrten durch Portugal und die Algarve

 

Billiger Mietwagen Algarvekarte

Diese Algarve-Orte sind in den Tour-Empfehlungen des Vergleichsportals erwähnt. Karte: Google Maps

Auf seiner Website „Reisewelt“ gibt der Autovermittler zahlreiche Tipps, die Fahrten durch Portugal erleichtern. So wird ein Roadtrip von der Algarve nach Lissabon beschrieben, es gibt Hinweise zum richtigen Umgang mit dem Mautsystem auf portugiesischen Autobahnen und Nutzer bekommen hilfreiche Ratschläge für die Mietwagen-Übernahme und -Rückgabe in Faro. Auch eine Empfehlung für Trips zu fünf Sehenswürdigkeiten in der Flughafenstadt der Algarve und ihrer Umgebung sind im Angebot.

Im Januar hatte www.billiger-mietwagen.de darüber informiert, dass die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM ein Bußgeld in Höhe von insgesamt rund zwei Millionen Euro gegen den spanischen Autovermieter Goldcar verhängt hat. Er ist u.a. auch an der Algarve tätig und über ihn hatten wir bereits im Herbst 2015 berichtet.

 

Spanischer Autovermieter Goldcar in Italien mit Millionen-Bußgeld belegt

 

Die italienische Behörde Autorità Garante della Concorrenza e del Mercato ahndete mit den verhängten Geldstrafen ihrer Ansicht nach unlautere Geschäftspraktiken gegenüber Mietwagenkunden. Laut dem Vermittlungsportal, das sich auf AGCM-Aussagen stützt, soll das Bußgeld gegen Goldcar definitiv sein. Das Unternehmen könne aber vor Gericht dagegen vorgehen. Auch Firefly, die Billigmarke des Anbieters Hertz, wurde von der AGCM mit Geldbußen belegt, weil die Information der Verbraucher über die Kautionsregelung (Security Deposit) beanstandenswert war.

Bei Goldcar bestrafte die italienische Wettbewerbsbehörde „aggressives Verhalten“, mit dem Kunden am Mietwagenschalter Versicherungsleistungen verkauft würden, welche die Kaution und die Haftung für eventuelle Schäden am Wagen reduzieren. Dies geschehe, obwohl zahlreiche Kunden über einen Vermittler bereits einen Erstattungsschutz für die Selbstbeteiligung gebucht haben.

Nach AGCM-Aussage beruft sich Goldcar ferner bei der Kosten-Bemessung für Schäden am Mietwagen auf eine eigene Tabelle, der allerdings kein präzises System zur Bemessung der Reparaturkosten nach objektiven Kriterien zugrunde liege. Moniert wurde auch mangelnde Transparenz bei den Bearbeitungsgebühren im Zusammenhang mit der angebotenen „Flex Fuel“-Kraftstoffrate. Laut AGCM wurden die Kunden über hohe Service-Gebühren für die Betankung des Autos durch den Vermieter vorab nicht präzise genug informiert.

PR-Manager Bechtel: „Im Gegensatz zu anderen großen deutschen Vergleichsportalen unterhält billiger-mietwagen.de keine direkte Partnerschaft mit Goldcar“. Allerdings könnten auf dem Portal dennoch Buchungen beim Vermieter Goldcar zustande kommen, wenn Mietwagen-Broker wie AutoEurope oder CarDelMar dazwischengeschaltet seien, die ihrerseits direkt mit Goldcar zusammenarbeiten.

 

Aufpassen bei Zusatzversicherungen und Tankregelung

 

Aus Kunden-Reklamationen wisse das Vermittlungsportal „von solch unschönen Praktiken bestimmter Vermieter“, so Bechtel. Deshalb statte man jeden Reisenden vor der Anmietung mit einem Handzettel aus, der dem Vermieter auf Deutsch und in der jeweiligen Landessprache erkläre, dass der Kunde keine zusätzliche Versicherung abschließen möchte. Mit diesem Dokument könnten Kunden den Verkauf unnötiger Zusatzversicherungen durch den Vermieter erfahrungsgemäß meistens abwehren.

Zudem weist das Mietwagen-Vergleichsportal Kunden auf seiner Webseite darauf hin, wenn die Tankregelung eines Angebots mit Zusatzkosten am Mietwagenschalter wie Servicegebühren für Betankung verbunden ist. Nutzer der Seite können solche Angebote mit einem „Tank: voll/voll“-Filter von vornherein ausschließen. So erhalten sie nur Treffer, bei denen ausschließlich der tatsächlich verfahrene Kraftstoff bezahlt werden muss.

 

Goldcar schneidet bei jüngster Kundenbewertungs-Analyse am schlechtesten ab

 

Billiger Mietwagen Ranking

Quelle: billiger-mietwagen.de

In einer Auswertung des Vergleichsportals von rund 45.000 Kundenbewertungen der internationalen Autovermieter kam Goldcar mit 3,22 von 5 Sternen auf den letzten Platz. Bereits zum zweiten Mal belegte der US-Anbieter Enterprise den ersten Platz für das Jahr 2016. Er tritt auch unter den Marken Alamo und National auf und erhielt 4,44 Sterne. Die Kunden bewerteten nach Wagenrückgabe den Zustand des Fahrzeugs sowie Service und Wartezeit an der Mietstation. Die nachfolgenden Plätze belegten Hertz (4,37 Sterne), Avis und Budget sowie Europcar und Dollar/Thrifty.

„Die Gründe für schlechte Bewertungen sind je nach Reiseland unterschiedlich“, so PR-Manager Bechtel. So bemängelten Kunden besonders bei den südeuropäischen Discount-Marken Interrent, Firefly und Goldcar den unnötigen Verkauf von Zusatzversicherungen, lange Wartezeiten und überteuerte Kosten für die Tankfüllung an der Station. Kunden, die über das Portal einen Mietwagen für Portugal gebucht hatten, gaben mit 4,12 von 5 Sternen die dritthöchste Zufriedenheit zu Protokoll (siehe Beitragsbild).

Für Mietwagen-Reisen in Deutschland musste sich bei der Auswertung der Kundenbewertungen Enterprise dem Konkurrenten Europcar geschlagen geben – wenn auch nur minimal: Europcar erreicht im Deutschlandvergleich 4,61 von 5 Sternen, Enterprise liegt mit 4,56 Sternen knapp dahinter. Generell erreichten alle verglichenen Mietwagen-Anbieter in Deutschland sehr gute Bewertungen.

 

Billiger-Mietwagen.de 2016 Sieger bei Stiftung Warentest

 

http://www.billiger-mietwagen.de ist nach eigenen Angaben „Deutschlands größter Produkt- und Preisvergleich für Mietwagen weltweit“. Das Unternehmen weist inzwischen 13 Jahre Branchenerfahrung auf und beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter an den Standorten Köln, Freiburg und Leipzig. Ziel sind eine transparente und kundenfreundliche Darstellung der Angebote und kostenloser Kundenservice per Telefon. Das Internetportal wurde im vergangenen Jahr Testsieger bei der Stiftung Warentest (Heft 5/2016) mit der Gesamtnote „sehr gut“. Bereits in den vergangenen Jahren erhielt das Vergleichsportal mehrere Auszeichnungen, unter anderem von FOCUS-MONEY mit fünf aufeinanderfolgenden Testsiegen (2010 – 2014) als „bester Mietwagenvermittler“.

 

ITB: Algarve profitiert auch 2017 von Boom deutscher Urlauber

Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin hat sich Portugal selbstbewusst als eines der großen Gewinnerländer des Reisejahres 2016 präsentiert. Mit 109.000 Fachbesuchern besuchten weniger Menschen die ITB als in den Vorjahren. Wie Portugals Tourismus-Staatssekretärin Ana Mendes Godinho in Berlin berichtete, reisten allein 1,2 Millionen Besucher aus Deutschland in das sonnenverwöhnte Land an der Südwestspitze Kontinentaleuropas. Das entspricht einem Zuwachs von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Übernachtungen nahmen um knapp zehn Prozent zu.

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Antonio Teixeira (l.) von Turismo de Portugal mit Algarve-Entdecker-Gründer Alex Kroll. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Besonders das Interesse an der Algarve, dem Alentejo sowie den Inseln Azoren und Madeira stieg an. Immer mehr besucht würden auch Nord- und Zentralportugal, so Godinho. Wie sie am Stand von Turismo de Portugal in Halle 1 mitteilte, registrierte Portugal insgesamt 19 Millionen Touristen aus dem In- und Ausland.

Alle sieben Regionen des Landes hätten zweistellig zugelegt. Das sei unter anderem auch eine Folge der schwierigen Lage im Tourismusland Türkei und in den nordafrikanischen Staaten, räumte die Staatssekretärin ein.

 

Portugal verstärkt Werbung um deutsche Touristen

 

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Das Herz von immer mehr Deutschen schlägt für die sonnige Algarve. Ein neuer Boom-Sommer wirft in Faro seine Schatten voraus. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Wohl „richtig voll“ werde es in diesem Jahr an der Algarve werden, so Godinho. Nach ihren Angaben werden 2017 voraussichtlich erneut rund 40 neue Hotels in Portugal eröffnen – genauso viele wie 2016 – und die Kapazität von derzeit 300 Direktflügen aus Deutschland heraus werde erneut ausgebaut. Laut Godinho will Portugal kräftig in Deutschland als Quellen-Markt für Reisen investieren; das Budget für Marketing und Werbung werde um 23 Prozent erhöht.

Auf der ITB bestätigten große deutsche Reiseveranstalter, dass es für den Sommer noch mehr Buchungen von Portugal-Urlauben als im Boom-Jahr 2016 gebe. Laut dem größten deutschen Anbieter TUI liegen die Zahlen über den „hervorragenden“ des Vorjahrs. Ähnlich wie bei den Wettbewerbern Thomas Cook und Neckermann wird eine besonders starke Zunahme an Gästen für die Algarve und Madeira erwartet. FTI berichtet bereits von einem hohen zweistelligen prozentualen Buchungsplus für Portugal-Reisen.

 

Die Algarve mit ihrer Vielfältigkeit präsentieren und profilieren

 

v.l.n.r.: Dora Coelho, Carlos Luis, Martina Kerk, Hajo Allgaier

Dora Coelho, Martina Kerk und Carlos Luis vom Tourismusverband der Algarve unterstrichen in einem Exklusivgespräch mit Algarve-Entdecker die Herausforderung, die Vielfältigkeiten der Algarve so zu kommunizieren, dass sie besonders außerhalb der Spitzenmonate wahrgenommen werden.

 
Dazu ist das Programm „365 Algarve“ ein wichtiger Schritt, der ausgebaut und ergänzt werden muss.

 

Mehr Kultur, barrierefreies Reisen, bessere Internet-Anbindung

 

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ITB-Schwerpunkte: 365 Algarve und Turismo 4.0. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Mit einem ausgeweiteten Kulturprogramm, das auf der ITB angekündigt wurde, wollen die Algarve und der Alentejo vor allem in der Zeit von Oktober bis Mai noch attraktiver für Urlauber und ausländische Residenten werden. Das ausgeweitete Angebot wird erneut den Titel „365 Algarve“ tragen, wie Carlos Luis, Präsident von  Associação Turismo do Algarve (ATA) bestätigte. ATA-Managerin Martina Kerk wies darauf hin, dass dadurch versucht werde, in den der Hauptsaison vor- und nachgelagerten Monaten durch besondere kulturelle Angebote mehr Besucher anzuziehen. Das Programm „365 Algarve“ bildete einen der optischen Schwerpunkte am Portugalstand auf der ITB, ebenso wie die Start-ups von „Turismo 4.0“.

Ein weiteres Programm „All for All“ soll nach Angaben des portugiesischen Fremdenverkehrsamtes barrierefreies Reisen in Portugal verbessern. Zudem fördert die Regierung des Ausbau von drahtlosem Internetzugang in Innenstädten und touristischen Zentren.

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Probeliegen im neuen Business Class-Sitz des TAP-Airbus A330neo. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Übereinstimmend registrieren die auf der ITB befragten Veranstalter von Portugal-Reisen mehr Nachfrage nach Städte-Trips. Hier stehen die Hauptstadt Lissabon und die nordportugiesische Wirtschaftsmetropole Porto im Zentrum des Interesses. Die Fluggesellschaft TAP Portugal stellte auf der ITB die neue Business Class in ihrem Airbus A330neo vor, für den sie „launching customer“ ist.

Ebenso wurde das neue Stop over-Programm für Passagiere erläutert, die ihre Reise zu TAP-Zielen wie z.B. Faro in Lissabon unterbrechen und künftig besondere Vorteile erhalten (wir werden separat darüber berichten).

Experten von DER Touristik wiesen auf der ITB darauf hin, dass Madeira sein Image als „Blumeninsel für Senioren“ ablege und immer mehr von jüngeren Reisenden entdeckt werde. Die kleinere Nachbarinsel Porto Santo sei noch so etwas wie ein „Geheimtipp“.

 

Reiseverkäufer werden per Onlinekurs zu Algarve-Experten

 

Verkäufer von Portugal-Reisen machte der Online-Campus Expiprofi auf der ITB auf ein E-Learning zur Algarve aufmerksam. Es soll Teilnehmern in fünf Kursen helfen, ein Experte für Europas Sonnenziel Nr. 1 zu werden. Wer die Online-Lektionen bis zum 31. August mit Zertifikat absolviert, kann einen von zehn Familien-Trips im Herbst gewinnen, welche die Associação Turismo do Algarve (ATA) spendiert.

 

Video-Impressionen von der ITB

 

Algarve: Neue Angebote für Familien-, Aktiv- und Golf-Urlaub

Immer mehr interessante Angebote für sportlich-aktive Auszeiten findet, wer mit Algarve-Urlaub nicht bloß Entspannung an den sonnigsten und schönsten Stränden Europas verbindet. Auch Kreuzfahrt-Liebhaber können häufiger im Algarve-Hafen von Portimão anlegen und Familien haben mehr Programme für Kinder zur Auswahl. Hier kurz vor der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin ein Streifzug über den Markt neuer Möglichkeiten.

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Neue Radwandertouren starten von Carvoeiro (Bild) und Olhao aus. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Beispielsweise bietet der Portugal-Spezialist Olimar Reisen erstmals Radwandertouren an der Algarve an. Auf Treckingrädern oder wahlweise per Elektro-Fahrrad können Aktivurlauber mit einem deutschsprachigen Reiseleiter die Südküste Portugals und ihr Hinterland erkunden. Auf der Route liegen zum Beispiel die Hafenstadt Tavira, die Lagunenlandschaft Ria Formosa, die Pousada von Estói, die Maurenburg in Silves und die Felsalgarve in der Region um Carvoeiro, Praia da Rocha und Alvor. Gestartet wird von Hotels in Olhão und Carvoeiro aus. Die Tour führt über neu angelegte Radwege, ruhige Nebenstraßen und Feldwege weitgehend durch ebenes, leicht hügeliges Terrain; einen Höhenunterschied von rund 100 Metern zu bewältigen gilt es erst an Tag fünf. Längere Passagen überbrückt die geführte Radwandergruppe mit dem Zug.

 

Zu Fuß oder Pferd durch die Algarve und den Alentejo

 

Auch Panoramawandern entlang der Rota Vicentina an der rauen Westküste der Algarve bietet der deutsche Reiseanbieter aus Köln jetzt an. Er stattet die Gäste für einwöchige Touren mit Wanderkarte und Routenempfehlungen aus und bringt das Gepäck der Gäste von Hotel zu Hotel, während diese wandernd unterwegs sind. Zurücklegen können die Naturfans einen besonders reizvollen Teilabschnitt des insgesamt 350 Kilometer langen Fernwanderwegs. Er beginnt im Südwesten des Altentejo und endet an der Südwestspitze Kontinentaleuropas, am Cabo de São Vincente. Auch eine Weinprobe, Honig- und Schnapsverkostung und die Besichtigung einer Korkfabrik stehen auf dem Programm.

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Auf Schusters Rappen die Algarve-Westküste entlang – Anbieter Olimar stattet mit Wanderkarten und Routenempfehlungen aus. Foto: Veranstalter

Weitere Aktivreisen des Anbieters führen per Rad, Boot und Pferd zu besonders schönen Naturschauplätzen verschiedener Regionen des portugiesischen Festlands sowie auf die Inseln Azoren, Madeira und Porto Santo. So kann man unter anderem den Alentejo, der nördlich an die Algarve angrenzt, vier Tage lang in seiner Ursprünglichkeit hoch zu Ross erkunden. Übernachtet wird in der Nähe eines Orts, den die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt hat, in unberührter Natur. Zwei Ausritte mit erfahrenem Reitlehrer führen durch die Region, die von Korkeichen und Rinderherden geprägt ist.

 

„Portugal wird als Familien-Reiseziel immer beliebter“

 

„Portugal steht auch auf der Beliebtheitsskala für Familien ganz oben, nicht nur seit dem letzten Jahr“, sagt Pressesprecherin Evelyn Steinbach. Das Land sei ein wahres Entdeckerziel für Menschen, die Neues und Besonderes suchten und biete „eine gelungene Mischung aus perfektem Strandurlaub, Natur-Abenteuern und kulinarischen Genüssen“.

In unmittelbarer Strandnähe der „Bilderbuchküste“ offeriert Olimar z. B. eine Reihe moderner Ferienanlagen und Resorts, die ein Programm für Kinder bieten, etwa die Quinta do Paraíso und das Vale d’Oliveiras bei Carvoeiro oder das Tivoli Marina Portimão am Yachthafen von Praia da Rocha. Neue Betreuungsangebote sollen auch den Ausflug mit Kindern von der Algarve aus in die Hauptstadt des Landes erleichtern. „Das Fünf-Sterne-Familienhotel Martinhal in Lissabon hat sich darauf spezialisiert, kleinen und großen Gästen einen abwechslungsreichen Aufenthalt zu ermöglichen“, berichtet Steinbach. Wenn Eltern beispielsweise am Abend noch ausgehen und eine Kulturveranstaltung in der Stadt besuchen wollten, stehe eine Kinderbetreuung im Hotel bereit, das nur wenige Gehminuten von den Einkaufsstraßen des Chiado-Viertels entfernt liege.

 

Mit dem Schiff an der Algarve aufkreuzen

 

Auch der wachsenden Zahl von Kreuzfahrt-Liebhabern versucht die Algarve stets besser gerecht zu werden. Veranstalter beziehen Tagesausflüge von Portimão aus immer häufiger in ihre Mittelmeer- und Europa-Touren per Schiff ein. So sieht etwa eine im März 2018 stattfindende Kreuzfahrt mit der MS Hanseatic eine 18-tägige Route von Dakar (Senegal) nach Hamburg vor, auf der die Vielfalt Nordafrikas und Europas auf einer Route über die Kanaren, Marokko und die iberische Halbinsel bis nach Großbritannien besichtigt werden kann.

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Foto: Hapag-Lloyd

In Portimão legt die MS Hanseatic von Hapag-Lloyd Cruises am 20. März an, rechtzeitig zum kalendarischen Frühlingsbeginn. Von 8.00 bis 14.00 Uhr haben die Gäste Landgang und sind eingeladen, in der Hafenstadt und ihrer Felsküsten-Umgebung etwas von Portugals Seefahrergeschichte zu erspüren und sich mit dem Entdeckergeist Heinrich des Seefahrers, Vasco da Gamas und Pedro Alvares Cabrals zu befassen. Tags darauf kommt das Schiff in Portugals Hauptstadt Lissabon an.

Anfang Juni 2018 macht eine weitere Hapag-Lloyd-Kreuzfahrt Halt an der Algarve: Die MS Europa mit den Musikern des Ocean Sun Festivals an Bord schaut auf ihrer 14-tägigen Tour von Nizza nach Bilbao in Portimão vorbei. Hier sind die Gäste, die zuvor zum Genießen, Staunen und Entdecken an der Mittelmeerküste entlanggefahren sind, am Freitag, 8. Juni ab 9 Uhr für 9 Stunden zu Gast, bis es weiter nach Lissabon geht.

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Algarve-Gast mit Klassikfestival und Golf-Cup an Bord: die MS Europa. Foto: Hapag-Lloyd

Das Thema der gesamten Kreuzfahrt lautet: „Von mediterraner Lebenslust und schönen Künsten“. Auf dieser Reise wird den Gästen ein Golf & Cruise-Programm angeboten. Außerdem findet der 18. MS Europa Golf Cup statt. Nach der Anfahrt von Portimão haben Gäste die Möglichkeit, im Onyria Palmares Golf Club zu spielen. Der 2011 vollendete 27-Loch-Platz in der Bucht von Lagos bietet ein besonderes Zusammenspiel zwischen Natur und Golferlebnis.

 

Kombiniertes Golf- und Kreuzfahrt-Feeling „op kölsch“

 

Zwar hat Hapag-Lloyd Cruises keine Kreuzfahrt im Programm, die ausschließlich die schönsten Greens an der Algarve anfährt, doch neu ist zum Beispiel ein Angebot, Kreuzfahrt-Feeling mit Blick ins Grüne statt auf blaues Wasser zu verbinden. So können kreuzfahrtinteressierte Golfer künftig im Clubhaus des Kölner Golfclubs in einer jeweils originalgetreuen Suite der Schwesterschiffe MS Europa und MS Europa 2 übernachten. Das komplette Innendesign einschließlich der Designermöbel, Stoffe, Farben und Formen entspricht den Luxus-Suiten an Bord – nur statt mit Meerblick mit Sicht auf die parkähnliche Kölner Golfanlage der Fünf-Sterne-Superior-Kategorie mit ihren insgesamt 34 Gästezimmern.

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Blick aus einer MS Europa-Suite auf die parkähnliche Anlage in der Domstadt. Foto: Kölner Golfclub

 

23 Hotelprojekte in der Planung

 

Für weiteres Tourismuswachstum an der Algarve rüstet sich die Region derzeit mit 23 Hotelprojekten, die in der Planung sind: 13 Neubauten und zehn Renovierungen. Das ergab eine Auswertung von Angaben der Energieagentur ADENE durch das portugiesische Immobilien-Fachmagazin Confidencial Imobiliário. Analysiert wurden ausgestellte Vor-Zertifikate aus den Jahren 2015 und 2016. Diese sind für die Realisierung eines Bauprojekts notwendig.

Laut dem Fachmagazin gibt es unter den Vorhaben zwei Großprojekte: eins in Portimão mit 5.600 Quadratmetern Nutzfläche und eins in Silves, bei dem es um 5.100 Quadratmeter geht. Jeweils zwei weitere Hotel-Projekte in Lagoa und Loulé hätten eine Größe von mehr als 4.000 Quadratmetern.

Bei drei der vier aufgelisteten Vorhaben soll es sich nach Angaben des Fachmagazins um Neubauten in der Kategorie von Hotels mit vier oder mehr Sternen handeln. Das andere Projekt betreffe ein Umbauvorhaben im Bereich von Hotels mit bis zu drei Sternen. In der „Pipeline“ seien ferner zwei Projekte der Kategorie vier und mehr Sterne in Lagos. Das Magazin ließ offen, ob es sich dabei um Neubauten oder Renovierungen handelt.

 

Umweltschützer: „Auch vor Alentejo-Küste keine Ölsuche“

Mit einer in Lissabon eingereichten Petition haben 27 Umweltverbände und Bürgerinitiativen Portugals Ministerpräsident António Costa aufgefordert, die geplante Erkundung möglicher Öl- und Gasvorkommen im Meeresbecken zwischen südlichem Alentejo und nördlicher Algarve zu stoppen. Eine Konzession dafür will das Konsortium der Energiekonzerne ENI und Galp laut Medienberichten nutzen, um gegebenenfalls noch in diesem Jahr mit Bohrungen zu beginnen.

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Titelbild auf der MALP-Facebookseite

João Martins von der Bewegung „Algarve Livre de Petróleo“ (MALP), einer von 42.000 Unterzeichnern der Petition, verwies darauf, dass sich bei der Anhörung von Interessensvertretern im Parlament die politischen und gesellschaftlichen Kräfte gegen eine Erkundung und Ausbeutung von Kohlenwasserstoffen auf dem Land und auf dem Meer ausgesprochen hätten. Vor dem Parlament demonstrierten während der Anhörung rund 200 Umwelt- und Naturschützer.

 

Auf öffentlichen Druck hin hatte die Regierung in Lissabon bereits vergleichbare Konzessionsverträge mit dem Konsortium Repsol/Partex und auch mit dem Unternehmen Portfuel suspendiert. Diese bezogen sich auf Gebiete im Hinterland der Algarve wie auch vor deren Südküste.

In einer Pressemitteilung vom 23. Februar kritisierten speziell die in dem Bündnis C6 zusammengeschlossenen Umweltorganisationen die Regierung in Lissabon dafür, dass sie die Erkundung von Ölvorkommen vor der Westküste im südlichen Alentejo-Becken (rund 45 Kilometer nordwestlich vor Aljezur) nach wie vor ermöglichen wolle. Gleichzeitig hoben GEOTA, FAPAS, LPN, Quercus, SPEA und WWF (als Koordinator) das Ende der Verträge über Exploration und Ölförderung im Bereich der Algarve ausdrücklich als positiv hervor. Die Südküste sei eines der reichsten Ökosysteme Portugals, heißt es in der Pressemitteilung.

asmaa-logoAuch die Organisation Associação de Surf e Actividades Marítimas do Algarve (ASMAA) wendet sich gegen das noch verbliebene Projekt im Meeresgebiet zwischen Alentejo und Algarve. Schon vor einigen Tagen forderte die in Lagos beheimatete Organisation den Generalstaatsanwalt auf, eine einstweilige Verfügung zur Aussetzung der Erkundungsmaßnahmen zu erlassen und für die Veröffentlichung des bestehenden Konzessionsvertrags zu sorgen. Es gelte, im öffentlichen Interesse das Auftreten irreparabler Schäden zu verhindern.

zero-logoBereits Anfang Februar hatte die Umweltschutzorganisation ZERO öffentlich die Frage nach den Kosten für eine Aufhebung des entsprechenden Vertrags über die private Nutzung des Atlantikabschnitts nordwestlich von Aljezur gestellt. Nach Auffassung des Verbands, der sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzt, hat die Regierung in Lissabon die Gelegenheit verpasst, das Abkommen rechtzeitig zu kündigen. Wenn ein Schiedsgericht in der strittigen Angelegenheit vermittelnd tätig werde, könnten höhere Entschädigungsleistungen durch die Regierung fällig werden als die Vertragsstrafen bei schneller Kündigung betragen, vermutet ZERO. Die Organisation sieht Umweltrisiken schon bei der Suche nach dem richtigen Bohrloch-Standort auftreten.

 

Hacker kapern Webseite der regionalen Agentur für Energie und Umwelt

 

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Gehackte AREAL-Webseite

Der Streit um eine mögliche Suche nach Erdöl und Gas im Bereich der portugiesischen Südküste hat unterdessen eine kriminelle Wendung genommen: Hacker übernahmen am Mittwoch, 22. Februar, die Webseite der Agência Regional de Energia e Ambiente do Algarve (AREAL) und verbreiteten auf der Startseite ihre Botschaften. Darin spricht sich die Gruppe, die sich „Anon Ghost Portugal“ nennt, strikt gegen jegliche Erkundung von Öl- und Gasvorkommen aus. Sie werde mit allen ihren Mitteln kämpfen, erklärt die Gruppe, die zum portugiesischen Zweig des Hacker-Netzwerks Anonymous zu zählen ist.

Auch am Tag nach der Attacke hatte die regionale Energie- und Umweltagentur noch immer nicht die Kontrolle über ihre Internetseite zurückgewinnen können. Im Kurznachrichtendienst Twitter sowie im sozialen Netzwerk Facebook  verweisen die Eindringlinge auf ihr Kapern der AREAL-Webseite.

Algarve goes Hollywood…

Einen großen Auftritt plant Europas am häufigsten ausgezeichnetes Strandziel am 24. und 25. Februar in Kalifornien: In der Nacht vor der Oscar-Verleihung will die Algarve Party-Gesprächsthema in Beverly Hills sein. In einer luxuriösen Reise-Lounge auf einer der teuersten Einkaufsstraßen der Welt, dem Rodeo Drive, werden vom Promotion-Partner „Swanky Retreats“ Gutscheine für Aufenthalte in Spitzenhotels an Portugals Südküste verlost. Laut Veranstalter sollen bereits prominente Schauspieler wie zum Beispiel Viola Davis, Leonardo Di Caprio und Anthony Anderson ihre Teilnahme zugesagt haben.

ata-logoWie die Associação Turismo do Algarve (ATA) mitteilte, stellen sich diese Nobel-Herbergen der Algarve auf glamouröse Gäste aus der Filmbranche ein: Hilton Vilamoura, Hotel Rural Quinta do Marco in Tavira; Monte Santo Resort in Lagoa und Bela Vista Hotel in Portimão (zu sehen im Beitragsbild, Foto: Hans-Joachim Allgaier). Zusammen mit Swanky Retreats, einem US-Magazin für hochwertige Reise- und Lifestyle-Erlebnisse, will die ATA damit Interesse und Neugier an dem „attraktiven Ziel Algarve mit seinem vielfältigen Angebot auch an Luxus-Infrastruktur“ wecken.

Die Maßnahme soll zudem die Sichtbarkeit und internationale Wahrnehmung der portugiesischen Südküste verbessern. Der nordamerikanische Markt verzeichnete laut ATA 2016 ein Wachstum von 23 Prozent auf 125.000 Übernachtungen an der Algarve.

 

US-Website liefert zu Suchwort Algarve – nichts…

 

Doch, welche Überraschung: Tippte man am Tag der Bekanntgabe durch ATA auf der Website des US-Reisemagazins im Suchfeld das Stichwort „Algarve“ ein, erschien die Meldung: „Sorry, but nothing matched your search criteria. Please try again with some different keywords.“ Wer es daraufhin mit dem Suchwort „Portugal“ versuchte, dem lieferte die Swanky Retreats-Webseite kurioserweise nur diesen einzigen Beitrag „Letter from Europe: Windsor, England“!

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Das englische Adjektiv „swanky“ bedeutet im Deutschen so viel wie mondän, todschick. Aber auch angeberisch und protzig schwingen als Bedeutung mit. Die ATA sollte dringend prüfen, ob ihr Promotion-Partner Swanky Retreats nicht nur angibt, ein international ausgerichtetes Magazin für luxuriösen Rückzug zu sein. Und sich gegebenenfalls zurückziehen, um einen Partner zu finden, der sich etwas besser in Europa auskennt.

 

Deutsche Oscar-Hoffnung: „Toni Erdmann“

Die 89. Oscar-Verleihung findet am Sonntag, 26. Februar, im Dolby Theatre in Hollywood statt. In Deutschland kann die Gala in der Nacht zum Montag ab 2:30 Uhr MEZ verfolgt werden. Einer der heißen Favoriten ist der Musicalfilm „La La Land“, der allein für 14 Oscars nominiert ist. Die deutsche Hoffnung ruht auf dem Tragikkomödien-Streifen „Toni Erdmann“ von Regisseurin Maren Ade. Er ist im Rennen für den Auslands-Oscar. Es wäre der erste für Deutschland nach zehn Jahren. Wie schon bei der Verleihung der Golden Globes könnten Stars die Oscar-Verleihung in Hollywood nutzen, um Kritik an US-Präsident Donald Trump zu äußern. Die Gala wird erstmals moderiert von US-Komiker und Talkshow-Gastgeber Jimmy Kimmel (49). Im amerikanischen Fernsehen gehört die Oscar-Verleihung, die zur besten Sendezeit (Los Angeles: 17:30 Uhr, New York: 20:30 Uhr) über die Bühne geht, nach dem Superbowl zu den am meisten gesehenen Sendungen des Jahres.

Neues Klassik-Musikfestival wertet Algarve-Kulturangebot auf

Mit der Neuauflage eines internationalen Klassik-Musikfestivals reichert Portugals Südküste in den Frühlingsmonaten März bis Mai ihr kulturelles Angebot weiter an. Den Großteil der 20 Konzerte zwischen dem 18. März und 28. Mai bestreitet das „Orquestra Classica do Sul“ (OCS), das auch Veranstalter des zehnwöchigen Festivals geworden ist. Insgesamt 30 Orchester, Ensembles und Solisten aus Portugal, Spanien, Dänemark, Großbritannien, Israel und Frankreich musizieren in zehn Städten der Region und werten so das Rahmenprogramm „365 Algarve“ auf. Dessen Managerin Dália Paulo reagiert auf den Vorwurf der Erfolglosigkeit, den kürzlich der Hotelierverband AHETA erhoben hatte.

Der Titel der zehnwöchigen Veranstaltungsreihe, die nach rund achtjähriger Pause revitalisiert wird, lautet „Festival Internacional de Música do Algarve“ (FIMA). Künstlerischer Direktor ist Rui Pinheiro, der Chefdirigent des OCS, des Tournee-Orchesters für die Algarve und den Alentejo. Der 41-Jährige hat für die 32. Ausgabe eines der ältesten portugiesischen Musikfestivals ein vielfältiges Programm mit Orchester-, Kammer- und geistlicher Musik zusammengestellt. Tickets gibt es zu Preisen ab acht Euro bei den bekannten Vorverkaufsstellen und online auf der FIMA-Webseite.

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Festivaldirektor und Dirigent Rui Pinheiro (Mitte), eingerahmt von den beiden Kulturmanagerinnen Goncalves (links) und Paulo. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Zu den außergewöhnlichen Angeboten gehören diesmal ein Multimedia-Konzert des französischen Hornisten Laurent Rossi, das Ballett „Matrioska“ mit der Companhia de Dança do Algarve und ein musikalisches Abendessen unter dem Titel „Food Symphony“, das in einem Hotel von Quinta do Lago Ohren und Gaumen verwöhnen soll. Die stilistische Spannweite des gesamten FIMA-Programms reicht vom Barock (Vivaldi, Bach und Telemann) über Klassik (Haydn, Mozart, Beethoven) und Romantik (Schubert, Brahms, Dvořák, Tschaikowsky, Mussorgsky) bis hin zu Komponisten der Moderne wie Debussy, Schönberg, Strawinsky, Prokofjew und Schostakowitsch.

 

Zum Auftakt die Ode an die Freude

 

Auch Werke zeitgenössischer portugiesischer Komponisten wie Eurico Carrapatoso und Luis Carvalho sind vertreten, ergänzt um Uraufführungen von Stücken von Luís Soldado und Sérgio Azevedo. Das Eröffnungskonzert am 18. März im Teatro das Figuras in Faro trägt den Titel „Ode to Joy“: Unter der Leitung von Festivaldirektor Rui Pinheiro spielt das Orquestra Classica do Sul (hier ein Aufführungsbeispiel als YouTube-Video) in einer Welturaufführung das Stück „Eu.Rope“ von Luis Soldado. „Darin reflektiert der Komponist darüber, was es bedeutet, ein Europäer in der globalisierten Welt zu sein“, erläutert Pinheiro. Sein Orchester führt an diesem Abend zusammen mit dem Coro Sinfonico Lisboa Cantat und den Solisten Carla Simões, Cátia Moreso, João Cipriano und Nuno Araújo Pereira auch Beethovens neunte Symphonie auf.

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Erkennungszeichen des Klassik-Festivals

„Die langjährige Pause war gut, um unser Klassikmusikfestival zu erneuern und aufzufrischen“, sagt Alexandra Gonçalves von der Regionaldirektion Kultur der Algarve. Das FIMA wolle sowohl den Bewohnern Berührungsängste im Kontakt mit Musikschaffenden nehmen, als auch Botschaften an die Touristen übermitteln. „Diese haben hier im Urlaub die große Chance, eine besondere musikalische Erfahrung zu machen“, ergänzt Goncalves.

Auch Dalia Paulo, Managerin des Kulturprogramms „365 Algarve“ pflichtet ihr bei. „Wir haben dem Wandel im kulturellen Leben der Algarve entsprochen und wollen mit dem Klassikfestival wieder besser die Bedürfnisse des Publikums stillen“, erläutert sie.

 

Festivalleiter möchte künftig noch mehr ausländische Musiker holen

 

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Freut sich auf ausverkaufte Häuser: Rui Pinheiro. Foto: Hans-Joachim Allgaier

 

Festivalleiter Rui Pinheiro findet es einerseits sinnvoll, dass die Algarve den Vorteil nutzt, mit dem OCS ein eigenes professionelles Orchester einsetzen zu können, möchte andererseits aber vom kommenden Jahr an noch mehr Dirigenten und Solisten aus dem Ausland verpflichten: „Diesmal hatte ich – mal ganz abgesehen von den Budgetzwängen – nur einen Monat Zeit, um meine Kontakte spielen zu lassen und die Verfügbarkeit von Künstlern zu klären“, berichtet der Dirigent. Um noch mehr Internationalität zu gewährleisten, wollen Pinheiro und die anderen Verantwortlichen künftig auch den Kontakt zu Botschaften und Kulturausstausch-Institutionen der wichtigsten Herkunftsländer von Touristen verstärken.

Das Klassikmusikfestival gebe seinem Orchester, das im Durchschnitt ein- bis dreimal pro Woche im südlichen Portugal auftritt, die Chance, „das Profil unserer Konzerte zu schärfen, denn wir haben so mehr Möglichkeiten als sonst“, so Pinheiro. Der Maestro, dessen bewundertes Vorbild Carlos Kleiber ist und der das gesamte Repertoire deutscher Komponisten des 18. Jahrhunderts bevorzugt, rechnet beim FIMA überall mit ausverkauften Häusern. Der Anteil an ausländischen Residenten und Touristen hänge erfahrungsgemäß stark vom Spielort ab, es gebe aber in diesem Kreis von Klassikliebhabern eine treue Anhängerschaft.

Die Liste der Aufführungsorte umfasst Albufeira, Castro Marim, Faro, Lagoa, Lagos, Loulé, São Bras de Alportel, Silves, Tavira und Quinta do Lago. Portimão fehle, weil zu den gewünschten Zeitpunkten der am besten geeignete Veranstaltungsort Tempo nicht zur Verfügung stehe, hieß es.

 

365 Algarve: Programmchefin mahnt zu Geduld und verspricht Änderungen

 

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Dalia Paulo. Foto: 365 Algarve

Auf Kritik an dem von ihr verantworteten Rahmenprogramm „365 Algarve“ angesprochen, mahnt Kulturmanagerin Dália Paulo zu Geduld und Augenmaß: „Feedback ist immer gut. Aber die genauen Gründe, weshalb z.B. der Hotelierverband AHETA das Angebot bemängelt, kenne ich nicht im Einzelnen“, sagt die Mitarbeiterin des Kulturministeriums in Lissabon. Man müsse bedenken, dass es 2016 nur drei Monate Vorlaufzeit gegeben habe, bevor das umfangreiche Programm im Oktober gestartet worden sei.

Paulo verweist darauf, dass von Beginn an Experten der Universität in Faro Begleitforschung zu den Effekten von „365 Algarve“ durchführen – sowohl bei Veranstaltungsteilnehmern, als auch unter der einheimischen Wohnbevölkerung sowie unter ausländischen Residenten und Touristen. „Wir sollten diese Evaluierung durch die Universität, die noch etwas Zeit benötigt, abwarten, bevor wir unser Urteil fällen“, apelliert die Managerin.

Für die bevorstehende Neuauflage erwartet sie, dass das Programm im Juni feststeht und von Juli bis September erstmals intensiv im In- und Ausland beworben werden kann. „Wir werden die Verbindungen zwischen Kultur und Tourismus noch verstärken und das Programm zum Beispiel auch für Unternehmen aus beiden Bereichen öffnen, die auf beiden Feldern im Gebiet der Unterhaltung tätig sind“, kündigt Paulo an. Das Bindeglied zwischen allen Akteuren sei „die Region, unsere Identität, das heutige Schaffen“.

 

Residenten und Touristen sollen sich besser angesprochen fühlen

 

365 Algarve wolle in der Zukunft noch weit mehr ausländische Urlauber und Einwohner erreichen, kündigt die Programm-Managerin an. Im ersten Quartal der laufenden Periode lag deren Anteil an den Besuchern bei rund 25 Prozent. Allein schon durch das Klassikfestival FIMA werde dieser Prozentsatz wachsen, sagt Paulo voraus. Für den nächsten Zeitraum würden auf jeden Fall nur solche Angebote ins Programm aufgenommen, die für Ausländer zugänglich seien und zumindest zweisprachig kommuniziert würden.

Um eine persönliche Botschaft an alle nicht-portugiesischen Kulturinteressierten an der Algarve gebeten, sagt Paulo: „Bitte kommen Sie zu allen unseren Veranstaltungen, denn 365 Algarve ist ein Programm, durch das wir uns und unsere Kulturen gegenseitig kennenlernen können, zum Nutzen im Alltag“. Besonders empfehlenswert für Gäste aus dem Ausland findet sie solche Angebote, bei denen regionale Traditionen und Sprachliches auf der Tagesordnung stehen. „Wer den anderen und seine Kultur versteht, betrachtet die Welt einfach mit anderen Augen“, bringt Paulo den Nutzen auf den Punkt.

So putten Golfer am Algarve-Grün nicht mehr ins Blaue

April und Oktober sind die attraktivsten Monate für Golfsport auf den rund 40 Plätzen der Algarve, die zu den beliebtesten Ganzjahres-Destinationen auf der Welt gehören. Eine neue Software, die ein Hamburger Start-up vom 20. bis 24. März auf der CeBIT in Hannover präsentiert, könnte Golfern nun helfen, die rund 1,3 Millionen Runden pro Jahr an Portugals Südküste noch erfolgreicher zu beenden. Und ein weiteres deutsches Startup aus Weil am Rhein will als erste Plattform im Internet Komplett-Golfurlaub mit einem Klick anbieten.

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Umkämpft: der CeBIT Innovation Award. Foto: CeBIT

Entwickelt haben „PuttView“, so der Produktname, die Hamburger Unternehmensgründer Christoph Pregizer und Lukas Posniak – zusammen mit Software-Entwickler Niclas Schopf und weiteren Experten des Start-ups Viewlicity GmbH. Mit etwas Glück könnten die Jungunternehmer auf dem IT-Event in Hannover den mit insgesamt 100.000 Euro dotierten CeBIT Innovation Award gewinnen, in dessen Wettbewerbs-Finale sie stehen.

Ausgezeichnet werden mit dem seit vier Jahren vergebenen Preis herausragende Innovationen für größtmögliche Benutzerfreundlichkeit und intuitive Interaktion mit IT-Systemen.

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Das Kernteam für PuttView: Lukas Posniak, Christoph Pregizer und Niclas Schopf (v.l.n.r). Foto: Viewlicity

Mit ihrer Trainingsanwendung verschaffen die Hamburger Golf-Fans allen Spielern gute Aussichten für den perfekten Schlag. Ob in Innenräumen oder draußen, auf dem echten, so genannten Grün, unterstützt PuttView digital beim analogen Einlochen oder – wie die Golfer sagen – „Putten“.

„Wir ermöglichen es Golfspielerinnen und Golfspielern, während des Putt-Trainings die ideale Linie mit dem tatsächlichen Weg des gespielten Balls zu vergleichen“, sagt Jungunternehmer Posniak. Der Sportler erhalte so unmittelbares Feedback zur eigenen Schlagausführung, da die Putt-Linie in Ballgeschwindigkeit direkt im Sichtfeld des Spielers visualisiert wird.

Beim Putten, dem entscheidenden Teil des Golfspiels im Grünen, nicht mehr auf Verdacht ins Blaue schlagen – wer wollte das nicht gern. Immerhin macht das Putten rund 40 Prozent aller Schläge aus. Dank der Hamburger Entwickler helfen dabei jetzt verschiedene Interaktionsmöglichkeiten, spielerische Elemente und moderne Bildverarbeitungsalgorithmen. Mitgewirkt an der Entwicklung hat der Bereich Human Computer Interaction der Universität Hamburg.

„Trainierende versetzen wir mit PuttView erstmalig in die Lage, das Grün gewissermaßen zu ‚lesen‘ und intuitiv die richtige Dosierung des Schlags zu trainieren“, erläutert Posniak. Spiele und Ausführungstests sorgten für Vergleichbarkeit im Training und spornten die Spieler an, sich zu verbessern.

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Digitale Unterstützung durch PuttView beim Finden der Ideallinie. Foto: Viewlicity

Die Indoor-Version bedient sich einer senkrechten Beamer-Projektion direkt auf die Spielfläche. Sie wird nach Angaben der Gründer bereits auf mehreren deutschen Golfanlagen eingesetzt. „Die Trainingsinhalte wurden auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Studie entwickelt, die wir zusammen mit dem renommierten Golftrainer Paul Dyer und Prof. Frank Steinicke von der Universität Hamburg durchgeführt haben“, sagt Posniak. In einer neuen Outdoor-Version soll die Anwendung ab diesem Sommer durch Nutzung von Augmented Reality-Brillen auch unter realistischen Umwelt- und Spielbedingungen auf Golfplätzen zum Einsatz kommen.

Zukünftig wollen die Viewlicity-Gründer ihre Applikation zu einem intuitiven und umfassenden Trainingstool für das Putten, also zu einer Art digitalem Golftrainer, ausbauen, der den echten Trainer während der Übungsstunden unterstützt. Zunächst aber werden sie vom 20. März an dem CeBIT-Publikum am Stand des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Halle 6, Stand A34) ihre Lösung vorführen.

 

Golfrunden spülen mehr als 80 Millionen Euro in Algarve-Kassen

 

Zurück zum bislang rein analogen Golfspiel an der Algarve. Die im vergangenen Jahr, dem 50. des Golfsports an der Südküste Portugals, registrierten 1,3 Millionen Golfrunden sind das Ergebnis einer Zunahme um 10,5 Prozent. Allein durch Green Fees dürften so gut 80 Millionen Euro an die Algarve geflossen sein, schätzen Experten.

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Zehnjahresbilanz der an der Algarve gespielten Golfrunden. Quelle: Associacao Algarve Golfe

Die meisten Runden werden hier im Oktober (2016: 161.000) und im April (148.000) gespielt. Im Februar vergangenen Jahres (+23 Prozent) und im April (+19,8 Prozent) gab es die größten Zuwächse gegenüber 2015. Golf hilft der Tourismusbranche der Region besonders, ihre Abhängigkeit von der Badesaison im Hochsommer zu vermindern.

 

Zwei Golf-„Oscars“ für die Algarve zu Beginn des 51. Jahres

 

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Populäres Magazin in Europas Golfmarkt Nr. 1: Today’s Golfer

Das Golfjahr 2017 begann für die Algarve mit einer doppelten Auszeichnung durch das populäre britische Magazin Today’s Golfer: Die Leserinnen und Leser setzten die sonnenverwöhnte Destination mit weitem Abstand auf Platz 1 – sowohl als bestes Golf-Ziel, als auch als das mit dem besten Gegenwert („best value“) in Kontinentaleuropa. Die Auszeichnungen werden von Experten als so etwas wie die „Oscars“ der Golf-Branche angesehen.

Sie erfolgten unmittelbar im Anschluss an das gefeierte 50. Golfjahr der Algarve. Maria Manuel Delgado e Silva, Golf-Produktmanager des Tourismusverbands ATA, bedankte sich für die Awards. Sie seien eine „Quelle des Stolzes“.

ATA-Geschäftsführerin Dora Coelho verband ihren Dank mit der Versicherung, dass die Region auch weiterhin die Exzellenz liefern werde, welche die Golfer erwarten.

Auch in anderen Regionen Portugals ist der Golfsport erfolgreich. So meldete das größte Golfplatzmanagement-Unternehmen in Zentral-Portugal, Orizonte – Lisbon Golf, ein Buchungswachstum von mehr als 20 Prozent im Jahr 2016. Das sei schon das dritte Plus in Folge, hieß es. Vor allem mehr Gäste aus dem Vereinigten Königreich, aus Dänemark und Frankreich hätten in der Umgebung der portugiesischen Hauptstadt Golf spielen wollen – insbesondere im Frühling. Die Kunden können bei Orizonte an einer Stelle Runden auf sechs verschiedenen Golfplätzen buchen.

 

Digitalisierung des Golfmarkts schreitet voran

 

Für entspannteres Golfen, auch an der Algarve, will ein weiteres Start-up sorgen. Das Jungunternehmen golf4you aus Weil am Rhein plant die erste Web-Plattform für Komplett-Golfurlaub mit einem Klick. Am 14. Februar ging es auf der Crowdinvesting-Plattform Companisto an den Start. Das E-Commerce-Startup hat sich zum Ziel gesetzt, vom zweiten Quartal dieses Jahres an erstmals vollständige Golfreisen, also Flug, Hotel, Transfer und Golfplatzreservierung eingeschlossen, als Komplettpaket aus einer Hand anzubieten. Einzelheiten zu dem Projekt sind auf der Crowdinvesting-Plattform zu lesen.

Algarve-Golfer kennen die Herausforderung: Es ist mitunter sehr mühsam und zeitaufwändig, eine komplette Golfreise online zu buchen: In der Regel wird die Reise bei einem Anbieter gebucht und die Abschlagzeiten bzw. die Golfplatzreservierung bei einem anderen – oder das Ganze wird vor Ort geregelt. Da Algarve-Golfplätze gut besucht werden und dadurch nicht selten feste Start- bzw. Abschlag-Zeiten vergeben werden, kann man nicht spielen, falls man im Vorfeld keinen Termin reserviert hat. Die Plattform golf4you der Gründer Michael Brendel, Arnulf Pribas und Paul Smyth will nun dafür sorgen, dass Golfer zusätzlich zu ihrem Hotel und ihren Flügen in einem Vorgang auch die Abschlagszeiten buchen können.

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Aus der Selbstdarstellung des Gründerteams. Quelle: Golf4you

 

Deutschsprachiger Raum zweitgrößter Golfmarkt in Europa

 

Da es im deutschsprachigen Raum nach Angaben von golf4you etwa 800.000 aktive Golfer gibt, ist die D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) nach Großbritannien der zweitgrößte Golfmarkt in Europa. 2016 sollen rund 1,5 Millionen Golfreisen gebucht worden sein; das Start-up beziffert das Marktvolumen auf zwei Milliarden Euro.

„Doch bislang wird dieser Markt von etablierten Reiseanbietern, die rund 15 Prozent Marktanteil haben, sehr vernachlässigt“, so Brendel. Dabei sei das Nachfrage-Potenzial groß. Brendel verweist auf Ergebnisse einer Befragung unter 2.500 Golfern, wonach 70 Prozent der Antwortenden eine Reisebuchungsseite mit integrierter Golfplatzreservierung („One-stop Golf-Booking“) auf jeden Fall nutzen würden.

Nach Algarve-Eröffnung: IKEA will Shops in Portugal verdoppeln

Am 30. März eröffnet IKEA in Loulé sein erstes Haus in Süd-Portugal und das fünfte im Lande. Wie Direktor Abdelhak Ayadi (51) berichtet, plant das schwedische Möbelhaus bis 2025 sogar eine Expansion auf insgesamt zehn Shops im gesamten Land. Der Einzugsbereich der neuen Loule-Filiale, den IKEA mit knapp 760.000 Menschen bemisst, reicht bis dicht vor Sevilla, dem Nachbar-Standort in Spanien.

Der neue Algarve-Shop startet mit 200 Mitarbeitern. In der Hochsaison könnten es 250 Jobs werden. Als Mindestlohn zahlt IKEA seit Januar in Portugal 625 Euro für eine Vollzeitstelle. Bis Jahresende rechnet IKEA mit zwei Millionen Besuchern in Loulé. Ihnen sollen „qualitativ hochwertige Einrichtungsprodukte zu erschwinglichen Preisen“ angeboten werden.

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Infografik-Montage: Algarve-Entdecker

 

Großes Projekt mit hohen Erwarungen

 

Erst vor zwei Monaten sei er mit Verlobter und Hund an die Algarve gezogen, berichtet der IKEA-Chef, der die Geschicke des Outlets in dem riesigen Komplex steuern wird, der vom Flughafen Faro aus in fünf Minuten zu erreichen ist. Es sei ein recht großes Projekt und die Erwartungen seien hoch, sagt der Sohn algerischer Eltern, der neben Schweden auch Frankreich und Italien gut kennt.

Aber der Manager, der 25 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Positionen bei IKEA in Europa mitbringt, schätzt das Kundenpotenzial an der Algarve auch als „enorm“ ein.

„Ich weiß nach vielen Kontakten und Besuchen, dass die Kunden auf uns warten. Wir wollen ihnen nicht bloß Möbel und Einrichtungsstücke liefern, sondern Lösungen für ein besseres Leben zu Hause“, so der Vater von zwei Kindern, die bei ihrer Mutter in London leben, wie er beim Presse-Lunch erzählt.

 

Lange Verhandlungen, keine Sortiments-Beschränkungen

 

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Gefragter Interview-Partner: IKEA-Direktor Abdelhak Ayadi. Foto: Hans-Joachim Allgaier

 

Sicher gebe es Ertragsziele, aber die werde er natürlich nicht verraten, schmunzelt Ayadi. Gezögert habe IKEA nicht damit, an die Algarve zu kommen. Vielmehr sei schon der Grundstückserwerb bei der Vielzahl an Eigentümern nicht leicht gewesen und die Gespräche mit den Behörden hätten ebenfalls ihre Zeit benötigt, verrät der frischgebackene Direktor.

Gefragt, ob IKEA zum Schutz des örtlichen Handels Einschränkungen beim Sortiment für Loulé auferlegt worden seien, verneint Ayadi. Die Erfahrung zeige, dass beim Markteintritt von IKEA in einer Region sich für die regionalen Anbieter eigene Nischenmärkte öffneten, die nicht mit der schwedischen Marke im Wettbewerb stünden. Insgesamt steige in diesen Gebieten sogar das Interesse an Möbeln und Konsum, so Ayadi.

Der Manager will in Loulé vor allem mit einem vielfältigen Service punkten: „Deutsche und Franzosen sind eher Heimwerker-Typen. Ich glaube, die Einheimischen und Touristen hier erwarten mehr Unterstützung, mehr Dienstleistung“. Laut Ayadi hat IKEA wachsende Ambitionen im Online-Vertrieb – verbunden mit direkter Anlieferung beim Kunden.

Wie aus anderen Unternehmenskreisen zu hören war, prüft IKEA, ob es in Europa vielleicht auch mehr kleinere Zentren in Innenstadtlagen statt ausschließlich riesige Shops „auf der grünen Wiese“ geben solle. Um sein Bemühen um Nachhaltigkeit zu demonstrieren, investierte IKEA nach eigenen Angaben allein rund eine Million Euro in die Installation von Photovoltaik-Solarzellen auf dem neuen Haus in Loulé. Damit solle einmal rund ein Viertel des Energiebedarfs gedeckt werden.

 

Gigantisches Shopping-Zentrum in der Zentral-Algarve

 

Der IKEA-Shop an der Algarve ist Anker-Projekt für einen gigantischen Shopping-Komplex an der Autobahn A22, der im Endausbau auch ein Einkaufszentrum, ein Designer Outlet und einen Freizeitbereich umfasst. IKEA arbeitet bei der Realisierung mit der österreichischen Gruppe Retail Outlet Shopping (ROS) aus Parndorf zusammen. Insgesamt versprechen die Betreiber 3.500 kostenfreie Parkplätze.

Vor allem diese vier Pluspunkte sollen Residenten und Urlauber anziehen:

  • Die IKEA-Filiale bietet Möbel und Einrichtungsgegenstände auf einer Fläche von 24.000 Quadratmetern auf zwei Etagen. Auch ein Restaurant gehört dazu.
  • Das benachbarte Einkaufszentrum wird 110 verschiedene Läden umfassen, die auf insgesamt mehr als 42.000 Quadratmetern Mode-und Lifestyle-Marken wie Zara, Massimo Dutti, Mango und Zara Home anbieten. Für das Lebensmittelangebot sorgt ein großer Pingo Doce-Supermarkt
  • Ein großer Freizeitbereich mit Wasserbrunnen, Spazierwegen, einer Berglandschaft und neuartigen Kinderspielplätzen soll mithelfen, den gesamten Komplex zu einem besonderen Einkaufserlebnis für Familien zu machen.
  • Weiteres Highlight ist das Designer Outlet Algarve, ein in zwei Phasen errichtetes Freiluft-Dorf mit moderner und traditioneller Architektur, in dem 110 Läden auf einer Fläche von 17.000 Quadratmetern untergebracht werden. Als Eröffnungstermin wird auf der Website der „Spätsommer 2017“ angegeben. Das Outlet soll ganzjährig internationale Designer- und Modemarken-Produkte mit Rabatten von bis zu 70 Prozent auf die empfohlenen Verkaufspreise bieten. Unter anderem werden die Bereiche Sport und Outdoor, Schuhe und Zubehör sowie Freizeit- und Kinder-Bekleidung in dem geplanten Mix eine wichtige Rolle spielen.

 

Markenbewusste Portugiesen, Spanier und Touristen im Fokus

 

Den Standort haben die Projektentwickler von IKEA und ROS mit Bedacht gewählt. Loulé ist wirtschaftliches Zentrum des so genannten goldenen Dreiecks der Algarve mit Quinta do Lago, Vale do Lobo und Vilamoura und damit des größten und finanzstärksten Bezirks der Algarve. Die gesamte Südküste gilt als die drittwohlhabendste Region in Portugal. In der Kreisstadt und den umgebenden 11 Gemeinden leben gut 70.622 Einwohner. Hinzu kommt, dass sich die Wirtschaftslage des Landes verbessert, die Arbeitslosigkeit zurückgeht und die Kaufkraft wieder wächst. Mit einem Durchschnittsalter von 41,2 Jahren sind die Portugiesen eine wichtige Zielgruppe für ein Outlet mit Modebekleidung. Sie gelten, wie die Spanier, als sehr markenbewusst.

Algarve-Stadt Silves feiert sich als Orangen-Hauptstadt Portugals

Rund um süße Apfelsinen geht es drei Tage lang in der Algarve-Kreisstadt Silves: Knapp ein Jahr, nachdem sie sich zur „Orangen-Hauptstadt“ ernannte, präsentiert die Kommune vom 17. bis 19. Februar Angebote aus den Bereichen Landwirtschaft, Gastronomie, Kunsthandwerk und Unterhaltung. So wetteifern zum Beispiel Barkeeper von Portugals Südküste den ganzen Samstag über um den besten Orangen-Cocktail. Auf einer Fachkonferenz informieren portugiesische und spanische Experten über zentrale Themen der Zitrusfrucht-Erzeugung. Abgerundet ist der Event an allen drei Tagen durch Konzerte sowie eine Ausstellung. Der Eintritt im Messe- und Ausstellungskomplex FISSUL ist jeweils frei.

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Veranstaltungsplakat. Quelle: Camara Municipal de Silves

Im April 2016 hatte sich die Stadt am Ufer des Flusses Arade im hügeligen Hinterland der Algarve ein grafisches Markenzeichen gegeben: eine aufgeschnittene Frucht mit zwei  grünen Blättern. Aussparungen an der Unterseite der Orangenscheibe zeigen den Umriss des lokalen Wahrzeichens, der Burg aus rotem Sandstein. Die Gemeinde und der Landkreis sind seit vielen Jahren Standort für die Produktion hochwertiger Zitrusfrüchte.

„Silves-Orangen“, wie sie oft genannt werden, sind bekannt für ihre besondere Süße, Saftigkeit, außergewöhnlichen Aromen und einen hohen Vitamin C-Gehalt. Mit der Erstellung und Eintragung der Marke wollte Silves die Bedeutung der Orangen für sein kulturelles und regionales Erbe betonen.

Nur wer nachweislich im Kreis Silves Zitrusfrüchte herstellt, darf die Marke verwenden. Er muss sich dabei an genaue Einsatzregeln halten.

Silves ist nach dem Bau des Arade Staudamms und anderer Einrichtungen für einfachere Bewässerung der größte portugiesische Produzent von Zitrusfrüchten geworden. Die Ursachen dafür liegen im sehr günstigen Mikroklima mit einer hohen Zahl von Sonnenscheinstunden, günstiger Bodenqualität und sauberem Wasser aus dem Arade-Fluss.

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Silves-Orangen beeindrucken durch besondere Saftigkeit. Foto: Camara Municipal des Silves

Aus der Gegend um Silves stammen rund 70 Prozent der gesamten nationalen Produktion. Insgesamt stellt Portugal jährlich mehr als 250.000 Tonnen Orangen her.

Zum Vergleich: Spanien produziert 3,5 Millionen Tonnen und Marktführer Brasilien 17,5 Millionen Tonnen. Die Orange, nach dem Apfel auf Platz zwei der weltweit am meisten konsumierten Früchte, hat eine lange Geschichte an der Algarve.

 

Wie die Orange an die Algarve kam

 

Der Ursprung der Bitterorange lag vor 7.000 Jahren im Gebiet zwischen Indien und Südostasien. Die Frucht war das Ergebnis einer Kreuzung von Mandarine und Pampelmuse. Erste regelrechte Orangenhaine wurden in China angelegt. Im Gebiet von Europa waren wahrscheinlich die Römer die ersten, die über persische und äthiopische Händler mit Bitterorangen in Kontakt kamen. Zunächst war die Orange ein Luxusprodukt und wurde in oberen Gesellschaftsschichten auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt.

Vom ersten Jahrhundert nach Christus an errichteten römische Besitzer Orangenplantagen auch im Westen des Reichs und im Norden Afrikas zwischen Libyen und Marokko. Der Fall des Römischen Reichs und die Entstehung des islamischen Kalifats führten zunächst zu einem Niedergang des Obstanbaus. Doch in den goldenen Jahren der maurischen Besetzung, etwa im elften Jahrhundert, kehrten Orangen aus Persien wieder zurück nach Europa. Auf der iberischen Halbinsel entstanden neue Orangenkulturen mit neuen Sorten. So hatten zum Beispiel die Rautengewächse aus Sevilla eine dickere Schale und darin mehr Pektin. Beides wurde oft auch für die Herstellung von Spirituosen, Parfums und Konfitüren genutzt.

Im 16. Jahrhundert waren es portugiesische Händler, die süße Orangen aus Indien in Europa einführten – eine Folge der Entdeckung des Seeweges nach Südasien. Vasco da Gama berichtete zum Beispiel 1498, er habe in Mombasa viel bessere Orangen gesehen, als sie zu dieser Zeit in Portugal bekannt waren. In der Folge entstanden, besonders im Süden und Südosten Europas, überall „portugiesische Obstgärten“, wie sie vor allem auf dem Balkan genannt wurden. Hatten Orangenbäume in Asien und im Nahen Osten zunächst die Rolle eines Zierbaums gespielt – vor allem in der Nähe von Quellen- oder Seegrundstücken reicher Araber – setzte sich nun in Europa immer mehr die landwirtschaftliche Nutzung durch. Die Verbindung von süßen Orangen und Portugal schlug sich in etlichen Sprachen in der Namensgebung nieder: Griechen nannten sie „Portokali“, Türken „Portakal“, Rumänen „Portocala“ und Italiener „Portogallo“. Möglicherweise förderlich dafür war die Erzählung, dass der erste ursprünglich eingeführte Baum noch jahrhundertelang in Lissabon gestanden habe.

 

Warum Silves mehr als einen Besuch wert ist

 

Als die arabischen Mauren die Algarve beherrschten, war Silves die Hauptstadt der Region. Machtvoller Zeuge dieser Epoche ist die aus rotem Sandstein erbaute Burg auf einem Hügel der Stadt am Rande des Gebirges Serra de Monchique. Das Castelo gilt als das schönste und größte islamische Militärbauwerk an der Südküste Portugals. Von den Türmen und Mauern aus hat man einen weiten Blick über die fruchtbaren, mit Orangenbäumen bedeckten Felder im Tal des Arade-Flusses. Direkt der Burg gegenüber liegt eins der bedeutendsten Gotteshäuser der Algarve, die Kathedrale Sé, eine frühere Hauptmoschee. Die christliche Kirche wurde im gotischen Stil begonnen und im Barock fertiggestellt.

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Abendlicher Blick über den Arade auf das illuminierte Silves. Foto: Stadtverwaltung

Das Stadtzentrum hat sich das mittelalterliche Flair und die Atmosphäre alter arabischer Kultur erhalten. Mitte August jeden Jahres veranstaltet Silves, das heute gut 11.000 Einwohner hat, seinen Mittelaltermarkt Feira Medieval. Besichtigenswert sind auch die ehemalige Kork-Fabrik „Fabrica do Inglès“ mit dem Museum zur Weinkorken-Produktion und das Archäologische Museum. Darin befindetsich ein sehr tiefer Zisternenbrunnen aus islamischer Herrschaftszeit. Er ist über eine Wendeltreppe zu erreichen.

Der Fluss Arade, seit Jahrhunderten die wichtige, aber einst versandete Wasserstraße, die mit der Küste verbindet und früher Händler und Kreuzritter nach Silves brachte, kann heute mit einem der vielen Ausflugsboote befahren werden. Eine aus dem Mittelalter stammende Brücke überquert den Arade.

 

Jazz im Weinkeller

 

Mit einer neu aufgelegten Veranstaltungsreihe „Jazz in den Weinkellern“ verknüpft Silves auf interessante Weise Tourismus- und Kultur-Angebote. Wer zu den Jazz-Abenden ein Eintrittsticket für 7,50 Euro  erwirbt, kann das veranstaltende Weingut besichtigen, mit Winzern und Musikern diskutieren, erhält eine Flasche Wein gratis und zwei Gutscheine für den kostenlosen Besuch der Burg und des archäologischen Museums von Silves. So profitiert auch die eigene Marke „Vinhos de Silves“ von dem Programm „Jazz nas Adegas“, das zur Serie „365 Algarve“ gehört.

Infos und Reservierungen erhalten Jazz- und Wein-Liebhaber in der Stadtverwaltung: Tel.: 282 440 800, E-Mail: cultura@cm-silves.pt. Hier die nächsten Konzerte, die jeweils um 21 Uhr beginnen:

18. Februar: What about Sara – Quinta do Barradas – Sítio da Venda Nova

10. März: Hugo Antunes Standards Trio – Quinta do Francês – Dobra – Odelouca

17. März: Beatriz Cruz – Quinta Rosa – Pinheiro e Garrado

Algarve-Schauspielerin auf Berlinale ein Shooting Star

Algarve-Schauspielerin Victória Guerra (27, auf dem Gruppenbild ganz links) wird auf der Bühne des Berlinale-Palastes am Montag  mit dem European Shooting Stars Award 2017 ausgezeichnet. Die aus Loulé stammende portugiesische Künstlerin erhält den Preis zusammen mit neun weiteren Kolleginnen und Kollegen: Louis Hofmann (Deutschland, auf dem ESSA-Foto vorn neben Guerra), Esben Smed (Dänemark), Alessandro Borghi (Italien), Elīna Vaska (Lettland), Hannah Hoekstra (Niederlande), Zofia Wichłacz (Polen), Tudor Aaron Istodor (Rumänien), Maruša Majer (Slowenien) und Karin Franz Körlof (Schweden). Portugal präsentiert auf dem Berliner Filmfestival insgesamt sieben eigene Streifen.

Die Jury des Shooting Stars Awards hatte die zehn Preisträger aus 37 Nominierungen verschiedener Länder ausgewählt. Mit dem Preis soll die Wahrnehmung des jungen europäischen Kinos in der Welt verbessert werden. Es handelt sich um die 20. Auflage der Veranstaltung, auf der diesmal der britische Schauspieler Timothy Spall die Preise überreicht.

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Victoria Guerra (27), Schauspielerin aus Loule an der Algarve. Foto: European Shooting Star Award/Miguel Angelo

Guerra heißt mit vollem Namen Victória Deborah de Sousa Lark Guerra. Die 27-Jährige ist Tochter einer Engländerin und eines Portugiesen und besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Im Alter von 15 Jahren wechselte sie von der Algarve auf ein von Nonnen geführtes Gymnasium in Lissabon. Danach studierte sie Journalismus. Bei einem Casting wurde sie 2006 für eine Rolle in der beliebten Fernsehserie „Morangos com Açúcar“ besetzt und widmete sich danach dem Schauspielerberuf.

Guerra wirkte bislang in Filmen (u.a. „Cosmos“, „Amor Impossível“ und „As Variações de Casanavova“) und Theaterstücken („8 Mulheres“) mit, aber auch in mehreren Fernsehserien, etwa der populären Telenovela „Dancin´ Days“ des Fernsehsenders SIC. Bekannt wurde Victória Guerra zum Beispiel auch durch ihre Rolle als Clarissa Warren in der internationalen Kinofilm-Produktion „Lines of Wellington – Sturm über Portugal“. Im November 2012 war sie auf dem Titelbild der portugiesischen Ausgabe des Männermagazins GQ. 2014 starb ihr Vater, ein Rechtsanwalt aus Loulé, an Krebs.

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Deutscher Preisträger: Louis Hofmann. Foto: European Shooting Star Award/Rolf Uhler (EFP)

Portugal ist auf der Berlinale außerdem durch Auftritte sowie Mario Patrocínio (Produzent und Regisseur) und Luis Campos (Regisseur) bei den „Berlinale Talents“ vertreten sowie – bei derselben Veranstaltung – durch das Medienfilm- bzw. Dokumentations-Projekt „A Short Film for the dead“ von Daniel Hui, Portugal /Singapur. Das Land präsentierte am 11. Februar zudem vor Fachpublikum sein Steueranreizsystems fürs Filmedrehen in Portugal.

Hier eine kurze Übersicht über die Produktionen mit portugiesischer Beteiligung oder in portugiesischer Sprache, die im offiziellen Berlinale-Programm laufen.

 

Berlinale-Wettbewerbsfilme

 

COLO – von Teresa Villaverde

  • Script und Drehbuch: Teresa Villaverde
  • Kamera: Acácio de Almeida
  • Schauspieler: João Pedro Vaz, Alice Albergaria Borges, Beatriz Batarda und Clara Jost
  • Ton: Vasco Pimentel
  • Länge: 136 Minuten

 

Zusammenfassung:

Ein Vater, eine Tochter, und eine Mutter im von der Wirtschaftskrise heimgesuchten Portugal heute. Der Film zeigt die Schwierigkeiten, die in innerfamiliären Beziehungen entstehen, wenn Arbeit und finanzielle Stabilität in einem schleichenden Prozess verschwinden, und die Unfähigkeit, diese Schwierigkeiten zu lösen. Es geht darum, wie die Familienmitglieder nach und nach ihre bisherigen Rollen hinter sich lassen. Nach einigen Monaten, kurz bevor er unmöglich würde, kommt es zu einem endgültigen Rollentausch.

Gala-Premiere am 15. Februar um 15:45 Uhr im Berlinale-Palast (Start Roter Teppich ca. 15:15 Uhr)

Weitere Vorführungen:

  1. Februar, 12:00 und 21:30 Uhr Friedrichstadt-Palast
  2. Februar, 18:00 Uhr Haus der Berliner Festspiele
  3. Februar, 19:15 Uhr 30 Uhr Friedrichstadt-Palast

 

JOAQUIM – von Marcelo Gomes

  • Produktion: Ukbar Filmes, Rec Produtores Associados
  • Drehbuch: Marcelo Gomes
  • Kamera: Pierre de Kerchove
  • Schauspieler: Julio Machado, Isabél Zuaa, Diogo Dória, Nuno Lopes, Rômulo Braga und Welket Bungué
  • Länge: 97 Minuten

 

Zusammenfassung:

Achtzehntes Jahrhunderts. In der Kolonie Brasilien, Teil des portugiesischen Reichs, geht die Goldproduktion zurück. Eine Minderheit der portugiesischen Administratoren beherrscht autoritär, korrupt und in Vetternwirtschaft eine Gesellschaft, die sich meist aus afrikanischen Sklaven, Einheimischen und Mestizen zusammensetzt. Joaquim José da Silva Xavier alias Tiradentes, ein bekannter Nationalheld, hofft, durch das Ergreifen von Goldschmugglern mit einem höheren militärischen Rang belohnt zu werden und will die Freiheit einer Sklavin erkaufen, in die er verliebt ist. Doch die Beförderung erfolgt nicht. Joaquim verzweifelt. Jetzt wird er einer riskanten Mission zugewiesen: Es gilt, neue Goldadern im gefürchteten Hinterland zu finden. Diese Mission zu erfüllen, ist der einzige Weg, um die Beförderung doch noch zu erreichen. Doch seine Zweifel werden immer größer. Auch seine Geliebte macht ihm klar, dass er Überzeugungen und Haltungen überdenken sollte.

Gala Premiere am 16. Februar um 19:00 Uhr im Berlinale-Palast (Start am Roten Teppich ca. 18:30 Uhr)

  1. Februar: 12:00 und 18: 30 Uhr, Friedrichstadt-Palast
  2. Februar: 09:30 Uhr, Zoo-Palast
  3. Februar: 22:30h, International

 

Kurzfilm-Wettbewerb der Berlinale

 

Os Humores Artificiais – von Gabriel Abrantes

  • Produktion: Herma Films
  • Drehbuch: Gabriel Abrantes
  • Kamera: Jorge Quintela
  • Schauspieler: Amanda Duarte; Gilda Nomacce; Ivo Müller; Jeann Segundo; Mateus Rolim Rodrigues; Rafaela Rocha
  • Länge: 30 Minuten
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Szene mit künstlichem Humor – aus dem Kurzfilm von Gabriel Abrantes. Foto: Berlinale/Herma Films

Zusammenfassung:

Die außergewöhnliche Odyssee einer Romanze zwischen Jo, einer jungen indigenen Frau, die in Begleitung des Anthropologen Claude Laroque aus ihrem Dorf im Amazonasbecken nach São Paulo wegläuft, und Coughman, einem intelligenten Roboter, der sogar in der Lage ist, Witze über die Rechte der Ureinwohner und über politischen Aktivismus zu machen. Coughman verliebt sich in Jo. Ihre Liebe übersteht jeden Neustart.

Premiere: 15. Februar, 16:00 Uhr, CinemaxX 5

  1. Februar, 21:30 Uhr, City Kino Wedding
  2. Februar, 22:00 Uhr, CinemaxX 3
  3. Februar, 17:00 Uhr, Colosseum 1
  4. Februar, 17:00 Uhr, Colosseum 1

 

Coup de Grace – von Salomé Lamas

  • Produktion: O Som e a Fúria
  • Drehbuch: Salomé Lamas, Isabel Pettermann
  • Kamera: Rui Xavier
  • Schauspieler: Miguel Borges, Clara Jost, João Pedro Bénard
  • Länge: 26 Minuten

 

Zusammenfassung:

Leonor kehrt eines Tages von einer Reise zurück, als ihr Vater Francisco, der im Tagebau arbeitet, schon nicht mehr damit gerechnet hat. In 24 Stunden erleben sie zusammen absurde Situationen. Leonor erkennt in wachsender Unruhe scheinbare Normalität.

Premiere: 13. Februar, 16:00 Uhr, Cinemaxx

  1. Februar, 22:00 Uhr, Cinemaxx, 17. Februar, 17:00 Uhr, Colosseum

 

Cidade Pequena – von Diogo Costa Amarante

  • Hersteller: Curtas Metragens C.R.L.
  • Drehbuch: Diogo Costa Amarante
  • Kamera: Diogo Costa Amarante
  • Montage: Diogo Costa Amarante
  • Ton: Diogo Costa Amarante, Miguel Cordeiro
  • Haupt-Schauspieler: Frederico Costa Amarante Barreto, Mara Costa Amarante
  • Länge: 19 Minuten

 

Zusammenfassung:

Eines Tages lernt Frederico (6) in der Schule, dass die Menschen Kopf, Rumpf und Gliedmaßen haben und dass sie sterben, wenn das Herz aufhört zu schlagen. In dieser Nacht kann er nicht schlafen. Er weckt die Mutter mehrmals früh am Morgen und sagt ihr, dass er sich an der Brust verletzt hat. Sie geht am nächsten Tag zum Lehrer, um nachzufragen: Muss man Kindern unbedingt die Wahrheit sagen?

Premiere: 13. Februar, 22:00 Uhr, Cinemax

  1. Februar, 17:00 Uhr, Colosseum, 16. Februar, 16.00 Uhr Cinemaxx

 

Altas Cidades De Ossadas – von João Salaviza

  • Schauspieler: Karlon, Xama, Maria do Céu Magalhães, Leonor Ferreira
  • Drehbuch: João Salaviza, Renée Nader Messora, Karlon
  • Kamera: Vasco Viana
  • Ton: Rafael Cardoso
  • Produktion: Terratreme Filmes
  • Länge: 19 Minuten

 

Zusammenfassung:

Karlon, geboren in einem Slum am Stadtrand von Lissabon und ein Pionier des kapverdisch-kreolischen Rap, flieht aus dem Viertel, das ihm zugewiesen wurde, in Zuckerrohrfelder der Umgebung. Er verbringt fiebrige, schlaflose Nächte in der tropischen Hitze. Im Zuckerrohr rumort es, aber Karlon hört nicht auf zu singen. Hohe Städte aus Totengebein machen ihn neugierig und lassen ihn durch seine Erinnerungen tasten – über vergangene Geschichten aus einer dunklen Zeit.

Premiere: 14. Februar, 22:00 Uhr, Cinemaxx

Februar, 17:00 Uhr, Colosseum, 17. Februar, 16:00 Uhr, Cinemaxx

Februar,14:00 Uhr, CUBIX Cinema (Programm „Power To The People“)

Februar, 07:30 Uhr, Zoo-Palast (Programm „Power To The People“)

 

Berlinale-Kurzfilme Generation KPLUS

 

Odd é um ovo – von Kristin Ulseth

  • Beruht auf dem Buch von: Lisa Aisato
  • Drehbuch: Maria Avramova, Kristin Ulseth
  • Produktion: Sparkle Animation e Qvisten Animation AS

 

Zusammenfassung:

Basierend auf dem Kinderbuch von Lisa Aisato, dessen Titel übersetzt lautet „Odd ist ein Ei“, ist dies ein herzerwärmender und origineller Kurzfilm darüber, wie man aus dem eigenen Schneckenhaus herauskommt.

Premiere: 14. Februar, 10:00 Uhr, HKW – Haus der Kulturen der Welt

  1. Februar, 15:00 Uhr, CinemaxX 1
  2. Februar, 09:30 Uhr, Filmtheater am Friedrichshain

 

Berlinale Forum

 

Spell Reel – von Filipa César

  • Produktion: Filmes do Tejo II, Spectre Productions
  • Drehbuch: Filipa César
  • Kamera: Jenny Lou Ziegel
  • Schauspieler: Flora Gomes, Aissatu Seidi, Sana na N’Hada, Suleimane Biai
  • Länge: 96 Minuten

 

Zusammenfassung:

Im Jahr 2011 tauchte in Bissau audiovisuelles Archivmaterial wieder auf. Stark gealtert, zeugen die Bilder von der Geburt des guineischen Kinos als Teil der Entkolonialisierungs-Vision von Amilcar Cabral, dem 1973 ermordeten Führer der Befreiung. In Zusammenarbeit mit den Filmemachern Sana in N’Hada und Flora Gomes aus Guinea und mit vielen anderen Verbündeten stellt Filipa César eine Reise in die Vergangenheit vor, an die Orte, an denen die Filme entstanden waren. Digitalisiert und live vorgeführt sowie in Berlin von den Filmemachern kommentiert, provoziert das Archivmaterial Diskussionen, Erfahrungsberichte und Zukunftsprognosen. Man kann einem Archiv bei der Arbeit, bei der Produktion von Gegenwart, zusehen.

  1. Februar, 09:30 Uhr, CinemaxX 6 (Presse und Filmwirtschaft, Englisch)
  2. Februar, 19:00 Uhr, Delphi
  3. Februar: 15:00 Uhr, Arsenal 1
  4. Februar, 16:30 Uhr, Akademie der Künste, Hanseatenweg
  5. Februar, 17:00 Uhr Zoo-Palast 2 (Engl.)

 

Berlinale Panorama

 

Vazante – von Daniela Thomas

  • Drehbuch: Beto Amaral und Daniela Thomas
  • Kamera: Inti Briones
  • Schauspieler: Adriano Carvalho, Luana Tito Nastas, Sandra Corveloni
  • Ton und Mischung: Vasco Pimentel
  • Produktion: Ukbar Filmes
  • Coproduktion: Dezenove und Cisma Produções
  • Länge: 116 Minuten
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Szene aus „Vazante“ von Daniela Thomas. Foto: Berlinale/Ricardo Teles

Zusammenfassung:

Vazante, erster „Alleinflug“ der preisgekrönten Regisseurin Daniela Thomas, untersucht den Wandel in den Beziehungen der Rassen und Geschlechter im gewaltbereiten kolonialen Brasilien 1821, dicht vor der Unabhängigkeit. Schwarze, Weiße, Einheimische und Neuankömmlinge aus Afrika leiden in den Hügeln, einem Gebiet, dessen Boden der Diamantenabbau im frühen neunzehnten Jahrhundert zerstört hat, an ihrer Unfähigkeit zu kommunizieren. Eindrucksvoll komponierte Schwarz-Weiß-Bilder rücken charismatische Darsteller in den Mittelpunkt und machen das Schicksal der Ahnen spürbar.

Premiere war am 10. Februar, um 21:30 Uhr im Zoo Palast 1. Eine Aufführung gab es auch am 11. Februar um 12:30 Uhr im CinemaxX 7.

Weitere Möglichkeiten, den Film zu sehen, gibt es am 12. Februar um 14:00 Uhr im Cubix 9 und am 17. Februar um 22:00 Uhr im Zoo Palast 2.

 

Klimawandel: Worauf sich die Algarve einstellt

Auf welche lokalen Folgen des globalen Klimawandels sollten sich die Städte und Bewohner der Algarve einstellen? Die portugiesische Umweltorganisation Quercus hat jetzt darauf hingewiesen, mit welchen Veränderungen zum Beispiel Loulé in der Zentralalgarve bis zum Ende dieses Jahrhunderts und darüber hinaus zu rechnen hat. Die entsprechenden Prognosen, die aussagekräftig für die gesamte Südküste sein dürften, sind auf dieser Internetseite veröffentlicht – zu Loulé und 25 weiteren Orten in ganz Portugal.

Zusammengefasst hier die grundlegenden Ergebnisse, bezogen auf Jahresdurchschnittswerte:

  • Die Niederschlagsmengen verringern sich
  • Die Temperaturen – vor allem die Höchstwerte – nehmen zu
  • Der Meeresspiegel steigt an
  • Extreme Regenfälle werden häufiger.

Niederschläge

Stärker ausgeprägte Rückgänge der durchschnittlichen Niederschlagsmengen pro Jahr dürfte es in Loulé und an der Algarve nach diesen Angaben gegen Ende des Jahrhunderts geben. In dem entsprechenden Zeitraum könnten sie im Mittel zwischen 6 und 44 Prozent des bisherigen Werts liegen, ist einer Übersichtstabelle zu entnehmen. Danach könnte die Regenmenge im Winter zwischen 1 und 30 Prozent, im Frühling zwischen 13 und 61 Prozent und im Herbst zwischen 7 und 53 Prozent des gegenwärtig Üblichen liegen. Gemäß diesen Prognosen wird sich die Zahl der Regentage pro Jahr vermindern auf 10 bis 28. Bereits 2013 hatte der Weltklimarat die Wahrscheinlichkeit häufigerer und intensiverer Dürren für den Süden Europas betont.

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Hatte Loule an der Algarve bislang 752 mm Niederschlag im Jahr, sinkt die Durchschnittsmenge – je nach Modellrechnung – künftig deutlich. Quelle: ClimAdaPT.Local

 

Temperaturen

Gegen Ende des Jahrhunderts dürfte – so die Auswertung – die jährliche Durchschnittstemperatur in Loulé und an der Algarve zwischen 1 und 4 Grad Celsius höher liegen. Stärker noch sollen die Höchsttemperaturen zunehmen: im Sommer zwischen 1 und 4 Grad, im Frühling zwischen 1 und 5 Grad und im Herbst zwischen 2 und 5 Grad. Ganz allgemein wird eine Zunahme der Zahl von sehr heißen Tagen (mit Höchsttemperaturen über 35 Grad) und von tropischen Nächten (mit Minimumtemperaturen über 20 Grad) vorhergesagt. Hitzewellen, so der Bericht, würden häufiger und intensiver.

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Die blaue Kurve zeigt die jetzigen Temperaturen von Loule im Jahresverlauf, die rote und die grüne Linie geben Prognosen laut Modellrechnungen wieder. Quelle: ClimAdaPT.Local

Meeresspiegel

Bis 2050 prognostizieren die Weltklimarats-Experten eine Erhöhung des Meeresspiegels um 17 bis 38 Zentimeter. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird weltweit sogar mit einem Anstieg um 26 bis 82 Zentimeter gerechnet. Andere Wissenschaftler sehen im Jahr 2100 sogar eine Erhöhung um 110 Zentimeter für möglich an. Der Weltklimarats-Bericht von 2013 verweist ferner darauf, dass das Anwachsen des Wasserspiegels der Ozeane mit Meeresstürmen verbunden sein könnte.

Extreme Klimaphänomene

Was extreme Klimaphänomene anbetrifft, rechnen portugiesische Experten, die 2015 ihren Bericht vorlegten, insbesondere mit starkem oder sehr starkem Niederschlag. Und laut Weltklimarat ist weltweit mit intensiveren Winterstürmen zu rechnen, begleitet von Regen und starkem Wind.

 

Pionierprojekt in Portugal abgeschlossen

 

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Logo von ClimAdaPT.Local

Die Veröffentlichung der Dokumente zu den örtlichen Anpassungsnotwendigkeiten angesichts des globalen Klimawandels bildet den Abschluss eines zweijährigen Pionierprojekts in Portugal. Vertreter von 26 Kommunen, Techniker und Wissenschaftler hatten in dem Projekt „ClimAdaPT.Local“ laut Organisation Quercus einen Leitfaden für die Ausarbeitung von Anpassungsstrategien entwickelt. Jede Kommune sei nun etwa in der Lage, die Betroffenheit ihres Wohnungsbestands von den Auswirkungen des Klimawandels zu bewerten und dazu Workshops mit örtlichen Vertretern durchzuführen. Das Projekt habe die Fähigkeit verbessert, die Anpassung an den Klimawandel in lokale politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen, Planungsinstrumente zu schaffen und notwendige Steuerungsmaßnahmen einzuleiten.

 

quercus-logoBeteiligt waren unter anderem Informatiker der Universität Lissabon sowie Institutionen aus Portugal (z.B. der Naturschutzverband Quercus) und Norwegen. Unterstützt und finanziert wurde das Projekt von der portugiesischen Umweltagentur und dem Portugal Carbon Fund sowie durch EU-Mittel, die auf Initiative Islands, Liechtensteins und Norwegens flossen.

Dies sind die portugiesischen Teilnehmer-Orte des ClimAdaPT.Local-Projekts: Amarante, Barreiro, Braga, Bragança, Castelo Branco, Castelo de Vide, Coruche, Évora, Ferreira do Alentejo, Figueira da Foz, Funchal, Guimarães, Ilhavo, Leiria, Lissabon, Loulé, Montalegre , Odemira, Porto, São João da Pesqueira, Seia, Tomar, Tondela, Torres Vedras, Viana do Castelo und Vila Franca do Campo.

Deutsche Studenten in Portugal: Sebastian (24) berichtet aus Coimbra

Was zieht Studierende aus Deutschland speziell in den Südwesten Europas? Was erleben sie, wenn sie das akademische Leben in Portugal, das Land als solches und die Mentalität seiner Menschen kennenlernen? Sebastian Rehfeldt, der in Potsdam den Informatik-Studiengang „IT-Systems Engineering“ am renommierten Hasso-Plattner-Institut (HPI) absolviert, teilt seine Erfahrungen mit uns – als Teilnehmer des europäischen Erasmus-Austauschprogramms, das gerade 30 Jahre alt geworden ist. Im Juni kommt er an die Algarve und will erneut über seine Eindrücke berichten.

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HPI-Masterstudent Sebastian Rehfeldt aus Bad Wilsnack im Nordwesten Brandenburgs. Foto: privat

Der große Vorteil von Erasmus ist: geringerer bürokratischer Aufwand als bei selbst organisiertem Auslandsaufenthalt und ein attraktives Stipendium. In meinem Fall beträgt es rund 250 Euro im Monat. Als Gegenleistung reicht es, eine bestimmte Anzahl an Kursen erfolgreich zu bestehen. Den Stipendiumsbetrag verwende ich für die Monatsmiete. Ich lebe in einer Wohngemeinschaft, wie die meisten anderen Studenten hier auch. Mir persönlich ist die WG mit fünf Mitbewohnern (was hier eher als klein gilt) schon fast zu groß. Unser Haus ist, wie so viele andere hier, schlecht bis gar nicht isoliert und verfügt über keine Heizungen. Den Winter – mit fünf Grad Celsius nachts bis 15 Grad tagsüber – empfinde ich hier sogar noch kälter als in Deutschland.

 

Der Kleidungsstil erinnert an Harry Potter

 

Von allen Wahlmöglichkeiten hatte mich die Universität Coimbra am meisten angesprochen, einerseits wegen der Sonne und des relativ warmen Klimas und andererseits aufgrund der Nähe zum Atlantik. Der nahe Ozean eignet sich nämlich perfekt zum Surfen. Coimbra, die alte Königsstadt und ehemalige Hauptstadt Portugals, wirkt auf mich wie ein gelungener Kompromiss aus Kultur, Geschichte und Moderne.

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Traditionsreiche Tracht in Coimbra. Foto: Wikimedia

Letztere ist vor allem dank der Universität spürbar. Insgesamt leben hier in Coimbra 140.000 Menschen, wovon 30.000 studieren. Die Universität, im Jahre 1290 gegründet, ist die älteste Portugals und eine der ältesten in ganz Europa.

Ihre lange Geschichte spiegelt sich auch heute noch im Alltag wieder. So trägt ein großer Teil der Studenten die typische Kleidung. Wer sie sieht und dabei direkt an Harry Potter erinnert wird, liegt genau richtig: Die Erfinderin der Roman-Figur, die Schriftstellerin J.K. Rowling, studierte lange Zeit in Porto und ließ sich bei ihren Besuchen in Coimbra von der hiesigen Kleidung inspirieren.

 

Fado, Feste, Feiern

 

Neben der Kleidung spielen auch die Fado-Musik und studentische Feste und Rituale eine große Rolle in Coimbra. So findet im Oktober das „Festa das Latas“, eine rund viertägige Studenten-Feier, statt. Deutlich bekannter ist aber noch das „Queima das Fitas“, das von bis zu 60.000 Studenten besucht wird – ein absolutes ‚must-go‘ für alle Studenten! Nachts gibt es große Partys. Tagsüber finden Karneval-ähnliche Umzüge und große Dinners statt; wobei man in Portugal bei allem eher sehr spät loslegt.

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Coimbras Studenten feiern gern Feste. Foto: Sebastian Rehfeldt

Insbesondere Erst- und Zweitsemester-Studenten erleben die Traditionen hautnah. So sieht man während der ersten Monate unzählige Studentengruppen singend und in den wildesten Kostümen durch die Stadt ziehen. Hierbei bekommen die Neuen von ihren älteren Kommilitonen verrückte Aufgaben gestellt und dürfen sich zwei Semester lang (!) zum Clown machen. An dieser Stelle war ich sehr froh, dass uns als Erasmus-Studenten so etwas erspart blieb – und ich auch aus Deutschland nichts Vergleichbares kenne… Dennoch ist es interessant, diese vielen Traditionen als Zuschauer zu beobachten. Und es ist definitiv eine Erfahrung, die das Studium hier bereichert und die man außerhalb Portugals nicht in dieser Form machen wird.

 

Wenn Portugiesen schnell sprechen

 

Von den vielen Traditionen nun zum Studium. Ich besuche einen Portugiesisch-Kurs und nehme an Master-Veranstaltungen im Bereich Informatics Engineering teil. Diese werden glücklicherweise auf Englisch durchgeführt, sobald internationale Studenten im Kurs sind. Das Portugiesisch ist ja sehr verschieden vom Deutschen und da es sehr schnell gesprochen wird, erschwert dies mir das Verständnis zusätzlich. Allerdings sind die Portugiesen sehr hilfsbereit und freundlich – vor allem wenn ich versuche, mit ihnen in ihrer Sprache zu kommunizieren.

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Portugiesisch-Vorkurs bei 40 Grad in Coimbra. Foto: Sebastian Rehfeldt

Vorbereitet habe ich mich in Deutschland einige Monate lang per Duolingo-Webseite, um zumindest die wichtigsten Grundlagen zu lernen. Vorort in Coimbra belegte ich vor Semesterbeginn bereits einen Intensiv-Kurs. Wir büffelten in der altehrwürdigem Fakultätsgebäude bei 40 Grad Celsius und stahlblauem Himmel.

Mit dem Vorkurs war ich allerdings nicht sehr zufrieden: Er war teuer und nicht so gut organisiert. Wer nicht unbedingt die Landessprache lernen will, kommt in größeren Städten Portugals sehr gut mit Englisch aus. In kleineren Städten und auf dem Land wird das allerdings schwierig.

 

Studienorganisation? Sehr entspannt…

 

Meine fachlichen Kurse an der Universität sind recht aufwändig – auch wenn ich von Kommilitonen anderer Fakultäten ganz anderes höre. Mit der Organisation bin ich nicht immer hundertprozentig zufrieden. Wahrscheinlich bin ich da vom Hasso-Plattner-Institut etwas zu verwöhnt.

Jedoch spiegeln die Kurse die portugiesische Mentalität gut wieder: Man lässt gern alles einfach auf sich zukommen. Und eine Deadline ist nicht wirklich ein Abgabeschluss. Einen konkreten Plan gibt es häufig nicht. Auch wenn man das akademische Viertel beachtet und 15 Minuten später als im Vorlesungsverzeichnis angegeben im Raum erscheint, verbringt man oft noch viel Zeit mit Warten. Klausuren starten ebenfalls manchmal deutlich verspätet. Das ist am Anfang sehr anstrengend, aber wenn man sich darauf einlässt, auch eine interessante Erfahrung. Die Portugiesen sind generell sehr entspannt und lassen kaum Hektik aufkommen. Zudem fällt mir auf, dass sie etwas introvertierter zu sein scheinen als ihre spanischen Nachbarn. Das empfinde ich jedoch als sehr angenehm.

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Selfie mit internationalen Studierenden, unterwegs im Zug nach Figueira da Foz. Zweiter von rechts: Sebastian. Foto: privat

Als Austauschstudent ist es schwer, in die portugiesischen Studentengruppen hinein zu kommen, vor allem dann, wenn man die Sprache nicht perfekt beherrscht. Deshalb verbringe ich eher Zeit mit anderen ausländischen Studierenden. Diese kommen hauptsächlich aus Europa (über Erasmus) und aus portugiesischsprachigen Ländern wie Brasilien. Auffällig in Coimbra ist, dass besonders viele deutsche, spanische und italienische Studenten anzutreffen sind. Auch die bleiben häufig in ihren nationalen Gruppen, was aber jeder für sich selbst entscheiden kann. Mit Studenten aus den anderen Ländern kommt man aber auf jeden Fall dank der vielen Events und Feiern leicht in Kontakt.

 

Wo das große Bier 1,40 Euro kostet

 

Vor allem während des ersten Semestermonats, aber auch im gesamten Verlauf des Vorlesungsbetriebs finden täglich bzw. wöchentlich Feiern, Ausflüge oder auch kulturelle und sportliche Veranstaltungen statt. Besonders gut gefallen mir die Events, die vom Erasmus Student Network (ESN) organisiert werden. Dank des ehrenamtlichen Einsatzes dieser örtlichen Studenten ist das Kennenlernen von Land und Leuten sehr leicht. Neben kostenfreien Veranstaltungen wie Fußballspiele organisiert das ESN auch Trips innerhalb des Landes, die allein kaum günstiger zu organisieren wären.

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Bock auf ein Bier: Sebastian mit Kommilitonen am Erasmus Meeting Point. Foto: privat

Ein Platz in Coimbra ist mein Lieblingsort geworden, an dem ich mit meinen Erasmus-Kommilitonen den einen anderen Abend verbringe – der Praca da Republica mit unserer Stamm-Kneipe “What’s up Doc”. Uma caneca, also ein halber Liter Bier, kostet hier nur 1,40 Euro.

Deutlich besser noch als die portugiesische Biermarke Sagres schmeckt mir das hiesige Super Bock. Auch für kritische deutsche Zungen ist das ein leckeres Bier. Anschließend ziehen wir häufig weiter in den NB-Club, sofern die Vorlesungen es zulassen. Die meisten Partys im Lauf der Woche starten erst sehr spät; um 23 Uhr in den Bars und um 2 Uhr in den Clubs.

 

Nachts meist Stöpsel in den Ohren

 

Das Zentrum Coimbras mit der Universtität, den Bars und Clubs ist nicht groß. Alles kann zu Fuß erreicht werden. Das Leben hier hat den Vorteil der kurzen Wege, ist aber extrem laut. Deshalb habe ich mehr Nächte mit Stöpseln in den Ohren verbracht als ohne sie. Derjenige Campus von dreien, an dem ich studiere, ist vom Stadtzentrum am weitesten entfernt und nur per Bus zu erreichen. Die Fahrt dauert meist eine halbe Stunde, ist aber häufig eine Lotterie: Busfahrer halten durchaus gern zwischendurch zum Rauchen oder Telefonieren an und kümmern sich kaum um die Bedürfnisse der Gäste. Verspätungen sind in Coimbra dann vorprogrammiert. Zwischen den größeren Städten verläuft der öffentliche Personenverkehr aber zuverlässig und preiswert.

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Auch auf Reisen lässt sich Sebastian Portugals Küche schmecken. Foto: privat

Die Preise in Portugal sind niedriger als in Deutschland, sodass wir viel Zeit in Cafés, Restaurants und Bars verbringen. Das Leben findet ohnehin eher draußen statt, was auch an dem schönen Klima liegt. Ein Essen in einem Restaurant ist in Coimbra bereits ab sechs Euro zu bekommen. Vor allem Fischgerichte wie Bacalhau com Natas, also portugiesischer Stockfisch in Sahne-Soße, sind sehr zu empfehlen.

Leider ist das Mensa-Essen nicht besonders gut und kaum gewürzt sowie sehr eintönig: So gibt es fast jeden Tag Fleisch mit Pommes frites und Reis – dazu keine Soße und wenig oder kein Gemüse. Aber was soll man auch bei einem Mensapreis von 2,40 Euro für ein Hauptgericht mit Brot, Suppe, Dessert und Getränk erwarten?

 

Die Vielseitigkeit Portugals überrascht

 

Neben den eigenen Sehenswürdigkeiten bietet die Universitätsstadt Coimbra aufgrund ihrer günstigen Lage zwischen Lissabon und Porto viele Ausflugsmöglichkeiten an. Die Vielseitigkeit des Landes hat mich angenehm überrascht; das hätte ich so nicht ganz erwartet. Neben den vielen Stränden und tollen Küstenabschnitten bietet Portugal auch Gebirge, National-Parks, Schlösser und moderne wie historische Städte. Das Land ist sehr viel grüner als vermutet. Die Palmen vermitteln mir ein permanentes Urlaubs-Feeling.

 

Wo ich überall schon war

 

Porto, zweitgrößte Stadt Portugals und nur 150 Kilometer von Coimbra entfernt, ist bislang meine Top-Empfehlung für einen kurzen Städte-Trip. Eine Bus- oder Zugfahrt dorthin kostet nur rund zehn Euro und dauert etwa eineinhalb Stunden.

Lissabon. In der Hauptstadt, die viel bietet, habe ich, wie manche anderen Kommilitonen, leider schlechte Erfahrungen gemacht: ein Taschendieb klaute mir mein Smartphone. Deshalb “musste” ich Lissabon noch ein zweites Mal besuchen und neue Fotos machen. Von Coimbra aus erreicht man Portugals größte Stadt in zwei Stunden.

Figueira da Foz. Die Küstenstadt, einer der beliebten Surf-Spots Portugals, ist von Coimbra aus in weniger als einer Stunde zu erreichen. Die Zugfahrt kostet 2,70 Euro pro Strecke. Der gefragte Ausflugsort ist perfektes Ziel, um einen Nachmittag am Atlantik zu verbringen.

Sintra. Beim Besuch dieser für ihre zahlreichen Schlösser und Parks bekannten Stadt nahe Lissabon habe ich extrem schlechtes Wetter erwischt. Ich will aber unbedingt noch einmal hinfahren, um vor allem den Pena Palace mit seinem vielseitigen Architekturstil näher zu besichtigen.

Nord-Portugal. Um mit genügend Zeit die historischen Städte Guimaraes und Braga sowie den Nationalpark Peneda-Gerês zu besuchen, sollte man sich als Student des ESN bedienen oder zu mehreren Personen einen Wagen mieten.

Azoren. Dank Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet sind die Azoren vom Festland aus in zwei Flugstunden günstig zu erreichen (je 30 Euro für beide Flüge). Die Gruppe von neun Inseln mitten im Atlantik beeindruckt durch den vulkanischen Ursprung und ihre unberührte Natur. Hier gibt es zum Beispiel die einzige Tee-Plantage Europas.

Die Algarve im Süden steht noch ganz oben auf meiner persönlichen „bucket list“. Wenn ich im Juni dort sein werde, berichte ich für den Algarve-Entdecker gerne darüber.

 

Warum in Portugal studieren – mein Fazit

 

  • Portugal ist ein sehr vielseitiges Land und hat für jeden Geschmack etwas zu bieten
  • Die Menschen hier sind freundlich und hilfsbereit
  • Besonders die vielen universitären Traditionen sind eine Erfahrung wert
  • Dank der vielen Angebote über das Erasmus-Studentennetzwerk wird einem nie langweilig und man sieht viel vom Land
  • Der Atlantik und das warme Klima sind weitere Pluspunkte für Portugal und besonders für Reise- und Surf-Begeisterte interessant
  • Bei mir herrschte während des gesamten Semesters Urlaubsstimmung, selbst wenn die Kurse durchaus etwas mehr Zeit in Anspruch nahmen.
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Daumen hoch: Ein Auslandssemester im Portugal ist sehr empfehlenswert, sagt Sebastian, hier mit seinem  Kommilitonen Joao. Foto: privat

Wer als Studierender also wärmeres Klima bevorzugt, eine etwas andere Mentalität kennenlernen, zwischendurch auf richtigen Atlantik-Wellen und nicht nur im Internet surfen sowie durch ein sehr vielseitiges Land reisen möchte, ist in Portugal richtig aufgehoben.

 

Das Wichtigste zum Erasmus-Programm

 

Das Erasmus-Programm der Europäischen Union wurde 1987, noch vor dem Fall des so genannten eisernen Vorhangs, ins Leben gerufen, um den Austausch von Studierenden zu fördern. Nur 657 deutsche Studentinnen und Studenten hatten damals den zeitweisen Schritt ins Ausland gewagt. Inzwischen sind es fast 1,3 Millionen, die über Erasmus eine Zeit lang in einem anderen EU-Mitgliedsland studiert haben.

Das Förderangebot wurde nach und nach für Auszubildende, Schülerinnen und Schüler, für die Erwachsenenbildung und die außerschulische Jugendarbeit ausgeweitet. Mit Erasmus+ besteht nun seit 2014 ein gemeinsames EU-Programm für Bildung, Jugend und Sport. Bis 2020 werden europaweit mehr als vier Millionen Menschen aus Hochschule, Schule, Berufsbildung, Erwachsenenbildung, Jugendarbeit und Sport mit diesem Programm Auslandserfahrung in Europa gesammelt haben.

Erasmus+ ist für die Laufzeit von 2014 bis 2020 mit einem Etat in Höhe von rund 14,8 Mrd. Euro ausgestattet. Das Programm will Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit verbessern helfen und dazu beitragen, dass die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung sowie der Kinder- und Jugendhilfe zeitgemäß und international ausgerichtet sind.

 

Algarve-Hotels erwarten weiteren Tourismus-Höhenflug

Gut 13 Prozent mehr Umsatz, eine um sieben Prozentpunkte höhere Auslastungsrate und zehn Prozent mehr Golfrunden: zauberhafte Zahlen für 2016, mit denen die Algarve-Hoteliers jetzt jonglieren konnten. Auch nach dem erneut goldenen Tourismusjahr erwarten sie weitere Zuwächse. So rechnen sie für 2017 mit einem Einnahmeplus von sechs Prozent und einer um drei Prozentpunkte höheren Belegungsquote. Ihr Verband AHETA kalkuliert mit einem durchschnittlichen Preisanstieg um drei Prozent.

In einer Pressemitteilung heißt es, 2017 könnte zum ersten Mal seit der Jahrhundertwende die durchschnittliche jährliche Auslastung der Algarve-Hotels wieder bei 65 Prozent liegen. Das sei der Preispolitik und dem Investitionsverhalten zuzurechnen. Die Region sei der Hauptnettozahler im portugiesischen Reise- und Tourismus-Sektor mit seinen Erträgen von 12,6 Milliarden Euro im Berichtsjahr. Allein die Algarve habe für rund die Hälfte dieser Summe gesorgt. Über amtliche Zahlen hatte der Algarve-Entdecker schon am 24. Januar hier berichtet.

 

Fast elf  Millionen Touristen, gut 53 Millionen Übernachtungen

 

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Angelt sich einen Tourismusrekord nach dem anderen: die Algarve. Unser Bild zeigt den Strand im Ortskern von Carvoeiro. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Für die guten Ergebnisse seien 2016 in erster Linie Touristen aus dem ferneren europäischen Ausland, vor allem dem Vereinigten Königreich, verantwortlich gewesen, während der portugiesische und spanische Markt Rückgänge um jeweils rund zehn Prozent verzeichneten, so AHETA. Laut Verband registrierten die behördlich erfassten Betriebe rund 3,9 Millionen Touristen – davon etwa eine Million aus Portugal – und mehr als 19,5 Millionen Übernachtungen. Hinzurechnen müsse man rund 6,8 Millionen Touristen, die in nicht offiziell registrierten Unterkünften wie Zweitwohnungen, Einfamilienhäusern oder Wohnungen von Freunden untergekommen seien. Das entspreche rund 34 Millionen Übernachtungen.

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Kritisiert: höhere Flughafengebühren. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Begünstigt habe die Entwicklung vor allem das „Klima der Instabilität“ in anderen Tourismusregionen, vor allem in der Türkei, weiteren Destinationen des Mittelmeerraums und des Maghreb.

Zu den negativen Aspekten des zurückliegenden Tourismusjahrs zählen die offiziell registrierten Beherbergungsbetriebe die Erhöhung der Flughafengebühren und den Anstieg der Treibstoffkosten.

Aber auch die illegale Vermietung von Unterkünften sowie die „Unfähigkeit der zuständigen Behörden, sich mit dieser Realität zu befassen“, wird bedauert. Zudem fehlt es nach den Angaben des Verbands in der Tourismussaison nach wie vor oft an genügend qualifizierten Arbeitskräften.

 

Kritik am „Misserfolg“ des Kulturprogramms 365 Algarve

 

365-algarve-logo-weisDeutliche Kritik üben die Hoteliers am „Misserfolg“ des Animationsprogramms 365 Algarve, das für fast jeden Tag des Jahres ein kulturelles Angebot machen will. Die klaren Worte kamen just an dem Tag, als die Bewerbungsphase für die zweite Auflage des Programms für die Phase Oktober 2017 bis Mai 2018 startete.

Noch bis 31. März können Anträge auf Aufnahme von Veranstaltungen gestellt werden. Es muss sich aber um solche außerhalb der üblichen Hochsaison-Angebote rund um Strand und Sonne handeln.

365-algarve-kulturprogrammErst am 20. Januar hatten die Programm-Verantwortlichen eine eigene Zwischenbilanz der ersten drei Monate mit ihren 191 Angeboten in fast allen Algarve-Städten gezogen. 19.300 Besucher, darunter ein Viertel ausländische Touristen, seien gezählt worden. Das Programm war im Oktober 2016 aufgelegt worden.

Dalia Paulo, die Programmchefin, betonte den Umfang und die Vielfältigkeit der Inhalte, die nicht auf traditionelle Bereiche beschränkt seien. 64 Standorte und 19 Partner seien bislang in die Zusammenarbeit eingezogen gewesen. Die Intensivierung des kulturellen Angebots habe es geschafft, die Saisonalität zu reduzieren, so Paulo.

Inzwischen hat die Kulturmanagerin eine Partnerschaft zwischen dem Tourismus-Regionalverband der Algarve (RTA), dem Städtetag der Region (AMAL) und der Universität in Faro herbeigeführt. Ziel ist es, den an der Algarve Studierenden, etwa im Rahmen des Erasmus-Austauschprogramms, Land und Leute mit ihrer kulturellen Identität nahezubringen und sie zu Botschaftern der Region zu machen. Rund 1.200 Studentinnen und Studenten sollen so angesprochen werden. Kulturelle Besuchsprogramme werden dazu vor Ort mit gastronomischen und touristischen Angeboten verknüpft. Den Anfang machte im Januar eine Begegnung in Vila do Bispo mit dem Jazz-Trompeter Hugo Alvez und dem Akkordeon-Spieler João Frade. Beide Algarve-Musiker treten mit ihren sehr unterschiedlichen Instrumenten und neuen Stücken unter dem programmatischen Titel „Morphosis“ als Duo auf.

 

Unser Kommentar: Ziel ist richtig,
aber Ausführung sollte verbessert werden

 

Dass die Algarve sich ein Kulturprogramm gegeben hat, das praktisch an jedem Tag des Jahres Residenten und Touristen etwas Schönes, Animierendes liefern soll, ist zunächst einmal ein lobenswertes und richtiges Ziel. Wer jetzt – wie der Hotelverband AHETA – vorschnell ein Versagen konstatiert, sollte in Rechnung stellen, dass es zum Programmbeginn am 1. Oktober 2016 keine Chance mehr gab, noch die wichtigsten Quellmärkte für Touristen zu bewerben. Das wird bei der zweiten Auflage anders sein.

Doch die Verantwortlichen sollten gleichzeitig darauf achten, dass die Künstler und Themen so ausgewählt werden, dass sie auch für ausländische Veranstaltungsbesucher attraktiv sind. Sonst nutzen Werbung und Promotion im Ausland kaum etwas. Die bisherige Selbstbeschränkung auf Kulturschaffende aus der Algarve könnte ein Hindernis für großen Erfolg sein, denn dieser Kreis von Personen ist nur wenigen Eingeweihten bekannt.

Sicher, aus örtlicher Sicht wirkt es zunächst wie ein (Preis-)Vorteil, wenn das Programm von Kulturverbänden und Gemeinden der Algarve komplett selbst erstellt wird. Das ist anders als bei dem Wirtschaftsministerium finanzierten „Allgarve“-Programm der Jahre 2007 bis 2010 und tut daher der breiten Partizipation gut. Das Angebot beruht somit sicher auf der Identität dieser Region und ihrer zeitgenössischen Kunst. Aber das sind Ziele aus der spezifischen Inlandssicht einer portugiesischen Kulturpolitik. Wer hingegen die Algarve-Städte ganzjährig zu einer interessanten Gegend auch für ausländische Residenten und Touristen machen will, sollte sich ambitioniertere Ziele setzen.

In Deutschland kennt man die Redensart „Nicht kleckern, sondern klotzen!“ Statt die 1,5 Millionen Euro Fördergelder aus dem Tourismus-Budget der Regierung in Lissabon wie mit einer Gießkanne nur über viele kleine Projekte zu schütten, sollten auch attraktive große Anlässe konzipiert werden; solche, die Interessierte wirklich zum Anlass für zusätzliche Algarve-Reisen nehmen können. Das darf zulasten von Veranstaltungen gehen, die vielleicht hauptsächlich dem regionalen Proporz geschuldet sind.

Die Kulturinstitutionen und Botschaften Großbritanniens, Frankreichs, der Benelux-Staaten und der deutschsprachigen Länder sowie anderer Nationen helfen sicher gern bei der Vermittlung von hochkarätigen Events. Und vermögende Privatpersonen, die hier leben, ließen sich sicher für ein Sponsoring begeistern, denn schließlich wollen auch sie Renommee für die Algarve.

Der Puls der Region, den die „365 Algarve“-Verantwortlichen die Besucher fühlen lassen wollen, sollte einer sein, der kosmopolitisch schlägt. Wer nur herzeigen will, was man an Selbstgemachtem anbieten kann, wird nicht unbedingt immer das Beste für Algarve-Bewohner und -Besucher bieten. Unser Rat: Schafft Ereignisse, über die auch die reichweitenstarken Medien der wichtigsten Herkunftsländer der Residenten und Urlauber berichten können. So etwas spricht sich herum und macht neugierig. Und kommuniziert das jetzige Angebot doch so, dass viel mehr Ausländer davon Kenntnis bekommen.

Wenn die Algarve-Hoteliers sowie einige Medien und Institutionen das Programm mit seinem bemüht modernistisch klingenden Titel schon falsch bezeichnen („Algarve 365“ statt 365 Algarve), zeigt das auch, wie viel dem Ganzen noch an Bekanntheit und Beliebtheit fehlt…

Hans-Joachim Allgaier

Algarve-Immobilien: So entwickelt sich der Markt

Der Wohnimmobilien-Markt der Algarve, so unterschiedlich wie die sonnenverwöhnte Küstenlandschaft selbst, verzeichnete 2016 starke Nachfrage bei Käufern und Mietern. Die Kaufpreise, die nach der Finanzkrise noch günstig waren, stiegen. Das berichten vom Algarve-Entdecker befragte Makler. Wie die Entwicklung weitergehen wird, an welchen Fakten man sich als Immobilieninteressent orientieren sollte und woran man gute Makler erkennt, schildert dieser Report.

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Eine der besonders eleganten Top-Immobilien an der Algarve. Foto: Engel & Völkers

Noch prägt nach der Brexit-Entscheidung des Vereinigten Königsreichs Gelassenheit die Gemüter der Branchenexperten. Aber falls durch die Ergebnisse der anstehenden Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland Verbraucher zusätzlich verunsichert würden, könnte sich das auch negativ auf die Kaufbereitschaft bei Auslandsimmobilien auswirken, ist zu hören.

Übereinstimmend verweisen die antwortenden Immobilienexperten darauf, dass sich der starke Zustrom von hunderttausenden Ersturlauber aus Europa im vergangenen Jahr fortsetzte. Das habe das Interesse für Algarve-Wohnimmobilien weiter stimuliert. Bei Mietwohnungen etwa gebe es in allen Preisklassen beträchtlich mehr Nachfrage für langfristige Nutzung, sagt Stefan Humpenöder von Yellow Homes.

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Susanna Gross. Foto: Togofor-Homes

Seine Kollegin Susanna Gross von Togofor-Homes ergänzt, dass vor allem viele Deutsche erst mieten und dann eventuell kaufen wollten. Gängig sei im Winter eine Langzeitmiete von maximal sechs Monaten: „Mehr ist schwierig an der Algarve und da ist auch keine Änderung in Sicht.“ Das hänge vor allem damit zusammen, dass Wohnungen in den Sommermonaten kurzfristig und zu überdurchschnittlichen Preisen bevorzugt an Feriengäste vermietet werden. Das bringe wesentlich mehr Umsatz. Das Langzeit-Vermietgeschäft sei äusserst schwierig: „Die Objekte sind fast alle überteuert und viele in nicht gutem Zustand“.

Generell sei bei ihren deutschsprachigen Kunden vor allem der Westen der Algarve sehr beliebt, so die Maklerin. Es gebe auch für die Costa Vicentina viele Anfragen. Gross empfiehlt Kaufinteressenten, sich für vier bis sechs Wochen zunächst einmal an der Algarve einzumieten und in dieser Zeit in Ruhe die Region von Ost nach West zu erkunden, um Kriterien für eine geeignete Immobilie zu entwickeln: „Sind diese ‚Hausaufgaben‘ gemacht, haben es Kunde und Makler einfacher, denn die Algarve ist so unterschiedlich“, sagt Gross.

Zur positiven Gesamtentwicklung des Immobilienmarkts an Portugals sonniger Südküste tragen nach übereinstimmender Beobachtung mehrerer Makler zudem staatliche Programme wie Golden Visa oder die Vergabe des „Non-Habitual Residence“-Status (NHR) bei. Das werde auch 2017 anhalten. Vor allem Skandinaviern bescheinigen die Experten großes Interesse daran, dank des NHR-Status für zehn Jahre von der Einkommenssteuer befreit zu werden und einen Zweitwohnsitz, eine Ferienimmobilie oder einen Altersruhesitz zu erwerben.

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Stefan Humpenöder. Foto: Yellow Homes

Nach Humpenöders Beobachtung stiegen die Preise für Algarve-Wohnimmobilien 2016 um rund neun Prozent, hätten aber immer noch etwa 25 bis 30 Prozent unter dem Niveau vor der Finanzkrise 2008/2009 gelegen. Viele seit Jahren unverkaufte Immobilien seinen mittlerweile an den Mann gebracht worden und die Nachfrage steige, was die Preiserholung erkläre.

Andernorts ist zu hören, hauptsächlich Eigentümer aus dem Vereinigten Königreich hätten nach der Krise die Preise erhöht. Diese würden aber unter Druck geraten, wenn klar werde, wie viele Briten nach den Brexit-Verhandlungen noch Algarve-Immobilien kaufen könnten und wollten. Es gebe gleichzeitig viele Eigentümer, die auch heute noch ihre Preise reduzierten, heißt es ergänzend.

“Die Zinsen sind sehr niedrig geblieben”, erinnert Humpenöder.  Die Banken vergäben zwar mehr Kredite als früher, aber der Anstieg sei nicht außergewöhnlich stark. Laut seinen Aussagen ist es derzeit im Prinzip sehr preiswert, zum Beispiel eine portugiesische Festzins-Hypothek für die Laufzeit von fünf Jahren zu bekommen. Er erwartet, dass sich die Bankmargen durch verbesserte Kapitalausstattung der Institute auch in Portugal bald der Marke von einem Prozent annähern dürften.

 

Barzahler greifen schnell zu

 

Skeptiker befürchten allerdings, dass es mit der tatsächlichen Vergabe von Krediten, vor allem an Ausländer, nicht so einfach werden könnte. Manche Kunden warteten sehr lange auf die offizielle Bewilligung des beantragten Kredits und müssten gelegentlich erleben, dass Barzahler in der Zwischenzeit die Immobilie schon erworben hätten. Zudem neigten Verkehrswert-Ermittler in Lissaboner Bankenzentralen derzeit dazu, Immobilien abzuwerten. Wenn der Verkaufspreis zu hoch sei, gebe es nur geringe Chancen.

Aufmerksam gemacht wird ganz allgemein auch darauf, dass einige Banken wegen Kreditausfällen aufgrund der Krise noch über ein großes Immobilien-Portfolio verfügen. Oft seien diese Objekte aber entweder viel zu teuer oder entsprächen nicht den Wünschen der Käufer oder beides sei der Fall.

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Togofor-Homes in Vilamoura

Für 2017 zeigen sich die Fachleute verhalten optimistisch. „Ich rechne mit vielen Transaktionen. Unsere Kunden erkennen, dass sie eine sehr gute Chance haben, nun eine Qualitätsimmobilie oder ein Haus an der Küste zu kaufen. Wer als Interessent zu lange wartet, kann Pech haben, denn die besten Objekte werden schnell verkauft sein“, sagt Gross.

Sie freut sich über den „besten Januar seit 14 Jahren“. Es gebe auch sehr viele
junge Käufer, die aus Investitionsgründen ein Apartment erwerben wollten. Zudem kauften wesentlich mehr portugiesischsprechende Kunden an der Algarve.

Gross rechnet mit zwei Jahre dauernden Verhandlungen zwischen London und Brüssel über den so genannten „Brexit“, den Austritt Großbritanniens aus der EU. „Viele Briten, die große Algarve-Liebhaber sind, werden in dieser Zeit noch kaufen. Was danach geschieht, hängt vom Ergebnis der Verhandlungen ab“, erklärt Gross.

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Yellow Homes in Boliqueime

Ihr Kollege Humpenöder sieht das Transaktionsvolumen 2017 leicht zurückgehen – bei voraussichtlich weiter steigenden Preisen. Er rechnet mit einem Plus von etwa fünf Prozent. „Wie wir sehen, hinterlassen der Brexit und die Regierungspolitik von US-Präsident Trump ihre Spuren, die wirtschaftliche Erholung in Europa werden sie aber nicht aufhalten können“, mutmaßt er.

Immobilien in Portugal sind nach Humpenöders Worten “eine hervorragende Anlagemöglichkeit, auch für viele Investoren, die aufgrund überhitzter Preise im Heimatland und der andauernden Niedrigzinspolitik nach Alternativen suchen”.

Nicht frei von einigen Sorgenfalten auf der Stirn geht gleichzeitig mancher Makler-Blick hin zu den in diesem Jahr anstehenden Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland. Vermutet wird, dass Immigrations- und Globalisierungs-Gegner unter Umständen gestärkt aus den Urnengängen hervorgehen. Dass könne manchen Verbraucher verunsichern und zur Zurückhaltung veranlassen. Und das würde sich vielleicht dann auch auf einen Immobilienkauf im Ausland auswirken, hört man hinter vorgehaltener Hand.

 

Wie Immobilien-Portale die Entwicklung sehen

 

Aber was sagen zum Beispiel Immobilienportale im Internet zur Situation in Portugal und an der Algarve? Einen interessanten Markteinblick aus spezifisch portugiesischer Sicht vermitteln die Experten des Portals Imovirtual. Sie messen, wie sehr sich die durchschnittliche Zeitspanne verändert, in der eine auf dem Marktplatz angebotene Immobilie veräußert wird. 2016 verringerte sich diese Dauer laut Imovirtual bei Kaufimmobilien von fast elf auf gut acht Monate und bei Mietimmobilien von 3,4 auf 3,1 Monate gegenüber dem Vorjahr. Die kürzeste Verkaufsspanne seit Einführung der Analyse vor gut vier Jahren sei mit 6,7 Monaten im November 2016 gemessen worden.

imovirtual-logoEinbezogen in seine Anfang Januar durchgeführte Analyse hatte Imovirtual mehr als 130 Maklerunternehmen. Sie sind meist im unteren Preissegment tätig. Ein Viertel der Befragten habe von einer zunehmenden Zahl von Immobilien-Transaktionen im Jahr 2016 berichtet, gut die Hälfte von einer Stagnation und fast ein Fünftel von Rückgängen. Jeweils rund 50 Prozent der Immobilienvermittler hätten nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr neue Angebote aufnehmen und Besichtigungen durchführen können sowie steigende Preise registriert. 30 Prozent der Makler hätten eine positive Geschäftsentwicklung in ihren Aktivitäten festgestellt, so der Imovirtual-Bericht.

Haupthindernisse für eine noch bessere Entwicklung sähen die einheimischen Makler vor allem in der Instabilität des Arbeitsmarkts und somit der Einkommen, im Kaufkraft-Rückgang und in der Tatsache, dass vorhandene Immobilien-Angebote der Nachfrage oft nicht entsprächen, so die Experten des Portals.

idealista-logoDas Portal Idealista berichtete Anfang Januar, der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Hauskäufe an der Algarve habe Ende 2016 bei 1.457 Euro gelegen. Den höchsten Landeswert gibt das Portal für Lissabon an: im Schnitt koste der Quadratmeter dort 1.779 Euro.

Hier regional gestaffelte Quadratmeter-Preisangaben von Idealista für die Algarve, alphabetisch gelistet:

  • Albufeira 1.674 Euro
  • Castro Marim 1.813 Euro
  • Faro 1.233 Euro
  • Lagoa 1.292 Euro
  • Lagos 1.755 Euro
  • Loulé 1.789 Euro
  • Olhão 951 Euro
  • Portimão 1.248 Euro
  • Silves 1.173 Euro
  • São Brás de Alportel 959 Euro
  • Tavira 1.389 Euro
  • Vila Real de Santo Antonio 1.274 Euro

 

Durchschnitts-Angaben berücksichtigen Ausreißer bei Luxus-Immobilien nicht

 

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Reinhild Schulte Guerra. Foto: Engel & Völkers

Maklerin Reinhild Schulte Guerra vom Immobilien-Büro Engel & Völkers für das Gebiet Quinta do Lago und Vale do Lobo warnt jedoch vor einer Überbewertung solcher statistischer Durchschnitts-Angaben: „Dabei werden hauptsächlich Angebote aus dem unteren Preissegment ausgewertet. Da ist vollkommen klar, dass dabei unrealistisch niedrige Quadratmeter-Preise für den Gesamtmarkt herauskommen“.

Sie unterstreicht die extrem großen Unterschiede in den Algarve-Regionen an einigen Beispielen: „Ein Haus, das im Gebiet Quinta do Lago und Vale do Lobo einen Kaufpreis von zehn Millionen Euro erzielt, würde in Vilamoura für sechs bis acht Millionen Euro und in Albufeira und Lagos für rund drei bis vier Millionen Euro verkauft“. Und in Almancil und dessen hügeligem Hinterland könne man Villen mit bester Ausstattung und Aussicht erwerben, die in den luxuriösen Resorts direkt am Atlantik das Doppelte oder Dreifache kosten würden.

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Erich Gibson. Foto: Engel & Völkers

Erich Gibson, bei Engel & Völkers der Lizenznehmer für die Luxusvillen-Region Quinta do Lago und Vale do Lobo, bezeichnet die Entwicklung der vergangenen drei Jahre in diesem Segment als atemberaubend: „2013 litten wir hier noch massiv unter den Finanzkrisen-Folgen, aber 2014 ging schon wieder die Jagd auf preiswerte Schnäppchen los. 2015 war dann ein Wahnsinnsjahr. Alles was zu bekommen war, wurde gekauft“, erinnert sich der Makler. 2016 habe sich die Situation dann normalisiert und für 2017 komme es darauf an, ob  die weiterhin hohe Nachfrage mit genügend Zweitwohnsitz-Objekten zu reellen Preisen bedient werden könne.

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Engel & Völkers-Büro für Quinta do Lago und Vale do Lobo

Gibson beobachtet auch den Vermietmarkt in seiner Gegend sehr genau. Nach seinem Eindruck kann die Hoffnung aufgeben, wer seine Ferien in diesem Sommer in einer luxuriösen Ferienvilla in der Region Quinta do Lago und Vale do Lobo verbringen will und noch nicht gebucht hat.

„Das Gute ist praktisch schon komplett vergeben“, sagt er.

 

Zehn Merkmale eines guten Immobilien-Maklers

 

Wer eine Auslands-Immobilie kaufen oder mieten will, braucht in der bevorzugten Region einen qualifizierten Partner, dem er vertrauen kann. Woran Sie zum Beispiel einen guten Vermittler erkennen, hat die Redaktion des Algarve-Entdeckers hier einmal in einer Art Checkliste zusammengefasst – möglichst viele Fragen sollten Sie mit „Ja“ beantworten können:

  1. Macht das Maklerbüro deutlich, in welcher Region und mit welcher professionellen Erfahrung es arbeitet?
  2. Gibt der Vermittler klar an, in welchem Marktsegment (Kaufen, Mieten, Preiskategorie usw.) er schwerpunktmäßig tätig ist?
  3. Ist zu erkennen, ob der Makler im exklusiven Kundenauftrag tätig ist oder der Verkäufer/Vermieter des Objekts auch mit anderen Partnern arbeitet?
  4. Nimmt sich Ihr Gesprächspartner Zeit, Ihre individuellen Kriterien für eine Immobilie ganz genau zu erfragen?
  5. Sind die Mitarbeiter bestens informiert über Objektzustand, Verkäufer- bzw. Vermieter-Interessen usw.?
  6. Werden Sie zu sehr vielen verschiedenen Besichtigungen eingeladen oder konzentriert man sich auf einige passende Objekte, die präzise Ihren Wünschen entsprechen?
  7. Erscheint der Agent pünktlich zur Besichtigung?
  8. Ist eine Objekt-Besichtigung gut organisiert – oder fehlen etwa z.B. Schlüssel?
  9. Ist auch die anschließende Kommunikation gut, oder müssen Sie tagelang auf Telefonanrufe oder E-Mails warten?
  10. Kann das Maklerbüro bei Bedarf auch die Vertragsabwicklung begleiten (z.B. Finanzierung, Behördenangelegenheiten, Juristisches)?

 

Goldene Visa bringen Portugal 2,5 Milliarden Euro ein

Mit 2,5 Milliarden Euro von privaten Auslands-Investoren hat Portugal seit 2012 die Folgen der Finanzkrise etwas mildern können. Bürger Chinas, Brasiliens, Russlands, Südafrikas und des Libanons erkauften sich mit diesem Geld die meisten „goldenen Visa“ des EU-Landes. Entsprechende Zahlen dazu lieferte jetzt dessen Ausländer- und Grenzbehörde SEF. Ein weitaus stärkerer Investitionstreiber ist aber die zügige Vergabe von EU-Fördermitteln in Portugal, schreibt „Germany Trade and Invest“ (GTAI) in seiner neusten Stärken-/Schwächenanalyse.

Voraussetzung für goldene Visa für Staatsangehörige aus Nicht-EU-Ländern ist ein Kapitaltransfer von mehr als 500.000 Euro nach Portugal, zum Beispiel für den Kauf einer Immobilie. Auch die Schaffung von zehn Arbeitsplätzen oder der Einsatz einer Million Euro in einem portugiesischen Unternehmen führen zum Anspruch auf eine derartige Aufenthaltsgenehmigung, die zudem Reisefreiheit in den „Schengen“-Ländern verschafft.

Insgesamt stellte Portugal bislang 4.202 goldene Visa aus. In Portugal werden sie ARI genannt: AUTORIZAÇÃO DE RESIDÊNCIA PARA ATIVIDADE DE INVESTIMENTO. Auf Chinesen entfielen 73 Prozent, auf Brasilianer sechs Prozent. Russen, Südafrikaner und Libanesen haben unter den Begünstigten einen Anteil von jeweils weniger als drei Prozent.

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Zum Teil recht große Handelsgeschäfte wie das Casa China prägen zum Beispiel das Straßenbild hier in Portimao. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Kein Wunder also, dass überall in Portugal mittlerweile tausende von chinesischen Restaurants und Basaren auffallen. Mit ihren umfangreichen Sortimenten und sehr niedrigen Preisen sind die China-Geschäfte ortsansässigen portugiesischen Händlern jedoch manchmal ein Dorn im Auge.

Die Zahl der erworbenen Visa stieg seit der Einführung jährlich stark an – von zwei im Jahr 2012 auf 1.414 in 2016. Die spezielle Visa-Regelung, die zum Überwinden der Finanzkrise Investitionen nach Portugal ziehen sollte, erlaubte weiteren 6.637 Ausländern den befristeten Aufenthalt im Rahmen der Familienzusammenführung.

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Webseite der SEF für Golden Visa

Nach SEF-Angaben beliefen sich die Investitionen, die den Visaerteilungen zugrunde lagen, auf 2,5 Milliarden Euro. Davon entfielen 2,3 Milliarden Euro auf Immobilienkäufe und rund 251 Millionen Euro auf Kapitaltransfer.

Anträge für die goldenen Visa können bei der SEF in Portugal online gestellt werden. Sind die notwendigen Unterlagen und die Bearbeitungsgebühr eingegangen, wird innerhalb von drei Tagen eine Entscheidung getroffen. Zahlen die Interessenten dann noch eine weitere Gebühr, bekommen sie ihre „Autorização de Residência para Investimento“ ausgestellt. Sie ist zunächst ein Jahr gültig, kann aber verlängert werden. Nach sechs Jahren kann die Einbürgerung beantragt werden.

 

2014 Affäre um käufliches Bleiberecht in Portugal

 

Vor gut zwei Jahren erlebte Portugal einen Schmiergeldskandal um das käufliche Bleiberecht, in dessen Verlauf hohe Beamte des Grenzschutzes und des Justizministeriums festgenommen wurden. Der Innenminister trat im November 2014 in Folge der Affäre zurück.

Übrigens verkauft nicht nur Portugal Aufenthaltsrechte. Auch in anderen Ländern der europäischen Union wird mit Visa gehandelt (laut FAZ-Recherche Spanien, Griechenland, Belgien, Niederlande, Großbritannien, Kroatien und Lettland) und zum Teil auch mit Pässen (Malta, Bulgarien, Österreich) – nicht unbedingt zur Freude von Parlament und Kommission der EU. Die EU kann dagegen nichts unternehmen, denn die Verleihung der Staatsangehörigkeit und eines Aufenthaltsrechtes fällt ausschließlich in die Kompetenz der Mitgliedsländer.

 

Portugal lockt vermögende Privatleute auch mit Steuervorteilen

 

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Illustration aus einer portugiesischen Broschüre zum NHR-Status. Quelle: AT

Portugal versucht inzwischen zudem mit einer speziellen Steuervorteils-Regelung, vermögende Privatpersonen aus dem Ausland anzulocken. „Non-habitual Resident“ heißt das Stichwort. Wer diesen Status als „nicht gewohnheitsmäßiger Einwohner“ zuerkannt bekommt, weil er seinen Wohnsitz nach Portugal verlegt, hat diverse Vorteile.

Solche Personen werden unter bestimmten Bedingungen für zehn Jahre von der Einkommenssteuer auf Altersbezüge wie Renten und Pensionen sowie auf Tantiemen, Dividenden und Zinsen befreit, die aus dem Ausland kommen.

Das portugiesische Steuerspar-Programm ist vor allem für solche Ausländer attraktiv, die zum Beispiel an der sonnigen Algarve von den derzeitigen Preisen für Immobilien profitieren wollen, die nach der Finanzkrise immer noch etwas preiswerter gehandelt werden als vorher. Der Markt profitiert von diesen Käufern, weil sie einen starken Anreiz haben, erworbenes Eigentum während der zehnjährigen Zeit der Steuerbefreiung zu halten. Experten beobachten, dass besonders viele Nordeuropäer die Vorteile des NHR-Status nutzen.

Und dies sind weitere wichtige Vorteile der portugiesischen Steuerregelung für Ansässige ohne ständigen Wohnsitz:

  • Für zehn Jahre Besteuerung mit einem fixen Lohnsteuersatz von 20 Prozent auf die in Portugal verdienten Einnahmen
  • Keine Doppelbesteuerung bei Einkommen aus Renten und selbstständiger oder abhängiger Beschäftigung im Ausland

 

GTAI: Mehr als 25 Milliarden Euro EU-Mittel können nach Portugal fließen

 

Beim Investitionsmotor aufs Gas drückt Portugal zudem durch beschleunigte Vergabe von Fördermitteln der Europäischen Union. So können Unternehmen und Gemeinden bis 2022 mehr als 25 Mrd. Euro abrufen – für Modernisierung in der Land- und Entsorgungstechnik, für Kläranlagen, für effiziente Heizung/Kühlung und Gebäudeenergietechnik sowie Produkt- und Prozessinnovationen in Unternehmen.

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Wird auf dem Genfer Autosalon vorgestellt: Neuer Kompakt-SUV von VW aus Portugal. Modellbild: Hersteller

„Diese Ausrichtung schafft Chancen auch für deutsche Anbieter, da die Ausrüstungsinvestitionen Portugals einen hohen Importanteil haben“, sagt GTAI-Expertin Miriam Neubert. Wachsen sieht ihre Institution zum Beispiel die Kfz-Produktion an vier Standorten in Portugal sowie in Autowerken des benachbarten Spaniens. Nur 2016 sei die Herstellung von Automobilen vorübergehend zurückgegangen, weil das Volkswagenwerk Autoeuropa seine Produktionstechnik bei Modellen mit quer eingebauten Motoren und Getrieben auf ein neues modulares Baukastensystem umgestellt habe. Im zweiten Quartal soll in Setubal nun die Produktion eines kompakten SUV starten.

Stärken Portugals

Schwächen Portugals

  • Motivierte Arbeitnehmer, gutes, zum Teil sehr gutes akademisches Niveau
  • Hohe Produktivität in modernen Betrieben bei niedrigen Lohnkosten
  • Gute Straßeninfrastruktur
  • Hohe Lebensqualität und Sicherheit
  • Unkomplizierte Unternehmensgründung
  • Verschuldungsgrad des öffentlichen und privaten Sektors
  • Strukturelle Wachstumsprobleme und im EU-Vergleich niedrigere gesamtwirtschaftliche Produktivität
  • Periphere Lage
  • Noch unbefriedigendes Schul- und berufliches Ausbildungswesen
  • Niedrige Forschungs- und Entwicklungs-Ausgaben

Quelle: GTAI

 

Niedrigste Arbeitskosten Westeuropas nach wie vor in Portugal

 

Zwar ist der Mindestlohn Anfang Januar auf 557 Euro angehoben worden, doch nach GTAI-Angaben sind die Lohnkosten die niedrigsten in Westeuropa. Das Engagement ausländischer Unternehmen gehe inzwischen über die Produktion hinaus und umfasse Investitionen in Entwicklungs- und Dienstleistungszentren. Portugal sei zwar technologisch aufgeschlossen, doch bestehe – um die Gesamtwirtschaft produktiver zu machen – Nachholbedarf bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung und für Innovationen.

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Für Portugals sauberen Strom muss der Weg nach Europa erst noch geebnet werden. Foto: GTAI/Amprion

Seine Randlage in Südwesteuropa suche Portugal durch die Verbindungen nach Afrika (besonders Angola und Mosambik), den Ausbau und die bessere Anbindung der Hafeninfrastruktur in ein Plus umzumünzen, ist in dem jüngsten GTAI-Bericht zu lesen. Dank der durch die Atlantikinseln Azoren und Madeira zehntgrößten Meereswirtschaftszone der Welt sehe Portugal die Chance, mit Hilfe von EU-Mitteln sein maritimes Potenzial nachhaltiger zu nutzen. Die bessere Nutzung der reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen Sonne und Wind sehen die deutschen Experten für Außenhandel und Investitionen mit dem Ausbau der Interkonnektivität zwischen Spanien und Frankreich. Dann sei auch Portugals Strom der Weg nach Europa geebnet.

Hier der GTAI-Blick auf die Chancen und Risiken des Landes:

Chancen Portugals

Risiken Portugals

  • Leistungsfähige Zulieferer und Auftragsfertiger
  • Kooperation bei Forschung und Entwicklung mit technologischen Start-ups
  • Wachsende Kfz-Produktion auf der iberischen Halbinsel macht Portugal für Zulieferer interessant
  • Hohes Potenzial bei erneuerbaren Energien, sobald ausreichende Interkonnektivität gegeben
  • Große Zahlen an mit EU-Mitteln geförderten Projekten zu Umwelttechnik, Effizienz, Meereswirtschaft
  • Liquidität durch Europäische Zentral-Bank hängt am Investment-Grade einer einzigen Ratingagentur
  • Hohe Abhängigkeit von der Zinsentwicklung
  • Zunehmender Anteil notleidender Unternehmenskredite
  • Strukturelle Arbeitslosigkeit
  • Unsicherheiten über den politischen Kurs hinsichtlich nötiger Reformen

Tesla sagt „Ola“ in Portugal

Der US-Elektroautobauer Tesla verkauft seine sportlich-eleganten S- und X-Wagen seit dem 27. Januar auch direkt in Portugal. Ob Eigentümer und Milliardär Elon Musk zudem die Produktion von Lithium-Batterien in das Land an der Südwestspitze Europas vergibt, steht aber noch nicht fest. Rund 50.000 Personen engagieren sich unterdessen in einer Facebook-Gruppe „Bring Tesla Gigafactory to Portugal!“ dafür, dass die Fabrik ins Land kommt. Konkurrenten sind allerdings zum Beispiel Deutschland, Spanien, Frankreich, die Niederlande und einige osteuropäische Staaten.

Mehrere portugiesische Gemeinden sähen sich als idealer Standort für die Produktionsstätte für Tesla-Batterien, hatte schon kurz vor Weihnachten die Deutsche Welle berichtet. Die ersehnte Fabrik solle bis zu 17.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze in Portugal schaffen und dem Land rund fünf Milliarden Euro an Investitionen einbringen.  Wirtschaftsminister Manuel Caldeira Cabral wurde mit den Worten zitiert „Die Regierung verfolgt den Prozess und hat auch schon Kontakte geknüpft“.

 

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Dürften bald häufiger auf Portugals Straßen fahren: Elektromobile von Tesla. Foto: Tesla

Es dürfte um Steuergeschenke, Finanzhilfen, kostenlose Infrastrukturmaßnamen sowie Unterstützung durch EU-Zuschüsse gehen. Für Portugal spräche, dass seine Zulieferindustrie europäisches Niveau hat, aber deutlich günstigere Lohnkosten als andere Länder und eine moderne Hafen- und Straßen-Infrastruktur bieten kann. Das Land ist sechstgrößter Produzent des Metalls Lithium, das für die Batterien verwendet wird.

Die größte Mine für den Lithiumabbau liegt in Guarda, in der Mitte Portugals. Aber auch in der Nähe der Küstenstadt Viana do Castelo im Norden Portugals will ein ausländisches Unternehmen nach dem Erz graben. Derzeit nimmt eine Arbeitsgruppe des Lissaboner Energie-Ministeriums die Bestände des Rohstoffs im Lande auf und prüft, wie die Lithiumvorkommen in Portugal zu dem Metall für die Batterien verarbeitet werden könnten.

 

Mitbewerber auch aus Norddeutschland und Holland

 

Portugal den Rang ablaufen wollen jedoch die deutschen Kommunen Dörpen und Papenburg im Emsland. Zudem sind Bremerhaven und Wilhelmshaven als mögliche Produktionsstandorte für Tesla ins Rennen gegangen. Als Favorit sieht sich derzeit allerdings der Norden der Niederlande – die Provinzen Drenthe, Friesland und Groningen: In Tilburg werden bereits Monks Elektromobile für Europa montiert. Ins Gespräch gebracht haben sich aber auch Eemshaven im Norden der Niederlande sowie Eindhoven, Rotterdam und Born. Die europäische Tesla-Zentrale ist bereits in Amsterdam ansässig.

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal liebäugelt mit dem Atomkraftwerks-Standort Fessenheim im Elsass als Tesla-Produktionsstätte. Wegen der für 2018 vorgesehenen Schließung des pannenanfälligen Atommeilers benötigen in der Region rund 2.000 Beschäftigte eine neue Arbeitsstelle. In Spanien brachte sich die bei Valencia gelegene Stadt Paterna ins Gespräch. Sie verweist auf viele Automobilzuliefer-Betriebe in der Umgebung des dortigen Ford-Werks. Wer von den insgesamt rund 300 Bewerbern den Zuschlag Musks erhält, soll dem Vernehmen nach Mitte des Jahres entscheiden werden.

 

Rund 100 Tesla-Besitzer in Portugal?

 

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Spanien hat bereits einige normale (schwarz) und ultraschnelle Ladestationen (rot) für Teslas. Das Nachbarland Portugal zieht demnächst nach. Illustration: Tesla/Google Maps

In Portugal hatten sich einige Elektromobil-Enthusiasten bislang dafür entschieden, das Tesla-Modell selbst zu importieren. Nachteil: Sie hatten so keinen Zugriff auf die Garantie des Herstellers. Bei der Ersatzteil-Beschaffung mussten die Tesla-Besitzer die Versandkosten selbst übernehmen und hatten auch zusätzliche Belastungen für Überführung und Anmeldung. So gründeten sie eine Tesla-Eigentümergemeinschaft und drängten den kalifornischen Autohersteller dazu, eine Präsenz in Portugal zu errichten und Wartungsdienste anzubieten. Chef Elon Musk teilte seine Zustimmung mit einer Ein-Wort-Antwort auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit: „OK“.

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Bald auch in Lissabon: Showroom für kalifornische E-Autos. Foto: Tesla

Nunmehr verfügt Tesla also über einen Verkaufsrepräsentanten in Lissabon (Telefon ++351 800 180 430). Ein Showroom und ein Servicezentrum sollen bald folgen. Erste Lieferungen sind für das zweite Quartal geplant. Vorbei sind somit die Zeiten, in denen portugiesische Autofahrer ihre Tesla-Karossen noch in anderen Ländern kaufen und dann importieren oder zur Inspektion in die nächstgelegenen Werkstätten nach Marseille oder Bordeaux fahren mussten. Geschätzt wird, dass es derzeit rund 100 Tesla-Besitzer in Portugal gibt.

 

Ultraschnelle Ladestationen in Nord-, Mittel- und Süd-Portugal

 

Von der zweiten Jahreshälfte an sollen die Tesla-Fahrer mit ihren Modellen S und X auch auf ein Netz an Ladestationen im Norden, in der Mitte und im Süden des Landes zurückgreifen können. Vorarbeiten werden in den nächsten Wochen beginnen. Später im Jahr 2017 soll in Portugal auch das Model 3 eingeführt werden. Derzeit bringt Tesla es gerade in Taiwan, Südkorea und Neuseeland auf den Markt.

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Auch in Portugal geplant: schnelle Supercharger-Ladestationen. Foto: Tesla

Auf der Internetseite von Tesla Portugal ist es möglich, Testfahrten zu vereinbaren und Kaufaufträge zu platzieren. Die Preise beginnen knapp über 76.000 € Euro für die Basisversion des Model S mit einer Batterie von 60 kWh (maximale Reichweite von 400 km). Die Preise im portugiesischen Online-Shop von Tesla liegen unter denen in Spanien, aber über denen in Frankreich. Für das Modell 3, bei dem weltweit bereits mehr als 400.000 Aufträge vorliegen sollen, gibt es noch keine Preisangaben für den europäischen Markt. In den USA liegt der Preis bei 35.000 Dollar.

 

Gebrauchte Teslas schon auf dem portugiesischen Markt

 

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Gebrauchte portugiesische Teslas im Angebot. Screenshot: Standvirtual

Am Tag des ersten offiziellen Marktauftritts von Tesla in Portugal meldete sich gleich die Auto-Plattform Standvirtual zu Wort. Sie wies darauf hin, dass über sie schon seit März 2016 fünf gebrauchte Tesla-Modelle zu Preisen ab 65.615 Euro erworben werden könnten.

Ausstellungswagen seien in Barcelos und Lissabon zu besichtigen.

Teppiche weben aus Kork: Portugal macht immer mehr aus der Eichenrinde

 

Portugal kombiniert neuerdings zwei traditionelle Herstellungstechniken – die von Kork und von gewebten Teppichen wie Beiriz oder Arraiolos. Heraus kommen die ersten gewebten Kork-Teppiche der Welt. Treibende Kraft hinter der neuen Produktidee sind Designerin Susana Godinho und Manager Sónia Andrade. Beide haben in Mozelos, südlich der Stadt Porto, das Start-up TD Cork – Tapetes Decorativos com Cortiça, Lda., gegründet. Gefördert wird es von Amorim Cork Ventures (ACV). Dabei handelt es sich um den weltweit einzigen Inkubator, also eine Art Unternehmens-„Brutkasten“, der sich ausschließlich dem Geschäft mit Kork widmet. Der Rohstoff wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen, die in Portugal vor allem an der Algarve und im Alentejo verbreitet ist.

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So wird der Kork aus der Eichenrinde gewonnen. Foto: Amorim

„Die einzigartigen Eigenschaften von Kork gaben mir die Möglichkeit, ein innovatives Produkt zu entwickeln und einen Korkteppich in Kombination mit anderen Materialien herzustellen“, erläutert Susana Godinho. 2014 brachte sie die Idee in einen Wettbewerb des Wagniskapitalfonds Amorim Cork Ventures ein. Die neue Herstellungsmethode ist mittlerweile patentgeschützt und die Produktmarke unter dem Namen SUGO CORK RUGS® eingetragen.

Den Mehrwert der neuen Teppichmarke sieht die portugiesische Designerin vor allem in den natürlichen Merkmalen des Korks, der Vielzahl von Mustern und Farben und dem neuartigen kreativen Konzept. Produktvorteile seien zudem Haltbarkeit, Wärme- und Schall-Dämmung, Feuchtigkeitsresistenz und vermindertes Allergie-Risiko.

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Kork-Teppich im Außeneinsatz. Foto: Sugo Cork Rugs

Neben Kork werden für die vielseitigen und funktionellen Teppiche auch portugiesische Wolle und Baumwolle, recycelt aus großen Industrieproduktionen, verarbeitet.

Die Kollektion kombiniert einfache und stilvolle Arbeiten mit kühneren Lösungen, welche die natürliche Farbe des Korks mit einer oder mehreren Farben der verwendeten Textilfasern ergänzen.

 

Kork-Teppiche haben großes Potenzial im Weltmarkt

 

„Wir haben sofort erkannt, dass die Idee ein großes Potenzial für den Weltmarkt hat“, stellt Nuno Barroca, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Corticeira Amorim Ventures fest: „Ein mit einem Webstuhl hergestellter Korkteppich ist eine ganz besondere Innovation“. Als Erfolgsgaranten sieht er die „ästhetische Vielseitigkeit der Kollektion“ und die Tatsache, dass Kork mit anderen nachhaltigen Materialien kombiniert werde. „Das erfüllt einen der wichtigsten Ansprüche für den  Erfolg im Innenarchitekturmarkt“, so der Geschäftsmann.

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Dieser Teppich-Webstuhl kann Kork verarbeiten. Foto: Amorim

Zusammen mit dem Start-up investierte der portugiesische Wagniskapitalgeber nach der Inkubationsphase in entsprechende Produktionsanlagen und in die Markteinführung der ersten gewebten Korkteppiche. Portugal gilt bei beidem als Weltmarktführer: bei der Kork-Produktion und der Herstellung von Teppichen. Bekannt sind vor allem Beiriz- oder Arraiolos-Teppiche. Beide sind auf das mittlere und obere Marktsegment ausgerichtet, in dem sich auch SUGO CORK RUGS (www.sugocorkrugs.com) positioniert haben. Vorrangige Vertriebskanäle für die gewebten Kork-Teppiche sind spezialisierte Einzelhandelsgeschäfte sowie Partnerschaften mit Designfirmen und Architekturstudios in den wichtigsten Zielmärkten. TD Cork als neu gegründetes Unternehmen ist bereits international zertifiziert von Pending BCorp. Diese Organisation bewertet Unternehmen auf Basis deren ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Leistungen.

 

Erstes Kork-Start-up Portugals ging 2016 mit neuartigen Flipflops in den Markt

 

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Seit 2016 auf dem Markt: portugiesische Kork-Flipflops. Foto: Asportuguesas

Schon im Frühjahr 2016 hatte mit Ecochic im knapp 30 Kilometer südlich von Porto gelegenen Mozelos ein anderes von Amorim Cork Ventures gefördertes Start-up seine Geschäftstätigkeit aufgenommen. Es vertreibt unter dem Markennamen ASPORTUGUESAS eine Kollektion von 11 neuartigen Kork-Flipflop-Modellen als vielseitige, anspruchsvolle Fußbekleidung, die gleichzeitig lässig und umweltfreundlich ist.

Die portugiesischen Flipflops zeichnen sich nicht nur durch ihre organische und komfortable Korksohle aus, sondern auch durch eine Palette an frohen Farben. Laut Ecochic-Gründer Pedro Abrantes bietet das innovative Design der Flipflop-Sohlen mehr Komfort beim Gehen, ergonomischere und komfortablere Riemen, eine widerstandsfähigere Verbindung zwischen Riemen und Sohle sowie bessere Griffigkeit auf nassen Wegen.

Abrantes nennt die innovativen Produkte „egofriendly footwear“: „Sie richten sich an Männer und Frauen, die Wert auf Design und Qualität der Rohstoffe legen – und darüber hinaus noch Spaß haben wollen. Diese Flipflops sind für den Strand geeignet, aber auch an die städtischen Bedingungen angepasst“. Die ASPORTUGUESAS sind in Concept-Läden und Multimarken-Filialen des Schuhhandels erhältlich sowie online unter www.asportuguesas.shoes.

 

Wissenswertes über Kork

 

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Portugal liefert rund die Hälfte der Welt-Korkproduktion. Foto: Amorim

Die Korkeiche (lat. Quercus suber) ist ein immergrüner Laubbaum, der stark im westlichen Mittelmeerraum beheimatet ist, insbesondere in Portugal. Dort gibt es, vor allem im Hinterland der Algarve und im Alentejo, mehr als 720.000 Hektar Korkeichenwälder, die für hochwertigen, nachwachsenden Rohstoff sorgen. Die Korkindustrie hat erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für das Land im Südwesten Europas. Der Produktionsanteil Portugals liegt bei rund 50 Prozent. Spanien erzeugt 30 Prozent, Marokko, Algerien und Tunesien zwischen sechs und vier Prozent, Italien drei Prozent und Frankreich zwei Prozent des Korks in der Welt.

Korkeichenbestände gelten als widerstandsfähig bei Waldbränden, mindern die Erosion, speichern gut Wasser und helfen sehr mit, die Bildung von Wüsten zu vermeiden. Ferner binden die Korkeichenbestände in der Mittelmeerregion so viel Kohlendioxid, dass damit der jährliche Ausstoß von deutlich mehr als drei Millionen Autos neutralisiert werden kann.

Eine ausgewachsene Korkeiche erreicht rund zwei bis fünf Meter Stamm-Umfang und bis zu 30 Metern Höhe. Wird sie gut gepflegt und bewirtschaftet, kann sie bis zu 250 Jahre alt werden. In Portugal und Spanien dient der Korkeichenwald einigen Tieren wie etwa dem Pardelluchs, dem spanischen Kaiseradler und der Grosstrappe als Lebens- und Rückzugsraum. Er ist hier auch das Überwinterungsgebiet von mehr als 50.000 Kranichen aus ganz Europa.

Rund 30 Jahre nach seiner Pflanzung wird ein solcher Baum interessant für die Korkgewinnung: Erst dann kann die Rinde erstmals vom Stamm geschält werden. Danach ist das alle acht bis zwölf Jahre möglich. Geschält wird höchstens ein Drittel der Rinde eines Baums. Bei jeder Schälung liefert ein Stamm zwischen 50 bis 150 Kilogramm. Schäden erleidet die Korkeiche beim Schälen nicht, sondern es wird dadurch die Neubildung der Rinde angeregt. Denn als einer der wenigen Bäume ist die Korkeiche in der Lage, die Rinde immer wieder neu zu bilden. Sie ist stark elastisch und besteht hauptsächlich aus Zellulose. Die ungewöhnliche Robustheit der Rinde schützt die Korkeiche gut vor Dürren, Feuersbrünsten und mechanischen Beschädigungen.

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Sogar als strapazierfähiger Ersatz für Sitzbezüge in Straßenbahnen kann Kork eingesetzt werden. Foto: Siemens

Hier die wichtigsten Vorteile der Korkeichen-Rinde: sehr leicht, elastisch und komprimierbar, undurchlässig für Flüssigkeiten und Gase, sehr gute Wärme- und Schall-Dämmung, feuerhemmend, hoch abriebfest, allergiehemmend und mit angenehmer Oberfläche.

Die Korkeiche wird in Portugal häufig als Symbol eingesetzt. So führen viele Städte den charakteristischen Baum in ihrem Wappen geführt. Aus Anlass der EU-Präsidentschaft Portugals ließ das Land 2007 eine Zwei-Euro-Gedenkmünze mit dem Symbol der Korkeiche prägen

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Neues Allzeithoch für Algarve- und Portugal-Tourismus in 2016

Mehr und mehr Menschen genießen die touristischen Vorzüge der Algarve und Portugals. Der Flughafen Faro, dessen 35 Millionen Euro teurer Umbau im Juli beendet sein soll, konnte deshalb jetzt für 2016 neue Rekordzahlen vermelden: 7,63 Millionen Passagiere und gut 53.000 Flugbewegungen – jeweils ein Plus von gut 18 Prozent. Und in ganz Portugal hat laut amtlicher Statistik die Zahl von Touristen und Übernachtungen allein von Januar bis November 2016 bereits um jeweils zehn Prozent zugenommen. Die Erträge wuchsen in diesem Zeitraum sogar noch stärker – um 17 Prozent. Nach frühzeitigen EU-weiten Schätzungen, die sowohl Geschäfts- als auch Urlaubsreisen beinhalten, kam Portugal hingegen im Gesamtjahr 2016 auf ein Übernachtungsplus von 1,7 Prozent. Das läge knapp unter dem Durchschnitt der Europäischen Union (zwei Prozent).

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Die Algarve-Hotels rüsten sich derzeit für die Saison 2017. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Laut einem am 16.Januar veröffentlichten Bericht der Statistikbehörde INE allerdings registrierte ganz Portugal bis November 2016 bereits rund zehn Prozent mehr Gäste (18 Millionen) und Übernachtungen (51 Millionen) in Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahrs. Die daraus resultierenden Gesamterträge stiegen in diesen elf Monaten um mehr als 17 Prozent auf über 2,7 Milliarden Euro. Inwieweit die unterschiedlichen Einschätzungen auf die Erhebungsmethode (Ein- oder Ausschluss von Geschäftsreisen bzw. bestimmten Beherbergungsbetrieben) zurückgehen, blieb zunächst unklar.

 

Die Übernachtungen von Portugiesen nahmen nach den INE-Angaben im Land um fünf, die von Ausländern um elf Prozent zu. Die Algarve verzeichnete in den von INE ausgewerteten elf Monaten des vergangenen Jahres einerseits ein kleines Übernachtungs-Minus von knapp einem Prozent bei Inländern, andererseits aber ein großes Plus von fast zwölf Prozent bei Touristen aus dem Ausland. Um vor allem mehr Gäste aus den USA und Brasilien an die Algarve bringen zu können, kündigte die  Fluggesellschaft TAP Portugal an, ab 10. Juni acht mehr Flüge Lissabon-Faro pro Woche durchzuführen. Damit werde häufig geäußerten Wünschen der Region entsprochen.

 

Deutlich mehr Amerikaner, Polen und Franzosen, aber weniger Portugiesen übernachten

 

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Veränderungen in der Gäste-Struktur der Algarve 2016 (gelbe Balken). Quelle: AHETA

Bei den Zuwachsraten der ausländischen Gäste lagen diesmal im gesamten Land Portugal Amerikaner und Polen mit je 20 Prozent mehr Übernachtungen vorn, noch vor Franzosen (+ 18), Schweizern (+ 15), Niederländern (+ 13) sowie Italienern, Iren und Brasilianern (jeweils rund + 11). Die Zahl der Übernachtungen von belgischen, deutschen und britischen Gästen in Portugal wuchs jeweils um fast 10 Prozent. Spanier sorgten im Nachbarland für neun Prozent mehr Übernachtungen, Schweden für ein Plus von knapp sechs Prozent.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer aller Gäste verminderte sich um fast ein halbes Prozent auf 2,8 Übernachtungen. An der Algarve hingegen lag der Wert höher – bei 4,2 Nächten, was einem Wachstum um gut vier Prozentpunkte im Vergleich mit der gleichen Periode 2015 entspricht. Die Bettenauslastung gibt die portugiesische Statistikbehörde mit 50 Prozent an (plus 2,4 Prozentpunkte). Auffällige Steigerungsraten gab es zudem vor allem bei der Zahl ausländischer Gäste auf portugiesischen Campingplätzen (plus 12 Prozent) sowie in Feriendörfern und Hostels (plus 20 Prozent).

 

Gut 25 Prozent höhere Erträge der Algarve-Hotellerie

 

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So stark sind in der Algarve-Hotellerie seit Januar 2012 (= 100 Prozent) die Gesamterträge (blaue Linie) und die Erträge nur aus Übernachtungen (rot gestrichelte Linie) gewachsen. Quelle: INE

Kein Wunder, dass sich die Einnahmen von klassischen Hotels, Appartement-Hotels, Pousadas, Touristen-Appartements, Touristen-Dörfern und anderen Beherbergungs-Betrieben in Portugal von Januar bis November 2016 positiv entwickelten. Während die Gesamterträge in ganz Portugal um 23,6 Prozent anwuchsen, lag der entsprechende Wert an der Algarve sogar noch um rund zwei Prozent höher. Es konnte im gesamten Land ein Durchschnittsertrag pro Zimmer von gut 44 Euro erzielt werden (plus 14 Prozent). An der Algarve lag das Ertragsplus pro vermietetem Raum sogar bei gut 24 Prozent.

 

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Auslastungsrate der Zimmer von Algarve-Hotels im Jahr 2016. Die grünen Balken geben die prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr an. Quelle:

Zahlen des Algarve-Hotellierverbands AHETA (sie Grafik oben) ist zu entnehmen, dass 2016 die durchschnittliche Zimmerauslastung in jedem Monat über dem Vorjahreswert lag. Am stärksten übertroffen wurden die Auslastungswerte im März und November und am schwächsten im Hochsaison-Monat August. Die AHETA-Statistik weist hinsichtlich der Herkunftsländer die größten Veränderungen beim Anteil von Touristen aus dem Vereinigten Königreich (plus 2,3 Prozentpunkte) und den Niederlanden aus (plus 0,7 Prozentpunkte). Zum Vergleich: Der Anteil deutscher Gäste erhöhte sich um 0,3 Prozentpunkte, während der von portugiesischen Urlaubern um einen Prozentpunkt sank.

 

Auch weltweit wuchs der Tourismus 2016 robust

 

Wie die Welt-Tourismusorganisation UNWTO kürzlich mitteilte, registrierten die Zielorte 2016 mit 1,2 Milliarden Reisenden fast vier Prozent mehr Urlauber. Das entspricht einer Zunahme von 46 Millionen Touristen (Übernachtungsgästen) gegenüber dem Vorjahr. 2016 sei seit der jüngsten weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise das siebte Jahr in Folge mit nachhaltigem Wachstum im Tourismus gewesen. Eine vergleichbar solide und stetige Entwicklung habe es zuletzt in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegeben, so die Organisation in Madrid, die sich auf vorläufige Zahlen und Schätzungen stützt. Gegenüber dem Vorkrisen-Rekord von 2008 seien im vergangenen Jahr rund 300 Millionen mehr Touristen in der Welt unterwegs gewesen, hieß es.

unwtoIn Europa habe es unterschiedliche Entwicklungen gegeben, steht im Welt-Tourismus-Barometer der Unterorganisation der Vereinten Nationen. Einige Ziele seien von „Herausforderungen in Sachen Sicherheit“ betroffen gewesen. Ankünfte internationaler Gäste in Europa hätten 2016 die Zahl von 620 Millionen erreicht, mit 12 Millionen mehr als 2015 waren das plus zwei Prozent.  Während Nordeuropa auf ein Wachstum von sechs und Mitteleuropa von vier Prozent kam, nahmen die internationalen Ankünfte im Mittelmeerraum Südeuropas – zu dem auch Portugal gehört – nur um ein Prozent zu. Westeuropa konnte laut UNWTO 2016 kein Wachstum verzeichnen.

 

EU: Frankreich und Vereinigtes Königreich büßten erheblich an Übernachtungen ein

 

Für die Europäische Union meldete die Luxemburger Statistikbehörde Eurostat am Dienstag, 24. Januar, ein Wachstum von zwei Prozent bei den Übernachtungen im Jahr 2016. Damit hält der stetige Zuwachs seit 2009 an. Spanien (plus 7,8 Prozent) baute seine Spitzenposition bei den Übernachtungen aus. Es folgten Frankreich (minus 4,6 Prozent) und Italien (plus 0,5 Prozent) sowie Deutschland (plus 2,8 Prozent) und das Vereinigte Königreich (minus 4,5 Prozent).

Die größten Zunahmen bei der Zahl der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben konnten osteuropäische Länder wie Bulgarien und die Slowakei verbuchen, gefolgt von Polen und Zypern. Für Portugal meldete EUROSTAT ein Übernachtungsplus von 1,7 Prozent im Gesamtjahr 2016, hauptsächlich verursacht von Ausländern (plus vier Prozent). 2,7 Prozent weniger Portugiesen übernachteten in Beherbergungsbetrieben des Landes.

 

Portugal für Start-up-Förderung im Tourismus ausgezeichnet

 

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UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai bei der Ehrung in Madrid. Foto: UNWTO

Mit seinem Programm „Tourismus 4.0“ ist Portugal am 18. Januar beim Innovationspreis-Wettbewerb der Welt-Tourismusorganisation UNWTO als „First Runner-Up“ ausgezeichnet worden. Die Organisation Turismo de Portugal nahm die Ehrung auf einer Gala in Madrid entgegen. Sieger in der Kategorie Forschung und Technologie wurden die Niederlande mit einem Rechner für den CO2-Ausstoß bei Pauschalreisen. Ins Finale war auch Spanien mit einer Enzyklopädie des Tourismus gekommen. Das Nachbarland wurde damit Drittplatzierter.

In seiner Tourismus 4.0-Initiative bündelt Portugal sechs Aktivitäten zur Förderung junger, innovativer Firmenneugründungen im Bereich Fremdenverkehr. Es handelt sich dabei um Lisbon Challenge, Discoveries Travel & Tourism Startup Accelerator, Smart Open Lisboa, Tourism Creative Factory, Lisbon Investment Summit und Tech Tour.

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Weitere drei Kategorien für den Innovationspreis, der zum 13. Mal vergeben wurde, waren Politik und Verwaltung, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen. Insgesamt 12 Finalisten, die aus dem Kreis von 150 Bewerber aus 55 Ländern hervorgegangen waren, hatten am Rande der Messe FITUR 2017 um die Gunst der Juroren in Madrid gewetteifert.

In der Kategorie „Innovation in Forschung und Technologie“ zeichnet die UNWTO-Jury stets solche Initiativen aus, bei denen eine wegweisende Vision zu erkennen ist und welche durch Einsatz moderner Technologie helfen, Chancen für nachhaltigen Tourismus zu verbessern. Es müssen Beweise für die Umsetzung neuer Ansätze in die Praxis und für messbare Auswirkungen auf den Tourismus vorgelegt werden.

 

2017: Jahr des nachhaltigen Tourismus‘

 

unwto-nachhaltigkeitsjahr-logoZwei Tage nach der Preisauszeichnung eröffnete die UNWTO offiziell das Internationale Jahr für nachhaltigen Tourismus im Dienst der Entwicklung. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte schon im Dezember 2015 den Schwerpunkt für dieses Jahr festgelegt.

Algarve: Deutsche Fußball-Fans waren heiß auf Wintertrainingslager

Vier deutsche Fußball-Klubs – von der ersten bis zur vierten Liga – haben ihre Wintertrainingslager an der Algarve, im Land des Europameisters, erfolgreich beendet. „Perfekte Bedingungen“ ist das am häufigsten gehörte Urteil  im Gespräch mit Spielern, Trainern und Fans vor Ort. Aber hier und da gab es auch interessante Nuancen in der Bewertung durch Leipziger, Stuttgarter, Duisburger und Lübecker, die zwischen dem 4. und 20. Januar im sonnigen Süden weilten – und zum Abschluss sogar noch ein paar leichte Schneeflocken bestaunen konnten, die eine außergewöhnliche Kältewelle an die Ostalgarve blies… – Am Ende des Beitrags finden Sie die Ergebnisse der deutschen Testspiele sowie Links zur Berichterstattung der Vereine.

Die Abneigung deutscher Fußball-Klubs, 2017 wieder in das zur Wintertrainings-Hochburg aufgestiegene Belek in der Türkei zu reisen, hätte dem Süden Portugals die Chance geboten, den bereits erlittenen Rückstand gegenüber Konkurrenz-Destinationen wie Spanien, Florida oder Golfstaaten wieder wettzumachen. Aber warum scheint das nicht gelungen zu sein? Der Algarve-Entdecker fragte direkt bei der ATA nach, der Associação Turismo do Algarve. Sie kümmert sich unter anderem auch um die Förderung von Natur-, Gesundheits- und Sport-Tourismus.

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Der Verband in Faro leitete die Anfrage an seine deutsche PR-Agentur in München weiter. „…Detaillierte Informationen über die Entwicklung dieses Marktsegments sind gegenwärtig für uns nicht verfügbar“, hieß es zunächst bedauernd. Das allerdings wäre erstaunlich, da doch die ATA erst Ende September 2016 auf der „SOCCEREX“ in Manchester vertreten war, der größten Fachveranstaltung im internationalen Fußballgeschäft. Mit dieser Beteiligung wollte sich die Algarve als einer von 150 Ausstellern und gegenüber 3.000 Teilnehmern als Hauptregion („região privilegiada“) für die Nutzung von Sportstadien positionieren, wie es auf der ATA-Webseite heißt. Als wir nachhakten, bestätigte ATA, dass offenbar „die Nachfrage nach Trainingscamps gerade wächst“ und die Algarve-Hotelliers darauf mit dem „Angebot von mehr Infrastruktur und mehr Services“ reagierten.

Doch Nachbar Spanien, der allein neun deutsche Erstligisten erfolgreich zu Wintertrainingslagern ins sein Land locken konnte, scheint dabei derzeit erfolgreicher zu sein. Denn nach Algarve-Entdecker-Recherchen war Bundesliga-Überraschungself RB Leipzig leider der einzige deutsche Erstligist, der diesmal zur Rückrunden-Vorbereitung an die portugiesische Südküste kam – ins Cascade Wellness & Lifestyle Resort in Lagos. Trainer Ralph Hasenhüttl sparte nicht mit Lob: „Wir haben hier tolle Sportplätze und ein tolles Hotel, dass ein bisschen ruhiger, ein bisschen kleiner ist. Es ist uns sehr recht, dass es hier nicht so viel Trubel gibt. Ja, und dann ist da noch die schöne Steilküste und das Meer, wo man schnell abschalten kann. Das ist alles sehr angenehm.“

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RB-Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl fachsimpelt mit mitgereisten Fans. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Wenn zudem dann noch das Wetter so sensationell sei, könne es einem hier auch ohne Arbeit gut gefallen, witzelte der Coach. Ob er mit seinem jungen Team 2018 wiederkommen wolle? „Abwarten! Wenn wir die Rückründe gut spielen, spricht nichts dagegen“, sagte Hasenhüttl. Sein Stürmer Yussuf Poulsen räumte ein, dass der 28-köpfige Kader nicht viel von Land und Leuten gesehen habe, weil das Training so intensiv gewesen sei. „Aber wir waren wenigstens kurz mal auf dem Golfplatz“, schmunzelte der 22-jährige Däne.

„Schon beim Landen in Faro hatte ich das Gefühl, wieder in der Heimat anzukommen, wo jeden Tag die Sonne scheint“.

Ajax Amsterdam-Profi Heiko Westermann, der früher auch in Sevilla spielte, nach dem Testspiel gegen RB Leipzig

Nach Faro waren die Leipziger Rasenballprofis mit einer Linienmaschine von Berlin-Tegel aus geflogen, zurück ging es per Charterflug zum Airport Leipzig/Halle.

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Leipziger Fan-Schal hinterlassen: Lokal in Lagos. Foto: Karsten Schalla

33 mitgereiste Fans, von Leipzig aus über Düsseldorf an die Algarve gejettet, nutzten den hautnahen Kontakt, um ihre Mannschaft auf Schritt und Tritt zu beobachten.

Zwei Vereinsangestellte, Enrico Hommel und Benjamin Jank, betreuten die in einem Nachbarhotel untergebrachen Fans – im Hintergrund und „als Mutti für alles“, wie Hommel formulierte.

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RB Leipzig-Fan Christiane Schlecker. Foto: Hans-Joachim Allgaier

RB-Anhängerin Christiane Schlecker, die sich mit ihrem Mann die vom Verein organisierte Fanreise zu Weihnachten geschenkt hatte, fand die Algarve „super, traumhaft schön“. Die Leute erlebte sie alle als „sehr nett, sehr gastfreundlich“.

Als Dankeschön für den guten Service beim Abendessen im Restaurant Adega da Marina hinterließen die Leipziger Anhänger einen Fan-Schal. Er ergänzt jetzt die vielen anderen Fußball-Andenken dort im Lokal.

Oliver Hartmann vom Sportmagazin „Kicker“, sonst auch mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unterwegs, begleitete den sächsischen Klub und seine Fans ins Wintertrainingslager-Neuland der Algarve. „Wenn die Bedingungen überall so phantastisch sind wie hier, verstehe ich eigentlich nicht, weshalb nicht mehr Bundesligisten an die Algarve gekommen sind“, sagte der Reporter. Die Leipziger Fans hätten sich recht vergnügt gegeben und seien, wie auch zu Hause, „ein ganz angenehmes Völkchen“, stellte er fest.

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MDR-Hörfunkreporter Jan Günther. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Seine Kollegen Guido Schäfer von der Leipziger Volkszeitung und Jan Günther vom MDR stimmten zu. Es sei von der Vereinsspitze ausdrücklich so gewünscht, dass sich die Fans ordentlich benähmen – im eigenen Stadion und auch auswärts: „Da gibt es null Toleranz“, weiß Schäfer. In der Tat geht es sehr zivil, ja freundlich-familiär unter den Fans zu. Algarve-Liebhaberin Dorothee Schmidt, eine der ältesten Teilnehmerinnen der Reise, betonte: „Wir sind keine Herden-Truppe, sondern ganz individuell. Aber wenn’s drauf ankommt, halten wir zusammen“.

Sprach’s und stimmte in den Schlachtgesang ein „Auf geht’s Leipziger Jungs, schießt ein Tor für uns!“ Für die akustische „Choreographie“ bei den RB-Auftritten sorgt meist Chris vom Fanclub Sportfreunde Leipzig. Er war es auch, der neben dem Trainingsplatz in Lagos in fließendem Englisch portugiesischen Fernsehreportern Rede und Antwort stand.

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Chris vom Fanclub Sportfreunde Leipzig informierte das portugiesische Fernsehen über die Reise der Anhänger an die Algarve. Foto: Hans-Joachim Allgaier

50 Fans aus Schwaben…

 

Im selben Resort, ein paar Tage nach dem Abflug der Leipziger, startete Zweitligist VfB Stuttgart seine Vorarbeit für die zweite Saison-Hälfte und den angepeilten Wiederaufstieg. 45 Personen umfasste die Delegation, davon 22 Spieler. 1,5 Tonnen Ausrüstung hatte ein LKW aus der Schwaben-Metropole an die Algarve nach Lagos gebracht. „Wir sind von daheim nach Lissabon geflogen und von dort aus mit dem Bus nach Lagos gefahren. Das war gut zu organisieren“, berichtete Pressesprecher Tobias Herwerth.

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Aufstiegs-Vorbereitungen beim Zweitligisten VfB Stuttgart in Lagos: Foto: Cascade Resort

Trainer Hannes Wolf, früher schon als Urlauber an der Algarve gewesen, lobte die Infrastruktur ebenfalls in höchsten Tönen: „Platz, Hotel, Essen, Kraftraum, Wetter – alles perfekt“. Rund 50 Fans reisten mit, vor Ort betreut von einem Ansprechpartner des Vereins.

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Tuchfühlung beim Fanabend im Hotel. Foto: VfB Stuttgart

„Letztes Jahr waren wir auch mit, damals in Belek“, erzählte Frank Raith. Hier in Lagos sei zwar der Rasenplatz ebenso gut wie die in der Türkei, aber wer zugucken wolle, müsse „hinterm Zaun herumstehen“.

In Belek hingegen hätten die Fans auf einer Tribüne sitzend zuschauen und sich etwas zu essen und zu trinken kaufen kaufen können, lobt der Stuttgarter Anhänger.

…plus 50 Fans aus dem Ruhrgebiet…

 

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Duisburger Fans kiebitzen hinter dem Ballfangnetz. Foto: MSV/Linda Kleine-Nathland

Fußballverrückte Fans begleiteten auch den Drittligisten MSV Duisburg, der sein Winter-Hauptquartier ins Ria Park Hotel & Spa am Vale do Lobo bei Almancil verlegt hatte. Die Herberge unterbrach ausschließlich für die 27 Spieler und die Vereinsoffiziellen aus dem Ruhrgebiet ihre Winterpause. Ein Großteil der rund 50 mitgereisten Anhänger gehört zu den besonders treuen Algarve-Liebhabern, seit ihr Team Portugal als Wintertrainingslager wählte.

„2004 hat sich dann ein offiziell beim MSV registrierter Fan-Club Portugal gegründet“, berichtete dessen Präsidentin Ingrid Gerlach. Und Mitglied Detlef Schulte fügte hinzu: „Viele von uns sind so angetan von der Algarve, dass sie hier auch Urlaub machen“.

Rentner Hartmut Steuer, der bei jedem Trainingslager wie eine Klette an der Mannschaft klebt, war wichtig zu betonen, dass von den Fans kaum jemand mitgeflogen wäre, hätte sich der MSV wie im Vorjahr wieder für Belek entschieden. Vereinspräsident Ingo Wald machte einen „Preisvorteil von 60 bis 80 Prozent gegenüber der Algarve“ für die Türkei-Entscheidung im vergangenen Jahr verantwortlich.

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MSV-Präsident Ingo Wald (l.) und Sportdirektor Ivica Grlic in Lagos. Foto: Hans-Joachim Allgaier

„Die Fans waren aber immer todtraurig, wenn der MSV nicht an die Algarve geflogen ist“, gab der Klubchef zu. Er war mit anderen Offiziellen von Weeze aus eingeflogen, die Spieler von Eindhoven. „Die Flüge an die Algarve sind keinesfalls überteuert“, freute sich der auf den Euro schauende MSV-Präsident. Er regte Gegenseitigkeitsabkommen zwischen Algarve-Hotellerie und Sportvereinen an, die den Ausgleich von gewährten Rabatten durch Werbeleistungen der Teams regeln: „Die Hotels hier sollten verstärkt darauf schauen, welchen Mehrwert sie durch die Anwesenheit der Fußballklubs und ihrer Anhänger schaffen können“.

 

…und 40 Fans aus Lübeck

 

Den Euro vor dem Ausgeben ein paarmal herumdrehen muss auch Viertligist VfB Lübeck, den es nach sechsjähriger Wintertrainings-Pause diesmal ins Ausland zog – ins Alfamar Beach & Sport Resort von Olhos de Água bei Albufeira. Fast 50 Personen aus Vereinsführung und Mannschaft umfasste die Reisegruppe aus der Hansestadt. Dazu hatten sich noch fast 40 Fans gesellt.

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Bengalo gezündet: anfeuernde VfB Lübeck-Fans. Foto: Hans-Joachim Allgaier

„Die Entscheidung für die Algarve war allein schon wegen des Wetters richtig“, strahlte Sven Theißen, im Management verantwortlich für Marketing und Vertrieb. Die Bedingungen, vor allem auf den Rasenplätzen, seien optimal, der 23-köpfige Kader habe alles vorgefunden, was er benötige und sei vollkommen zufrieden, so Theißen. Angebote aus Spanien hätten vorgelegen, seien aber „noch ein wenig teurer gewesen als solche hier von der Algarve“. Allerdings sei das Vier-Sterne-Hotel, das vor zehn und mehr Jahren sogar Erstligisten als Gäste hatte, nicht mehr das Neuste, stellte der Marketingmann fest. Deshalb sollten solche Hotels jetzt die Chance nutzen, „ein wenig nachzuinvestieren“, regte Theißen in diplomatischen Worten an.

„Die Vielfalt hier ist extrem schön. Ich möchte im nächsten Jahr wiederkommen!“

VfB Lübeck-Marketingmanager Sven Theißen

Die Lübecker Fans jedenfalls, aus Hamburg per Direktflug nach Faro angereist, waren richtig „heiß auf Wintertrainingslager“ und feuerten ihre Elf entsprechend an. Betreuer Horst Jahnke: „Die Anhänger hat die Abwechslung, das Erlebnis gereizt. Deshalb sind sie in einer Zahl angereist, die für unsere Verhältnisse groß ist“. Mit Christian vom Fanprojekt habe er sich ein Auto gemietet und drei Tage lang Sehenswürdigkeiten besichtigt, so Jahnke: „Ich bin begeistert und überlege jetzt, hier privat auch mal Urlaub zu machen, denn die zerklüftete Küste ist wahnsinnig interessant und die Menschen hier sind nicht so aufdringlich wie manche andere“.

Algarve-Wintertrainingslager: Ergebnisse
der Testspiele deutscher Fußballklubs

 

Datum Ort Spiel Ergebnis
7. Januar Albufeira Ajax Amsterdam : RB Leipzig 5 : 1
11. Januar Lagos RB Leipzig : SC Farense 6 : 0
15. Januar Lagos VfB Stuttgart : MSV Duisburg 0 : 0
19. Januar Huelva VfB Stuttgart : FC Lausanne-Sport 1 : 0
19. Januar Guia MSV Duisburg : VfB Lübeck 3 : 0

Links zu weiteren Informationen über
Algarve-Wintertrainingslager:

 

Trainingslager-Tagebuch von RB Leipzig-Fan Katarina

Website des Fanclubs Sportfreunde Leipzig

RB Leipzig Trainingslager-Ticker

VfB Stuttgart-Berichte über Wintertraining

VfB Stuttgart-News über Trainingslager-Abschluss

MSV Duisburg-Webseite mit Algarve-Berichten

VfB Lübeck-News über Algarve-Testspiel

Überwintern an der Algarve: Wandernd auf wunderschönen Wegen

Die sonnige Algarve erwandern? Na klar, zum Beispiel an der Westküste ist das ein großartiger Genuss für Natur-Touristen – und dies nicht bloß im Winter, sondern sogar das ganze Jahr über. Unser Autor und seine Frau haben im Januar den Tourentipp Nr. 1 (Schwierigkeitsgrad: „leicht“) aus dem viel gelobten Algarve-Wanderführer von Claus-Günter Frank getestet. Lesen Sie selbst, was die beiden auf dem dreistündigen Rundweg der „Rota Vicentina“ nördlich von Aljezur erlebt habenzu einem Zeitpunkt, an dem Mitteleuropäer daheim bei Minusgraden und im Schnee bibbern.

Es sind perfekte 16 Grad Celsius bei wolkenlosem, stahlblauen Himmel, als wir von Süden kommend in die 3.400-Einwohner-Stadt Aljezur hineinfahren. „Der Wanderführer beschreibt, dass wir vom Campingplatz aus losgehen sollen“, erklärt mir meine beifahrende Gattin. Doch in der portugiesischen Patenstadt der unterfränkischen Gemeinde Kürnach (Landkreis Würzburg) weist kein einziges Straßenschild auf die Anlage für Camper hin. Stattdessen fallen uns unter den vielen portugiesischen Autokennzeichen auch einige deutsche, zum Beispiel aus Oberhausen, Kleve und dem Oberallgäu, auf.

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Ausgangspunkt: der schmucke Campingplatz hinter Aljezur. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Vorzügliche Wegweisung im Tourismusbüro

 

Unser Navi versteht die im Wanderführer angegebenen Koordinaten leider nicht. Oder wir den Eingabemodus nicht… Also erst einmal hinein ins Tourismusbüro von Aljezur. Die Papier-Landkarte, die uns die vorzügliches Englisch sprechende Mitarbeiterin überreicht, weist den richtigen Weg: Wir müssen noch zwei Kilometer Richtung Lissabon fahren und dann links abbiegen.

Am Ausgangspunkt schließlich angelangt, empfängt uns rund 110 Meter über dem Meeresspiegel ein spürbarer Wind, der mit Stärke 2 aus Nordost bis Nord bläst. Wir schützen wir uns jeweils mit einer Jacke, setzen die Sonnenbrillen auf und marschieren gegen 12 Uhr los. Der Parkplatz des Camping do Serrão (www.campingserrao.com) bleibt zurück und mit ihm neben unserem Potsdamer Auto ein Wagen aus Waldshut im südlichen Baden-Württemberg.

Links taucht als erstes ein schilfumstandener großer Teich auf. „In dem gibt es himbeerrote Krebse“, verrät uns jemand vom Campingplatz. Etwas kleiner als normal seien sie. Zu beiden Seiten des Weges öffnet sich eine karge, trockene und vor allem mit Macchia bewachsene Ebene. „Da läuten doch irgendwo Kuhglocken“, meint meine Frau und stellt die Ohren schräg. Ich höre nichts. Wir laufen stumm weiter.

Nichts für Gehbehinderte

 

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Vorbei an einem verfallenden Gehöft. Foto: Hans-Joachim Allgaier

An einer Gabelung rät meine Frau, den Blick ins das handliche Buch gesenkt, zum Linkshalten. Es geht hinab in eine Schlucht, der Weg wird weniger gangbar, wir passen auf, wohin wir treten. Bisweilen hat sich Wasser in ausgefahrenen Rinnen gesammelt und wir müssen, um die Schuhe nicht zu ruinieren, gewagt balancieren. Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer kämen hier erst recht nicht durch.

Plötzlich ein kurzes mopedähnliches Geräusch – aber nein, das war nur ein dicht an uns vorbeisummendes Insekt. Ansonsten ist nur ganz selten ein leises Zischen und Rauschen zu hören von den Transatlantik-Fliegern, die in gut zehn Kilometern Höhe über uns kurze weiße Kondensstreifen in Südwest- und Nordost-Richtung hinter sich her schleppen.

Die Landschaft verändert sich, wird grüner. Von Lackzistrosen und Mastixsträuchern schreibt der Wanderführer. Als halbgebildetes Stadtkind kann ich aber lediglich ein paar Eichen, hohe Eukalyptusbäume und Wacholder erkennen. Es taucht ein verfallenes großes Gehöft auf: Amoreira. Ein Schild verweist auf einen Hundetrainingsplatz. War da nicht tatsächlich kurz etwas Gebell zu hören? Das Gesicht meiner Frau zeigt, dass diesmal sie diejenige ist, die nichts vernommen hat.

Nicht nur nachts parkt hier kein Wohnmobil

 

An der Einmündung in die Zufahrtstraße zur Praia da Amoreira angekommen, bestaunen wir einen völlig leeren Parkplatz. Laut Beschilderung dürfen Wohnmobile hier nicht übernachten, aber auch tagsüber steht hier keins. Gänseblümchen in rauen Mengen säumen die asphaltierte Straße zum Strand. Hier, am Ende der Sackgasse, sind sie nun zu bestaunen, die zum Teil recht großen Wohnmobile.

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Bis 3. März geschlossen: das Paraiso do Mar am Strand von Amoreira. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Die Hälfte davon trägt ein gelbes niederländisches Kennzeichen. Aber auch rollende Kleinwohnungen aus Bremen, Nürnberg, Pinneberg und Bochum haben vom Parkplatz Besitz ergriffen. Vier Portugiesen mittleren Alters pellen sich aus ihren Surfer-Anzügen aus Neopren. Sie haben es offenbar über sich gebracht, mittags bei 16 Grad Wassertemperatur in die Fluten zu steigen.

Ein Paar kommt auf einem mit Tarnfarbe bemalten Quad aus dem brandenburgischen Kreis Barnim angerauscht, dreht aber nach kurzem Verweilen wieder ab. Zwei Briten rufen ihrem hundeähnlichen Riesen-Wollknäuel zu: „Go running!“ Das lässt sich das Tier nicht zweimal sagen und rennt vor Freude hüpfend auf die einzige Touristin auf dem Strand zu. Die reagiert kurz und kühl, wendet sich dann wieder dem bizarren Fels-Ensemble in der Strandmitte zu, das so aussieht wie eine überdimensionale Träufelburg.

Geschlossenes Paradies

 

Weil das Restaurant „Paraiso do Mar“ nach Angaben eines Plakats an der Eingangstür bis 3.März geschlossen hat, müssen wir ein paar mitgebrachte Mandeln kauen, die wir mit Wasser aus der eigenen Trinkflasche herunterspülen. So gestärkt, trauen wir uns auf den 1,6 Kilometer langen Klippenweg, der hinter dem Strandparkplatz ziemlich steil ansteigt, oben aber einen berauschenden Weitblick auf den Atlantik sowie die Fels- und Dünenlandschaft bietet.

„Der Sandweg geht aber ganz schön in die Beine“, stellt meine Frau fest. In der Tat: Mal ist der Sand tief, mal fest, mal geht es über Geröll, mal über Fels. Ganz schön unterschiedlich; so vielfältig wie der gesamte Rundweg. In regelmäßigen Abständen informieren uns insgesamt acht Tafeln sehr anschaulich über die große Biodiversität in dieser Südwestecke Portugals und Kontinentaleuropas.

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Großartiger Fernblick. Foto: Marion Allgaier

So lernen wir, dass in den Dünen hier die Heimat der „Burnet Moth“ ist, eines schwarzen Insekts mit sechs roten Punkten auf den Flügeln. Allerdings soll sie am besten im April zu sehen sein. Überhaupt seien Schmetterlinge und Motten an der Algarve-Küste gut vertreten, erfahren wir, zusammen mit einigen Libellen und Heuschrecken und unzähligen Käfern.

Spinnen und Skorpione gehörten zu den anderen reichlich vorhandenen wirbellosen Tieren im südlichen Portugal, berichten die Tafeln. Sie verweisen Interessierte auf www.tagis.pt und www.flora-on.pt, um dort mehr Informationen über Flora und Fauna von Algarve und Alentejo zu erhalten.

 

Leuchtendrot und knatschblau

 

Müde vom Staken durch den Sand, ersparen wir uns den Abstieg zum zweiten Strand an diesem Rundweg, dem Praia da Carriagem. Stattdessen biegen wir rechtwinklig ins Landesinnere ab. Es geht durch einen im Wind rauschenden Pinienwald, der an einigen Stellen so dicht ist, dass kaum Licht durchdringt. Wir kommen zunächst an einem leuchtendroten Ziegelschuppen vorbei, kurz danach an einer verfallenden, knatschblauen Hausruine, in deren Innerem große Bäume gewachsen sind.

„Hab‘ ich doch richtig gehört!“, ruft meine Frau, als sie in der Ferne rund 20 Stück braunes Vieh entdeckt, das dort grast und seinen Standort durch Kuhglocken-Geläut verrät. Natürlich, jetzt sehe und höre ich es auch. Ein paar Minuten später, wir passieren gerade ein schmuckes, gepflegtes Wohnhaus mit Algarve-typischem Anstrich, gesellt sich eine ältere Österreicherin zu uns, begleitet von ihrer Schäferhündin Bella.

Sie überwintere seit Jahren hier an der Algarve und liebe die Freundlichkeit der Portugiesen und die Ruhe hier, berichtet die Witwe aus der Nähe von Wien. Und mag sich nicht vorstellen, wie laut es hier auf dem Campingplatz wird, wenn im Sommer 3.000 Gäste im Schatten der hohen Eukalyptusbäume ihre Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile aufstellen. Im März komme ihre Enkelin an die Algarve. Dann wollten sie zusammen ihren Wohnwagen über Spanien, Frankreich und die Schweiz wieder zurück nach Österreich bringen, freut sich die Dame, als wir uns am Ende des Rundwegs von ihr verabschieden.

Drei Stunden Naturerlebnis pur

 

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Prädikat empfehlenswert: Tourentipp Nr.1 im handlichen und gut illustrierten Algarve-Wanderführer von Claus-Günter Frank. Foto: Hans-Joachim Allgaier

2,20 Stunden gibt der Wanderführer als Laufzeit für die gut neun Kilometer lange Strecke an, drei Stunden sind es bei uns geworden. Wir haben uns aber Zeit fürs Genießen der Natur und der Ruhe genommen. Und das war gut so. Denn außer der Österreicherin sind wir unterwegs praktisch keiner anderen Menschenseele begegnet – wenn man mal von der handvoll Leute am Strandparkplatz absieht. Die Tour an der Südwestküste Portugals bekommt von uns das Prädikat „Empfehlenswert“!

Weitere nützliche Links:

Deutsche Website des Fernwanderwegs Rota Vicentina

Website der Stadt Aljezur

Verlags-Website zum Algarve-Wanderführer

Facebook-Seite Estacaoes da Bioversidade

 

Algarve-Strand: 90 Tonnen erstarrtes Pflanzenöl östlich von Faro beseitigt

90 Tonnen eines öligen Pflanzenstoffes, der als wassergefährdend gilt, sind vom 5. bis 10. Januar an der Algarve-Küste im Raum zwischen Faro und Olhão eingesammelt worden. Wie Portugals nationale Meeresbehörde (AMN) berichtet, handelt es sich offenbar um Palmöl in fester Form. An der Säuberungsaktion beteiligten sich insgesamt 500 Personen.

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Erste Proben wurden bereits ab 3. Januar analysiert. Foto: AMN

An dem rund 20 Kilometer langen Strandabschnitt bei Ilha da Armona, Calutra und Deserta waren die Verunreinigungen nach Angaben der AMN bereits am 3. Januar entdeckt worden. Zwei Tage später begannen Umwelt-Experten mehrerer Behörden, Zivilschutzeinrichtungen, Verbände, der Feuerwehr und der Marine mit der Reinigungsaktion.

Die Säuberung bekam den Titel „Sauberes Meer“. Auch viele Freiwillige stellten sich laut AMN spontan zur Verfügung.

In 3.000 Säcken abtransportiert

Zum Schluss zählten die Verantwortlichen 3.000 Säcke, in denen die Pflanzenölbrocken abtransportiert wurden. Gefährdungsstufe 2, die am 3. Januar vorsichtshalber ausgerufen worden war, konnte beendet werden. Unmittelbar nach Entdeckung der Verunreinigung waren Proben der gefundenen Substanz zur Analyse an die portugiesische Umweltagentur APA gesandt worden. Diese bestätigte am späten Nachmittag des 6. Januar, dass es sich bei dem Schadstoff um ein Pflanzenöl handelte, höchstwahrscheinlich Palmöl.

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90 Tonnen des pflanzlichen Öls wurden von 500 Helfern in 3.000 Säcke gepackt. Foto: AMN

Es gehört zur Kategorie solcher flüssigen Stoffe, die den Bedingungen des Internationalen Übereinkommens zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe unterliegen. Einen konkreten Verdacht über die Herkunft des Schadstoffes äußerte die portugiesische Meeresbehörde jedoch nicht.

Möglicherweise Schiffs-Ladung oder -Treibstoff?

Schifffahrtsexperten weisen allerdings darauf hin, dass Reedereien, die wirtschaftlich oft sehr unter Druck stehen, Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz und Senkung der Abgase suchen. Zwar gilt verflüssigtes, tief gekühltes Erdgas (LNG) als Brennstoff der Zukunft, aber unabhängig davon nimmt bei den Brennstoffen die Vielfalt weiter zu. Einige speziell dafür ausgelegte Motoren fahren etwa auch mit Biobrennstoffen wie Palmöl.

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Der betroffene Strandabschnitt der Sandalgarve ist wieder rein. Foto AMN

Es gibt aber auch Tankschiffe, die Palmöl transportieren – ein Stoff, der zu Speisefett (Margarine), Seife, Kerzen sowie in der Kosmetik und für pharmazeutische Zwecke verarbeitet wird. Palmöl ist auch ein wichtiger Rohstoff in der Fettchemie (Oleochemie).

Seine Farbe ist dunkelgelb bis gelbrot. Es wird durch das Auspressen bzw. Auskochen des Fruchtfleisches der Ölpalme erzeugt. Palmkernöl wird hingegen aus den Steinkernen der Ölpalme gewonnen.

Herkunft meist aus Afrika und Asien

Wichtigste Herkunftsregionen flüssigen Palmöls sind West- und Ostafrika sowie die asiatischen Länder Indien, Indonesien und Malysia. Eine entscheidende Rolle beim Transport von Palmöl spielt seine Erstarrungstemperatur. Der Erstarrungsbereich liegt zwischen 41 und 31 Grad Celsius. In gemäßigten Breiten kann Palmöl deshalb schnell fettartig werden, so dass es beheizt werden muss. Bei unsachgemäßer Erwärmung besteht zum Beispiel die Gefahr des Ranzigwerdens.

Algarve will dreimal mehr Kreuzfahrt-Touristen

Der einzige Kreuzfahrt-Hafen der Algarve, Portimão, will bis 2030 die Zahl der Schiffspassagiere mehr als verdreifachen. Dafür soll die gemeinsame Hafenverwaltung mit Sines wieder entflochten und bis 2020 ein Betrag von rund 30 Millionen Euro in die Verbesserung der Infrastruktur fließen – hauptsächlich in Portimão, aber auch in Faro. Das gab Ministerin Ana Paula Vitorino bekannt. In der Vergangenheit zugesagte Investitionen in Höhe von rund 10 Millionen Euro zur Verbesserung der Hafen-Infrastruktur in Portimão waren mehr als drei Jahre lang ausgeblieben.

Wenn die Arade-Flussmündung und das Hafenbecken nun tatsächlich ausgebaggert sowie die Pier und das Terminal ausgebaut werden, sollen im bedeutendsten Algarve-Hafen moderne Kreuzfahrtschiffe von bis zu 272 Metern Länge anlegen können. Es wird in einer ersten Stufe mit bis zu 140 Ankünften pro Jahr und einem Passagiervolumen von mehr als 165.000 Personen gerechnet. Zum Ende des Jahres 2016 hatten rund 60 Kreuzfahrtschiffe den Hafen an der Südküste Portugals angelaufen.

Infrastrukturausbau in Portimão soll 2019 starten

 

In den nächsten beiden Jahren soll der Ausbau durch „Studien und Projekte“ vorbereitet werden. Die Bauarbeiten selbst sind für 2019 und 2020 vorgesehen. Außer für Kreuzfahrtschiffe soll sich Portimão auch für mehr Warenumschlag rüsten und so seine Eignung als Handelshafen der Algarve ausbauen.

Hafen von Portimao

Muss der wachsenden Nachfrage angepasst werden: das winzige Kreuzfahrt-Terminal in Portimao. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Verbunden mit der Ausbau-Ankündigung teilte die Ministerin mit, dass die neue Regionalverwaltung „Portos do Algarve“ genannt werden und auch die Verantwortung strategische Planung und Investitionen übertragen bekommen soll. An der Vorbereitung und Steuerung der neuen Einheit sollen alle 16 Stadtverwaltungen der Algarve, der Fischereihafenverband Docapesca und die bisherige Behörde mitwirken, so die Ministerin. Die beiden Algarve-Häfen beschäftigen insgesamt rund 30 Mitarbeiter, machten bislang aber nur einen verschwindend geringen Umsatzanteil von 0,5 Prozent des gemeinsamen Volumens mit Sines aus.

Kürzlich war bekannt geworden, dass der einzige verbliebene Frachtkunde des Hafens von Faro, eine Zementfabrik aus Loulé, keine Produkte mehr auf dem Seeweg nach Nordafrika transportiert, weil dort die Nachfrage eingebrochen ist. Jetzt wird darüber diskutiert, ob Faros überholungsbedürftiger Hafen mit Schiffsreparaturen und – unterbringung oder im Bereich der Freizeit-Schiffahrt eine wirtschaftliche Zukunft haben könnte.

Fahrrinne und Hafenbecken müssen für größere Kreuzfahrer tiefer werden

 

In Portimao sollen allein 20 Millionen Euro verwandt werden, um z.B. die Fahrrinne für Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 10 Metern auszubaggern und das Hafenbecken für die Wendemanöver der Kreuzfahrer von 485 auf 500 Meter zu verbreitern. Der Zugangskanal soll von 230 auf 250 Meter Breite wachsen. Zudem sollen die zwei Kais auf 180 bzw. 330 Meter verlängert werden.

Kreuzfahrtschiff vor Portimao

Vor dem Algarve-Hafen abgedreht: die Sevens Seas Explorer. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Am letzten August-Freitag des Jahres 2016 hatte der Kapitän des 224 Meter langen neuen Luxus-Kreuzfahrtschiffs „Seven Seas Explorer“ (Tiefgang laut Planangaben: 7,10 Meter) sich kurzfristig dafür entschieden, den Algarve-Hafen an der Mündung des Arade-Flusses  nicht wie geplant erstmals anzulaufen.

Wie damals mehrere Medien berichteten, stützte er seine Entscheidung unter anderem auch auf Zweifel an der Bereitschaft der Hafen-Logistik von Portimão. Laut damaliger Aussage von Hafenchef João Franco haben aber Schiffe ähnlichen Ausmaßes wie die Seven Seas Explorer auch dann schon problemlos in Portimão festgemacht, wenn sie acht oder neun Zentimeter weniger als den maximal zugelassenen Tiefgang von 8,50 Metern gehabt hätten.

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Für die kleinen „Pötte“ reichen die Kais, für die großen müssen sie verlängert werden. Foto: Hans-Joachim Allgaier

61 große Kreuzfahrtschiffe besuchen 2017 die Algarve

 

2017 könnte nach Angaben von Kreuzfahrt-Blogger Antonio Silva ein neuer Meilenstein für den Kreuzfahrttourismus im Algarve-Hafen Portimão werden, denn bislang wurden 61 geplante Schiffsankünfte gemeldet. Zahlen der griechischen Louis Cruise Line könnten eventuell noch hinzukommen, hatte es im Herbst geheißen. Zudem wolle Variety Cruises, ein Anbieter von so genannten Boutique-Kreuzfahrten, mit seinen luxoriösen „Yath Cruisers“ und jeweils gut 40 Passagieren an Bord mehr als ein Dutzend Mal die Algarve anlaufen.

Eine zunächst für den 11. Januar geplante Ankunft der MINERVA steht nun doch nicht mehr auf dem Fahrplan des Algarve-Hafens. Große Schiffsgäste werden daher erst ab März 2017 in Portimão begrüßt. Dazu gehört zum Beispiel die Antrittsbesucherin SILVER MUSE von Silversea (29. August), außerdem die SEABOURN ENCORE von Seabourn (10. August, 9. September), die Midnatsol des norwegischen Betreibers Hurtigruten (20. April) und die AEGEAN ODYSSEY der Reederei Voyages to Antiquity (30. April). Die ARCADIA der britischen Gesellschaft P & O wird am 9. August das größte aller Schiffe sein, die 2017 an die Algarve kommen.

Das P&O-Schwesterschiff ADONIA, das zuletzt unter dem Namen FATHOM und bereedert von Carnival Cruises in der Karibik unterwegs war, wird dreimal an der Algarve zu Gast sein: am 8. und 28. August sowie am 20. September. Mit je vier Besuchen noch häufiger vertreten sein werden die STAR PRIDE und die SILVER SPIRIT. Die THOMSON CELEBRATION wird fünfmal kommen. An der Spitze liegt jedoch die CORINTHIAN mit allein acht Algarve-Visiten im Jahr 2017. Besondere Aufmerksamkeit dürfte aber das ZDF-„Traumschiff“ bekommen, die AMADEA. Sie ist am 13. Oktober zu Gast an der Algarve.

Geplante Ankünfte von Kreuzfahrtschiffen in Portimão 2017

(Stand: Januar 2017)

 

März

24.: CORINTHIAN

April

12.: THOMSON CELEBRATION

13.: CORINTHIAN

14.: SILVER SPIRIT

15.: PACIFIC PRINCESS, CORINTHIAN

18.: SEABOURN QUEST

20.: MIDNATSOL

22.: STAR PRIDE

24.: STAR LEGEND, THOMSON MAJESTY

25.: ROYAL CLIPPER

26.: BOUDICCA

27.: THOMSON CELEBRATION

28.: SEADREAM I

30.: AEGEAN ODYSSEY

Mai

05.: CORINTHIAN

09.: STAR BREEZE, THOMSON CELEBRATION

24.: ALBATROS, SILVER WIND

28.: SILVER CLOUD

Juni

03.: STAR PRIDE

13.: SILVER SPIRIT

15.: STAR LEGEND

Juli

07.: ISLAND SKY

08.: SILVER SPIRIT

09.: STAR BREEZE

11.: STAR BREEZE

August

08.: ADONIA

09.: ARCADIA (größtes Schiff 2017 in Portimão)

10.: SEABOURN ENCORE

26.: STAR LEGEND

28.: ADONIA

29.: SILVER MUSE (Antrittsbesuch)

September

09.: SEABOURN ENCORE, HEBRIDIAN SKY

11.: STAR PRIDE

20.: ADONIA

22.: ISLAND SKY

24.: CORINTHIAN, SILVER WIND

Oktober

09.: CRYSTAL SHIMPHONY

11.: THOMSON CELEBRATION

13.: AMADEA (bekannt als ZDF-„Traumschiff“)

14.: CORINTHIAN

15.: BRAEMAR

16.: Le LYRIAL, CORINTHIAN

17.: SEABOURN ODYSSEY

18.: CLUB MED 2

22.: SEADREAM II

25.: THOMSON CELEBRATION

27.: SILVER SPIRIT

November

03.: STAR BREEZE

05.: CORINTHIAN

08.: STAR PRIDE

09.: STAR LEGEND

14.: BRAEMAR

17.: BLACK WATCH

Dezember

02.: SAGA PEARL II

 

Hafen von Portimão – eine Nachtfahrt von Lissabon entfernt

 

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Eines der seltenen Zusammentreffen von zwei Kreuzfahrtschiffen in Portimão. Fot0: Hans-Joachim Allgaier

Der Hafen von Portimão, einziges Algarve-Ziel für Kreuzfahrtschiffe, liegt strategisch günstig zwischen den Atlantik- und den Mittelmeer-Routen. Schiffe können ihn von der portugiesischen Hauptstadt Lissabon aus zum Beispiel in einer Nachtfahrt erreichen. Die Vorteile des Portimão Cruise Terminal liegen in der Nähe zum Stadtzentrum, zu einigen der schönsten Strände der Südküste und im schnellen Zugang zu Hotels, Restaurants und Freizeiteinrichtungen, etwa am Praia da Rocha. Auch das nahe gelegene Monchique-Gebirge, einer der Naturschätze von Portugal, macht die Hafenstadt so besonders.

Das Terminal bietet Schiffen und Passagieren verschiedene Services, zum Beispiel Check-in und Zollkontrolle, Bar, Terrasse, Geschäfte, Informationsschalter für Ausflüge, Bargeldautomat, Minibus zum Stadtzentrum und Tour-Transporte. Im Fall von technischen Problemen können Kreuzfahrt-Gesellschaften auch Schiffreparaturen vor Ort durchführen lassen.

2017: Gleich viele Michelin-Sterne für Algarve, aber mehr für Portugal

Auch für 2017 hat der Guide Michelin den Algarve-Restaurants „Ozean“ von Hans Neuner in Armação de Pêra und „Vila Joya“ von Dieter Koschina in Albufeira ihre herausragende Qualität mit zwei Sternen bescheinigt. Ihren einen Michelin-Stern für 2017 behalten durften die ausgezeichneten Algarve-Restaurants Henrique Leis und São Gabriel (beide in Almancil), Willie (Vilamoura) sowie Bon Bon (Carvoeiro).

Ganz Portugal hat somit 21 vom Guide Michelin ausgezeichnete Restaurants und kommt auf insgesamt 26 Sterne. Im Vorjahr waren es noch 14 Restaurants und 17 Sterne gewesen. Zwei Zwei-Sterne-Restaurants – in Vila Nova de Gaia bei Portu und in Funchal auf der Insel Madeira – kamen bei der diesjährigen Kür ebenso hinzu wie sieben Ein-Sterne-Küchen.

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Foto: Turismo de Portugal

Hier die vollständige Liste der portugiesischen Michelin Sterne für 2017:

**

  • Belcanto (Lisboa), José Avillez
  • Ozean (Armação de Pêra), Hans Neuner
  • Vila Joya (Albufeira), Dieter Koschina
  • Il Gallo d’Oro (Funchal, Madeira) – Benoit Sinthon (neu)
  • Der Yeatman (Vila Nova de Gaia), Ricardo Costa (neu)

*

  • Casa da Calçada (Amarante), Vítor Matos – André Silva
  • Elf (Lisboa), Joachim Koerper
  • Feitoria (Lisboa), João Rodrigues
  • Fortaleza do Guincho (Cascais), Miguel Vieira
  • Henrique Leis (Almancil), Henrique Leis
  • Pedro Lemos (Porto), Pedro Lemos
  • São Gabriel (Almancil), Leonel Pereira
  • Willie (Vilamoura), Willie Wurger
  • Bon Bon (Carvoeiro) / Rui Silvestre
  • Alma (Lisboa), Henrique Sá Pessoa (neu)
  • Antiqvvm (Porto), Vitor Matos (neu)
  • Casa de Chá da Boa (Leça da Palmeira), Rui Paula (Neu)
  • LAB (Penha Longa, Sintra), Sergi Arola (neu)
  • Loco (Lisboa), Alexandre Silva (neu)
  • William (Funchal, Madeira), Luís Pestana (neu)
  • L’And Vineyards (Montemor-o-Novo, Alentejo), Miguel Laffan (wiedererlangter Stern)

Die beiden Zwei-Sterne-Restaurants der Algarve im Schnellüberblick

 

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Dieter Koschina gibt schon seit 25 Jahren im „Vila Joya“ die Geschmacksnote an. Foto: Vila Joya

Das erneut mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant „Vila Joya“ in Albufeira zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass hier lokale Produkte mit nordeuropäischen Techniken gekocht und präsentiert werden. Beispiele: Perlhuhn mit schwarzem Trüffel und Artischocken gefüllt, geröstete Gänseleber auf Brokkoli-Püree mit geräuchertem Aal serviert.

Der landesübliche Bacalhau wird vom österreichischen Küchenchef Dieter Koschina mit roter Beete und Joghurt kombiniert. Seit 2014 liegt das Vila Joya auf Platz 22 der 50 besten Restaurants der Welt. Zwei Michelin-Sterne hat es seit 15 Jahren.

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Beachtliche Leistung: Hans Neuner im „Ozean“. Foto: Ozean

Ebenfalls einen österreichischen Küchenchef hat das Zwei-Sterne-Restaurant „Ozean“ im Vila Vita Park Resort & Spa von Porches bei Armacão de Pera: Hans Neuner – 2009 und 2012 als Portugals „Chef of the Year“ ausgezeichnet – und sein Team dürfen sich seit 2009 mit einem und seit 2011 mit zwei Michelin-Sternen schmücken.

„In unserer Küche dreht sich alles in erster Linie um das Produkt. Es bringt uns auf Gedanken und stimuliert unsere Kreativität“, heißt es auf der Website. Jedes Produkt werde mit Hochachtung vor der Integrität seines eigenen Aromas und Geschmacks behandelt.

Algarve: Wetter-Bilanz 2016 zeigt heißesten Sommer – in ganz Portugal

Mit einer hervorragenden Wetter-Bilanz kann die Redaktion von http://www.algarve-entdecker.com das Jahr 2016 verabschieden: In ganz Portugal gab es in den vergangenen zwölf Monaten im Allgemeinen deutlich erhöhte Durchschnitts-Temperaturen auf dem Festland. Das berichtet IPMA, das portugiesische Institut für Meer und Atmosphäre. Danach ragten besonders der Monat Januar und die Zeit von Juni bis Oktober mit einem Temperaturunterschied von mehr als plus einem Grad Celsius gegenüber dem Normalwert heraus. Der März hingegen tat sich mit um eineinhalb Grad kühleren Temperaturen hervor. Die meisten übrigen Monate bewegten sich im Bereich des Normalen.

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So wichen 2016 die Temperaturen in Portugal von den langjährigen Mittelwerten ab. Quelle: IPMA

Auf das ganze Jahr bezogen lag die Durchschnittstemperatur auf dem portugiesischen Festland um 0,6 Grad Celsius über dem Normalwert. Die Niederschlagsmenge betrug 2016 laut IPMA 110 Prozent des üblichen Jahreswerts. Nur in vier von zehn Jahren werden innerhalb eines Jahres noch mehr Regenfälle verzeichnet.

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Seltenes Bild: Regenwolken über der Algarve. Foto: Hans-Joachim Allgaier

Wie das Lissaboner Institut errechnete, gab es seit 1931 nur drei Jahre, in denen es in Portugal noch wärmer war: 1997 (+1,38 ° C über Normal), 2015 (+1.35 ° C) und 2011 (+1,1 ° C). Seit 1931 sei es der heißeste Sommer in Portugal gewesen, so IPMA.

Nach Aussagen der portugiesischen Meteorologen war auch der Dezember 2016 mit +0,6 ° C wärmer als der letzte Monat des Jahres im Durchschnitt seit 1931. Gleichzeitig war der Dezember sehr trocken.

Wärmstes Jahr in der Welt und viertwärmstes in Europa

 

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Auch Surfer freuen sich über das warme Algarveklima. Foto: Hans-Jochim Allgaier

Das Institut verweist in seiner vorläufigen Jahresbilanz für 2016 auf Analysen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Danach war es in ganz Europa wahrscheinlich das viertwärmste Jahr – mit noch höheren Werten als z.B. in den Rekordjahren 2014 und 2015. Im weltweiten Vergleich werde 2016 wahrscheinlich das wärmste Jahr von allen sein, mit noch einmal 1,2 ° C höherer Durchschnittstemperatur als im Rekordjahr 2015. Das führt die WMO vor allem auf einen starken El Niño-Effekt und von Menschen gemachte Ursachen zurück.

Mit El Niño wird das nicht zyklische Auftreten ungewöhnlicher, veränderter Strömungen im Wasser- und Meteorologie-System des Pazifiks in Höhe des Äquators bezeichnet. Den Namen haben peruanische Fischer dem Effekt gegeben, wegen dessen z.B. auch Fischschwärme ausbleiben.